Michael Schumacher verabschiedet sich mit einer Bestzeit vom MGP W02

Formel 1 2012

— 08.02.2012

Jerez: Alter Mercedes schlägt neuen Red Bull

Michael Schumacher fährt Bestzeit am zweiten Tag der Jerez-Wintertests - Red Bull schnellstes 2012er-Auto - Kimi Räikkönen zweimal im Kiesbett

Nach dem eher verhaltenen Testauftakt am Dienstag, als bei den meisten Teams noch grundlegende Funktions- und Systemchecks auf dem Programm standen, ging es heute in Jerez de la Frontera erstmals richtig zur Sache. Und auch am zweiten Tag der Wintertests 2012 sicherte sich ein ehemaliger Weltmeister die Bestzeit: Michael Schumacher.

Der 43-Jährige erzielte während eines Fünf-Runden-Runs gleich zu Beginn eine Bestzeit von 1:18.561 Minuten und konnte nicht mehr abgefangen werden. Schumacher, zum letzten Mal mit dem 2011er-MGP-W02 von Mercedes unterwegs (morgen übernimmt Nico Rosberg), wiederholte so einen Run wenig später mit fast identischen Rundenzeiten: erst 1:18 mittig, dann zwei Runden im tiefen 1:19er-Bereich. Dabei hatte er jeweils die weichere der beiden Pirelli-Reifenmischungen (Soft) aufgezogen.

RB8 bisher schnellstes 2012er-Auto

Weit mehr Beachtung als Schumacher, der sich mit dem Vorjahreswagen vor allem auf Tests der neuen Reifen sowie zahlreiche Startübungen beschränken musste, fand freilich das Red-Bull-Team, das diesmal ohne morgendliche Verzögerung ins Testgeschehen eingreifen konnte. Mark Webbers schnellste Runde auf weichen Pneus wurde in 1:19.184 Minuten gestoppt - also etwa eine halbe Sekunde langsamer als Schumacher heute, aber auch eine halbe Sekunde schneller als Kimi Räikkönen gestern.

Während Webber siebenmal unter der 1:20er-Schallmauer blieb, konnte der "Iceman" im Lotus heute nicht ganz an seine gestern gezeigte Performance anknüpfen: Platz fünf, 1,678 Sekunden Rückstand. Bereits am Vormittag klagte er erneut über Schwierigkeiten mit der Lenkung des E20, wenig später ratterte er in der Dry-Sac-Kurve durchs Kiesbett. Räikkönen konnte zwar weiterfahren, doch an der Box musste das Team Unterboden und Lenkung wechseln. Kurz vor Schluss war er noch einmal neben der Strecke.

Zwischen Webber und Räikkönen reihten sich zwei Nachwuchsfahrer auf den Positionen drei und vier ein: Daniel Ricciardo (+1,026) untermauerte den starken Eindruck, den Toro Rosso mit dem neuen STR7 schon gestern hinterlassen hatte, während auch Force-India-Testfahrer Jules Bianchi (+1,660) nahtlos an den beeindruckenden Auftakt von Stammfahrer Paul di Resta anknüpfen konnte. Bianchi musste sich das Cockpit heute übrigens mit di Resta (6.) teilen - und war unterm Strich sogar etwas schneller.

Temperaturen niedriger als gestern

Bei etwas kühleren und windigeren als gestern, aber durchgängig trockenen Bedingungen blieben die beiden WM-Favoriten Ferrari und McLaren weiterhin die Sorgenkinder des ersten Wintertests. Jenson Button spulte mit der vielleicht schönsten Nase im Feld 85 Runden ab und landete mit 2,127 Sekunden Rückstand auf Rang acht, doch die meisten Experten vor Ort gehen davon aus, dass McLaren keine fundamentalen Probleme mit dem neuen Auto hat.

Bei Ferrari sind sich da nicht alle hundertprozentig sicher: "Der Ferrari scheint sich dagegen zu wehren, eine schnelle Zeit zu setzen", analysiert der ehemalige Formel-1-Designer Gary Anderson für die 'BBC'. "Okay, sie müssen ihr Programm erledigen, aber es ist normalerweise schwierig, ein schnelles Auto zurückzuhalten. Wenn du wirklich brauchbare Daten sammeln willst, dann musst du dein Auto richtig aufladen."

Felipe Massa fuhr lange mit angezogener Handbremse, legte erst gegen Ende des Tages einen Zacken Aggressivität zu. Ergebnis: Platz sieben (+1,893). "Die Stoppuhr ist bedeutungslos. Wir müssen so viele Daten wie möglich sammeln, um das Fahrverhalten besser zu verstehen. Erwartet also keine spektakulären Rundenzeiten von unserer Seite", beruhigt die Scuderia über ihren offiziellen Twitter-Account. "Wichtig ist, dass wir unsere Arbeit ordentlich erledigen."

Zeiten ohne jede Bedeutung

Doch dem geschulten Formel-1-Fan ist ohnehin klar: Weil unterschiedliche Benzinmengen und Reifen eine Streuung von fünf bis sieben Sekunden pro Runden bedeuten können, ist jede Interpretation der bisherigen Testzeiten unseriös. Bestenfalls können Trends abgelesen werden, aber auch die müssen nicht immer stimmen. Bestes Indiz dafür: 2011 stellte Rubens Barrichello im später heillos unterlegenen Williams FW33 den Jerez-Jahresrekord auf...

Die Plätze neun bis zwölf gingen heute an Sergio Perez (Sauber/+2,150), Pastor Maldonado (Williams/+2,636), Heikki Kovalainen (Caterham/+2,957) und Pedro de la Rosa (HRT/+3,567). Letzterer kann nun zusammenpacken, denn HRT fährt erst in Barcelona wieder, während bei Caterham ein langer Abend der Datenauswertung ansteht: Kovalainen drehte die ersten Runden mit dem Hybridsystem KERS - und zwar gleich 139 davon!

Beeindruckend weiterhin die Zuverlässigkeit der Formel-1-Generation 2012, denn abgesehen vom Öldruck-Problem gestern bei Toro Rosso und dem einen oder anderen losen Verkleidungs-Teil gab es bisher keinerlei auffällige Defekte. Dass nach dem Räikkönen-Ausritt noch zweimal unterbrochen werden musste, hatte andere Gründe - zum Beispiel, dass die übereifrigen Streckenposten eine Wasserlache für einen rutschigen Ölfleck hielten...

Fotoquelle: xpb.cc

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