Audi A6/BMW 5er/Mercedes E-Klasse: Test

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Audi A6/BMW 5er/Mercedes E-Klasse: Vergleich

— 04.11.2011

Die deutschen Wunder-Diesel

Drei Spaßkanonen mit Spatzendurst: Audi A6 2.0 TDI, BMW 520d Efficient Dynamics Edition und Mercedes E 220 CDI versprechen das Blaue vom Himmel. Welche Limousine löst den Zielkonflikt am besten?

5,0 Liter, 4,9 Liter, 4,5 Liter – wer bietet weniger? Nein, wir reden hier nicht über leichte Kleinstwagen mit Zwei- und Dreizylindermotoren, sondern über repräsentative Oberklassemodelle mit Verwöhnprogramm in der 180-PS-Liga. Zwischen Audi, BMW und Mercedes tobt ein spannender Dreikampf um die Krone der sparsamsten Vollformat-Limousine der Welt. Begonnen hatte den begrüßenswerten Wettlauf Mercedes mit seinem sogenannten Wunderdiesel schon Anfang 2009. Der E 220 CDI glänzte mit einem Normverbrauch von nur 5,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Kurz darauf folgte BMW und reklamierte 4,9 Liter für den 520d. Darum hat wohl auch Audi den kürzlich eingeführten A6 2.0 TDI unter die magische Fünf-Liter-Marke gedrückt. Klar, da musste Mercedes nachziehen. Der E 220 CDI wurde von Daimler inzwischen auf 5,0 Liter nach unten korrigiert.

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Neue Sparansage: Laut BMW soll der 520d Efficient Dynamics mit 4,5 Litern auskommen.

In den bisherigen Vergleichen konnte sich stets der 520d an die Spitze setzen. Trotzdem ruht sich BMW nicht auf den Lorbeeren aus, sondern läutet eine neue Rekordrunde ein: Für 550 Euro extra gibt es ab sofort den 520d Efficient Dynamics Edition. Durch optimierte Motorsteuerung, frühere Hochschaltempfehlungen, spezielle Aeroräder und vor allem die längere Hinterachsübersetzung (1:3,077 statt 1:3,385) soll der Normverbrauch des 1,7 Tonnen schweren Viertürers auf 4,5 Liter sinken. Das entspricht 119 Gramm CO2 pro Kilometer, und so fährt der auf Effizienz getrimmte 520d bei der Steuer zum Sockelbetrag von 190 Euro pro Jahr. Für A6 und E 220 CDI dagegen wird eine Strafsteuer fällig, da sie über 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Doch was sind die Papierwerte wirklich wert? Halten die drei Limousinen in der Praxis ihre Verbrauchsversprechen? AUTO BILD hat es überprüft, und das nicht nur auf der normalen Verbrauchsrunde, sondern zusätzlich auf einer speziellen Sparfahrt. Rausgekommen ist wahrlich Beachtliches. Alle drei sind Wunderdiesel und Verbrauchskünstler.

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Teurer Stuttgarter: Die nicht mehr ganz taufrische E-Klasse kostet am meisten.

BMW hat nicht (viel) zu viel versprochen: 5,6 Liter schluckte der 520d bei Normalfahrt mit Vollgasanteil auf der Autobahn. Und bei bewusst sparsamer Fahrweise nur 4,8 Liter. Damit liegt er sehr nah an seinem Laborwert. Umgerechnet sind das rund 6,72 Euro reine Spritkosten pro 100 Kilometer beim aktuellen Dieselpreis. Sowohl Audi als auch Mercedes müssen sich dem Sparakrobaten aus München geschlagen geben. Beide verheizen mehr Diesel und verfehlen ihre Werksangaben stärker als der BMW. Trotzdem: Sparsamer als unsere Testkandidaten ist sonst kein schweres Prestigemodell. Billig sind die drei Business-Bomber aber nicht. Die gut ausgestatteten Testwagen kosten jeweils weit über 40.000 Euro. Am günstigsten ist der Einstieg in die Oberklasse noch beim BMW, der hier für 42.250 Euro vorfährt. Weil der Münchener auch bei Wiederverkauf und Wartung vorn liegt, sichert er sich ganz locker das Kostenkapitel. Mercedes-Käufer zahlen traditionell einen kräftigen Aufschlag. Dafür erhalten sie zwar ein großes, repräsentatives Auto, müssen aber mit Komfortschwächen leben.

Bei der Qualität und den Alltagstugenden wie Platzangebot, Kofferraumvolumen sowie Zuladung herrscht quasi Gleichstand. Nur beim Trailerbetrieb hat der frontangetriebene Audi (Anhängelast 1600 Kilo) Nachteile gegenüber den beiden Hecktrieblern (2000/1900 Kilo). In konstruktiven Details zeigt der BMW die meiste Raffinesse. So öffnet der mit Komfortzugang (790 Euro) ausgerüstete Testwagen durch einen gezielten Tritt unters Heck den Kofferraum ohne jede Berührung – sehr praktisch, wenn der mit Tüten überladene Fahrer aus dem Supermarkt kommt. Außerdem nimmt die Sprachsteuerung im 520d Zielbefehle inklusive Hausnummer in einem Rutsch entgegen und arbeitet schneller als die im Audi oder Mercedes – es sind diese kleinen Nuancen, die den BMW technisch heller strahlen lassen als seine beiden Konkurrenten. Auch ein automatisiertes Notrufsystem ist bei Audi und Mercedes nicht vorhanden. Trotzdem sollte BMW bei der Sicherheitsausstattung (das System "Active Protection" kostet 310 Euro extra, kein Knieairbag) nachlegen. Wichtiger Mercedes -Vorteil: Die E-Klasse hat mit 11,30 Metern den kleinsten Wendekreis.

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Wenig überzeugend: Die Luftfederung des A6 für 1950 Euro kann man sich auch sparen.

Beim Abrollkomfort spricht alles für den 520d. Der mit aktiven Dämpfern bestückte Testwagen (1300 Euro) bietet ein breites Spektrum zwischen verschärftem Dynamikprogramm (Sport+) und souveränem Gleitergefühl (Comfort+). Dazu kommt der serienmäßige Eco-Pro-Modus, in dem sich die Sparfüchse austoben. Durch behutsame Fahrweise sammelt der BMWPilot künstliche Bonuskilometer. Blaue Ziffern im Display zeigen, wie sich die Reichweite gegenüber dem Normal-Modus verlängert – eine nette Spielerei mit Erziehungseffekt. Zur lahmen Ente wird der Spar-520d dadurch zum Glück nicht. Wegen seiner längeren Übersetzung steigt seine Spitzengeschwindigkeit gegenüber dem normalen 520d sogar um vier km/h auf Tempo 231. Die Kehrseite: Beim Durchzug – speziell im ewig langen sechsten Gang – muss sich der BMW dem A6 und der E-Klasse geschlagen geben. Der Audi tritt als Einziger mit Luftfederung (1950 Euro) zum Vergleich an, kann damit aber nicht überzeugen. Er wirkt zwar spritzig und handlicher als 520d und E-Klasse, Absätze und kleine Unebenheiten in der Straße kommen aber zu ungefiltert in den Innenraum durch.

Weitere Details zu den drei sparsamen Oberklasse-Limousinen mit Diesel gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt's als Download im Heftarchiv.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Verbräuche im Vergleich
Modell ECE-Verbrauch Normalfahrt Sparfahrt Abweichung ECE/Normalfahrt
Audi A6 2.0 TDI 4,9 Liter 6,6 Liter 5,2 Liter +1,7 Liter/+35 %
BMW 520d 4,5 Liter 5,6 Liter 4,8 Liter +1,1 Liter/+24 %
Mercedes 220 CDI 5,0 Liter 6,2 Liter 5,1 Liter +1,2 Liter/+24 %
Fahrzeugdaten Audi BMW Mercedes
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Biturbo, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Kette
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³ 2143 cm³
kW (PS) bei 1/min 130 (177)/4200 135 (184)/4000 125 (170)/3000
Nm bei 1/min 380/1750 380/1750 400/1400
Vmax 228 km/h 231 km/h 228 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/55 R 17 Y 225/55 R 17 Y 245/45 R 17 W
Radgröße 8 x 17" 8 x 17" 8 x 17"
Abgas CO2 129 g/km 119 g/km 130 g/km
Verbrauch* 6,0/4,4/4,9 l 5,6/3,9/4,5 l 6,2/4,2/5,0 l
Tankinhalt 65 l/Diesel 70 l/Diesel 59 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 70 dB (A) 72 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1600/750 kg 2000/750 kg 1900/750 kg
Kofferraumvolumen 530 l 520 l 540 l
Preis (wird bewertet) 43.520 Euro** 42.250 Euro*** 44.952 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inklusive Adaptive Air Suspension 1950 Euro, Xenon Plus 1180 Euro, Akustikglas 1190 Euro und 17-Zoll-Bereifung 700 Euro; ***inklusive Dynamische Dämpfer Control 1300 Euro; **** inklusive Ausstattung "Avantgarde" 2261 Euro
Messwerte Audi BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 3,2 s 2,9 s 3,0 s
0–100 km/h 8,9 s 8,8 s 8,9 s
0–130 km/h 14,8 s 14,8 s 14,5 s
Elastizität
60–100 km/h 6,3 s (4. Gang) 7,7 s (4. Gang) 7,0 s (4. Gang)
80–120 km/h 12,1 s (6. Gang) 16,4 s (6. Gang) 12,4 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1674/481 kg 1706/524 kg 1760/510 kg
Gewichtsverteilung v./h. 56/44 % 50/50 % 55/45 %
Wendekreis links/rechts 12,2/12,1 m 12,1/12,1 m 11,3/11,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,9 m 36,0 m 36,3 m
aus 100 km/h warm 36,0 m 35,5 m 35,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB (A) 57 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 63 dB (A) 65 dB (A) 64 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 68 dB (A) 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,6 l D – 174 g/km 5,6 l D – 149 g/km 6,2 l D – 164 g/km
Reichweite 980 km 1250 km 950 km

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Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Spardiesel, das klingt nicht gerade nach Spaßdiesel. Weit gefehlt! Alle drei Limousinen erzeugen aus wenig Sprit jede Menge Fahrfreude. In Sachen Agilität wirkt der A6 sogar eine Nuance leichtfüßiger als der stärkere BMW. Der 520d hat die meisten PS, geizt aber am besten mit dem Kraftstoff. Da er auch im Kostenkapitel am besten abschneidet, gewinnt er erneut den Prestigevergleich. Nachholbedarf hat Mercedes. Bei Komfort und Antrieb fährt die E-Klasse A6 und 5er hinterher.

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