Restomods sind extrem beliebt! Dabei handelt es sich in der Regel um Oldtimer mit modernisierter Technik. Der Porsche-Spezialisten Singer dürfte inzwischen nicht nur eingefleischten Autofans ein Begriff sein. Gerade erst hat das amerikanische Unternehmen in Kooperation mit den Rallye-Cracks von Tuthill Porsche den für Wüstenrennen geschaffenen Singer ACS auf 964-Basis präsentiert. Doch neben Singer gibt es viele weitere Kleinserienhersteller, die mit Restomods ihr Geld verdienen. Schon seit den 90er-Jahren ist Mechatronik mit seiner M-SL-Serie auf Basis der Mercedes Pagode im Geschäft. Guntherwerks kümmert sich, genau wie Singer, um Porsche 911. Automobili Amos hat den legendären Lancia Delta Integrale als Delta Futurista neu aufgelegt und die britische Firma Eagle interpretiert die Ikone Jaguar E-Type in verschiedenen Varianten neu. Und das sind nur einige der bekannten Adressen für Restomods!
Totem GT Electric
Die Front ist eine Hommage an den legendären GTAm. Der Kühlergrill ist aus Carbon, die Scheinwerfer sind LED.

• Restomod auf Basis des Alfa Romeo GT Junior
• Optik an Giulia GTAm angelehnt
• Carbon-Karosserie
• Elektro-Antrieb mit 525 PS (386 kW) Leistung
• 980 Nm maximales Drehmoment
• 0-100 in 3,4 Sekunden
• Topspeed: 245 km/h
• bis zu 360 Kilometer Reichweite
• 1270 Kilo Gewicht
• komplett individualisierbar
• Kleinserie von 20 Stück soll ab 2022 ausgeliefert werden
• Stückpreis ab 430.000 Euro


Eine Sache eint dabei alle: Sie kümmern sich um automobile Legenden. Wenn über solche Ikonen gesprochen wird, darf eine Marke natürlich nicht fehlen und das ist Alfa Romeo. Mit dem GTA-R von den Experten von Alfaholics gibt es einen, zum Großteil aus Carbon gefertigten, Restomod auf Alfa-Basis. Doch jetzt kommt ein neuer Name ins Spiel: Totem Automobili. Das junge italienische Start-up wurde 2018 von Designer Riccardo Quaggio gegründet und hat über zwei Jahre an seinem ersten Projekt gewerkelt. Allein in das Design sind rund 6000 Arbeitsstunden geflossen. Das Ergebnis ist der Totem Giulia GT Electric. Wie der Name schon verrät, handelt es sich dabei um eine vollelektrische Version des Giulia GTA.

Elektromotor statt Reihen-Vierzylinder

Jetzt könnte man anbringen, dass es auch schon zahlreiche Elektro-Restomods und das ist fraglos korrekt. Der Ansatz von Totem Automobili ist allerdings ein anderer: Die Italiener schmeißen nicht einfach nur den im Original GTAm bis zu 240 PS starken Vierzylinder raus und ersetzen ihn durch einen Elektro-Antrieb, sondern bauen das gesamte Auto mit einer irren Liebe zum Detail neu auf. Am Ende ist der Totem GT Electric sofort als Alfa zu erkennen, obwohl kaum noch Originalteile verwendet werden. Die Neuauflage basiert auf einem originalen zwischen 1970 und 1975 gebauten Alfa GT Junior 1300/1600. Dieser wird komplett bis auf das Chassis zerlegt, bevor sich Totem ans Werk macht. Vom Original-Chassis bleiben am Ende nur noch zehn Prozent übrig, den Rest fertigt Totem aus Aluminium an.
Totem GT Electric
Elektromotor statt Reihen-Vierzylinder. Im Original GTAm waren einst bis zu 240 PS möglich. Heute sind es 525 PS.

Nur 1270 Kilo dank Carbon-Karosserie

Die Karosserie des 4,08 Meter langen und 1,76 Meter breiten GT Electric wird aus Carbon gefertigt und soll nur 95 Kilo wiegen. Das Gesamtgewicht geben die Italiener mit nur 1270 Kilo an – und das trotz Elektroantrieb. Optisch ist der Restomod eine Augenweide, die bewusst an den GTAm erinnert. Das Erstlingswerk von Totem ist modern und doch klassisch, auf das Wesentliche reduziert. Dabei ist reduziert das richtige Stichwort: Stoßstangen haben die Designer weggelassen – hatte GTAm schließlich auch nicht. Hinzu kommt ein unheimlich feines Gespür für Details. Die filigranen Außenspiegel sind dem Original genauso nachempfunden wie die runden Scheinwerfer und Rückleuchten. Typisch Restomod, werden diese durch LED-Technik in die Moderne gehoben – wir befinden uns ja schließlich im Jahr 2021.
Weiter geht es mit den 17-Zoll-Alufelgen im klassischen Alfa-Design, die mit Continental-Reifen bezogen sind und perfekt zur cleanen Optik passen. Dahinter wird eine Brembo-Bremsanlage mit 354 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse und 328 Millimeter großen Scheiben an der Hinterachse verbaut. Auf Wunsch bietet Totem sogar eine noch größer dimensionierte Bremsanlage an. Serienmäßig ist ein Bilstein Clubsport-Gewindefahrwerk verbaut, das sich in Druck- und Zugstufe einstellen lässt. Sie merken schon: Totem macht keine halben Sachen. Der GT Electric soll nicht nur gut aussehen, er soll auch gut fahren. Bei 525 PS (386 kW) und 980 Nm maximalem Drehmoment ist das keine schlechte Idee.
Totem GT Electric
Der Totem GT Electric ist schnörkellos desingt und wurde edel ausgestattet.

0-100 km/h in 3,4 Sekunden

Der Antrieb des GT Electric ist hochmodern. Der 386 kW starke Elektromotor wird von einem 330 Kilo schweren Batteriepack mit 50,4 kWh Kapazität gespeist. Die elektrische Reichweite gibt Totem mit maximal 360 Kilometern an, Schnellladen soll ebenfalls kein Problem sein. Erwartungsgemäß beeindruckend ist die Beschleunigung: Mit Launch Control sprintet der GT Electric in 3,4 Sekunden auf Landstraßentempo. Der Topspeed soll bei 245 km/h liegen – nicht schlecht für ein Elektroauto. 
Doch den GT Electric auf die reinen Zahlen zu reduzieren wäre nicht fair. Neben der Verschmelzung der klassischen Optik mit modernem Antrieb geht es vor allem um ganz viel Liebe zum Detail. So hat Totem einen speziellen Soundgenerator entwickelt, der für einen möglichst realistischen Motorklang sorgen und auch Autofans überzeugen soll. Auf der Homepage des Herstellers gibt es bereits eine kleine Hörprobe.

Innenraum mit viel Leder

Im Innenraum war es den Italienern besonders wichtig, kein futuristisches Cockpit im Raumschiff-Stil, sondern ein klassisches Cockpit zu kreieren. Die Rückbank fliegt raus, Fahrer und Beifahrer nehmen auf bildschönen Carbon-Schalensitzen Platz, die spartanisch mit Lederstreifen bezogen sind. Abgesehen von den Sitzen hat Totem aber nicht an Leder gespart: Armaturenbrett, Mitteltunnel, Türtafeln, Fußmatten und mehr sind mit Leder verkleidet. Alle weiteren Zutaten wurden ebenfalls sorgfältig ausgewählt. Das Lenkrad ist eine Neuinterpretation des Momo-Klassikers "Hellebore", dahinter sitzen zwei digitale Rundinstrumente inklusive Navi, die sich nahtlos in das schnörkellose Cockpit einfügen und der Gangwahlhebel scheint aus den Vollen gefräst. Bei aller Liebe zum Detail müssen Kunden aber nicht auf Komfort-Features verzichten. Neben Navi und DAB verspricht Totem ein herausragendes Soundsystem, eine Alarmanlage, Klima und schlüsselloses Starten.
Totem GT Electric
Ein klassischer Innenraum, der Singer in puncto Qualität in nichts nachzustehen scheint.

Basispreis ab 430.000 Euro

Eigentlich sollte Totems Erstlingswerk auf dem Festival of Speed 2020 präsentiert werden. Aufgrund der Absage des Events hatten die Italiener noch ein bisschen mehr Zeit das Auto zu perfektionieren. Jetzt ist das Vorserienmodell fertig und soll potentielle Kunden begeistern. Vorbestellungen zum Basispreis von 430.000 Euro werden bereits angenommen. Dieser Preis kann allerdings noch deutlich steigen, denn wie es sich für einen Restomod gehört, ist auch der GT Electric voll individualisierbar. Ab 2022 soll die auf 20 Stück limitierte Kleinserie ausgeliefert werden.