VW Passat/Skoda Octavia: Test

— 24.01.2013

Der Octavia ist der bessere Passat

Die dritte Generation des Skoda Octavia ist spürbar gewachsen – und fährt der Mittelklasse frech ans Blech. Auch dem Konzernbruder VW Passat.

Es war nur eine kleine Notiz am Rande. Volkswagen hat im Oktober die Produktion des Passat für zwei Tage ruhen lassen. Ausgerechnet die erfolgsverwöhnten Wolfsburger haben Probleme mit dem Absatz des Mittelklassemodells. Und es kommt noch dicker. Wenn am 15. Februar die dritte Generation des Skoda Octavia auf den Markt kommt, dürfte sich der eine oder andere Kunde fragen: Muss es unbedingt ein teurer Volkswagen sein, oder reicht nicht auch der deutlich günstigere Skoda?

Überblick: Alle News und Tests zum Skoda Octavia

Neue Größe: Die dritte Generation des Octavia ist gewachsen und erreicht jetzt Mittelklasse-Format.

Schon beim ersten Aufeinandertreffen fällt auf: Der Octavia hat spürbar an Format gewonnen. Länge, Breite, Radstand – Skodas Bestseller hat Mittelklasseformat erreicht. Beim Platzangebot kann der neue Octavia locker mit dem bekannt großzügigen Passat mithalten. Zumindest in Reihe eins. Im Fond ist der Volkswagen dann doch noch eine halbe Nummer größer. Trotzdem zwickt auch der Skoda nirgends wirklich. Selbst große Passagiere sitzen bequem. Beim Kofferraum hingegen punktet der Tscheche. Sein Gepäckraum ist nicht nur größer, sondern dank niedrigerer Ladekante und großer Heckklappe auch besser zu beladen. Dazu kommen nette Details wie klappbare Haken zum Befestigen von Tragetaschen oder ein Wende-Ladeboden, dessen Rückseite gummiert ist. Im Cockpit wird der Altersunterschied der Konzernbrüder besonders deutlich. Der Passat ist bereits seit 2005 auf dem Markt. Er wurde 2010 zwar aufgefrischt, doch er ist spürbar in die Jahre gekommen. Bedienung und Qualitätsanmutung sind zwar einwandfrei, das Multimediasystem allerdings wirkt hoffnungslos veraltet.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

In die Jahre gekommen: Der VW Passat ist seit 2005 auf dem Markt, wurde 2010 noch mal aufgefrischt.

Skoda kann bereits auf den neu entwickelten Elektronikbaukasten mit bis zu acht Zoll großen Displays zurückgreifen. Das neue System arbeitet schneller, die Navigation gefällt mit feiner Kartengrafik. Keine Unterschiede gibt es bei der Verarbeitung – und den verwendeten Materialien. Die bei beiden im oberen Bereich des Cockpits weich geschäumt sind, unterhalb des Handschuhfachs wird jedoch billiges Hartplastik verbaut. Im Gegensatz zu VW hat es sich Skoda verkniffen, eine elektrische Handbremse zu verwenden, und setzt lieber auf einen konventionellen Hebel. Erst einmal in Fahrt, fällt schnell auf, dass der Octavia leichter ist als der Passat. Obwohl sein 1,6-Liter-Turbodiesel mit 105 PS exakt gleich viel leistet wie der des Passat, beschleunigt er temperamentvoller. Dazu kommt, dass der Motor im Skoda trotz gleichen Hubraums neu konstruiert ist, seine maximale Leistung bereits bei 3000/min erreicht – und damit 1400 Umdrehungen früher als der Motor im VW. Abzüge handelt sich der Octavia hingegen für sein Getriebe ein. Es muss mit fünf Gängen auskommen. Entsprechend größer fallen die Drehzahlsprünge beim Gangwechsel aus.

Den Fahrwerten schadet das jedoch nicht. Bei beiden reicht die Leistung im Alltag völlig aus, auch dank des hohen Drehmoments von 230 (Octavia) und 250 (Passat) Newtonmetern schon knapp über der Leerlaufdrehzahl. Beim Verbrauch macht sich die Gewichtsreduzierung des Octavia um bis zu 102 Kilogramm gegenüber dem Vorgänger bemerkbar. Der Skoda kommt im Test mit vorbildlichen 4,5 Litern Diesel 100 Kilometer weit. Der Passat verbrauchte auf unserer Testrunde einen halben Liter mehr.

Überblick: Alle News und Tests zu Skoda und VW

Unterschiedlich abgestimmt: Der Octavia zeigt sich straff, der Passat setzt deutlich auf Komfort.

Bei der Abstimmung der Fahrwerke verfolgen die Hersteller unterschiedliche Philosophien. Volkswagen legt den Passat betont komfortabel aus. Er schluckt kleine Stöße ebenso gekonnt wie lange Wellen – ohne schaukelig zu wirken. Noch immer eines der besten Mittelklasse-Fahrwerke. Der Skoda – basierend auf der Kompakt-Plattform des Golf – ist straffer abgestimmt. Vor allem bei kleinen Unebenheiten kommt schneller Unruhe ins Auto. Nicht wirklich dramatisch oder nervig. Immerhin werden die Tschechen erstmals gegen Aufpreis ein verstellbares Fahrwerk anbieten, das mehr Komfort verspricht. Lange Wellen schluckt der Skoda dank seinem langen Radstand auch mit dem Serienfahrwerk ähnlich gut wie der Passat. Vorteile bietet die sportlichere Auslegung des Skoda beim Fahrverhalten. Der Octavia fährt sich leichtfüßiger, umrundet Kurven ohne große Seitenneigung. Der Passat wirkt limousiniger – und schwerfälliger. Unterm Strich kann der Octavia so die Eigenschaftswertung gewinnen – eine beeindruckende Leistung gegen den ausgereiften Volkswagen. Zumal der Skoda nicht nur das bessere Auto, sondern auch das deutlich günstigere ist.

Bereits im Grundpreis liegt der Tscheche rund 4200 Euro unter dem Passat, obwohl er als "Elegance" mit serienmäßiger Klimaautomatik, Radio und Aluminiumrädern ähnlich gut ausgerüstet ist. Bei der Sicherheitsausstattung hat der Octavia mit serienmäßigem Knieairbag, aktiver Motorhaube und Multikollisionsbremse sogar die besseren Argumente. So gewinnt er auch die Gesamtwertung klar. Der Abstand des neuen Octavia zum Passat fällt überraschend deutlich aus. Und das dürfte in Wolfsburg sicherlich mehr als eine Randnotiz sein.
Fahrzeugdaten Skoda Octavia 1.6 TDI VW Passat 1.6 TDI
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1598 cm³ 1598 cm³
kW (PS) bei 1/min 77 (105)/3000 77 (105)/4400
Nm bei 1/min 230/1500 250/1500
Vmax 195 km/h 195 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 W 215/55 R 16 W
Reifentyp Pirelli Cinturato P7 Dunlop SP Sport Fast Response
Radgröße 7,0 x 17" 7,0 x 16"
Abgas CO2 99 g/km 114 g/km
Verbrauch* 4,6/3,3/3,8 l 5,2/3,8/4,3 l
Tankinhalt 55 l/Diesel 70 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 70 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1500/650 kg 1400/740 kg
Kofferraumvolumen 590–1580 l 565 l
Länge/Breite/Höhe 4659/1814/1460 mm 4796/1820/1470 mm
Preis 24.700 Euro 29.075 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Skoda Octavia 1.6 TDI VW Passat 1.6 TDI
Beschleunigung
0–50 km/h 3,8 s 3,9 s
0–100 km/h 11,4 s 12,2 s
0–130 km/h 20,0 s 21,5 s
Elastizität
60–100 km/h 8,5 s (4. Gang) 8,9 s (4. Gang)
80–120 km/h 13,1 s (5. Gang) 13,7 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1307/625 kg 1499/616 kg
Gewichtsverteilung v./h. 57/43 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 10,5/10,4 m 11,3/11,5 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,6 m 37,4 m
aus 100 km/h warm 36,3 m 37,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 4,5 l D – 120 g/km 5,0 l D – 133 g/km
Reichweite 1210 km 1390 km

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Die Sensation ist perfekt – wenn es denn eine ist: Der neue Skoda Octavia gewinnt im ersten Vergleichstest gegen den VW Passat. Und zwar souverän. Er ist ähnlich groß, aber sparsamer, und er bietet dabei bessere Fahrleistungen. Dazu kommen die deutlich günstigeren Preise. Auffällig beim ausgewogenen Passat: Er ist nicht mehr der Jüngste.

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Kommentare zum Artikel (7)

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Honda Insight
26.05.2013, 10:56Uhr

Im 21. Jahrhundert können wir uns nicht mehr für unsere Gesundheit weiterentwickeln ?

Schwarze – Hodenkrebs

Diesel – Allergie, Herzinfarkt, Lungenerkrankung, Krebs

Bitte lesen Sie und denken Sie vorher nach oder fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker !

raner
25.01.2013, 08:47Uhr

Der Test müsste eher heißen "Alter Passat gegen neuen Octavia". Ist doch wohl logisch, dass der Passat (Konstruktion immerhin ca. 6 jahre alt) verliert. VW müsste ja auch dämlich sein, wenn die aktuelle Entwicklung des Octavia schlechter wäre als eine min. 6 Jahre Entwicklung des Passats. So ist das nun mal. Der nächste Passat wird dann sicherlich wieder besser als der Octavia. Wenn das nicht so wäre, wäre VW dämlich.

DubYa
24.01.2013, 22:49Uhr

Sorry wegen des doppelten Eintrages weiter unten, mein Fehler.
Aber skurril genug für einen weiteren Post: In einem anderen Beitrag auf AB wird der Passat als zweiter in der Zulassungsstatistik geführt. NAch Golf und vor Polo. Natürlich nur Marketing und lauter Verblendete!
Heute muss sich das Mittelmaß halt permanent damit rechtfertigen, dass es sich nicht rechtfertigen muss, weil die Anderen doch nur teurer, anfälliger etc. sind. Ich gönne jedem sein Glück, aber will auch meines in Ruhe selbst entscheiden!

DubYa
24.01.2013, 22:32Uhr

Wie immer bei AutoBild: Wenn Blinde über Farben reden.
Die Redaktion fährt mit dem Fahrrad ins Büro, alternativ mit Golf II oder Smart und glaubt, quallifiziert Langstreckenautos testen zu können. Unsereins fährt 80.000 im Jahr und weiß, warum er Passat oder A4 fährt (wer kann auch A6) und nicht Skoda, Opel oder Ford. Wobei letzterer noch am ehesten von den genannten zur Alternative taugt und trotzdem jeder bemitleidet wird, der es "muss".

Neumi 17
24.01.2013, 18:49Uhr

Finde den Wendekreis des Skoda erstaunlich klein. Mit 10,4 Metern ist er kleiner als der des Polos, über einen halben Meter enger als der des viel kürzeren Golfs und ÜBER EINEN METER kleiner als der des kleinen Bruders Rapid....
Auch stimmt die Aufzählung der Materialien im Innenraum nicht. Beim Oktavia besteht der obere Armaturenträger und die mittlere Partie des Armaturenbretts aus geschäumten Materialien, während beim Passat nur der dünne obere Teil geschäumt ist und der Rest des gesammten Armaturenbereichs aus Hartplastik gebaut ist....

Kann man Ja mal erwähnen...

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