Flavio Briatore betrachtet die Formel 1 aus einer anderen Perspektive

Formel 1 2013

— 01.05.2013

Briatore: "Niemand denkt an die Zuschauer"

Ex-Teamchef Flavio Briatore kritisiert die "Geldvernichtungs-Maschine" Formel 1: "Es ist keine Fahrer-WM, sondern eine Weltmeisterschaft der Windkanäle"



Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Situation haben auch die Teams der Formel 1 ihre Sorgen und Nöte. Mindestens 50 Prozent des Starterfeldes steckt in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Die Situation wird in Zukunft kaum besser. 2014 tritt das neue Reglement in Kraft, das unter anderem deutlich teurere Antriebsstränge mit sich bringt. Der von der Teamvereinigung FOTA eingeschlagene Weg zum Sparen wird nur langsam beschritten - wenn überhaupt.

"Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes haben hohe Budgets. Wir haben aber gesehen, dass sie manchmal von Lotus geschlagen werden können, die deutlich weniger Geld haben. Auch Sauber und Force India fahren manchmal in die Riege der vier großen Teams hinein", stellt Ex-Formel-1-Teamchef Flavio Briatore seine Sicht der aktuellen Dinge gegenüber 'Autosport' dar. Der Italiener sieht bei den großen Teams eine umfangreiche Geldvernichtung ohne jeglichen Nutzen für die Königsklasse.

"Wie muss sich ein Ingenieur fühlen, der mit seinem 200-Millionen-Dollar-Budget von jemandem geschlagen wird, der nur 90 Millionen zur Verfügung hat? Der müsste doch am Boden zerstört sein", erklärt Briatore, der rückblickend immer noch an seinen früheren Erfolgen mit Benetton seine helle Freude hat. "Wir haben damals Titel geholt, obwohl wir viel weniger Geld hatten als die Topteams." Der ehemalige Teamchef ist vor diesem Hintergrund ein Verfechter der Budgetdeckelung.

"Warum sollte so etwas nicht funktionieren? Die Topteams geben unglaublich viel Geld aus. Die haben 170 Leute, die sich um die Aerodynamik kümmern. Das ist dann doch keine Fahrer-WM mehr, sondern es ist eine Weltmeisterschaft der Windkanäle", kritisiert Briatore. "Aber so ist es eben in der Formel 1: Wenn Geld vorhanden ist, dann wird es ausgegeben. Wenn man einer Abteilung sagt, dass sie zehn Millionen Dollar bekommt, ist das Geld am nächsten Tag schon weg."

Stellwände vor Boxen: "Lächerlich"

"Die FOTA hat eine Beschränkung der Windkanalnutzung durchgesetzt. Ob man 300 oder 50 Stunden im Windkanal verbringt, macht ohnehin keinen Unterschied, weil alle die gleiche Zeit bekommen. Man kann dort viel Geld sparen. Das Problem ist: Niemand denkt an die Zuschauer", meint der Italiener, der sicher ist, dass man eine bessere Show für deutlich weniger Geld bieten könnte. "Irgendwann fingen die Teams damit an, die Sicht in die Garagen zu versperren. Das war der größte Blödsinn, den ich jemals in der Formel 1 gesehen habe. Man will Rennautos sehen, aber die bauen eine Stellwand davor auf."

"Früher gab es mal die Situation, dass die Teams spezielle Autos für das Qualifying gebaut haben. Alle hatten solch ein Auto, somit war niemand mehr im Vorteil. Es war ein Irrsinn", erinnert sich Briatore. So schlimm sei es - auch Dank dem Bemühen der FOTA - heutzutage nicht mehr, aber dennoch siege in der Formel 1 das Geld noch oft über die Vernunft, meint der umstrittene Ex-Teamchef. "Nehmt zehn GP2-Autos, lackiert sie alle in Gelb und setzt die zehn besten Fahrer rein. Das würde ein erstklassiges Rennen. Außerdem könnten wir dann sehen, wer der beste Fahrer ist."

"Warum sollten nicht alle das gleiche Chassis fahren? Heutzutage wird intensiv an der Luftführung gewerkelt - reine Spielerei. Wenn, dann lasst sie doch einfach mit den Flügeln spielen, so wie früher. Wenn ich mir heute die Telemetrie anschaue, ist das Wahnsinn. Die haben 30 Leute in der Fabrik, die das Rennteam von dort unterstützen. Das ist komplett verrückt", kritisiert Briatore die Auswüchse der modernen Formel 1. Der Italiener fordert ein Ausbrechen aus der Kostenspirale.

"Wenn die Teams 40 Prozent weniger ausgeben, dann müssen letztlich zum Beispiel auch die Promoter der Rennen 40 Prozent weniger zahlen. Wir haben nur noch wenige Rennen in Europa. Das ist nicht gut", meint Briatore. "Die Veranstalter der Rennen haben teilweise nicht mehr das nötige Geld, um ihren Grand Prix anständig zu promoten. Außerdem muss man bedenken: Wenn weniger Geld ausgegeben wird, dann werden die Autos ähnlicher. Und ähnlich starke Autos bedeuten in der Konsequenz guten Rennsport."

Fotoquelle: xpb.cc

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