Kimi Räikkönen fühlt sich von der Öffentlichkeit oft missverstanden

Formel 1 2012

— 16.02.2012

Räikkönen: "Hatte noch nie Motivationsprobleme"

Mäßig motiviert? Nur des Geldes wegen zurückgekehrt? Kimi Räikkönen räumt mit Vorurteilen auf und erklärt, warum man ihm bei Ferrari fehlende Motivation vorwarf

Kimi Räikkönen muss sich seit seinem Formel-1-Einstieg 2001 mit zahlreichen Vorurteilen herumschlagen. Zunächst hieß es, er sei noch nicht reif für die Königsklasse. Das Gegenteil bewies er bereits in seinem ersten Rennen. Nachdem er bei Ferrari völlig überraschend Weltmeister wurde, warf man ihm vor, er könne das Team nicht führen, weil ihm dazu die soziale Kompetenz fehle. Und jetzt, wo er bei Lotus ein Comeback gibt, meinen Kritiker, er mache dies nur des Geldes wegen und werde rasch die Motivation verlieren, wenn sich nicht sofort Erfolge einstellen.

Der 32-Jährige ist allerdings bekannt für seine dicke Haut. Wie die Außenwelt über ihn denkt, war für ihn schon immer von geringer Bedeutung. Seine einsilbigen Antworten auf Journalistenfragen beweisen das. Dennoch fühlt er sich nun missverstanden. "Natürlich will man etwas Geld verdienen, aber ich habe das nicht nötig", sagt er gegenüber 'Autosport'. "Der Rennsport ist für mich die Hauptsache. Es gab ständig Gerede über meine Motivation, aber die Leute, die das schreiben, kennen mich nicht einmal. Ich hatte noch nie Motivationsprobleme."

Räikkönen ist bemüht, mit diesem Vorurteil aufzuräumen: "Ständig kursiert irgendein Blödsinn, und mir ist es egal, wenn die Leute das schreiben wollen. Wie kann ich es ändern? Ich hätte schon aufgehört, wenn ich keine Motivation mehr gehabt hätte." Dieses Vorurteil stammt vor allem aus Räikkönens Ferrari-Zeit, als er nach dem Weltmeister-Titel 2007 in den zwei Jahren darauf nicht mehr an die vorangegangenen Leistungen anschließen konnte und im Schatten von Teamkollege Felipe Massa stand.

Räikkönen und das Ferrari-Missverständnis

Teamchef Stefano Domenicali hatte dem Finnen damals vorgeworfen, er "lebt auf seinem eigenen Planeten". Doch Räikkönen sieht sich als Opfer eines Missverständnisses: "Das Problem ist nicht die Motivation, wenn das Auto scheiße ist. Man fährt so gut man kann und hat keine guten Resultate. Es ist nicht immer der Fahrer schuld, aber es ist leicht, den Kerl im Auto zu beschuldigen. Ich finde, dass ich 2009 bei Ferrari eine meiner besten Saisons gefahren bin, also bin ich damit zufrieden."

Damals gelang ihm allerdings nur ein einziger Sieg - in Spa-Francorchamps. Interessant ist, dass erst nach Massas schwerem Unfall beim "Iceman" der Knoten platzte. Laut 'Autosport' gibt es dafür einen Grund: Anfang 2009 hatte das Team den Boliden immer mehr nach Massas Bedürfnissen entwickelt. Als der Brasilianer aber ab Saisonmitte ausfiel, fragte das Team Räikkönen, was ihm am Auto nicht passt. Nach dessen Ausführungen lief es plötzlich besser. Warum er dies nicht gleich gesagt hatte? "Habe ich", meinte Räikkönen. Als die Reaktion ausgeblieben war, hatte er das Thema nicht mehr angesprochen.

Ziel WM-Titel - aber nicht um jeden Preis

Doch welche Ziele hat Räikkönen nun für seine zweite Karriere in der Formel 1? "Natürlich will man Weltmeister werden", stellt er klar. "Es ändert aber nichts an meinem Leben. Es ändert eher, wie die Leute dich ansehen oder über dich denken. Ich bin froh, wenn ich etwas erreiche. Wenn ich in Zukunft mehr Rennen gewinne, dann schön und gut, aber ich bin nicht besessen davon, dass ich das schaffen muss. Wenn es nicht passiert, dann passiert es eben nicht."

Demnach könnte Räikkönen auch damit leben, dieses Jahr nicht um Siege, sondern um WM-Punkte zu kämpfen. "Der letzte Ferrari, den ich gefahren habe, war nicht immer vorne und ich hatte trotzdem ziemlich gute Rennen", verweist er einmal mehr auf das Jahr 2009. "Ich gebe nicht auf, wenn ich - sagen wir - Achter bin. Solange ich weiß, dass ich 100 Prozent gebe, bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Wenn es nicht für den Sieg reicht, dann ist das egal."

Lotus von Räikkönen überzeugt

Auch sein neues Team widerspricht dem Vorwurf gegen Räikkönen, er wolle die Gelegenheit nutzen, sich in der Formel 1 noch einmal eine goldene Nase zu verdienen und wäre nur bedingt auf Topleistungen fokussiert. "Ich kann versichern, dass Kimi zurückgekommen ist, weil er wieder Rennen fahren will. Geld war nur Nebensache", sagt Teambesitzer Gerard Lopez gegenüber dem 'Turun Sanomat'.

Und auch Technikchef James Allison bestätigt, dass sich Räikkönen auf sein Comeback nach der zweijährigen Pause perfekt vorbereitet hatte. "Schon in der ersten Runde meinte es Kimi ernst und er fuhr viele Runden. Wir absolvierten an beiden Tagen viel mehr als eine Grand-Prix-Distanz und er sah fit wie ein Turnschuh aus. Vor allem bei den Longruns war er immer voll da."

Nur das Rennfahren zählt

Gut möglich, dass dem 32-Jährigen auch die Atmosphäre behagt. Das Team weiß, dass er ein eigenwilliger Charakter ist, der eine Art Sonderbehandlung braucht. Von Räikkönen zu verlangen, dass er das Team wie Fernando Alonso führt oder ihn mit Sponsorenterminen zuzuschütten, wäre vermutlich die falsche Strategie.

Das war schon in der Vergangenheit der Fall. Und Räikkönen ist der Ansicht, dass sich die Königsklasse des Motorsports seitdem kaum verändert hat: "Ich mag das Rennfahren und deshalb bin ich in die Formel 1 gekommen. Alles andere ist Teil der Formel 1, aber nicht die Hauptsache." Ein Aspekt hat sich aber laut dem Lotus-Piloten verbessert: Im Gegensatz zu seinen Anfangszeiten in der Formel 1 darf kaum noch getestet werden. "Wenn man an gewissen Orten mehrere Testtage hintereinander absolviert, dann zählt das nicht immer zu den lustigen Dingen", macht Räikkönen keinen Hehl aus seiner Test-Abneigung.

Fotoquelle: xpb.cc

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