Fernando Alonso und Ferrari sind bisher eines der großen Fragezeichen

Formel 1 2012

— 10.02.2012

Ferrari: Probleme, aber zumindest schnell

Fernando Alonsos Tagesbestzeit wirft Fragen auf, aber der Ferrari-Pilot stört sich mehr an der Zuverlässigkeit als am Speed des neuen F2012

Nach der verkorksten Saison 2011 hätte es Luca di Montezemolo wohl nur schwer verkraftet, wenn das Ferrari-Team von den ersten Testfahrten 2012 mit schlechten Nachrichten nach Hause gekommen wäre. Aber nachdem die Scuderia in Jerez de la Frontera drei Tage lang nicht unbedingt glänzen konnte, gab sie heute ein Lebenszeichen von sich.

Lokalmatador Fernando Alonso wurde um 10:44 Uhr in 1:18.877 Minuten gestoppt und sicherte sich damit relativ souverän die Tagesbestzeit, 0,7 Sekunden vor Jean-Eric Vergne (Toro Rosso, ebenfalls mit Ferrari-Motor) und Sebastian Vettel (Red Bull). Der Spanier legte anschließend eine langsame Runde ein, ehe er sich wieder auf 1:19.729 Minuten steigerte. Nach dem Acht-Runden-Run stand er aber erst einmal für zweieinhalb Stunden an der Box.

Intensive Experiment- und Testarbeit

"Wir arbeiten am Auto, um einige Änderungen durchzuführen und ein paar Probleme zu beheben", teilte Ferrari am frühen Nachmittag mit. Nach der Zwangspause konzentrierte sich das Team wieder auf Aerodynamik-Tests, teilweise mit gleichbleibender Geschwindigkeit, um Messwerte zu sammeln. Auffällig war auch, dass Ferrari die ganze Woche intensiver als alle anderen mit gelb-grüner Farbe experimentierte, um Luftströme am Auto sichtbar zu machen.

"Wir haben an diesen vier Tagen große Fortschritte gemacht", freut sich Alonso. "Vielleicht nicht so sehr in Sachen Performance, denn ich weiß ja nicht, wie die Bedingungen an den ersten beiden Tagen im Vergleich zu jetzt waren. Aber die Tests waren positiv, denn wir verstehen das Auto jetzt schon deutlich besser. Ich bin mir sicher, dass wir beim nächsten Test in Barcelona besser vorbereitet ankommen werden als hier in Jerez."

"Im Moment müssen wir noch daran arbeiten, das Auto zu verstehen. Bisher verstehen wir vielleicht 20 Prozent von dem, was wir verstehen müssen", spricht er die komplette Neuentwicklung F2012 an, die mit dem 2011er-Modell kaum etwas gemeinsam hat. "Hier haben wir uns vor allem darauf konzentriert, bei konstanter Geschwindigkeit an der Aerodynamik zu arbeiten und andere Dinge zu testen, aber im Setup liegt noch einiges drin."

Zu wenig aus der Zeit gemacht

"Leider haben wir nun nur noch zwei Tests, einen weniger als im Vorjahr", seufzt der Weltmeister von 2005 und 2006. "In Barcelona müssen wir die Fahrzeit maximieren, denn das einzig Negative war heute, dass wir in acht Stunden verfügbarer Zeit nur 39 Runden zurückgelegt haben. In Barcelona müssen wir jeden Tag mehr als 100 Runden schaffen, denn die Informationen, die man dabei sammelt, sind sehr wertvoll."

Wertvoll auch, dass Ferrari eine große Schwäche des 150° Italia ausgemerzt zu haben scheint: "Von dem, was ich bisher gesehen habe, ist das Aufwärmen der Reifen eine Stärke dieses Autos", stellt Alonso zufrieden fest. "Wir können gleich in der ersten Runde das Maximum herausholen, was vergangenes Jahr nicht möglich war. Verbesserungsbedarf haben wir bei Aerodynamik und Zuverlässigkeit. Wir sind gestern und heute zu wenig gefahren."

Nur eine Vorstandszeit für den Chef?

Der ehemalige Formel-1-Designer Gary Anderson findet das heutige Lebenszeichen von Ferrari "ziemlich beeindruckend - die zweitschnellste Zeit der Woche hinter Grosjeans Lotus. Ob er das mit zehn, 20 oder 30 Kilogramm Benzin gefahren ist, wissen wir nicht, aber klar ist, dass sie nach dieser Woche erhobenen Hauptes nach Maranello zurückfahren wollen", deutet der 'BBC'-Experte an, dass die schnelle Zeit auch den Zweck erfüllen könnte, Präsident Montezemolo zu beruhigen.

Für diese Theorie spricht, dass Alonso nur einmal unter 1:19 und fünf weitere Male unter 1:20 blieb. Seine Bestzeit fuhr er allerdings in der zweiten Runde eines acht Runden langen Runs. "Der Ferrari", analysiert Anderson, "kann offensichtlich eine gute Rundenzeit schaffen, aber sie scheinen immer noch Schwierigkeiten zu haben, das Auto zu verstehen. Das verwundert mich, denn die Topteams haben heutzutage sehr gute Simulations-Werkzeuge."

Dank der heutigen Bestzeit war der Ferrari das zweitschnellste Auto der ersten Testwoche, knapp eine halbe Sekunde hinter dem Lotus E20, aber drei Zehntelsekunden vor dem Red Bull RB8. Ob diese Pace echt ist, darüber sind sich die Experten allerdings nicht einig - die bisherigen Zeiten zu interpretieren, ist von außen betrachtet so gut wie unmöglich. Weiter geht's für Ferrari ab 21. Februar in Barcelona, wieder mit Alonso am Steuer.

Fotoquelle: Ferrari

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