Fisker Karma/Tesla Model S: Vergleich

— 05.11.2012

Eine ganz neue E-Klasse

Wer es nicht schon wusste, ahnt es beim Anblick von Tesla Model S und Fisker Karma: Die Autowelt ist im Umbruch. Zwei coole E-Mobile im Vergleich.



Wer die Worte "Elektroauto" und "cool" im Internet in eine Suchmaschine eingibt, bekommt zwar viele Treffer – aber keine vernünftigen Ergebnisse. Denn Google schlägt kein Auto vor. Sorry, liebes World Wide Web. Diesmal bist du zu langsam für die Realität. Denn was AUTO BILD weltexklusiv erleben durfte, ist sowohl elektrisch als auch cool: Wir waren mit den amerikanischen Limousinen Tesla Model S und Fisker Karma unterwegs. Luxusautos für die Generation iPad. Kostenpunkt: 100.000 Euro und mehr. Tesla? Fisker? Nie gehört? Kein Wunder. Die Autowelt ist im Umbruch: Neue Hersteller entstehen und treiben die alten vor sich her. Noch liegen die automobilen Machtzentren in Detroit, Wolfsburg, Tokio.

Überblick: Alle News und Tests zum Tesla Model S

Das nächste Level der Elektromobilität: Mit dem Tesla Model S sind bis zu 500 km Reichweite drin.

Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Technik entwickelt sich immer schneller weiter, wird rasant besser. Und die alten Auto-Dinosaurier mit ihrer Bürokratie, den Bürden des Erfolgs und dem Druck der Aktionäre können sich immer schlechter anpassen, schwerer Schritt halten. Wer dafür einen Beweis braucht, dem sei eine Testfahrt mit Tesla Model S und Fisker Karma empfohlen. Elon Musk, Chef von Tesla und so etwas wie der Steve Jobs der Autoindustrie, bringt gerade das Model S an den Start. Eine Limousine, die auf den ersten Blick zwar gefällig, aber nicht gerade auffällig erscheint. Der Eindruck täuscht. Unter dem Aluminiumkleid verbirgt sich Technik der Zukunft. Tesla bietet das Model S mit drei verschiedenen Akku-Packs und einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern an. Sofort zu kaufen. Fast wie ein Eingeständnis des Scheiterns liest sich da die Ankündigung von BMW, im kommenden Jahr den elektrisch angetriebenen i3 mit einer Reichweite von etwa 160 Kilometern an den Start zu bringen.

Überblick: Stromer und Hybride bei AUTO BILD GREENCARS

Gewöhnungsbedürftig groß: In Sachen Bedienung setzt Tesla auf einen XXL-Touchscreen.

Wer erwartet, das Model S fahre sich wie ein handgeschnitzter Prototyp, der irrt gewaltig. Der Innenraum der fast fünf Meter langen Schräghecklimousine ist blitzsauber verarbeitet. Feines Leder, edles Holz und kühles Aluminium bilden den Rahmen für den 17 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole. Hier lässt sich aus dem Handgelenk navigieren, surfen, bedienen. Mit der Logik eines iPad oder iPhone. Wie selbstverständlich ist das Model S zu jeder Zeit online. Wer einmal blitzschnell die Navigationskarte aus dem Netz geladen hat, wird über jeden Versuch seines Händlers lachen, ihm eine CD-ROM mit einem Kartenupdate für Hunderte Euro verkaufen zu wollen. Aber das Model S taugt nicht nur für Onliner – es überzeugt auch als Auto. Das luftgefederte Fahrwerk ist straff, ganz für den europäischen Geschmack abgestimmt. Die Lenkung ist präzise, steht einem BMW in nichts nach. Keine übertriebene Dynamik – das Model S beschleunigt in unter fünf Sekunden auf 100, erst bei 210 km/h wird abgeregelt.

In den USA haben sie es ausprobiert, im Sprint über eine Viertelmeile hängt der Tesla sogar einen BMW M5 ab. Nahezu lautlos und beiläufig schüttelt der Tesla diese Fahrleistungen aus dem Ärmel – und holt ganz nebenbei das Elektroauto aus der Müsli-Ecke. Die Limousine definiert sich vor allem über ihre Leistung, nicht über niedrigen CO2-Ausstoß und Verzicht.

Überblick: Alle News und Tests zum Fisker Karma

Nicht ganz emissionsfrei: Nach 80 Kilometern schaltet sich beim Karma der Range-Extender zu.

So lautlos wie der Tesla ist der Karma nicht. Denn der Däne Henrik Fisker hat das Problem der Reichweite mit einem Range-Extender gelöst. Das ist der Fachbegriff für den Zweiliter-Turbo unter der Haube, der immer dann anspringt, wenn der 20 Kilowattstunden große Akku des Hybriden in die Knie geht. Und das tut er oft. So mischt sich in das Summen des Elektroantriebs das Brummen des Benziners. Nicht unsympathisch, nur in diesem Hightech-Umfeld nicht erwartet. Auch der Fisker zeigt im Innenraum, wie der Luxus der Zukunft aussehen kann. Der Armaturenträger ist mit Velours bezogen, die Holzfurniere stammen aus Waldbrandresten – und echte Magnolienblätter zieren die Kunststoffscheiben in der Mittelkonsole. Cool – und ganz anders als die S-Klassen, A8 und 7er dieser Welt. Beide sind Autos für einen extrem kleinen Kundenkreis, keine Frage. Aber sie geben schon heute eine Antwort darauf, wie Mobilität morgen aussehen kann. Spricht sich das erst mal rum, liefert Google sicher auch vernünftige Ergebnisse für die Suchbegriffe "Elektroauto" und "cool".

Technische Daten Fisker Karma zwei Elektromotoren an der Hinterachse, Vierzylinder, Turbo, vorn • Hubraum 1998 cm³ • Leistung der E-Motoren 300 kW (408 PS) • max. Drehmoment 1300 Nm • Hinterradantrieb • einstufiges Getriebe • L/B/H 4998/1985/1330 mm • Batteriekapazität 20 kWh • Tank 36 l • Leergewicht 2505 kg • 0–100 km/h 6,3 • Spitze 200 km/h • Verbrauch EU-Mix 2,2 l Super • CO2 53 g/km • Händler in Deutschland: 7 • Preis (Ausstattung Ecochic) 124.400 Euro.

Technische Daten Tesla Model S Elektromotor, hinten • Leistung 310 kW (416 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 600 Nm von 0 bis 5100/min • Hinterradantrieb • einstufiges Getriebe • L/B/H 4978/1964/1435 mm • wassergekühlter Lithium-Ionen-Akku, Kapazität 85 kWh • Leergewicht 2106 kg • 0–100 km/h 4,6 s • Spitze 212 km/h • Reichweite laut Hersteller 500 km • Verbrauch EU-Mix k. A. • Händler in Deutschland: 1 • Preis (Ausstattung Performance) ca. 98.000 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Die amerikanische Autoindustrie ist wieder da. Aber es sind nicht Ford, GM oder Chrysler, die der Welt zeigen, wie das Auto der Zukunft aussehen kann. Sondern zwei Newcomer aus Kalifornien – die ganz ohne Historie aus dem Stand zwei technisch überzeugende und bildhübsche Limousinen auf die Räder gestellt haben.

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