In Europa will Mercedes an die Form aus Fernost anknüpfen

Formel 1 2013

— 09.05.2013

Mercedes: Wüstensand aus den Rennstiefeln geschüttelt

Hamilton und Rosberg sehen dem Wochenende wegen neuer Teile, niedrigerer Temperaturen und dem guten Gefühl der Testfahren optimistisch entgegen



Mit zwei Podestbesuchen durch Lewis Hamilton und insgesamt sechs Platzierungen in den Punkteränge erlebte Mercedes einen mehr als vernünftigen Saisonstart 2013. Die Vorstellung in Bahrain jedoch wirkte wie ein Rückfall in fast vergessene Zeiten, als den Silberpfeilen selbst der Anschluss an das Mittelfeld abging. Der Ex-Weltmeister und Teamkollege Nico Rosberg glauben, dass es dazu am kommenden Wochenende in Barcelona nicht wieder kommt. Den Technikern und dem Wetter sei Dank.

Hamilton ist deshalb optimistisch, weil er in Bahrain sehr viel Reifenverschleiß auf der Hinterachse beobachtet hatte, darunter aber nicht so stark litt wie sein Stallgefährte. "Man versucht, das Rutschen und die Erwärmung so gut es geht zu verhindern", erklärt er die Herangehensweise der Piloten. Er selbst zog seinen Stiefel in der Wüste von Start bis Ziel nach entsprechendem Muster durch. "Aus irgendeinem Grund war das Auto in der zweiten Rennhälfte schneller als in der ersten, die Balance hatte sich zur Mitte verbessert", wundert sich Hamilton über die mysteriöse, aber willkommene Formkurve seines Arbeitsgerätes.

Dem Pirelli-Pneu traut er eine höhere Halbwertszeit zu, als das mancher Kritiker im Vorfeld vermutet. "Das Positive ist, dass der Reifen auf dem Auto länger halten kann als einige denken", erklärt der Brite und führt diese Erkenntnis darauf zurück, dass es in Barcelona nicht nur kälter ist, sondern die Achsen auch gleichmäßiger belastet werden. So rücke neben den Hinter- auch der linke Vorderreifen in den Fokus. "Das spielt uns hoffentlich in die Hände", blickt Hamilton voraus. Rosberg stimmt zu und hält die massiven Schwierigkeiten in Manama für einen einmaligen Ausrutscher.

Barcelona-Tests kaum noch aussagekräftig

Dieser sei den klimatischen Bedingungen und hohen Temperaturen geschuldet gewesen, die auf der arabischen Halbinsel herrschten. "Schlimmer kann es gar nicht mehr kommen, zumindest hoffe ich das. Noch in Malaysia zählten wir zu den Schnellsten im Rennen", erinnert der Wiesbadener daran, dass Hitze für Mercedes nicht automatisch ein Waterloo bedeutet. Dennoch fordert er, sich dieser Thematik intensiv zu widmen. "Wir müssen zusehen, weitere Verbesserungen vorzunehmen und die Reifen besser zu verstehen", macht Rosberg klar, wittert in Brackley aber "Schritte in die richtige Richtung".

Den Ingenieuren Arbeit beschert habe allen voran die Tatsache, dass sich im Winter viel getan hätte in der Formel 1: "Das liegt auch daran, dass diese Saison sich sehr unterscheidet. Die Pneus sind viel extremer, die Entwicklung geht weiter und weiter. Bahrain hat unsere Schwächen aufgedeckt, wir arbeiten daran." Ergebnisse sollen schon in Barcelona sichtbar werden, schließlich rückt Mercedes mit neuen Teilen in Katalonien an. Hamilton findet, dass schon bisher viele Pluspunkte verzeichnet wurden: "Was wir bisher erreicht haben, ist unglaublich. Wir nehmen das nicht als selbstverständlich hin."

Denn aus dem Dauertief von 2012 ist 2013 eine Saison mit sporadischen Highlights geworden. "Es war ein Hoch und Runter, es ist viel passiert", unterstreicht Rosberg, der auch einräumt: "Es ist dieses Jahr nicht ideal gelaufen, ganz klar. Aber ich versuche, mich an die ganzen positiven Sachen zu hängen und an den Glauben, dass es immer besser wird und die Resultate in naher Zukunft auch." Ist einer dieser Aspekte die Tatsache, dass Mercedes bei den Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya mit starken Zeiten auf sich aufmerksam machte? Der 27-Jährige winkt ab: "Die Tests haben kaum noch Aussagekraft, sie sind so lange her. Die Entwicklung geht so schnell - seitdem hat sich jeder mehrmals verbessert."

Updates häppchenweise

Das Rätselraten um Spritmengen, wie es im Saisonvorfeld zum guten Ton gehört, würde sein Übriges dazutun. Rosberg widmet sich lieber den handfesten Dingen des Formel-1-Lebens: "Ich betrachte die jüngsten Leistungen und da lief es bei uns im Qualifying wirklich gut. Es gibt keinen Grund, warum wir am Samstag nicht in guter Ausgangsposition sein sollten", findet er und sieht den Knackpunkt am Sonntag: "Was wir verbessern wollen, sind unsere Rennleistungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit bei der Musik sind." Nichtsdestotrotz: Einen positiven Effekt haben die guten Ergebnisse der Tests, und der ist mentaler Natur.

Rosberg erklärt die Wirkweise des katalanischen Seelenbalsam: "Ich weiß, dass ich mich mit diesem Auto auf der Strecke wohlgefühlt habe. Wenn ich einige Monate später zurückkehre, dann ist es ein besseres Gefühl, als wenn es nicht so gut gelaufen ist." Zu den greifbareren Gründen für seinen Optimismus zählen die Updates, die Ross Brawn und Co. mit in die Box bringen. Von deren Umfang ist Hamilton durchaus überrascht, schließlich serviert Mercedes lieber Molekularküche als den ganzen Braten - wie es McLaren tat. "Was dieses Team macht, ist anders als das, was ich zuvor gewohnt war."

Hamilton erinnert sich an die Vorgehensweise in Woking: "In den ersten Rennen lief da nicht viel, dann aber eine Menge für den Europaauftakt." Anders gearbeitet wird hingegen an seinem neuen Arbeitsplatz in Brackley: "Dieses Team bringt bei jedem der Grand Prix Verbesserungen. Es ist nicht das größtmögliche Paket, aber definitiv eine Verbesserung", so der Ex-Weltmeister, der für den Spanien-Grand-Prxi auch deshalb ein gutes Gefühl hat, weil es schon bei seinem Vorgänger Schumacher 2012 in Barcelona rund lief. "Michael hätte das Auto fast auf die Pole-Position gestellt, es war also ziemlich gut."

Bahrain als einmaliger Ausrutscher

Obwohl Rosberg von einer Saison mit Höhen und Tiefen spricht, hat er keine radikalen Umbrüche bei den Silberpfeilen erkannt. "Es hat sich innerhalb der Rennen gar nicht so viel verändert", stellt der Deutsche fest und will nicht vom Tiefpunkt auf die restliche Saison schließen: "Wir haben unsere Sache besser macht als die Konkurrenz, mussten aber in Bahrain federn lassen. Da war es extrem, aber wir haben uns verbessert, verstehen jetzt alles besser. Damals ist eine Schwäche, die wir noch haben, im Rennen überdimensional aufgefallen. Das wird sicher besser sein, nur weil sich die Strecke und die Bedingungen geändert haben."

Ein generelles Hinterreifen Problem auf traktionslastigen Pisten - was einem kleinen Desaster gleichkäme - bestünde nicht, ist sich Rosberg sicher. "Da spielen viele Faktoren mit rein", gibt er Entwarnung und hofft sein feines Pilotennäschen auch in Barcelona wieder Fortschritte schnüffeln zu lassen. "Eine Zehntelsekunde ist durchaus spürbar", erklärt er das Gefühl schnellerer Runden und mehr Kurvenspaß: "Es ist unglaublich. Führt man eine Änderung am Frontflügel durch und hat mehr Grip, dauert es nur ein paar Kurven, bis man merkt, dass man mit mehr Geschwindigkeit hindurchfahren kann."

Fotoquelle: Daimler

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