Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery erwägt engere Kooperation mit der FIA

Formel 1 2012

— 04.02.2012

Neues Testauto: Pirelli zwischen den Stühlen

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery drängt auf ein Organ, dass unter den Teams für eine Einigung in kritischen Fragen sorgt - Formel-1-Kommission als Ansatz?

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery hat bereits mehrfach anklingen lassen, dass man mit der aktuellen Situation ohne ein Testfahrzeug auf aktuellem Stand der Technik alles andere als glücklich ist. Bisher musste für die Testfahrten des Reifenherstellers stets der betagte Toyota TF109 aus der Saison 2009 herhalten. Dieser befindet sich allerdings inzwischen im Museum.

Die Teams weigern sich jedoch, eines aus ihren Reihen auszuwählen, welches ein aktuelles Testauto stellt. "Wir wollen ja nicht einem bestimmten Team einen Vorteil verschaffen, aber wir brauchen einen Testträger, um ordentlich arbeiten zu können", gibt Hembery im Interview mit 'Motorsport-Total.com' zu bedenken.

Eine mögliche Variante wäre demnach, ein Team auszulosen. "Das wäre eine Möglichkeit", sagt Hembery und präzisiert: "Wir haben eine Reihe von Optionen vorgeschlagen. Uns ist aber klar, dass in der Formel 1 jede noch so winzige Kleinigkeit zählt. Bisher haben wir seitens der Teams zwar dienliche Anregungen bekommen, aber keine, die den Sport als Ganzes weiterbringen." Damit verweist Hembery auf die Tatsache, dass die Teams dasjenige, welches den Testträger stellt, im Vorteil wähnen.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich Pirelli bei der Suche nach einem Konsens unter den Teams mittlerweile sowohl Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern der Teamvereinigung FOTA gegenübergestellt sieht. "Das macht es nochmals schwieriger", bemerkt Hembery. "Letztlich unterscheiden wir aber nicht zwischen FOTA und nicht FOTA. Wir haben zwölf Teams, die wir berücksichtigen müssen. Leider müssen wir dafür nun mit fünf oder sechs verschiedenen Parteien reden."

Pirelli erwägt engere Kooperation mit der FIA

So erwägt man bei Pirelli nun eine engere Zusammenarbeit mit dem Weltverband. "Womöglich sollten wir uns mit der FIA zusammentun und eine Lösung finden, die genau vorschreibt, wie wir in diesem Fall vorzugehen haben", sinniert Hembery und bekräftigt abermals: "Wir haben kein Interesse daran, mit einem bestimmten Team zusammenzuarbeiten. Wir wollen einfach nur unseren Job erledigen. Das müssen alle Beteiligten verstehen."

Angesichts der gegenwärtigen Situation mit fünf oder sechs verschiedenen Parteien liegen die Chancen auf einen gemeinsamen Konsens nahezu bei Null. Für Hembery ist dieser Umstand nicht neu. "Es ist eine interessante Herausforderung. Unterm Strich gibt es in diesem Sport viele Dinge, für die ein gemeinsamer Nenner gefunden werden muss - ganz gleich ob FOTA oder nicht FOTA", so der Pirelli-Motorsportchef, der in diesem Zusammenhang längst nicht nur von den Reifen spricht. "Es wird immer Streitpunkte geben. Für diese muss eine Einigung getroffen werden, anderenfalls kann sich der Sport nicht weiterentwickeln."

In der Geschichte der Formel 1 hat es seit jeher Befürworter und Gegner für gewisse Vorschläge gegeben. "Das macht es nur schwieriger, hält mich aber letztlich nicht davon ab, die Teamchefs weiter zu quälen und auf eine Einigung zu drängen", sagt Hembery und hofft, dass sich "der gesunde Menschverstand durchsetzt und wir uns im Klaren darüber sind, in welche Richtung wir gemeinsam gehen wollen".

Formel-1-Kommission als Ansatzpunkt?

In diesem Zusammenhang schwebt dem Pirelli-Motorsportchef ein Organ vor, das die Teams wieder enger zusammenbringt. "Ob das die FIA sein wird oder Bernie weiß ich nicht. Fakt ist, dass gerade in einem Sport wie der Formel 1 ein gemeinsamer Konsens von entscheidender Bedeutung ist, um als Ganzes voran zu kommen. Anderenfalls setzt eine Lähmung ein, die für niemanden gut ist", so Hembery.

Eine mögliche Lösung des Problems sieht der Brite in der Formel-1-Kommission, die in regelmäßigen Abständen tagt. "Die Formel-1-Kommission spielt in diesem Zusammenhang eine gute Rolle, denn dort haben wir ein Gleichgewicht von Organisatoren, Sponsoren, Teams, Promotern und der FIA", stellt Hembery heraus.

"So gesehen ist die Formel-1-Kommission ein sehr gutes Organ, denn sie bringt die Leute zusammen", bemerkt der Pirelli-Motorsportchef und kann sich gut vorstellen, dass auf diesem Wege eine Einigung erzielt werden könne. "Sei es beim Thema Reifen oder in Reglementfragen generell - die Formel-1-Kommission hat die Chance, die dringend notwenige Rolle zu spielen."

Fotoquelle: Pirelli

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