Opel

Hintergrund: Die Details zum PSA-Opel-Deal

— 10.03.2017

Was der Opel-Verkauf bedeutet

Peugeot schwört Opel auf einen Sparkurs ein! Was bedeutet das für die Marke, die Opel-Fahrer, die Opelaner? Hier die wichtigsten Antworten. Dazu: Opel reagiert mit launigen Videos!

Die Franzosen zeigen großes Interesse an der Technik des Ampera-e.

Nach dem Verkauf von Opel an den PSA-Konzern (Peugeot/Citroën/DS) verordnen die Franzosen dem deutschen Hersteller einen strikten Sparkurs: Opel soll sich aus eigener Kraft sanieren, lautet die Vorgabe aus Paris. Das wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Immerhin steigt PSA mit dem Kauf zum zweitgrößten Autohersteller in Europa auf und rückt Volkswagen auf die Pelle. Was bedeutet die Übernahme für die Opel-Belegschaft, die Standorte und vor allem für die Kunden von Opel? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen!
Überblick: News und Infos zum Opel-Verkauf

Wie geht Opel mit der Übernahme um?

Opel nimmt die Eingliederung in die PSA-Gruppe mit Humor. Der Konzern hat dazu zwei launige Videos produziert!
Opel dreht berühmten Louis-de-Funes-Sketch nach:

Wo muss Opel sparen?

Es geht vor allem um die Ertragskraft, den Gewinn pro Auto. PSA-Chef Carlos Tavares will Opel und Vauxhall innerhalb von drei Jahren in die schwarzen Zahlen führen. Fest steht schon die Summe, die Opel erbringen soll: Tavares kündigte an, Opel solle 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen. Er verwies auf das Einsparpotenzial, beispielsweise durch Mengeneffekte beim Einkauf, die Zusammenführung der Fahrzeug-Plattformen und eine effizientere Produktion. Auf Hilfe aus Paris kann Opel dabei nicht zählen: Tavares erneuerte seine Ansage, Opel müsse die Sanierung weitgehend selbst gestalten. "Die Kehrtwende von Opel muss von den Opel-Leuten und dem Opel-Management geschaffen und umgesetzt werden", sagte er. Die Zeit dafür läuft: Spätestens 2020 muss Opel Gewinn machen. Das sieht ein Drei-Jahres-Plan vor. Die vollen Einspareffekte sollen 2026 wirksam werden. Dann soll die operative Marge bei sechs Prozent liegen.

Wie steht die Konkurrenz da?

Der neu geschmiedete PSA-Opel-Konzern erhöht den Druck auf die Wettbewerber, namentllich VW. Denn der in den Strudel des Abgasskandals geratene Autobauer verdient gemessen an anderen Herstellern zuwenig Geld. Gerade die Kernsparte VW gilt als ertragsschwach. Die Rendite liegt derzeit  bei nur zwei Prozent. Sie soll mittelfristig auf vier Prozent verdoppelt werden. Nicht besser steht Fiat Chrysler (FCA) da. In Europa kam Fiat 2016 auf eine bereinigte operative Marge von 2,5 Prozent, weltweit dank Chrysler bei 5,5 Prozent. Der Druck, möglichst schnell die Marge zu erhöhen, dürfte durch die Hochzeit von Peugeot und Opel zunehmen, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Deutlich besser steht Ford da, nunmehr der letzte US-Konzern auf dem alten Kontinent. Experten rechnen nicht damit, dass sich die Mutter vom Europageschäft trennt. Schließlich haben die US-Autobauer alleine vergangenes Jahr 1,2 Milliarden Dollar verdient, ein Rekordgewinn. 

Was bedeutet der Verkauf für Opel-Standorte und Mitarbeiter?

Mit der Bekanntgabe der Übernahme bekräftigte Peugeot sein Versprechen, bestehende Tarifverträge und Standortgarantien einzuhalten. Dazu gehört eine vorläufige Standortgarantie für die Opel-Standorte in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern. Die Garantien beziehen sich allerdings nur auf die schon von General Motors ausgesprochenen Zusagen und Vereinbarungen. Die Jobgarantien gelten bis Ende 2018, die Standortgarantien bis 2020. Was danach geschieht, ist unklar. Erste Stimmen äußerten sich schon zu einem möglichen Arbeitsplatzabbau bei Opel: Tavares könne bei Opel "locker" 10.000 Arbeitsplätze streichen, wenn er die Produktion straffe und zentrale Funktionen künftig von Paris aus erledigen lasse. Das sagte der Berater Marc Staudenmayer dem "Manager Magazin". Ein Opelaner zumindest muss sich vorerst keinen Sorgen machen:Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Mehrfach hat Tavarez ihn gelobt.  Das Signal nach Rüsselsheim: Neumann soll an Bord bleiben.

Was bedeutet die Übernahme für Opel-Kunden?

Für die nahe Zukunft bedeutet die Übernahme erst mal wenig: Peugeot steigt in die Herstellergarantie von Opel ein. Unklar sind noch die Auswirkungen auf Händlernetz und Werkstätten in Deutschland. Die zeigen sich erst nach der Integration von Opel in den PSA-Konzern. Immerhin könnten Opel-Fahrzeuge und Ersatzteile dafür günstiger werden, weil PSA als Großkonzern bessere Preise mit den Zulieferern aushandeln könnte. Gemeinsame Modelle bieten zahlreiche Kostenvorteile.

Welche Autos entstehen gemeinsam?

Schon jetzt rollen Opel Crossland X, Citroën C3 Picasso und Peugeot 2008 in weiten Teilen baugleich auf die Straße. Alle werden im Opel-Werk Saragossa gefertigt. "Alles was man sehen und berühren kann, stammt von Opel", sagte Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Das Übrige kommt weitgehend aus dem PSA-Baukasten und steht auf einer Plattform der Franzosen. Zwei andere Gemeinschaftsautos entstehen bereits in den PSA-Werken am Stammsitz Sochaux und im nordspanischen Vigo. Die Zusammenarbeit beim Crossland X dürfte als Vorbild für weitere Modelle gelten. Auch der künftige Grandland X und der für 2018 angekündigte Opel Combo stehen schon auf einer Peugeot-Basis.

Sehen Opel künftig aus wie Peugeot und Citroën?

Der Opel Crossland X entsteht bereits in Kooperation mit Peugeot.

Das wohl nicht, aber unter dem Blech dürften viele Gleichteile stecken, denn künftige Autos werden wie der Crossland auf gleicher Plattform entstehen. Immerhin soll Opel seine eigenständige Optik behalten. Trotz vieler Gleichteile ist auch eine unterschiedliche Abstimmung der Fahrzeuge möglich. Deutsche Ingenieure und Kunden achten mehr auf fahrstabiles Handling, während bei den Franzosen der Komfort an erster Stelle steht.

Welche Chancen tun sich auf für Opel?

Zwei verbünden sich, einer scheidet aus: PSA-Boss Carlos Tavares, Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und GM President Dan Ammann (v.l.n.r.) in Genf.

©Boris Pieritz

Peugeot will mit Opel Kunden gewinnen, die kein französisches Auto kaufen. Daher bleibt die Traditionsmarke als eigenständiges Unternehmen erhalten. Es sei auch wichtig, dass Opel eine echte deutsche Marke bleibe, betonte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann auf dem Autosalon in Genf 2017: "Opel wird Opel bleiben." Dank des Zusammenschlusses mit dem französischen Konzern seien die Perspektiven gut, so der Opel-Chef. "Wir werden von der Größe profitieren sowie von einer gemeinsamen Entwicklung und Herstellung von Autos und von zwei sehr starken Ingenieurteams, die ihre Kräfte bündeln." Opel könnte somit dort auftreten, wo es französische Marken eher schwer haben. Davon könnten sowohl Opel als auch der neue Eigner Peugeot profitieren. Auf der Bühne in Genf bekräftigten Tavares und Neumann, sie wollten einen "europäischen Champion" schaffen.

Was ist mit dem Händler- und Werkstättennetz?

Da sind Einschnitte absehbar, denn schon heute haben es Händler und Werkstätten schwer, die nur einzelne Marken vertreten. Immerhin könnte der Verkauf Vorteile für Kunden bringen, da sie künftig mit ihrem Opel auch Peugeot- oder Citroën-Werkstätten aufsuchen könnten. Die müssten sich jedoch erst auf die Fahrzeuge mit GM-Basis einstellen und in neue Diagnosetechnik investieren. In einigen Jahren, wenn die Marken verheiratet sind, könnten Opel bei Peugeot- und Citroën-Werkstätten gewartet werden – und umgekehrt.   

Was ist mit den Pensionen der Opelaner?

Die Pensionsansprüche bei Opel bleiben erhalten. Die europäischen und britischen Pensionspläne von Opel und der britischen Schwester Vauxhall verbleiben größtenteils bei GM, ein Teil der deutschen Pensionslasten ("German Actives Plan") werden an PSA übertragen. Für die vollständige Begleichung übertragener Pensionsverpflichtungen zahlt GM drei Milliarden Euro an die Franzosen. Damit wird der Deal vollends zum Verlustgeschäft für die Amerikaner. (Mit dpa/Reuters)
Autor:

Fazit

Für die nächste Zeit wird sich wenig ändern. Jetzt schlägt die Stunde der Planer. Sie werden Opel Einschnitte verordnen, denn die Marke muss Milliarden einsparen. Dabei werden wohl eine Menge Jobs draufgehen. Immerhin: Opel ist die von GM angelegten Fesseln für den internationalen Verkauf los und hat verschlankt bessere Überlebenschancen als unterm Dach von GM. Das muss als Trost vorerst reichen, doch wird die Übernahme auch wehtun.

Autor: Christoph Richter

Fotos: Boris Pieritz

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