Kimi Räikkönen fuhr aus dem Stand die erste Bestzeit der Saison

Formel 1 2012

— 08.02.2012

Nach Tag eins: Als wäre Räikkönen nie weggewesen

Einstand nach Maß: Kimi Räikkönen ließ sich seine zweijährige Abwesenheit nicht anmerken - Auch seine Chefs sind vom Finnen begeistert

Von Anlaufschwierigkeiten keine Spur: Am ersten Testtag der Formel-1-Saison 2012 konnte man den Eindruck gewinnen, Kimi Räikkönen sei nie weggewesen. Der Finne spulte im Lotus routiniert mehr als eine Grand-Prix-Distanz ab setzte mit 1:19.670 Minuten die erste Bestzeit des Jahres. Offensichtlich hat der Weltmeister von 2007 bei seinem zweijährigen Ausflug in die Rallye-Szene keinen Rost angesetzt und nichts von seinem Speed früherer Tage verloren.

Diese Tatsache hat auch seine Vorgesetzten bei Lotus positiv überrascht. Wie Teambesitzer Gerard Lopez zugab, war sich das Team im Vorfeld der Saison nicht zu 100 Prozent sicher, ob Räikkönen den Umstieg vom Rallye- ins Formel-1-Auto ohne Probleme bewältigen würde. Klarheit hierüber sollten die privaten Testfahrten im R30 von 2010 bringen. "Als er in Valencia fuhr, machten unsere Jungs ein paar Simulationen auf Basis unserer Kenntnisse, und er war schon in der ersten Runde, die er fuhr, voll da", sagt Lopez.

Auch körperlich habe der Finne die Belastungen im Formel 1 tadellos überstanden. "Die größte Frage war, wie es ihm physisch gehen wird. Der Kerl fuhr aber zwei Grand-Prix-Distanzen", stellt der Teambesitzer zufrieden fest. Nachdem Räikkönen auch gestern über 330 km fuhr und anschließend über keinerlei körperliche Probleme berichtete, dürften Zweifel an der Fitness des 32-Jährigen beseitigt sein.

Lopez lobt Räikkönens Teamgeist

Doch nicht nur sportlich hat der Weltmeister von 2007 seine Teamverantwortlichen überzeugt. Auch der Mensch Räikkönen hat bei Lopez einen überraschend guten Eindruck hinterlassen: "Ich glaube, dass Kimi in der Öffentlichkeit ein Image hat, das - nach unseren ersten Erfahrungen - nicht mit der Realität übereinstimmt. Er ist ein harter Arbeiter, der sehr gutes Feedback gibt, der für den Teamgeist gut ist. Als wir uns mit ihm unterhielten und verstanden, warum er zurückkehrt, hatten wir ein gutes Gefühl", so der Luxemburger. "Nach dem, was wir heute gesehen haben, kann sowieso niemand sagen, dass er nicht auf Touren kommt."

Das Lotus-Team hat, wenn auch unter anderen Namen, einige Erfahrung in der Arbeit mit Weltmeistern. Als Renault gewann das Team mit Fernando Alonso zwei Weltmeisterschaften, Gleiches gelang in den 90er-Jahren unter dem Namen Benetton mit Michael Schumacher. Nachdem einige Mitarbeiter aus dieser Zeit immer noch für den Rennstall arbeiten, ist Teamchef Eric Boullier in der Lage, einen Vergleich der drei Weltmeister zu ziehen.

"Die Einstellung ist ziemlich ähnlich. Es handelt sich um sehr entschlossene Menschen mit viel Hingabe, die eine große Sehnsucht danach haben, sich zu messen. Nicht gut zu sein, sondern konkurrenzfähig", sagt der Franzose am Rande der Testfahrten. Als echte Racer würden Fahrer vom Schlage eines Alonso, Räikkönen oder Schumacher sofort die wesentlichen Dinge im Blick haben: "Sie konzentrieren sich nur darauf, was für sie und für das Auto gut ist", stellt der Franzose fest.

Schnelle Eingewöhnung ins Team

Auch die Zusammenarbeit Räikkönens mit den Ingenieuren und Teammitarbeitern gestalte sich bislang problemlos: "Dieses Team ist voller echter Rennsport-Enthusiasten und das passt sehr gut, denn wir sprechen die gleiche Sprache." Dieser Punkt war auch Lopez sehr wichtig, der als Teambesitzer auch bei dieser Personalentscheidung das letzte Wort hatte, sich dabei jedoch auf das Urteil seiner Untergebenen verlassen hat.

"Ich hatte nie mit ihm gesprochen, daher überließ ich es Eric und dem Team, zu sagen, welcher Fahrer am meisten Sinn machen würde. Am Ende sehnt man sich auch nach einem Piloten, der auch kulturell ins Team passt. Wir wussten, dass wir auf einen erfahrenen Piloten setzen müssen. Wir sahen uns jeden an. Nach unserem Treffen hatten wir das Gefühl, dass es passt", sagt der Genii-Chef. Auch bei den Mitarbeitern habe die Verpflichtung des Finnen für Begeisterung gesorgt. "Sie haben sehr gut und sehr positiv reagiert, waren sehr glücklich. Dadurch war die gesamte Motivation des Teams im Aufwind", sagt Boullier.

Auf menschlicher Ebene habe man sich nach Aussage des Teamchefs mit dem Neuzugang arrangiert: "Wir haben versucht, mit seiner Persönlichkeit klarzukommen. Wir wollten auch sicherstellen, dass er weiß, dass wir nicht wollten, dass zu viele externe Leute in seinem Umfeld sind." Die Zeiten, in denen der Finne seine Kumpels in die Box mitbringen konnte, sind bei Lotus offenbar vorbei, was ihn jedoch augenscheinlich nicht stört.

Entspannter Rückkehrer

Denn Räikkönen selbst war die Freude über seine Rückkehr in die Formel 1 ebenfalls anzumerken, auf die Beobachter im Fahrerlager von Jerez wirkte der Finne gestern wie ausgewechselt. Während er gegen Ende seines ersten Formel-1-Engagements oft mit mürrischem Blick und verschlossenen Lippen an den Journalisten vorbei ging, präsentierte er sich gestern vergleichsweise gesprächig und beantwortete mit einem Lächeln die Fragen der Reporter.

Ein erstes Wiedersehen mit seinem früheren Teamkollegen Felipe Massa gab es ebenfalls, auch wenn es nur kurz und knapp ausfiel. "Ich habe zu ihm Hallo gesagt und er zu mir, als wir uns gestern über den Weg liefen. Aber wir versuchen, unsere eigenen Dinge zu tun", sagt Räikkönen. Zu längeren Gesprächen mit anderen alten Bekannten fehlte dem 32-Jährigen jedoch bisher die Zeit. "Natürlich sage ich Hallo, wenn ich Leute sehe, aber ich war noch nicht wirklich da draußen."

Bei aller Freude über die Rückkehr in die Formel 1 musste der Finne jedoch eingestehen, dass die Atmosphäre in der Rallye-WM eine andere sei: "Es ist ein anderer Sport und es gibt eine andere Art, Dinge zu erledigen. Dadurch ist auch die Atmosphäre anders, die Teams gehen anders miteinander um." Zwischen den Zeilen gab Räikkönen zu erkennen, dass ihm das entspanntere Umfeld in der Rallye-Szene mehr liegt, war seiner Meinung nach jedoch auch in der unterschiedlichen Art des Wettkampfs begründet ist. "Man fährt nicht direkt gegeneinander - alleine das ist ja schon ein großer Unterschied. Das beeinflusst auch, wie die Leute miteinander umgehen."

Fotoquelle: xpb.cc

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