Aiways U5 im Test

Aiways U5: Test, Motor, Preis

Überraschend gut: Das China-SUV Aiways U5 überzeugt beim Fahren

Aus dem Reich der Mitte will das Elektro-SUV Aiways U5 in die Mitte unserer Auto-Gesellschaft. Geht das? Ein Test mit einem großen Unbekannten.
Natürlich drehen sich alle nach diesem Auto um, in Hamburg-Eppendorf, wo sie alles schon gesehen haben auf ihren schicken Straßen; Taycan, Tesla, Tralala. Aber den? Lange Hälse, Lippen, die "Äi Wäis" formen, falls die Passanten den Schriftzug am Heck überhaupt so schnell lesen konnten. Denn schon surrt er vorbei, dieses ungewohnt aussehende Elektro-SUV aus China. Marke: Aiways, Modell U5. Ohne eigenen Vertrieb, das übernimmt die Elektronik-Kette Euronics; ohne eigenen Service, den erledigen die A.T.U-Filialen.

Mit seinem Aufritt machtt der Aiways neugierig

Hingucker: Optisch erinnert der Aiways U5 ein wenig an einen Volvo, bleibt aber eigenständig.

©Tom Salt / AUTO BILD

Wie er so dasteht, ein bisschen in Volvo-Style, aber dann doch eigenständig im Design, zweifarbig lackiert, da braucht der Betrachter einen Augenblick, um zu urteilen, ob dieser große Unbekannte jetzt schick ist oder nicht. Sicher ist: Er macht neugierig. Kann der was? So viel vorweg: Der Aiways überrascht. Weil er Sachen gut kann, die man ihm vielleicht nicht zugetraut hätte. Und weil er an Stellen enttäuscht, an denen man von chinesischen Modellen mehr erwartet hätte. China, süß-sauer quasi. Aber der Reihe nach. Bequeme E-Sitze unter einem Panorama-Glasdach, übersichtliches Digital-Cockpit mit 12,3-Zoll-Touchscreen über der breiten Mittelkonsole, auf der per Drehschalter die Fahrstufen gewählt werden. Klappt man das Klima-Bedienfeld auf, kann darunter das Handy induktiv geladen werden. Auf der Rückbank ist – der Elektro-Architektur sei Dank – richtig viel Platz. Das fühlt sich auf den ersten Blick richtig erwachsen an.

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Bei der Bedienung enttäuscht der U5

Da ist noch deutlich Luft nach oben: Der Touchscreen ist umständlich und langsam, die Grafik schlecht.

©Tom Salt / AUTO BILD

Einen Start-Stopp-Knopf sparen sich die Chinesen. Dafür sind zwölf Sensoren, sieben Kameras (zwei innen) und drei Radargeräte an Bord. Aber kein Navi und keine Sprachsteuerung – und der E-Autofahrer vermisst noch mehr. Der Fahrer kann sich im Display zwar die Geschwindigkeit auf drei verschiedene Arten anzeigen lassen, nicht aber den Energieverbrauch. Und wo bitte kann man die Rekuperation dosieren? Nirgends. Der Touchscreen ist umständlich und langsam, die Grafik schlecht. Da hätten wir von den Chinesen mehr erwartet. Auch der Audio-Sound ist dünn, der Lieblings-Radiosender klingt wie 1980 mit einer Teleskopantenne empfangen. Der 204 PS starke E-Motor treibt nur die Vorderachse an, das reicht, um das 1,8-Tonnen-SUV auch im Eco-Modus flott durch die City zu lenken. Der U5 rollt gut ab auf seinen China-Reifen der Marke Cooper (gehört zu Goodyear), die Federung ist leicht unterdämpft, was sich nicht unangenehm anfühlt. (Hier geht's zum Sommer-Reifen-Test von AUTO BILD)

Der Chinese fährt sich ganz ordentlich

Überraschung: Beim Fahren ist der U5 überzeugend, auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern.

©Tom Salt / AUTO BILD

Insgesamt fährt sich der Aiways deutlich besser als erwartet. In der Stadt und auf dem Land ist der Verbrauch mit 18,8 kWh auf 100 km auch okay. Erstaunlich: Die drei Fahrmodi Eco, Normal und Sport unterscheiden sich kaum merklich voneinander. Weder beim Beschleunigen noch beim Rekuperieren. Fährt sich alles fast gleich. Und es fällt auf, wie gut der Aiways verarbeitet ist: Nichts klappert, auch nicht auf grobem Kopfsteinpflaster. Ruhe auch bei 170 km/h auf der Autobahn. Da aber schluckt der Chinese mächtig Strom. Die Reichweite (WLTP-Angabe 410 km) sackt ab, der Verbrauch auf der Testrunde ist mit 28,5 kWh/100 km recht hoch. Nein, ein langstreckentaugliches E-Auto ist der Aiways eher nicht. Und es darf nicht unerwähnt bleiben, dass der U5 beim Euro-NCAP-Crashtest 2019 nur drei Sterne bekam. (Zu Hause laden: 900 Euro Zuschuss für Wallboxen)
Ein 63-kWh-Akku mit einem großen Auto darüber für (nach Förderung) knapp unter 30.000 Euro? Das allein ist schon okay. Es gibt den U5 ab 38.990 Euro als Standard (unter anderem ohne Glasdach) und als 3000 Euro teurere Premium-Version (unser Testwagen). Die Blicke der Passanten gibt's gratis dazu. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)
Das Fazit: Der große Unbekannte aus China überrascht doppelt: Seine Stärken hat er beim Fahren, seine Schwächen beim Bedienen. Wir hatten es eher andersrum erwartet. Ein Tipp für E-Auto-Käufer, die das Extravagante suchen. AUTO BILD-Testnote: 3

Aiways U5 im Test

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Autoren: Dennis Heinemann,

Fotos: Tom Salt / AUTO BILD

Stichworte:

SUV Frontantrieb

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