Nicht alle Experten trauen Kimi Räikkönen ein Comeback nach Maß zu

Formel 1 2012

— 28.02.2012

Räikkönen so gut wie früher? "Mit Sicherheit nicht!"

Toto Wolff glaubt nicht, dass Kimi Räikkönen 2012 auf Lotus der Alte sein wird, während Christian Danner Romain Grosjean als harte Konkurrenz einschätzt

Zwei Jahre nach Michael Schumacher wagt sich 2012 mit Kimi Räikkönen ein weiterer Ex-Weltmeister an ein Comeback in der Formel 1 heran. Der 32-jährige Finne kehrt mit Lotus in die Königsklasse zurück, saß bisher aber erst vier Tage im Auto (zwei davon in einem 2010er-Modell). Zum Vergleich: Schumacher kam 2010 bis Bahrain offiziell auf acht Testtage mit mehr als 3.200 Kilometern.

Trotzdem zweifelt niemand an Räikkönens natürlichem Talent: "Wenn Kimi das richtige Auto hat, kann er um den Titel fahren", wird zum Beispiel Bernie Ecclestone von der 'Sport Bild' zitiert. Offenbar wäre man auch bei Williams von der Idee durchaus angetan gewesen, Räikkönen zu verpflichten, doch die Verhandlungen scheiterten - und kaum war das Thema erledigt, gab auch schon Lotus die Einigung mit dem Comeback-Superstar bekannt.

Wolff nicht von Räikkönens Speed überzeugt

"Es ist immer ein sehr komplexes Thema, da geht's um viele Dinge", erklärt Williams-Großaktionär Toto Wolff gegenüber 'ServusTV'. "Manchmal stimmt der Zeitpunkt nicht und manchmal sind es einfach Vertragsdetails, wo man dann nicht zueinander gekommen ist. Man muss ganz klar sagen: Kimi Räikkönen ist eine beeindruckende Persönlichkeit und sicher ein toller Fahrer. Jetzt gibt es verschiedene Variablen, die da mitspielen."

Wolff spricht in diesem Zusammenhang von einer "Plus- und einer Minus-Liste", die es aus seiner Sicht abzuwägen galt. Auf der Plus-Seite standen das unbestrittene Talent sowie der große Name und damit einhergehende Chancen bei Sponsoren, auf der Minus-Seite unter anderem Räikkönens kaum berechenbare Motivation sowie zwei Jahre Pause, in der sich in der Formel 1 mit Pirelli-Reifen, Tankverbot und DRS grundlegend verändert hat.

Frage an Wolff: Ist Räikkönen immer noch so schnell wie früher? "Ich bin jetzt ganz direkt und sage: mit Sicherheit nicht", antwortet der Österreicher, schränkt aber ein: "Ich kann da auch komplett falsch liegen. Ich glaube, wenn man als Fahrer das Metier gewechselt hat und Rallye gefahren ist, kann man auch kompletter werden - aber man war auch ein, zwei Jahre weg. Das Thema Reifen ist dazugekommen, das Thema Sprit und Gewicht ist dazugekommen."

Bevor Williams bei Bruno Sennas millionenschwerer Sponsorenmitgift schwach geworden ist, war auch Adrian Sutil ein ernsthaftes Thema als neuer Teamkollege von Pastor Maldonado. Sutil bringt zwar weniger Sponsoren-Appeal mit als ein ehemaliger Weltmeister, aber rein fahrerisch steht er bei Wolff unverändert hoch im Kurs: "Ich hätte mal gesagt, Adrian Sutil in voller Blüte, wie er es letztes Jahr war, wäre für Kimi sicher eine schwierige Aufgabe."

Sutil: Großes Lob für Räikkönen

Sutil selbst ist nach seiner Verurteilung zu 18 Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung (noch nicht rechtskräftig), weiterhin auf der Suche nach einem Arbeitgeber in der Formel 1. An Räikkönens Fähigkeiten zweifelt er nicht: "Ich glaube schon, dass er's drauf hat. Er ist ja auch nicht so alt. Es ist nicht so, dass er fast schon in Rente gegangen ist, sondern er hat einfach mal zwei Jahre ausgesetzt", meint der ehemalige Force-India-Pilot.

"Ich hielt ihn immer für einen der spektakulärsten, coolsten und besten Fahrer der Formel 1. Ich habe großen Respekt vor ihm und ich glaube, dass er das gut meistern wird", spricht er seinem langjährigen Rivalen ein großes Kompliment aus. "Ob er sofort wieder da sein wird, weiß ich nicht. Die Reifen haben sich gegenüber den Bridgestones sehr geändert - ich habe da letztes Jahr auch ein bisschen Zeit gebraucht. Das wird er bestimmt auch feststellen."

Laut Nick Heidfeld sei das Räikkönen-Comeback "unheimlich schwierig einzuschätzen, ein bisschen ein Ratespiel. Er hat auf jeden Fall das Talent, ist nicht umsonst Weltmeister gewesen. Auf der anderen Seite war er zwei Jahre weg. Wir müssen uns überraschen lassen", so der in der Formel 1 ebenfalls arbeitslose Deutsche, der dieses Jahr die 24 Stunden von Le Mans bestreiten wird, im Hangar-7-Studio von 'ServusTV' in Salzburg.

Zunächst einmal gilt es für den Weltmeister von 2007 (mit Ferrari in einem spannenden Titelfight gegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso), das teaminterne Duell gegen Romain Grosjean zu gewinnen. Diesbezüglich wird man Räikkönen unweigerlich an Fernando Alonso messen, der Grosjeans erste Formel-1-Karriere 2009 beendet hat - ein Vergleich, der jedoch hinkt, denn der junge Franzose ist heute viel reifer als noch vor zweieinhalb Jahren.

Starke Konkurrenz im eigenen Team

"Es wird richtig verzwickt für ihn, denn man darf eines nicht vergessen: Er hat einen gewissen Herrn Romain Grosjean als Teamkollegen", befürchtet Formel-1-Experte Christian Danner, selbst 34-facher Grand-Prix-Teilnehmer. "Auch wenn sie an anderen Tagen gefahren sind, aber der hat ihm beim ersten Test mal eben 1,2 Sekunden eingeschenkt. Das ist eine Menge Holz. Ein Grosjean in der Reife, wie er jetzt ist, ist nicht zu unterschätzen."

Grosjean stand Ende 2009 schon auf dem Abstellgleis, entschloss sich aber dazu, einen neuen Anlauf zu starten - und bekommt als amtierender GP2-Champion seine zweite Chance. Danner traut ihm viel zu: "Wenn es von den Jungen überhaupt einen Piloten gibt, der sichtbar richtig schnell und richtig gut ist, dann ist das der Teamkollege von Kimi. Daran kann er sich die Zähne schon ausbeißen. Und Grosjean ist ein No-Name, den in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand kennt."

Eine Einschätzung, die übrigens auch der vierfache Weltmeister Alain Prost teilt: "Ich denke, dass Romain gute Chancen hat, erfolgreich zu sein, zumal er bei Lotus einen so starken Teamkollegen wie Kimi Räikkönen hat. Ein junger Pilot bekommt selten eine zweite Chance, sich in der Formel 1 zu beweisen, aber ich glaube, Romain wird sich rasch entwickeln. Dass er Räikkönen im Team hat, ist ein Vorteil für ihn", so der Franzose gegenüber 'F1News.Ru'.

Abschließend lässt sich Danner gegenüber 'ServusTV' noch zu einem Outing hinreißen: "Ich bin nicht der allergrößte Kimi-Fan", gesteht der 'RTL'-Co-Kommentator aus der Sicht des Medienmachers, ergänzt jedoch: "Ich respektiere unglaublich, was er im Auto zu leisten imstande ist, aber es ist einfach angenehmer, wenn diese Menschen, die diese herrlichen Autos fahren, auch das eine oder andere Wort darüber verlieren. Das ist bei ihm eher selten der Fall."

Fotoquelle: Lotus

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