Ratgeber: Zahnriemen-Wechsel

Zahnriemen: Zahnriemenwechsel

— 08.09.2015

Zeitbombe im Motorraum

Ignoranz kann teuer werden: Wer das vorgeschriebenen Wechselintervall des Zahnriemens nicht beachtet, geht das Risiko eines kapitalen Motorschadens ein.

Keine Frage, ein günstiges Vergnügen ist ein Zahnriemenwechsel nicht. Mit mehr als 300 Euro muss man fast immer rechnen. Auch deshalb, weil in diesem Zusammenhang Teile wie Spannrolle, Spanner, Umlenkrolle und Wasserpumpe vorsorglich gleich mit erneuert werden sollten, da sie im Rahmen des Zahnriemenwechsels leicht zugänglich sind. Hinzu kommt, dass sich Wasserpumpe und Zahnriemen auf einander einlaufen, die Kombination aus neuem Zahnriemen und alter Wasserpumpe oft zu Problemen führt.
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Ein Zahnriemenriss kann eklatante Folgen haben. Läuft es ganz schlimm, ist ein Austauschmotor fällig.

Doch diese Investition lohnt sich, will man keinen kapitalen Motorschaden riskieren. Immerhin treibt der Zahnriemen (auch Steuerriemen genannt) über die Kurbelwelle nicht nur die Wasserpumpe und manchmal auch die Servolenkung an. Er setzt vor allem auch die Nockenwelle in Bewegung, steuert somit die Ein- und Auslassventile. Man kann sich gut vorstellen, was passiert, wenn der Zahnriemen nicht genug Spannung hat, überspringt oder sogar reißt. Die Ventile würden zum falschen Zeitpunkt öffnen und dann auf die heraufschießenden Kolben treffen. Mit Glück müssen in diesem Falle nur die Ventile und Zylinderkopf erneuert werden. Wer Pech hat, kommt um einen Austauschmotor nicht herum, und das entspricht dann oft einem finanziellen Totalschaden.
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Es gibt zwar auch Motoren, bei denen ein Riss des Zahnriemens nicht zwangsläufig zu einem Motorschaden führt. Bei diesen sogenannten "Freiläufern" können sich Kolben und Ventile bauartbedingt nicht berühren. Allerdings handelt es sich bei den "Freiläufer" in der Regel um ältere Motoren mit geringerer Verdichtung. Hoch verdichtende Diesel-Aggregate und Turbomotoren scheiden meist aus. Unter den VW-Golf-II-Motoren (1984 bis 1991) befinden sich beispielsweise einige Freiläufer, unter anderem ein 1,8-Liter-Benziner mit 90 PS (Motorkennbuchstabe "RP").

Kontrolle ist gut, doch gewechselt werden muss er dennoch

Bis über 200.000 Kilometer halten Zahnriemen heutzutage. Eine regelmäßige Sichtkontrolle ist bei langen Wechselintervallen Pflicht.

Damit ein Zahnriemenschaden erst gar nicht auftritt, geben die Hersteller Empfehlungen, in welchen Intervallen der Zahnriemen getauscht werden sollte. Grundsätzlich ist es sinnvoll, auch zwischen den Wechseln immer mal wieder einen Blick auf den Zahnriemen werfen zu lassen. Bei Bedarf kann der Mechaniker den Zahnriemen nachspannen und vielleicht entdeckt er auch Risse. Doch vom angeratenen Wechsel laut Betriebsanweisung des Wagens entbindet auch ein regelmäßiger Check nicht: Eine Kontrolle des Zahnriemens kann den Tausch nicht hinauszögern. Reißt der Zahnriemen innerhalb der Garantiezeit des Autos und vor dem empfohlenen Wechsel, trifft den Fahrer zwar keine Schuld – auf den Kosten kann er je nach Kulanzregelung der Hersteller aber trotzdem hängen bleiben.

Bis zu 240.000 Kilometer kann das Wechselintervall betragen

Geringere Kosten, Laufruhe und Flexibilität sind die Vorteile des Zahnriemens: Durch ein wahres Labyrinth an Umlenkrollen kann der Riemen geführt werden.

Die Intervalle zum Wechseln können sich von Modell zu Modell deutlich unterscheiden, liegen in der Regel zwischen 60.000 und bis zu 240.000 Kilometern. Neben solchen Kilometerangaben gibt es immer auch eine zeitliche Vorgabe (Jahre), da der Zahnriemen mit den Jahren spröde wird. In jedem Fall richten sich die Intervalle immer nach dem verbauten Motor. Somit ist etwa die Vorgabe für einen 2010er VW Golf VI 2.0 TDI mit 140 PS, den Zahnriemen alle 210.000 Kilometer zu wechseln, das gilt auch für Passat, Touran und Co mit gleichem Baujahr und Motor. In den letzten Jahren haben sich die Intervalle bei einigen Herstellern stark verlängert. Bei VW etwa von 90.000 Kilometern bei einem 1.9 TDI (Baujahr 2000), auf oben erwähnte 210.000 Kilometer beim 2.0 TDI von 2010. Die Zahnriemen bei neueren Motoren treiben meist nur noch die Nockenwelle an. Zusatzaggregate wie die Wasserpumpe oder Hydraulikpumpe hängen hier am Keilriemen, so dass der Zahnriemen deutlich geringeren Belastungen ausgesetzt ist. Das andere Extrem findet sich vor allem bei älteren Exoten: So ist beim Maserati Ghibli  (1992 bis 1997) ein Wechsel schon alle 40.000 Kilometer fällig.

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Deutlich länger als Zahnriemen sollen Steuerketten ihren Dienst verrichten. Hier geben viele Hersteller überhaupt keinen Wechselintervall an. Problemfrei ist diese Zahnriemen-Alternative aus Metall allerdings auch nicht.

Kosten des Zahnriemenwechsel hängen vom Zeitaufwand ab

Auch freie Werkstätten sollten beim Wechsel des Zahnriemens im Rahmen der vom Hersteller vorgegebenen Arbeitszeit bleiben.

Die Kosten für einen Zahnriemenwechseln schwanken genau so stark wie die Intervalle. Wie viel man bezahlen muss, hängt zum einen von der Komplexität des Motors ab, zum Zweiten von der Zugänglichkeit des Zahnriemens im Motorraum und zum Dritten von der Wahl der Werkstatt. Bei einem 2010er Opel Astra 1.6 (115 PS) werden zum Beispiel bei einigen A.T.U.-Filialen 340 Euro fällig, Bosch-Dienste bieten den Wechsel oft für 480 Euro an. Wer zu den gleichen Werkstätten indes mit einem VW Golf VI 2.0 TDI (140 PS) kommt, muss 675 Euro oder sogar 940 Euro für den gleichen Service einplanen. Besonders haarig wird es bei Modellen, bei denen der Zahnriemenwechsel nur bei ausgebautem Motor durchgeführt werden kann. Diese Aktion kann bis zu zwei Tage dauern, die Kosten dafür mag man sich gar nicht vorstellen.

Vor dem Wechsel die Werkstatt nach dem Zeitaufwand fragen

Der Aufkleber im Motorraum zeigt Laufleistung und Datum des letzten Zahnriemen-Wechsels an. Wichtiger ist der Eintrag im Serviceheft.

Hilfreich ist es in jedem Fall, im Vorfeld die Wechsel-Vorgabezeit für das jeweilige Modell zu erfragen. Liegt die vom Hersteller vorgegebene Reparaturzeit beispielsweise bei zwei Stunden, sollte auch eine freie Werkstatt nicht eine deutlich längere Arbeitszeit in Rechnung stellen. Aufgrund der Vielzahl von Modellen auf dem Markt benötigen freie Werkstätten mangels Erfahrung teilweise wesentlich länger als eine Vertragswerkstatt, was einen Kostenvorteil bei den Arbeitsstunden schnell zunichtemachen kann. Natürlich ist es auch beim Kauf eines Gebrauchtwagens unerlässlich, nach dem letzten Zahnriemenwechsel zu fragen. Wurde das Intervall nicht eingehalten, sollte der Käufer vorschlagen, die Kosten für den Zahnriemenwechsel vom Kaufpreis des Wagens abzuziehen.

Selbst wechseln sollte nur, wer vom Fach ist

Was bleibt ist die Frage, ob man solch einen arbeitsintensiven Wechsel nicht auch allein in der heimischen Garage hinbekommt. Doch der eigenhändige Wechsel empfiehlt sich nur für erfahrene Schrauber. Denn das Risiko, dass Kurbelwelle und Nockenwelle nach dem Eingriff nicht vollkommen synchron laufen, ist groß. Und schon die kleinste Abweichung kann zu einem kapitalen Motorschaden führen.
Zahnriemenwechsel: Preise und Intervalle für ausgewählte Modelle*
Fahrzeug Motor Leistung Kosten Zahnriemenwechsel** Intervall
Alfa Romeo Giulietta 1.6 JTDM (Diesel) 105 PS 340 Euro 120.000 km/4 - 6 Jahre
Alfa Romeo MiTo 1.4 16V 95 PS 300 Euro 120.000 km/4 - 5 Jahre
Audi A3 (8P) 1.9 TDI (Diesel) 105 PS 380 Euro 120.000 km
Audi A3 (8P) 2.0 TDI (Diesel) 140 PS 550 Euro 120.000, 150.000 oder 180.000 km (je nach Motortyp)
Audi A4 (B8) 2.0 TDI (Diesel) 143 PS 660 Euro 180.000 km
Audi A4 Cabrio 2.0 TFSI 200 PS 600 Euro 180.000 km
Dacia Duster 1.5 dCi (Diesel) 107 PS 360 Euro 100.000 km/5 Jahre
Dacia Sandero 1.4 MPI 75 PS 360 Euro 120.000 km/5 Jahre , 80.000/4 Jahre oder 100.000/5 Jahre (je nach Motortyp)
Fiat 500 1.2 8V 69 PS 250 Euro 80.000 - 120.000 km/5 Jahre
Fiat 500 1.4 16V 100 PS 300 Euro 80.000 - 120.000 km/5 Jahre
Ford Fiesta (ab 8.2008) 1.25 82 PS 420 Euro 160.000 km/8 Jahre
Ford Fiesta 6. Gen bis 2008 1.4 80 PS 390 Euro 160.000 km/8 Jahre
Ford Focus (II) 1.6 TDCI (Diesel) 90 PS 400 Euro 200.000 km/10 Jahre
Ford Focus C MAX 1.6 Ti-VCT 115 PS 400 Euro 160.000 km/8 Jahre
Ford Galaxy II 2.0 TDCI (Diesel) 115 PS 530 Euro 200.000 km (bei Automatik 100.000)/10 Jahre
Ford Kuga 2.0 TDCi (Diesel) 136 PS 770 Euro 200.000 km/10 Jahre
Hyundai Tucson 2.0 CRDi (Diesel) 140 PS 490 Euro 120.000 km/8 Jahre
Kia Cee'd ED 2.0 143 PS 250 Euro 135.000 km/6 Jahre
Kia Picanto 1.1 LX 65 PS 230 Euro ab 60.000 km/4 Jahre prüfen, bei 90.000 km/6 Jahre ersetzen
Oel Astra G und H 1.7 CDTi (Diesel) 80 - 110 PS 310 Euro 150.000 km/10 Jahre
Opel Astra (H) 1.6 Twinport 105 PS 265 Euro 150.000 km/10 Jahre
Opel Astra (J) 1.6 115 PS 273 Euro 150.000 km/10 Jahre
Opel Corsa (D) (Steuerkette) 1.2 16V 80 PS 570 Euro Steuerkette, Sichtprüfung
Opel Insignia 2.0 CDTI (Diesel) 130 PS 510 Euro 120.000 - 150.000 km/10 Jahre
Opel Mervia B 1.7 CDTi (Diesel) 130 PS 355 Euro zwischen 90.000 und 150000 km/10 Jahre
Opel Zafira B 1.6 115 PS 300 Euro 150.000 km/10 Jahre
Renault Mégane III 1.6 16V 110 PS 530 Euro 120.000 km/6 Jahre
Renault Twingo (II) 1.2 16V 76 PS 325 Euro 120.000 km/6 Jahre
Seat Altea 1.6 102 PS 310 Euro prüfen bei 90.000 km, danach alle 30.000 Kilometer prüfen und bei Bedarf ersetzen
Skoda Octavia I 1.9 TDI (Diesel) 110 PS 450 Euro Alle 15.000 km oder 12 Monate Sichtprüfung
Skoda Octavia II 2.0 TDI (Diesel) 140 PS 560 Euro 120.000 bis 150.000 km
Skoda Roomster 1.9 TDI (Diesel) 105 PS 500 Euro Ohne DPF 120.000 km mit DPF 150.000
Skoda Superb (Typ 3T) 2.0 TDI (Diesel) 170 PS 600 Euro 150.000 km
Skoda Superb I 1.9 TDI (Diesel) 130 PS 540 Euro bis 07/2003 alle 90000 km, ab 08/2003 120.000 km
Skoda Yeti 2.0 TDI (Diesel) 140 PS 700 Euro 120.000 km
Toyota Avensis (zweite Generation) 2.0 D-4D (Diesel) 115 PS 530 Euro 105.000 km
Volvo V60 D3 (Diesel) 163 PS 300 Euro 180.000/6 - 8 Jahre
VW Golf (IV) 1.4 16V 75 PS 300 Euro Nach 90.000 km prüfen, dann alle 30.000 km prüfen
VW Golf (V) 1.4 16V 80 PS 290 Euro Nach 90.000 km prüfen, dann alle 30.000 km prüfen
VW Golf (V) 1.6 102 PS 290 Euro Nach 90.000 km prüfen, dann alle 30.000 km prüfen
VW Golf V GTI 2.0 TSI 200 PS 630 Euro 180.000 km
VW Passat (B7) 1.6 TDI (Diesel) 105 PS 500 Euro 210.000 km
VW Polo (V) 1.6 TDI (Diesel) 75 PS 520 Euro 210.000 km
VW Sharan II / Seat Alhambra 2.0 TDI (Diesel) 140 PS 550 Euro 210.000 km
*Angaben ohne Gewähr. Bitte beachten Sie das angegebene Wechselintervall in der Betriebsanleitung Ihres Autos. **Preisangaben sind Schätzwerte. Berücksichtigt wurden Materialkosten und Arbeitslohn.

Ratgeber: Zahnriemen-Wechsel

Autor: Jan Kriebel

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