Aktion: Kompaktwagen im ZF-Praxistest 2013
Zehnkampf der Kompakten

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Über 28.000 AUTO TEST-Leser haben abgestimmt, welche zehn Kompaktwagen ins Finale des ZF-Praxistests 2013 einziehen. Zehn von ihnen durften nun im bayerischen Schlüsselfeld den Sieger küren.
Berge von Bewerbungen türmen sich in der Redaktion, eine kreativer und mitreißender als die andere. "Ich will das nicht mehr! Ich kann das nicht mehr! Bitte retten Sie mich, und lassen Sie mich als Leserreporter endlich mal ran an die Karren!" Dieser Hilfeschrei stammt von André Clever. Der Werbetexter aus München ist Teil unserer zehnköpfigen Leserjury und froh, endlich mal in den Autos sitzen zu dürfen, über die er seit Jahren nur aus der Ferne schreibt. "In meinem Beruf habe ich bereits für viele Autohersteller gearbeitet und Bleiwüsten in Neuwagenbroschüren verbrochen. Aber die Autos, um die es ging, bin ich nie gefahren."
Werbetexter, Studentin, Busfahrer – die Jury ist bunt gemischt

Startklar: Zehn Kompaktwagen stehen bereit für die knapp 22 Kilometer lange Prüfungsfahrt durch den Steigerwald. Welcher Antrieb überzeugt am meisten?
Es geht los: Motor und Fahrkomfort werden zuerst bewertet

Punktevergabe: Nach jeder Testfahrt werden Motor, Getriebe und Federung benotet sowie Auffälligkeiten im Bewertungsbogen notiert.
Beifall für Seat Leon, Mitleidspunkte für den Opel Astra
Noch besser aber befeuern 140 PS den leichteren Seat Leon, der beim Großteil der Jury zwischenzeitlich ganz weit vorn liegt. Mit klarem Design, einfacher Ausstattung und sportlicher Abstimmung sammelt er Punkt um Punkt – auch bei Thomas Fleck (47): "Die hohen Erwartungen, die ich an den Seat hatte, wurden noch mal übertroffen. Der Motor dreht von unten am besten hoch. Obwohl der Opel Astra ebenfalls 140 PS hat, ist der Unterschied zu den TSI-Motoren des VW-Konzerns deutlich spürbar", sagt der Verwaltungsbeamte. Das sieht auch Christian Lorenz so, der dem Rüsselsheimer eigentlich ein paar Mitleidspunkte geben wollte, weil es der Marke so schlecht geht. Geworden ist daraus allerdings nicht viel, nur fünf von zehn Punkten gibt es für die Elastizität und sechs in der Kategorie Drehfreude/Ansprechverhalten. "Vor allem den Berg hinauf hat sich der Opel arg gequält. Er ist wie ein kolumbianischer Kaffeesackträger nach zehn Stunden Arbeit." Harte Worte, die der 33-jährige technische Zeichner aber gleich darauf mit Lob wettmacht. "Die Sitze im Astra sind eine Klasse für sich, die besten von allen hier." Und mit dieser Meinung steht er nicht allein da.
Es wird geklappt, geschoben und Probe gesessen ...

Übersichtlich, einfach zu bedienen und mit ausreichend Platz: Der Seat macht Simone Jung Spaß auf ganzer Linie.
"Unaufgeregt, quasi langweilig, aber irgendwie gut"
Viel besser schlagen sich da die deutschen Premiumhersteller, allen voran der Golf. Das Raumgefühl ist luftig, die Menüführung intuitiv und die Rundumsicht gut. "Er hat keine Fehler", sagt Thomas Fleck, doch wirklich begeistern kann sich keiner aus der Leserjury für den VW. Ulrich Loerts (36) bringt auf den Punkt, was der Großteil denkt: "Der Golf ist unaufgeregt, ja quasi langweilig, aber irgendwie gut." Der Produktmanager, der jeden Tag 50 Kilometer zur Arbeit pendelt, fährt selbst einen Golf V. Dabei sagt er von sich, dass er eher ein sportlicher Fahrer ist und der knackigere Seat Leon viel besser zu ihm passen würde. "Wenn man aber ein sechs Monate altes Baby daheim hat, verschieben sich die Prioritäten. Da darf das Auto ruhig etwas komfortabler federn." Also orderte er einen Golf, der laut Juryurteil kurioserweise den geringsten Kaufanreiz nach dem Civic bietet, aber dennoch die Zulassungsstatistik bei den Kompaktwagen deutlich anführt. Große Konkurrenz bekommt er beim Zehnkampf von seinen Konzerngeschwistern – allen voran dem Skoda Octavia.
Der Sieger fängt an zu punkten

Daumen hoch: Leser Arild Eichbaum ist begeistert vom riesigen Ladevolumen des Octavia.
Wie fährt es sich eigentlich mit defekten Stoßdämpfern?
Unser Partner ZF, einer der weltweit größten Automobilzulieferer im Bereich Antriebs- und Fahrwerkstechnik, hat zwei aktuelle Golf mit nach Schlüsselfeld gebracht. Ein Modell mit defekten und eines mit intakten Stoßdämpfern sollen zeigen, welche Unterschiede sich im Fahrverhalten ergeben. Mit mangelhaften Dämpfern werden schon ein kleiner Slalomparcours und ein simpler Bremstest zur großen Herausforderung für den Fahrer. Der Grund: Das Auto schwingt beim Bremsen, Beschleunigen und Einlenken nach, verliert leicht die Haftung. Das hinterlässt bleibende Eindrücke bei der Jury.
VW-Technik und viel Auto für wenig Geld – das überzeugt
In die zweite Runde startet der ZF-Praxistest am Sonntag. Die Bewertung auf dem Handlingkurs und der Dynamikfläche steht an. Mit quietschenden Reifen jagt die Jury die Probanden zunächst über die kleine Berg-und-Tal-Bahn, bevor Schleuderplatte und Bremstests dran sind. Technische Schwächen treten hier noch besser hervor als auf öffentlichen Straßen. Wer macht die sportlichste Figur? Der Civic, der äußerlich so einen dynamischen Auftritt hinlegt? Nein. Er sammelt auch in der Kategorie Rennstrecke die wenigsten Punkte. Am besten schlägt sich hier der Audi, bei dem das straffe Fahrwerk und die direkte Lenkung sportlichen Charakter generieren. "Die Meinungen, die sich gestern gebildet haben, ändern sich auch heute nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Sie verstärken sich noch", erklärt Busfahrer Bernd, bei dem Seat Leon, VW Golf und 1er-BMW die Dynamikwertung gewinnen. Der 4,66 Meter lange Skoda Octavia kann hier nicht mithalten, schiebt etwa in schnellen Kurven über die Vorderräder. Einen Nachteil in der Gesamtplatzierung beschert ihm das aber nicht mehr. Mit Bestwerten in der Onroad-Disziplin, im statischen Teil und im Kapitel Kauf macht der Skoda am Ende das Rennen. Geräumiger, komfortabler und günstiger als viele Konkurrenten, bietet er solide VW-Technik und viel Auto für wenig Geld – da ist sich die Jury einig.
Fazit
Der Skoda Octavia liegt in der Gunst der Leserjury ganz vorn – vor allem dank des souveränen Antriebs und des hervorragenden Nutzwertes. Zudem bietet er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Seine Konzernbrüder Audi A3 und VW Golf landen ebenfalls auf dem Treppchen, der Seat Leon nur einen Wimpernschlag dahinter. Entsprechend der Markenausrichtung weisen die Modelle kleine Unterschiede im Fahrverhalten, Raumangebot und Image auf. Auf Platz fünf fährt die Mercedes A-Klasse, die den BMW 1er mit besserer Qualität und ansprechenderem Design knapp schlägt. Beide punkten mit Fahrdynamik, schwächeln aber beim Platzangebot hinten und beim Raumgefühl. Hyundai i30, Opel Astra und Ford Focus werfen in erster Linie die durchzugsschwächeren Motoren zurück, wobei beim Focus erschwerend die komplizierte Bedienung und die billig wirkende Innenraumgestaltung hinzukommen. Schlechter schneidet nur noch der Honda Civic ab – und zwar mit Abstand. Grund sind sein zäher Antrieb, das unübersichtliche Cockpit und ein unruhiges Fahrverhalten.
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