Fünf getunte Porsche

Fünf getunte Porsche Fünf getunte Porsche

Fünf getunte Porsche

— 11.06.2008

Flüchtiges Verlangen

Der Anblick dieses Porsche-Quintetts weckt starke Emotionen: brennende Begierde, unstillbare Sehnsucht. Kein Gefühl von Dauer: In Windeseile sind die fünf Donnerbolzen hinterm Horizont verschwunden.

Jubiläen und Geburtstage begeht jeder auf seine eigene Art und Weise: Die einen laden zur Party in den Lieblingsclub, andere tendieren zu Kaffee und Kuchen im heimischen Garten. Aus Anlass des 60. Geburtstages von Porsche wählen wir eine besondere Location: die Rennstrecke. Auf der Gästeliste: alle aktuellen Baureihen der Zuffenhausener Sportwagenschmiede. Natürlich kommt man zum Jubelfest nicht in Jeans und Turnschuhen. Weshalb wir nur nachträglich aufgewertete Modelle zulassen, die zudem über die ganze Republik verteilt sind – und erst einmal versammelt werden wollen.

TTP powert den Cayman auf 471 PS

Mit dem Bi-Turbo-911er von SKN wird Schnellfahren zum Kinderspiel.

AUTO BILD SPORTSCARS-Testfahrer Sascha Höpfner fährt ins oberbayrische Kolbermoor, nahe Rosenheim. Bei TTP holt er einen Cayman S ab. "Der nachträglich mit zwei KKK-Turbos bestückte Motor glänzt mit 471 statt vormals 295 PS und toller Fahrbarkeit", berichtet er. "Das Auto beschleunigt massiv und bietet seine Leistung auf dem Silbertablett dar. Sobald der Fuß das Gaspedal verlässt, melden sich die Lader mit verschwörerischem Zischeln zu Wort. Auf einem leeren Autobahnstück habe ich unser Messgerät angeschlossen. Tatsächlich rennt das Auto auf deutschen Straßen so schnell wie 2007 in Nardo: 324 km/h. TTP scheint von der Haltbarkeit des Motors so überzeugt, dass man die Drehzahlgrenze auf 8000 Touren anhebt."

Im SKN-Turbo steht das "D" für Düsenjäger

Optisch ist der Cayenne von SpeedArt eine einzige Problemzone.

Unseren Fotografen Martin Meiners verschlägt es nach Niedersachsen – Salzhemmendorf, um genau zu sein. Dort nimmt er von SKN einen 911 Turbo in Empfang. "Zurückhaltend im Auftritt, burschikos im Antritt – ein Auto nach meinem Geschmack. 540 statt ehemals 480 PS stark. Die Tiptronic verleiht dem Wagen sympathischen Cruiser- Charakter. Ich drücke die Sport-Taste, um die Mehrleistung zu aktivieren und stelle den Wählhebel des Automatikgetriebes auf D. D steht in diesem Fall für Düsenjäger: Das Auto geht infernalisch, bleibt dabei aber stets kultiviert und macht keinen Krach. Zudem verdient die souveräne Straßenlage des Allradlers in allen Geschwindigkeitsbereichen Lob. Gemessene 322 km/h habe ich zu vermelden – stolze zwölf km/h mehr als beim Serienfahrzeug."

Der Cayenne brüllt alles nieder

Testfahrer Manuel Iglisch sackt nahe Stuttgart den dicksten Brocken ein – einen Porsche Cayenne Turbo von SpeedArt. "Ein ambitioniertes Tuningprojekt", meint Manuel. "Schließlich ist so ein Cayenne optisch eine einzige Problemzone – mit einem Körperfettanteil jenseits alles Gewöhnlichen. Die Anabolika-Therapie des Tuners schlägt an: Aus dem Pummelchen wird mit Hilfe massiver Anbauteile ein echter Bodybuilder. Am besten gefällt mir der per Knopfdruck regelbare Klappenauspuff. In komplett geöffnetem Zustand schreit mich der Cayenne mit V8-Gebrüll einfach nieder – herrlich. Im öffentlichen Straßenverkehr komme ich mir vor, wie ein Tuba-Bläser im Blockflötenchor. Aber zurück zur Performance: Mit viel Anlauf habe ich den Cayenne auf beachtliche 283 km/h geprügelt. Dem Serienauto gelingen 275 km/h."

Sensationell schnelles Auto: der Wimmer GT2

Spitzenklasse. Mehr gibt es über den 650 PS starken GT2 von Wimmer nicht zu sagen.

Unser Messtechniker Guido Naumann reist nach Solingen. Dort sammelt er den Wimmer GT2 ein. "Kaum ein Detail verrät das Tuning. Nur veränderte Auspuffrohre und Carbonaußenspiegel fallen auf. Räder, Anbauteile und Fahrwerk hat Wimmer im Originalzustand belassen – von härteren Federn an der Vorderachse abgesehen. Die Leistung erhöht er via Elektronik und modifizierte Turbolader von 530 auf 650 PS. Als ich das erste Mal Gas gegeben habe, zog es mir zeitgleich die Gedärme zusammen und die Mundwinkel nach oben. Ich bin selten ein so sensationell schnelles Auto gefahren. Am Steuer gilt es dabei, permanent auf Zack zu sein – auch weil sich das hypersensible Fahrwerk in jede Spurrille verbeißt. Jenseits der 300 km/h treibt einem der nervös tänzelnde Vorderwagen Schweißperlen auf die Stirn. Aber nicht deshalb hat die Highspeed-Messung mit dem GT2 nicht funktioniert. Sondern weil ich bei 324 km/h, konstantem Vortrieb und reichlich Drehzahlreserven aufgrund der Verkehrsverhältnisse abbrechen musste. 356 km/h soll das Auto laut Wimmer rennen. Was ich für durchaus möglich halte."

Der GT3 von Cargraphic kostet Kraft

Cargraphic rüstet den GT3 zum Bestzeiten-König auf. Schneller war in Oschersleben mit Straßenreifen keiner!

Ich selbst mache mich auf den Weg nach Landau in der Pfalz. Hier residiert Cargraphic. Der will der Welt beweisen, dass ein GT3 RS durchaus noch Raum für Verbesserungen lässt. Die Auflistung aller Umbauten passt gerade so auf ein DIN-A4-Blatt – in kleiner Schrift. Kofferraumdeckel und vordere Kotfügel sind aus Carbon. Ebenso Kleinigkeiten wie Außenspiegelgehäuse und Abluftrahmen. Sogar die Türen müssen ihren Platz für je 5,9 Kilogramm schwere Kohlefaser-Exemplare räumen. Im öffentlichen Straßenverkehr funktioniert der Wagen durchaus – kostet aber immens viel Kraft. Das Auto vermittelt einen so ultradirekten Kontakt zur Außenwelt, dass ich beim ersten Tankstopp unwillkürlich kontrolliere, ob mein Hosenboden vom Asphalt aufgescheuert ist. Die Hochgeschwindigkeitsmessung geht vonstatten wie erwartet: zackig. Durch die verkürzte Übersetzung rennt das Auto bei 293 km/h mit Hurra in den Begrenzer.

Fazit der Sportscars-Tester

Redakteur Ben Arnold über den Cargraphic 911 GT3 RSC 4.0: "Jeder Meter ein kleines Rennen – noch nie hat ein Straßen-auto so konsequent Motorsport geatmet."
Testfahrer Sascha Höpfner über den TTP Cayman Bi-Turbo: "Dieser Underdog ist genau mein Fall: 320 km/h im Cayman – damit rechnet kein Mensch."
Testfahrer Manuel Iglisch über den Speedart Cayenne Titan-BTR 550: "Der Wummer-Sound macht einfach glücklich. Nach jeder Fahrt fühle ich mich wie neu geboren."
Fotograf Martin Meiners über den SKN 911 Bi-Turbo: "Schnellfahren wird zum Kinderspiel. Optimal für alle, die beim Fahren nicht zu viel denken wollen."
Messtechniker Guido Naumann über den Wimmer 911 GT2: "Der überragende Wimmer GT2 gibt einem den Glauben an das Gute im Auto zurück."

Mehr über das Treffen der Tuning-Porsche lesen Sie in der AUTO BILD SPORTSCARS 8/2008.

Autor: Ben Arnold

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