Die Heckpartie des MP4-27 gibt Gary Anderson Rätsel auf

Formel 1 2012

— 04.02.2012

Anderson rätselt: Was plant McLaren beim Diffusor?

Gary Anderson analysiert die ersten vier Autos des Jahrgangs 2012 - Bei McLaren fehlt ein entscheidendes Detail, Force India ein Geheimtipp?

Nachdem ein Drittel aller Teams ihre neuen Fahrzeuge für die Formel-1-Saison 2012 vorgestellt haben, kann ein Zwischenfazit über den neuen Jahrgang gezogen werden. Während der McLaren bisher das eleganteste der neuen Autos ist, sorgen vor allem die Nasen des Ferrari, Force India und Caterham bei einigen Fans für ein Rümpfen der selbigen. Während diese drei Teams die erlaubte Chassishöhe voll ausnutzen und die Fahrzeugnase deshalb tiefer ansetzen müssen, hat McLaren einen anderen Ansatz gewählt und die Front flacher konstruiert, sodass ein fließender Übergang zwischen Nase und Chassis möglich war.

Diese Lösung sieht zwar elegant aus, aber ob sie auch die schnellste ist, daran hat Gary Anderson seine Zweifel. Der Nordire, der jahrelang Chef-Designer bei Jordan war und nun als Experte für verschiedene Medien arbeitet, hat die vier neuen Autos aus der Perspektive eines Ingenieurs unter die Lupe genommen. Dabei hat ihn der neue McLaren nicht sonderlich überzeugt: "Der Frontflügel ist der gleiche wie im vergangenen Jahr, und die Höcker auf der Nase, die bei den anderen so hässlich aussehen, fehlen bei ihnen", wird Anderson von der Nachrichtenagentur 'Reuters' zitiert.

"Meiner Meinung nach haben sie da etwas verpasst, denn auch wenn es nur ein kleiner Bereich ist, so muss man doch alle aerodynamischen Freiheiten ausschöpfen", fährt Anderson fort. Allerdings hat er bei der Präsentation des McLaren noch ein nicht unwesentliches Detail erkannt, denn am dort ausgestellten MP4-27 fehlte der Diffusor. Dieses Versteckspiel macht für den Ingenieur eigentlich wenig Sinn, da seiner Meinung nach die Möglichkeiten im Bereich des Diffusors nach den neuen Regeln sehr begrenzt sind.

Hat McLaren eine Lücke im Reglement erkannt?

Anderson hält es daher nicht für ausgeschlossen, dass McLaren hier eine Grauzone des Reglements erkannt und ausgenutzt hat, die man der Öffentlichkeit und damit auch der Konkurrenz nicht frühzeitig präsentieren will. "Vielleicht ist der Diffusor ihre Geheimwaffe, aber da müssen wir abwarten. Was du noch nicht gesehen hast, kannst du auch nicht beurteilen."

Im Bereich der Fahrzeugnase wählte Ferrari einen völlig anderen Ansatz als McLaren. Die Italiener nutzen die maximale Höhe des Chassis aus, deswegen fällt der Absatz zur tieferen Nase dementsprechend extrem aus. "Das ist vielleicht bisher die hässlichste Nase, es sieht aus wie eine Rampe", urteilt Anderson, der den Ansatz, die Grenzen des Reglements auszunutzen, jedoch für den richtigen hält. Darüber hinaus möchte er noch kein Urteil über den Ferrari fällen, da er das Fahrzeug noch nicht in natura gesehen hat.

Beeindruckt zeigt sich Anderson hingegen vom neuen Force India, den er gestern in Silverstone in Augenschein nehmen konnte. "Wenn ich mir ihr Auto im Vergleich zu den anderen ansehe, glaube ich einen großen Schritt nach vorne zu erkennen. Und sie waren am Ende der vergangenen Saison schon nicht gerade langsam", so seine Einschätzung. "Und wie ich bereits früher gesagt habe, Andrew (Green, Technischer Direktor, Anm. d. Red.) könnte einigen Leuten an die Spitze richtig wehtun." Anderson und Green sind alte Bekannte und haben vor 21 Jahren gemeinsam an der Entwicklung des ersten Jordan in der Formel 1 gearbeitet.

Force India mit "funktionalem Gesamtkonzept"

Der Nordire geht zwar nicht davon aus, dass Force India Red Bull, McLaren oder Ferrari schlagen kann, hält es aber durchaus für möglich, dass der britisch-indische Rennstall näher an die Spitze heranrücken kann. "Das Gesamtkonzept wirkt auf mich sehr funktional. Die Veränderungen am Frontflügel im Vergleich zum Vorjahr machen auf mich einen exzellenten Eindruck. Solange nicht irgendwo eine Achillesferse versteckt sein sollte, werden sie meiner Meinung nach richtig gut sein", macht Anderson allen Force-India-Fans Mut.

Auch beim Caterham arbeitet mit Mark Smith ein Technischer Direktor, der früher einmal ein Mitarbeiter von Anderson war. Und dieser hat, so das Urteil seines früheren Vorgesetzten, ein solides Auto auf die Räder gestellt, das in allen wesentlichen Design-Bereichen in die richtige Richtung ziele. Risiken sei das Team beim CT01 allerdings auch nicht eingegangen. "Die Lösung an der Nase sieht ganz gut aus, aber der Frontflügel und die Seitenkästen sind nichts Besonderes", so Anderson, der allerdings auch den Caterham bisher nur von Fotos kennt.

Fotoquelle: xpb.cc

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