Grafik Rußpartikel bei Benzinern

Umrüsten: Euro-5-Diesel auf Euro 6 nachrüsten

— 17.03.2017

Mit Umrüsten Diesel-Fahrverbot umgehen

Ein Katalysatorhersteller rüstet Euro-5-Diesel mit SCR-Anlage nach. Das erzeugt Abgaswerte, die besser sind als bei Euro-6-Autos. So könnte man Fahrverboten entgehen!

Dieselfahrzeugen, die die Euro-6-Abgasnorm reißen, drohen in Zukunft Fahrverbote! Das verunsichert viele Dieselfahrer. Besitzer von Euro-5-Dieseln können aber aufatmen: Mit überschaubarem Aufwand lässt sich der Stickoxidausstoß (NOx) ihrer Autos auf Werte senken, die sogar die ab 2020 gültige Euro-6d-Norm unterbieten. Katalysator-Hersteller Twintec hat hierzu ein Nachrüstkonzept auf Pkw übertragen, das bereits erfolgreich an Stadtbussen getestet wurde. Als Prototyp diente Twintec ein VW Passat TDI von 2014 (Euro 5), der mit der Betrugssoftware aus dem VW-Abgasskandal ausgerüstet ist. Sein NOx-Ausstoß sank durch den Umbau von rund 1000 mg pro Kilometer (EU-5-Grenzwert: 180 mg) auf unter 80 mg – im Realbetrieb. Neue Euro-6-Diesel stoßen auf der Straße meist ein Vielfaches aus.

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Umrüsten kostet rund 1500 Euro

Beim auf Euro 6 nachgerüsteteten Passat wird der AdBlue-Tank in den Motorraum integriert.

Herzstück des Umbausatzes ist eine AdBlue-Anlage, die technisch weiterentwickelt wurde. Twintec spritzt das Additiv nicht ins Auspuffrohr ein, sondern erzeugt daraus vorher in einem kleinen elektrischen Generator Ammoniak. Die Bildung von Ammoniak geschieht in einer herkömmlichen SCR-Anlage erst im Auspuffrohr. Für den chemischen Prozess sind Temperaturen von 200 Grad erforderlich, ein Problem etwa im Kurzstreckenbetrieb oder bei motorferner Anordnung des SCR-Kats. Twintec hatte seine Technik in der Vergangenheit mehreren Autoherstellern für den Serieneinsatz angeboten. Die aber sollen kein Interesse an dem System gezeigt haben. Die Kosten für eine Umrüstung sollen bei rund 1500 Euro liegen – eine Investition, die sich angesichts des drohenden Wertverlusts durch ab 2018 geltende Fahrverbote insbesondere bei relativ neuen Euro-5-Dieseln lohnen dürfte.

Gebrauchte Euro-6-Diesel im Test

Volvo XC60 Citroën C4 Picasso

Staatliche Förderung ist fraglich

Der Ammoniak-Generator sitzt neben dem Abgasstrang.

Obwohl nun schnelles Handeln nötig wäre, halten sich Vertreter von Politik und Umweltschutz zurück, was eine mögliche Förderung der Umrüstung angeht. SPD-Verkehrspolitikerin Kirsten Lühmann verweist darauf, dass es "auch gegenteilige Meinungen gibt, ob die Umrüstung wirklich zu verträglichen Preisen und technisch machbar für alle Euro-5-Diesel umgesetzt werden kann". Von Seiten der Autohersteller gibt es unterschiedliche Äußerungen. Daimler erklärte, Umrüstungen seien "nicht sinnvoll", von Porsche hieß es, sie seien "nicht praktikabel". Immerhin VW erwägt Nachrüstlösungen für Euro-5-Diesel. Zuletzt sagte VW-Chef Matthias Müller in Wolfsburg, der Hersteller stehe im Gespräch mit Wettbewerbern, um ältere Euro-5-Wagen so umzurüsten, damit diese mit einer blauen Plakette ausgestattet werden könnten. Eine solche Plakette könnten Diesel bekommen, die der Euro-6-Norm entsprechen.

Autoren: Benjamin Gehrs, Frank Rosin

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