Mercedes GLC (IAA 2015) im Test: Fahrbericht

Mercedes GLC (IAA 2015): Fahrbericht

— 14.07.2015

C-Klasse fürs Grobe

Auf der IAA 2015 debütiert der neue Mercedes GLC. Wie sich das edle SUV im Alltag schlägt, zeigt unser Fahrbericht!

Der 1,9 Tonnen schwere Allradler kraxelt den steilen Anstieg mit über 70 Prozent Steigung herauf, als sei es gar nichts. Auf der anderen Seite des Hügels geht es wieder herunter. Dazwischen tiefe Löcher und eine spektakuläre Verschränkung – erst dann geht es wieder auf die befestigte Straße zurück. Der Mercedes GLC (Premiere auf der IAA 2015 vom 17. bis 27. September) wird den bisherigen Platzhirschen BMW X3 und Audi Q5 Kopfschmerzen bereiten. Mit seiner optionalen Luftfederung und einem entsprechenden Offroadpaket kennt er für rund 3000 Euro Aufpreis abseits befestigter Pisten kein Halten mehr.
Das kostet der Mercedes GLC

Der neue GLC verliert die charakteristisch kantige Form des Vorgängers GLK.

Bleibt die Frage, ob die Schwaben nicht etwas zu viel Technik in ihr neues Geländeaushängeschild gepackt hätten. Denn dass jemals ein GLC-Kunde mit seinem 4,66 Meter langen und fünf Zentimeter breiter gewordenen SUV ins harte Gelände einzieht, darf getrost bezweifelt werden und selbst die Daimler-Verantwortlichen schütteln bei diesem Gedanken eher den Kopf. Die Lenkung ist angenehm leichtgängig und wer an den Schaltermodulen des Offroad-Paketes herumspielt, kann die Bodenfreiheit auf 23 Zentimeter erweitern. Auf der Straße federt der Schwabe, der ab 2016 auch in China produziert werden soll, alles weg und verwöhnt mit einem niedrigen Geräuschniveau.

Mercedes GLC: Sitzprobe

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Mercedes geht es um die Positionierung. Man will weg aus der Fahrdynamikecke, die schmerzhaft stark von den beiden Bayern X3 und Q5 belegt ist, und nicht allein in die Komfortecke, die offiziell niemand nach außen kehrt. Man will sich in einem SUV schließlich dynamisch und freizeitorientiert präsentieren. Couch Potatoes sind da nicht gefragt, wenngleich die aufpreispflichtige Luftfederung auch die Annehmlichkeit bietet, die Fahrwerksabstimmung über eine entsprechende Dämpferverstellung nach Gusto anzupassen. Im Gelände hat der Mercedes keine ernsthafte Konkurrenz und auch im Innenraum wirkt alles schick, edel und aufgeräumt. Das Platzangebot vorne ist insbesondere aufgrund der breiten Mittelkonsole nicht opulent, doch ausreichend dimensioniert. Die Verstellmöglichkeiten der elektrischen Sitze sind klasse und wer will, kann den heißen Tagen nicht nur mit Klimaautomatik, sondern auch mit klimatisierten Sitzen den Schrecken nehmen.

Variabler Innenraum, lange Aufpreisliste

C-Klasse-Gefühl im Cockpit. Nur die Sitzprosition ist im GLC höher als im Mittelklässler.

Der Innenraum orientiert sich ebenfalls stark an das Interieur von C- und GLE-Klasse. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es schon dank des um 11,8 Zentimeter verlängerten Radstandes deutlich mehr Platz und Variabilität. So können die Passagiere im Fond allein fast sechs Zentimeter mehr Beinfreiheit genießen. Besonders großen Wert wurde bei der Entwicklung des Mercedes GLC auf den Laderaum gelegt, der bereits im Normalzustand 550 Liter schluckt. Ein Griff in die Taster im Laderaum oder neben der Rücksitzbank, und der Laderaum erweitert sich durch Umklappen der 40:20:40-Rückbank auf bis zu 1600 Liter. Um eine möglichst große Ladebreite zu bekommen, wurde der Hinterwagen speziell für den GLC entwickelt. Der Vorderwagen des GLC kommt von der neuen Mercedes E-Klasse.

Mercedes-AMG GLC 43 (New York 2016): Vorstellung

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Maximal schluckt der GLC 1600 Liter Gepäck. Im Vergleich zum Vorgänger ein Plus von 50 Litern.

Überraschend daher, dass Mercedes gerade hier ein schmerzhafter Patzer unterläuft. Die elektrische Heckklappe lassen sich die Schwaben mit 535 Euro extra bezahlen. Überhaupt ist der GLC mit einer Sparausstattung unterwegs. Standesgemäßes LED-Licht kostet 1725 Euro extra und das größere der beiden Navigationssysteme kostet 3510 Euro zusätzlich. Das Komplettpaket an Fahrerassistenz gibt es für knapp 2500 Euro und weitere 1150 Euro sind für den Abstandstempomaten zu bezahlen. Der Basispreis für den 170 PS starken Mercedes GLC 220d 4matic liegt bei 44.863 Euro. Sinnvoll erscheint der größere der beiden 2,2-Liter-Diesel, der GLC 250d, der mindestens 46.410 Euro kostet und die rund 1500 Euro Mehrpreis allemal rechtfertigt. Er hat mit 5,5 Litern Diesel den gleichen Normverbrauch, bietet mit seinen 150 kW / 204 PS und 500 Nm maximalem Drehmoment jedoch in einem schmalen Drehzahlband zwischen 1600 und 1800 U/min kraftvolleren Durchzug.

In 7,6 Sekunden spurtet der Allradler von 0 auf Tempo 100, 222 km/h sind maximal drin.

Der Allradler schafft den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 in 7,6 Sekunden und lässt einen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h auch auf längeren Autobahnpassagen souverän reisen. Die Motorleistung wird bei allen Linkslenker-Modellen im festen Verhältnis von 45:55 zugunsten der Hinterachse verteilt. Die neunstufige Getriebeautomatik arbeitet dabei dezent im Hintergrund und bemüht sich insbesondere um sanfte Gangwechsel und möglichst geringe Drehzahlen. Wie schon bei der C-Klasse lässt Mercedes die Dieselversionen mit einem kleinen 50-Liter-Tank auf die Kunden los, um in eine günstigere Schadstoffklasse zu kommen. Für knapp 60 Euro kann man sich von der Mogelpackung freikaufen und aus 66 Litern schöpfen.

Mercedes-AMG GLC 63 (2016): Erlkönig

Wem das aktuelle Motorenangebot nicht reicht, kann sich nach oben und wohl auch unten über mittelfristigen Zuwachs freuen. Insbesondere der 367 PS starke Mercedes GLC 450 AMG soll Audi mit seinem erfolgreichen S Q5, der je nach Region als Benziner und Diesel zu bekommen ist, Kunden abluchsen. Ebenfalls nachfolgen wird eine GLC-Variante, der sich das Plug-in-Modul mit dem C 350e teilt. Der 211 PS starke Turbobenziner wird während der Fahrt von einem 85 kW / 115 PS starken Elektromodul unterstützt, das den Hybriden 235 km/h schnell macht. Rein elektrisch kann dieser 34 Kilometer zurücklegen und verbraucht auf Papier 2,6 Liter.

Autor: Stefan Grundhoff

Autor: Stefan Grundhoff

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