Der ehemalige BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger bedauert den Ausstieg

Formel 1 2012

— 02.02.2012

Berger: "BMW war auf einem guten Weg"

Gerhard Berger war fünf Jahre lang als Motorsportdirektor für BMW tätig und kennt die Gründe für den Rückzug diverser Hersteller während der vergangenen Jahre

Es ist noch nicht allzu lange her, da waren in die Formel 1 nicht weniger als sechs Automobilhersteller aktiv. In der Saison 2008 engagierten sich Ferrari, Mercedes, BMW, Renault, Toyota und Honda in der Königsklasse. Übrig geblieben sind davon lediglich Ferrari, Mercedes und Renault.

Für Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger liegt der Grund für diese rückläufige Tendenz auf Seiten der Werke auf der Hand. "Die Hersteller haben die Sache falsch angepackt", ist der Österreicher gegenüber 'auto motor und sport' überzeugt.

Ernsthaft Rennsport wurde laut Berger demnach nur bei Ferrari betrieben. "Die anderen Hersteller haben Schritt für Schritt versucht, Konzernstrukturen für Erfolg im Rennsport einzuführen. Das funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Punkt", weiß der ehemalige Motorsportdirektor von BMW.

Konzernstrukturen in der Formel 1 fehl am Platz

"Am Sonntagnachmittag werden Autorennen gefahren", hält Berger fest und macht Bauentscheidungen sowie den Renninstinkt als letztlich entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Herstellers im Rennsport aus. "Das kann man Konzernmenschen nicht beibringen. Dazu muss man ein Racer sein", ist der 210-fache Grand-Prix-Starter überzeugt.

Eine Ausnahme zur Regel gab es laut Berger allerdings im Formel-1-Fahrerlager. "Der einzige Quereinsteiger, der das gelernt und perfekt umgesetzt hat, war Flavio Briatore", sagt er mit Blick auf den ehemaligen Renault-Teamchef und fügt hinzu: "Alle anderen sind an diesem Punkt gescheitert. Allen voran Toyota." Das von Köln aus operierende Team war seinerzeit der größte Hersteller in der Formel 1 und verfügte über das größte Budget, "hatte aber das schwächste Personal", wie Berger festhält.

BMW-Ausstieg bedauernswert

Doch nicht nur mit Toyota rechnet der Österreicher knallhart ab. Auch mit seinem damaligen Arbeitgeber BMW geht er hart ins Gericht und zeigt für den im Vorfeld der Saison 2010 vollzogenen Rückzug der Münchner aus der Formel 1 wenig Verständnis. "BMW war auf einem guten Weg. Wir haben Le Mans gewonnen, waren beim Formel 1-Debüt mit Williams auf dem Podest, haben in der zweiten Saison Siege eingefahren und sind 2003 um den Titel mitgefahren", erinnert Berger.

Als zunehmend klarer wurde, dass Williams die besten Tage bereits hinter sich hatte, wurde im Winter 2005/2006 das Schweizer Sauber-Team gekauft. "Sauber war das perfekte Team für BMW", ist Berger überzeugt und stellt in Bezug auf den Automobilhersteller aus München heraus. "Bis dahin haben sie alles richtig gemacht. Die neue Basis war perfekt. Man hatte einen der besten Windkanäle im Feld. Man hatte Robert Kubica. Man hätte Alonso kriegen können - oder Vettel."

Nach Ansicht des Tirolers "hätte es nur zwei, drei Handgriffe gebraucht", und das Team hätte eine ähnliche Entwicklung hinlegen können wie es Red Bull später vorgemacht hat. "Eigentlich hätte man nur noch einen Newey finden müssen", blickt Berger zurück und bedauert, dass die Flinte vorzeitig ins Korn geworfen wurde: "Dann hat man bei 80 oder 85 Prozent das Handtuch geworfen, dabei war man so nahe dran."

Fotoquelle: xpb.cc

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