Kimi Räikkönen greift 2012 nach zwei Jahren Abwesenheit wieder an

Formel 1 2012

— 05.02.2012

Räikkönen: Es gibt eine Erwartungshaltung

Bei der Präsentation des E20 verrät Kimi Räikkönen, was sich in den vergangenen zwei Jahren verändert hat und wieso er von den Rallyes profitiert

Kimi Räikkönens Formel-1-Rückkehr war auf dem Transfermarkt eine der großen Überraschungen für die Saison 2012. Es ist offen, ob er Finne an seine Leistungen anknüpfen kann oder Probleme haben wird, wie sie Michael Schumacher hatte. Im Rahmen der Präsentation des Lotus E20 berichtet er von seinen Beweggründen, den Zielen und den Veränderungen in der Formel 1.

Frage: "Willkommen zurück in der Formel 1. Du wurdest vermisst."
Kimi Räikkönen: "Ich weiß nicht, bin aber froh, zurück zu sein."

Frage: "Wieso wieder Formel 1?"
Räikkönen: "Die Formel 1 ist in meiner Rennkarriere etwas sehr Besonderes. Man möchte immer auf dem härtesten Level Rennen fahren. Deshalb möchte man in der Formel 1 fahren, wenn man die Möglichkeit dazu hat."

Frage: "Schauen wir uns das Auto an. Möchtest du nicht gleich einsteigen?"
Räikkönen: "Es ist immer schön, das Auto zum ersten Mal zu sehen. Die Leute haben sehr viele Bemühungen investiert. Hoffentlich zahlt sich das auf der Strecke aus. Man kann immer die Daten ansehen und das Auto als schön bezeichnen. Entscheidend ist, ob es schnell ist oder nicht. Das werden wir beim Test und den Rennen sehen."

Der Finne bleibt cool

Frage: "Du bist einer von sechs Weltmeistern im Feld. Bist du bei deinem Comeback nervös?"
Räikkönen: "Nicht wirklich. Es wird etwas sein, an das ich mich gewöhnen muss. Als ich in der Formel 1 war, bin ich bei einem anderen Team und unter anderen Regeln gefahren. Doch jeder ist anders. Einige haben mehr Probleme, sich an neue Dinge zu gewöhnen. Es hängt natürlich auch vom Auto ab."

"Wenn wir ein gutes Auto haben, wird das Leben deutlich einfacher als mit einem durchschnittlichen Auto. Nach dem ersten Test war ich sehr zufrieden. Es hat sich ziemlich normal angefühlt. Deswegen denke ich, dass es okay sein wird. Vor dem ersten Rennen lässt sich das nur schwer vorhersagen, doch ich bin froh, wie sich die Dinge bisher entwickelt haben."

Frage: "Während deiner Formel-1-Unterbrechung bist du Rallye-Autos gefahren. Wie musst du deinen Fahrstil wieder korrigieren, damit er zur Formel 1 passt?"
Räikkönen: "Ich bin schon in meiner Formel-1-Zeit Rallyes gefahren und hatte den Eindruck, dass sie mir geholfen haben. Man muss sich stark bemühen, den Anweisungen zu folgen und gleichzeitig zu fahren. Wenn man einen Fehler macht, erhält man keine zweite Chance."

"Man muss sich stärker bemühen, keinen Fehler zu machen und trotzdem am Limit fahren. Ich denke, dass es nützlich fürs Fahren und die Konzentration ist. Es war meiner Meinung nach in der Vergangenheit nützlich und ich denke nach wie vor, dass es ein gutes Training ist. Hoffentlich wird es mir helfen. Ich bin zuversichtlich für die anstehende Saison, aber man weiß ja nie."

Frage: "Du kommst aus Finnland. Müssen alle Finnen irgendwann einmal in ihrer Karriere Rallye-Erfahrungen sammeln?"
Räikkönen: "Ich wollte sehen, ob ich es kann. Wir hatten einige schlechte Rennen und einige bessere. Mir macht es Spaß und ich würde es gerne weitermachen. Vielleicht bietet sich in der Zukunft noch einmal eine Gelegenheit dazu."

Große Spannung

Frage: "Du warst zwei Jahre abwesend. Die Formel-1-Autos ändern sich von Jahr zu Jahr. Was sind deine Hoffnungen und was sind deine Befürchtungen?"
Räikkönen: "Wie ich bereits erwähnt, bin ich nicht nervös. Ich bin gespannt, wozu wir in der Lage sind und wie das Auto beim ersten Mal funktioniert. Das werden wir beim ersten Test sehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Jahr haben werden."

"Die Formel 1 hat sich sicher verändert, aber so stark auch wieder nicht. Die Reifen haben sich verändert, einige Regeln sind anders. Deshalb ist es aber kein komplett anderer Sport. Deswegen bin ich nicht zu nervös. Es sind die gleichen Kurse und die gleichen Leute. Vielleicht werden die Rennen hart. Aber das ist für mich normal."

Frage: "Du bist Teil eines Teams mit einer großen Geschichte."
Räikkönen: "Ich denke, dass die Leute wissen, wie sie ein gutes Auto bauen müssen. Selbt die größten Teams können aber nicht jedes Jahr ein Siegerauto bauen. Es sind sehr fähige Leute. Sie haben ein gutes Gespür für die Dinge und arbeiten hart."

Frage: "Hast du Feinde im Feld?"
Räikkönen: "Ich weiß es nicht. Ich denke, jeder hat welche. Das gehört dazu. Es wird interessant, wieder ins Renngeschehen eingreifen zu können."

Frage: "Welcher Fahrer beeindruckt dich am meisten?"
Räikkönen: "Es gibt einige gute Fahrer. Wenn man kein gutes Auto hat, kann selbst der beste Fahrer nicht gewinnen. Die Favoriten sind jedes Jahr gleich, auch wenn sie eine schwierige Saison hinter sich hatten. Ich würde nicht sagen, dass einer besser ist als alle anderen. Jeder hat gute und schlechte Zeiten."

Gute Stimmung im Team

Frage: "Bist du ein technisch orientierter Fahrer?"
Räikkönen: "Ich weiß einiges über Autos und war dafür in der Schule. Bei den Rallye-Autos muss man ab und an Probleme lösen, wenn man in einer Prüfung einen Fehler gemacht hat. Alle Daten kennt man aber natürlich nicht. Besonders der Bereich Aerodynamik ist nicht mein Thema. Doch dafür hat man die richtigen Leute, die sich darum kümmern."

Frage: "Was für eine Meinung hast du zum Team, nachdem du nun zwei Tage testen konntest?"
Räikkönen: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Team. Es sind alles sehr nette Leute, die locker drauf sind. Es war schön, mit ihnen zwei Tage zu arbeiten, als ich mit dem R30 fuhr. Ich denke, dass wir sehr viel Spaß haben werden. Hoffentlich fahren wir ein paar gute Resultate ein. Ich möchte ein starkes Auto, damit ich um gute Resultate kämpfen kann."

Frage: "Wann hast du dich dazu entschieden, nicht weiter Rallyes zu fahren und in die Formel 1 zurückzukehren?"
Räikkönen: "Als ich die NASCAR-Rennen gefahren bin, habe ich den Rennsport genossen und wollte weitermachen. Ich möchte immer noch Rallyes fahren und wünschte mir, dass ich das parallel machen könnte. Doch das ist unmöglich. Ich wollte weiter Rennsport betreiben, als ich in der NASCAR-Serie eine richtig gute Zeit hatte. Ich bin gegen andere Rennen gefahren und habe gemerkt, dass mir das fehlt. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich dazu entschied, bei einer guten Chance, richtig zurückzukommen."

Kein Fan von DRS

Frage: "Was hat sich deiner Meinung nach verändert?"
Räikkönen: "Ich habe 2010 die Formel 1 nicht richtig verfolgt. Vergangenes Jahr habe ich mehr Rennen gesehen. Es sieht nicht anders aus. Das Überholen findet an anderen Stellen statt. Die Fahrer können einfach vorbeifahren, wenn sie den Heckflügel öffnen und der führende Fahrer hat keine Chance, sich zu verteidigen. Ist das also richtiges Überholen?"

"Ich denke nicht, dass man das so nennen kann. Aber die Show ist mit Sicherheit besser. Die Reifen machen ebenfalls einen Unterschied, weil es einen großen Geschwindigkeitsunterschied gibt, wenn die Reifen neu beziehungsweise alt sind. In der alten Formel 1 musste man so viel schneller sein als der Kerl vor dir, damit man eine Chance hatte, ihn zu überholen. Doch mit den Reifen und dem DRS ist es anders."

Frage: "Musst du bei deiner Rückkehr irgendetwas beweisen?"
Räikkönen: "Ich denke, dass die Leute von mir etwas erwarten. Doch solange ich weiß, dass ich 100 Prozent gebe und mit meinen Leistungen glücklich bin, dann bin ich damit zufrieden. Wenn diese Aspekte zutreffen und es nicht reicht, dann reicht es nicht."

Frage: "Wie gut kennst du deinen Teamkollegen Romain Grosjean?"
Räikkönen: "Ich denke, dass wir ein gutes Verhältnis haben werden. Ich habe ihn vor Weihnachten getroffen und bin 2009 gegen ihn gefahren. Es scheint, als ob er ein sehr netter und bodenständiger Kerl ist. Ich sehe keine Probleme."

Fotoquelle: Lotus Renault GP

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