Mercedes will mit dem F1 W03 die Lücke zur Spitze schließen

Formel 1 2012

— 22.02.2012

Mercedes: Können schneller als andere entwickeln

Von einer guten Basis aus will Mercedes den F1 W03 zügig weiterentwickeln und so die Lücke zur Spitze schließen - Die Eindrücke vom Testauftakt sind ermutigend

Während fast alle anderen Formel-1-Teams vor zwei Wochen in Jerez mit ihren neuen Fahrzeugen testeten, waren die Mercedes-Piloten noch mit dem alten Fahrzeug unterwegs. Das Team hatte sich entschlossen, den Ingenieuren zusätzliche Entwicklungszeit zu geben und präsentierte das neue Auto erst in dieser Woche bei den Testfahrten in Barcelona. Michael Schumacher erklärt, warum man vor diesem Hintergrund nicht gänzlich auf die Reise nach Jerez verzichtet hat.

"Wir haben das alte Auto genommen, um die Reifen zu testen", sagt der Deutsche am Rande der Testfahrten in Barcelona. "Und das war gar nicht mal so schlecht, denn wir kennen das alte Auto sehr gut und konnten so die Unterschiede zwischen den Reifen gut erkennen. Damit haben wir einige Referenzwerte für das neue Auto gewonnen." Die neuen Pirelli-Mischungen kamen beim siebenmaligen Weltmeister gut an. "Die Reifen sind im Vergleich zum vergangenen Jahr auf jeden Fall besser geworden, vor allem die Hinterreifen. Das fühlt schon eher wie ein Formel-1-Reifen an."

Nachdem Schumacher und Rosberg Ende vergangener Woche für Filmaufnahmen in Silverstone die ersten Runden in ihrem neuen Auto gefahren waren und am Sonntag einen privaten Testtag in Barcelona absolviert hatten, ging der F1 W03 gestern zum ersten Mal gemeinsam mit den anderen Autos auf die Strecke. Auch ein Hydraulikdefekt, durch den Schumacher einige Zeit verlor, konnte den guten ersten Eindruck nicht schmälern.

Bislang hohe Zuverlässigkeit

"Das war heute der vierte Tag, an dem wir das Auto gefahren sind, und der Defekt an der Hydraulik war das erste Problem überhaupt. Davon abgesehen ist die Zuverlässigkeit schon sehr gut. Das Gefühl im Auto ist gut, es hat großes Potenzial", erklärt der 43-Jährige. Obwohl am Ende des Tages nur 51 Runden zu Buche standen, war auch Teamchef Ross Brawn "so zufrieden, wie man am ersten Tag sein kann. Das Auto scheint sich so zu verhalten, wie wir es erwartet haben."

Wie viel dieser gute Eindruck wert ist, mag Schumacher aber noch nicht beurteilen: "Aufgrund der Regeländerungen kann man nur schwer sagen, wie viel dieses gute Gefühl wert ist, das wissen wir erst am Ende der Woche." Auch habe er noch keine Möglichkeit zu Analyse der Zeiten der anderen Teams gehabt. Der Deutsche ist jedoch überzeugt, "dass das Auto generell ein Fortschritt sein wird. Die Frage ist: Wie groß ist der Fortschritt?"

Schumacher erläutert, was aus fahrerischer Sicht die Schwerpunkte des ersten Testtages waren: "In erster Linie gehst du auf die Balance ein, vom Kurveneingang bis zum Kurvenausgang. Wie verhält sich das Auto bei hohen und niedrigen Geschwindigkeiten, und wie sind die ersten Eindrücke? Und diese ersten Eindrücke sind positiv, die haben sich alle gut angefühlt." Der siebenmalige Weltmeister schränkte jedoch ein: "Das heißt aber nicht, dass man das gleich in Rundenzeiten umsetzen kann." Und auch Brawn findet: "Es ist noch zu früh, um ein Urteil zu fällen."

Bell: Müssen einen Rückstand aufholen

Aus Ingenieurssicht waren am ersten Tag andere Punkte entscheidend, wie der Technische Direktor Bob Bell erklärt: "Wir überprüfen zunächst, ob sich das Auto so verhält, wie wir es erwarten. Bevor das Auto zum ersten Mal auf die Strecke geht, testen wir auf dem Prüfstand in der Fabrik, ob unsere theoretischen Berechnungen stimmen. Wir überprüfen, ob das Fahrwerk und alle anderen Systeme wie erwartet funktionieren. Die Arbeit an der Strecke ist nur eine Fortsetzung dessen. Wir bringen wesentlich mehr Mess-Sensoren am Fahrzeug an als später im Rennen. Wichtig ist, dass unsere Berechnungen mit den Messwerten auf der Strecke bestmöglich übereinstimmen."

Der frühere Renault-Ingenieur, der im April zu Mercedes gekommen war, verteidigt die Entscheidung des Teams, das neue Auto mit zweiwöchiger Verzögerung einzusetzen: "Wir hatten im vergangenen Jahr Rückstand und wollen diese Lücke schließen. Daher wollten wir unseren Ingenieuren für die Entwicklung des Autos so viel Zeit wie möglich geben." Gleichzeitig sollte jedoch ausreichend Zeit für die Produktion der neuen Teile und die Montage des Fahrzeugs bleiben, wie Schumacher bestätigt: "Wir wollten länger im Windkanal arbeiten und das Auto dann in Ruhe zusammenbauen."

Aus Sicht der Mercedes-Verantwortlichen war die Verschiebung der Fahrzeug-Präsentation auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit kein allzu großes Risiko. "Ich war erleichtert, als ich in Jerez gesehen habe, wie zuverlässig alle Teams bereits waren", sagt Bell. In der Tat gab es bei den ersten Testfahrten erstaunlich wenig Defekte: "Das machte mich zuversichtlich, dass auch unser Auto nicht gleich auf der ersten Runde auseinanderfällt." Somit sei die Entscheidung für Mercedes die richtige gewesen, ein pauschales Urteil könne man jedoch nicht fällen. "Ein anderes Team in einer anderen Position würde das vielleicht anders sehen", so Bell.

Nachdem das Testprogramm von Mercedes im vergangenen Jahr durch einige technische Probleme in Verzögerung geriet, wollte das Team 2012 ein Auto präsentieren, das von Beginn an fehlerlos funktioniert. Die sei laut Bell die Grundlage für einen Schritt nach vorne: "Wir haben im Verlauf der Saison bewiesen, dass wir das Auto weiterentwickeln und in diesem Bereich mit den Spitzenteams mithalten können. Wenn wir mit einem guten Auto beginnen, können wir es genau so schnell oder vielleicht noch schneller als alle anderen weiterentwickeln", ist der Technische Direktor überzeugt. "Daher war ein problemloser Start für uns so wichtig."

Baustellen wurden angegangen

Darüber hinaus wurden auch die Hauptbaustellen des Vorjahrs angegangen. 2011 litten die Mercedes im Rennen unter einem hohen Reifenverschleiß an der Hinterachse, darüber hinaus gab es Probleme mit den Kühlern. "Was wir bisher gesehen haben, macht uns jedoch zuversichtlich, dass wir die Schwachstellen in den Griff bekommen", sagt Bell. "Einige der genannten Probleme konnten wir zufriedenstellend lösen, zum Beispiel die Kühlung. Beim Reifenverschleiß gibt es noch ein Fragezeichen, dazu müssen wir bei höheren Streckentemperaturen fahren."

Beim Design der Fahrzeugnase verfolgt Mercedes den gleichen Ansatz wie die meisten anderen Teams. Auch der neue Silberpfeil verfügt über die typische Höcker-Nase des Jahrgangs 2012. Dass dies optisch nicht die eleganteste Lösung ist, stört Schumacher nicht: "Wir haben da einen anderen Blickwinkel. Für uns ist entscheidend, dass die aerodynamischen Werte passen."

"Bei der Interpretation der Regeln gibt es offenbar zwei verschiedene Konzepte. Das von McLaren und das von allen anderen. Welches das bessere ist, werden wir herausfinden. Für die Zuschauer ist die Nase gewöhnungsbedürftig, aber für uns ist das nichts Besonderes", sagt der Kerpener und erklärt, was wirklich entscheidend ist: "Für uns kommt es nur darauf an, was wir auf der Stoppuhr sehen."

Fotoquelle: xpb.cc

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