Eric Boullier sieht in Kimi Räikkönen einen perfekten Teamleader

Formel 1 2012

— 09.02.2012

Boullier über Raikkonen: "Es geht um das Gefühl"

Kimi Räikkönen war der Moralschub für das Lotus-Team - Eric Boullier schwärmt vom Charisma seines neuen Piloten, der wie gewohnt ganz cool bleibt

Nach einem enttäuschenden Jahr 2011 hatte Eric Boullier keine einfache Aufgabe vor sich, das nun unter dem Namen Lotus antretende Team für die Zukunft zu motivieren. Eine Schlüsselrolle spielte dabei Kimi Räikkönen, der laut Boullier einen frischen Wind in die Hallen in Enstone brachte. "Man spürt es, wenn er in der Fabrik ist. Schon vor der Verkündung haben mich Leute nach Kimi gefragt. Sein Ansehen in der Fabrik eilt ihm voraus."

"Jeder Fahrer ist anders und hat einen eigenen Charakter. Kimi bringt einen anderen Führungsstil mit als Robert", analysiert Boullier. "Er war der Weltmeister. Durch seine klare Art und Weise und seine Konstanz hat er sich selbst zum Teamleader gemacht. Die Leute wollen für ihn arbeiten und ihn nach vorn bringen."

Boullier schwärmt von Räikkönen

"Man erhält den Respekt und die Wertschätzung von den Leuten im Team, wenn man auf der Strecke Leistung bringt. Wenn man klare Aussagen über das macht, was man will, dann haben beide Seiten etwas davon", erkennt der Lotus-Teamchef, der Räikkönen für die treibende Kraft im Team hält: "Es geht um das Gefühl."

"Nur sehr wenige Leute im Team kannten Kimi. Doch nach seinen ersten Fahrten, die er mit dem Auto unternahm, haben sie verstanden, wie er arbeitet. Das Charisma des Kerls ist stark. Er ist ein Racer, er mag den Wettbewerb, liebt die Formel 1 und die Rennen. Der Grund, warum er zurückkam ist, dass er den Wettbewerb vermisst hatte", so Boullier.

"Man fühlt, dass er von Anfang an weiß, was er will. Es war offen, ob er auf der Strecke Leistungen bringen wird. Und das tut er. Die Leute in Enstone sind Racer und das sehen sie auch in Räikkönen", bemerkt Boullier. Die Abwesenheit des Finnen ist laut ihm kein Problem. Lotus unternimmt keine Anstrengungen, um den Ex-Weltmeister besser zu integrieren: "Es gab kein besonderes Programm, mit der Ausnahme, ihm schnellstmöglich so viele Kilometer wie möglich zu verschaffen."

Starker Einstand

Räikkönen bewies direkt am ersten Testtag, dass er offensichtlich nicht eingerostet ist. Mit einer Bestzeit beendete er seinen ersten Auftritt bei den Tests in Jerez. "Kimi ist da. Er wird in den ersten Rennen sicher etwas Zeit benötigen, um das ganze Wochenende über komplett auf Tempo zu kommen, doch hinsichtlich der Pace und der Gewöhnung ans Auto ist er bereit", berichtet Boullier zufrieden.

"Wir wissen, dass jeder Sportler, der das Training unterbrochen hat, etwas Zeit benötigt, um wieder seine Bestleistungen zu erreichen. In Kimis Fall denke ich, dass er vielleicht sogar schneller wurde. Er hat uns bereits vollkommen mit seinem Tempo und der Art und Weise, wie er sich ans Auto gewöhnt hat, überzeugt", lobt der Lotus-Teamchef.

Der Bestzeit am ersten Tag möchte er aber keine allzu große Beachtung schenken: "Man kann anhand der Rundenzeiten keine Rückschlüsse ziehen, wie schnell das Auto ist. Doch wenn man das Auto auf die Strecke schickt, es ausbalanciert ist und man erkennt, dass man damit arbeiten kann, dann beweist das, dass die Basis gut ist. Wie es sich von hier an entwickelt, ist eine andere Geschichte."

Der Finne bleibt cool

Räikkönen selbst verfällt ebenfalls nicht in große Jubelstimmung. Der Finne ist nach wie vor kein großer Emotionsmensch. "Es gibt Momente, in denen das Handling einfacher ist als an anderen Momenten. Aber insgesamt bin ich ziemlich zufrieden mit dem Auto", erklärt er gegenüber 'Formula1.com'. "Sicher gibt es genug Raum für Verbesserungen, doch ich würde sagen, dass es kein schlechter Start für Lotus und mich war."

Der Grund für seine Rückkehr ist einfach: "Ich fand den Rennsport so spannend. Ich habe es vermisst. Und es ist ein Fakt, dass die Formel 1 die höchste Form des Rennsports ist", stellt er klar. Dennoch glaubt er, dass es nicht zwangsläufig die schönste Sache auf der Welt ist: "Ich bin mir sicher, dass es viel mehr Dinge gibt, die man in seinem Leben machen könnte."

Der Erfolgshunger war weniger Räikkönens Comeback-Grund, auch wenn er in der Rallye-WM nie richtig nach vorn kam. "Ich weiß nicht, ob ich das Gewinnen vermisst habe", grübelt er. "Natürlich möchte jeder lieber gewinnen als verlieren. Doch es kommt nicht oft vor, dass man immer gewinnt. Es ist nicht so, dass ich daran gewöhnt bin, zu gewinnen."

Große Verantwortung

Nachdem Michael Schumacher große Probleme hatte, sich nach dem Comeback an die Formel 1 zu gewöhnen, befürchteten zahlreiche Experten, dass Räikkönen ebenfalls straucheln könnte. Zweifel an seiner Konkurrenzfähigkeit hatte der Lotus-Pilot aber offensichtlich nie: "Um ehrlich zu sein habe ich nie daran gedacht, dass ich es verloren haben könnte. Ich wusste beim Fahren des alten Autos in Valencia, dass es okay sein wird. Ich konnte es sofort fühlen. Natürlich liegen die 100 Prozent noch nicht an. Doch viel fehlt nicht mehr."

Die Verantwortung als Hoffnungsträger ist ihm bewusst: "Ich weiß, dass das Team im Vorjahr eine harte Saison hatte. Doch sie verfügen über tolle Leute und bis jetzt war es eine schöne Erfahrung, mit ihnen zu arbeiten. Ich hoffe, dass wir eine gute Zeit haben werden in den kommenden Monaten - und das wird dann ein noch größerer moralischer Schub."

"Mit Ausnahme der Reifen und dem Reifenhersteller hat sich nicht viel verändert. Die Autos haben sich nicht allzu sehr verändert und alles andere ist auch wie immer", schildert er. "Im Moment ist Laufleistung das magische Wort - für alle drei von uns: das Team, die Reifen und mich." Mit Prognosen tut sich der Weltmeister von 2007 aber schwer: "Wenn man mich nach meinen Zielen für diese Saison fragt, dass antworte ich mit 'Ich weiß es nicht'. Man muss die ersten Rennen abwarten und kann dann eventuell einen Tipp geben."

Fotoquelle: xpb.cc

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