Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

Drohende Fahrverbote: Euro-5-Diesel auf Euro 6 umrüsten

— 03.08.2017

Mit Umrüsten Diesel-Fahrverbot umgehen

In vielen deutschen Städten drohen auch nach dem Dieselgipfel Fahrverbote. Euro-5-Fahrer könnten sie durch Umrüsten umgehen, am besten mit SCR-Anlage. So geht's!

Dieselautos, die die Euro-6-Abgasnorm reißen, drohen in Zukunft Fahrverbote, die blaue Plakette könnte kommen. Daran hat auch der sogenannte Dieselgipfel in Berlin nichts geändert, bei der die Autohersteller lediglich ein Software-Update für ältere Euro-5- und teilweise Euro-6-Diesel versprachen. Ein Zustand, der viele Dieselfahrer verunsichert. Die Lösung könnte eine Nachrüstung nicht allzu alter Diesel sein. Für Besitzer von Euro-5-Dieseln zeichnen sich mehrere Lösungen ab. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich der Stickoxidausstoß (NOx) ihrer Autos auf Werte senken, die sogar die ab 2020 gültige Euro-6d-Norm unterbieten. Zwei Möglichkeiten sind im Gespräch: über die Hardware via Nachrüstung einer SCR-Anlage und über ein Software-Update.

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Nachrüstlösung 1: SCR-Anlage

Beim auf Euro 6 nachgerüsteteten Passat wird der AdBlue-Tank in den Motorraum integriert.

Katalysator-Hersteller Twintec hat ein Nachrüstkonzept auf Pkw übertragen, das bereits erfolgreich an Stadtbussen getestet wurde. Als Prototyp diente Twintec ein VW Passat TDI von 2014 (Euro 5), der mit der Betrugssoftware aus dem VW-Abgasskandal ausgerüstet ist. Sein NOx-Ausstoß sank durch den Umbau von rund 1000 mg pro Kilometer (EU-5-Grenzwert: 180 mg) auf unter 80 mg – im Realbetrieb. Neue Euro-6-Diesel stoßen auf der Straße meist ein Vielfaches aus. Herzstück des Umbausatzes ist eine AdBlue-Anlage, die technisch weiterentwickelt wurde. Twintec spritzt das Additiv nicht ins Auspuffrohr ein, sondern erzeugt daraus vorher in einem kleinen elektrischen Generator Ammoniak. Die Bildung von Ammoniak geschieht in einer herkömmlichen SCR-Anlage erst im Auspuffrohr. Für den chemischen Prozess sind Temperaturen von 200 Grad erforderlich, ein Problem etwa im Kurzstreckenbetrieb oder bei motorferner Anordnung des SCR-Kats. Eine ausführliche Beschreibung des sogenannten BNOx-Systems zu Abgasreinigung sehen Sie oben in der Bildergalerie!

Gebrauchte Euro-6-Diesel im Test

Staatliche Förderung ist fraglich

Der Ammoniak-Generator sitzt neben dem Abgasstrang.

Twintec hatte seine Technik in der Vergangenheit mehreren Autoherstellern für den Serieneinsatz angeboten. Die aber sollen kein Interesse an dem System gezeigt haben. Die Kosten für eine Umrüstung liegen bei rund 1500 Euro – eine Investition, die sich angesichts des immer mehr drohenden Wertverlusts durch ab 2018 geltende Fahrverbote insbesondere bei relativ neuen Euro-5-Dieseln lohnen dürfte. Obwohl nun schnelles Handeln nötig wäre, halten sich Vertreter von Politik und Umweltschutz zurück, was eine mögliche Förderung der Umrüstung angeht. Von Seiten der Autohersteller gibt es unterschiedliche Äußerungen. Daimler erklärte, Umrüstungen seien "nicht sinnvoll", von Porsche hieß es, sie seien "nicht praktikabel". Auch VW-Chef Matthias Müller hatte beim Dieselgipfel Hardware-Lösungen ausgeschlossen, "einmal des Aufwandes wegen, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist".

Nachrüstlösung 2: Software-Update

Stuttgart, Neckartor: Die Straße gilt als schmutzigste Deutschlands. Hauptursache: Diesel-Pkw.

Eine weitere Möglichkeit, die Grenzwerte zu erreichen, ist die Nachrüstung einer Software-Lösung. Das ist aber nicht unumstritten. Ein Konzept von der Hochschule Heilbronn für "Euro 5+" betrachtet die Möglichkeiten, den Stickoxid (NOx)-Ausstoß von Euro-5-Dieseln durch eine Optimierung der vorhandenen Abgasreinigung zu senken. So sollen im innerstädtischen Bereich die NOx-Jahresmittelwerte unter den Grenzwert fallen. Die Studie geht davon aus, dass sich die Straßenemissionen der Euro-5-Diesel von derzeit durchschnittlich 900 Milligramm NOx auf unter 350 Milligramm reduzieren ließen. Damit wären die "Euro 5+"-Diesel sauberer als der Großteil heutiger Euro-6-Diesel. Vorteil der Software-Lösung: Hohe Kosten wie bei der Nachrüstung von SCR-Technik würden nicht anfallen.

Konzept nicht unumstritten

Einige Experten sind allerdings skeptisch. Lars Mönch vom Umweltbundesamt hält eine Reduzierung der NOx-Emission um 200 bis 250 mg pro Kilometer per Software durchaus für machbar, die angenommenen Werte der Studie aber für "viel zu optimistisch". Auch das "Euro 5+"-Konzept sieht ein "Temperaturfenster" vor, in dem die Abgasreinigung aktiv sein soll, hier ist es eine Außentemperatur zwischen plus 5 und 35 Grad. Eine zu große Ausdehnung dieses Bereichs, zum Beispiel bis auf Minusgrade, kann allerdings Probleme mit der Abgasrückführung des Motors zur Folge haben. Das Temperaturfenster, so Studienautor Hermann Koch-Gröber, sei "dem Kompromissansatz geschuldet, zeitnah eine Lösung zu haben, die in der Breite wirkt". Eine "Umkonstruktion der AGR-Strecke", gleichbedeutend mit Änderungen am Motor selbst, würde deutlich mehr Entwicklungszeit benötigen. So funktioniert das Umrüsten Schritt für Schritt:

Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

Autor:

Frank Rosin

Fazit

Zurzeit kämpft die Autolobby hinter den Kulissen um den Diesel und deshalb gegen Fahrverbote. Eine Software-Lösung wäre billig, aber letztlich genauso halbherzig wie die Nachrüstung der VW-Betrugsdiesel. Auch sehe ich zu viele Möglichkeiten für Mauscheleien. Und in einigen Jahren wundern wir uns dann wieder, dass die Luft nicht besser geworden ist.

Autoren: Benjamin Gehrs, Frank Rosin

Stichworte:

Abgasskandal Diesel

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