Alpine A290 GTS, Mini Cooper SE: Test
Kleine Elektrosportler sorgen für großen Fahrspaß

Mini Cooper SE und die neue Alpine A290 setzen voll auf die elektrische GTI-Karte. Heißt: lebendiger Spaß durch Kraft und knackige Fahrwerke. AUTO BILD spielt mit und sucht den Besseren.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Alles kehrt sich um. Obwohl, bei Elektroautos sollten wir lieber sagen: Die Polung wechselt. Jedenfalls finden wir, dass der anfangs sooo verspielte Mini irgendwie immer mehr in eine erwachsenere Rolle rückt. Dabei wächst er stetig, wird sukzessive technisch aufwendiger, gibt sich längst auch im Auftritt zurückhaltender und wird – leider – auch immer teurer. Als Cooper SE mit 218 PS kostet er beispielsweise ab 31.650 Euro.
Der "alte" jugendliche Spieltrieb lugt inzwischen aus einer gänzlich anderen Ecke hervor. Denn seit wenigen Wochen setzt die Alpine A290 den Blinker in Richtung "Jugend forsch". Die A290 ist im Prinzip ein angeschärfter Renault 5, technisch deshalb identisch, jedoch stärker, exklusiver und natürlich wilder im Wesen.
Beide Testwagen kosten über 40.000 Euro
Die elektrische A290 wirkt allein über das Design viel jugendlicher als ein aktueller Elektro-Mini, neckt uns darüber hinaus über witzige Details (wie die aus der Rallye-Historie inspirierten Zusatzscheinwerfer) und zoomt sich mit kitzeligen 218 PS über die Straßen.

Schnäppchen sehen anders aus: Mit allen relevanten Extras kostete der Mini Cooper SE 41.740, die Alpine A290 GTS sogar 44.700 Euro.
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Aber Achtung: Auch die Alpine ist kein Schnäppchen. Als stärkere Variante kostet sie ab 38.700 Euro. Die getestete Ausführung GTS mit zusätzlicher Technik (wie Rückfahrkamera oder erweiterter Assistenz) kostet dann sogar knapp 45.000 Euro! Der Vollständigkeit halber: Der Cooper SE mit angenähertem Ausstattungsumfang (Linie XL) und zusätzlichem Paket John Cooper Works liegt bei ähnlich stolzen 41.740 Euro.
Mini mit pfiffigen Gimmicks
Gucken wir genauer in die Preisliste, ergeben sich bei den Knirpsen nur feine Unterschiede bei Technikbestückung und Komfortausstattung. So verfügt ein Mini dann über pfiffige Gimmicks wie das Head-up-Display mit vom Rallyesport abgeguckter Kurvenvorausschau. Außerdem bietet die Fahrassistenz wie die Stau-Funktion mit feineren Führungsqualitäten mehr Hilfe, der Mini kühlt über eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Sonst: ein ähnliches Niveau.

Typisch Mini: Interieur ohne Fahrerdisplay, aber mit großem rundem Zentralmonitor. Die Fahrassistenz bietet hier mehr Hilfe als im A290.
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Um an dieser Stelle die anderen funktionalen Eigenschaften einzuordnen: Der Mini ist (weil nur Dreitürer) im Umgang etwas unpraktischer, auch darf er weniger Ladung schultern. Dafür ist der Verbrauch des Cooper niedriger, die Reichweite um wertvolle Kilometer größer.
Fahrzeugdaten
Modell | Alpine A290 GTS | Mini Cooper SE |
|---|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn | vorn |
Spitzenleistung | 160 kW (218 PS) | 160 kW (218 PS) |
Dauerleistung | 78 kW (106 PS) | 65 kW (88 PS) |
maximales Drehmoment | 300 Nm | 330 Nm |
Vmax | 170 km/h | 170 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40 R 19 Y | 225/40 R 18 V |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport S 5 (A29) | Michelin e Primacy |
Radgröße | k. A. | 7,5 x 18" |
Reichweite* | 364 km | 385 km |
Verbrauch* | 16,5 kWh/100 km | 14,7 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität (netto) | 52 kWh | 49,2 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/100 kW | 11/95 kW |
Ladezeit (DC-Ladung; 10-80 %) | 30 Minuten (15-80 %) | 30 Minuten |
Ladeanschluss | vorn links | hinten rechts |
Vorbeifahrgeräusch | 63 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 500/500 kg | - |
Stützlast | 63 kg | - |
Kofferraumvolumen | 326–1106 l | 210–800 l |
Länge/Breite/Höhe | 3990/1820–2015**/1520 mm | 3858/1756–1967**/1460 mm |
Radstand | 2530 mm | 2526 mm |
Grundpreis | 38.700 Euro | 31.650 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 44.700 Euro | 41.740 Euro |
Kleiner und verschmerzbarer Fauxpas: Die Ladeleistung des Mini liegt unter der Zapf-Expertise der Alpine, die A290 darf mit maximal 100 kW Leistung Strom tanken, der Cooper mit 95 kW. Außerdem fällt die Leistungskurve im Cooper nach Erreichen der 80 Prozent Akkufüllstand deutlich stärker ab als bei der Alpine. Für beide Autos gilt: Die über unseren Testverbrauch ermittelten tatsächlichen Reichweiten dürften gerne höher sein, die Ladezeiten gerne kürzer.
In der Alpine steckt mehr Dynamik
Nun aber zum wesentlichen Aspekt des Duells. Der heißt Fahrspaß. Sagen wir so: Er ist vollumfänglich das Metier der Alpine. Das Auto ist um rund 200 Kilogramm leichter und wirkt auch viel emsiger als der Cooper SE, lässt sich feiner führen, nimmt schnelle Richtungswechsel dank tiefem Schwerpunkt aufrechter und spielerischer hin.

Absolutes Fahrspaßgerät: Die im Vergleich zum Mini 200 Kilo leichtere Alpine erweist sich in unserem Vergleichstest als echter Kurvenfresser.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auf Lastwechsel in Kurven reagiert der Franzose angenehm mitfühlend, nimmt eine Eindrehtendenz an, die hilfreich und leicht abfangbar ist. Wir feiern dieses aktive Wesen der Alpine, in dieser Wiesel-Liga bedeutet der Effekt nämlich: ganz großen Spaß! Da ist es fast schade, dass die Sitze im oberen Lehnenbereich so lustlos stützen und dass die Sitzposition – aufgrund weiter vom Fahrer entfernter Lenksäule – unsportlicher ausfällt.
Messwerte
Modell | Alpine A290 GTS | Mini Cooper SE |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,3 s | 2,6 s |
0–100 km/h | 6,3 s | 6,3 s |
0–130 km/h | 9,9 s | 9,9 s |
0–160 km/h | 16,4 s | 14,8 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,0 s | 3,1 s |
80–120 km/h | 4,0 s | 4,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1499/451 kg | 1676/379 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 10,4/10,3 m | 10,8/10,8 m |
Sitzhöhe | 625 mm | 500 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 33,7 m | 36,2 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m | 37,8 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 60 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) | 71 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 14,2 kWh/100 km | 13,9 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 20,8 kWh/100 km (+26 %) | 18,6 kWh/100 km (+26 %) |
Sportverbrauch | 23,1 kWh/100 km | 22,2 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 250 km | 264 km |
Trost: Die am Testwagen montierten klebrigen Michelin-Reifen der Sorte Pilot Sport S5 A29 bieten enorme Seitenführung, erlauben höhere Kurvengeschwindigkeiten als beim Cooper und ergeben vor allem außerordentlich gute Bremswerte. Wir haben aus Tempo 100 heraus im Bestfall 32 Meter ermittelt. Am Ende steht so ein giftig mit der Straße verbissenes Spaßgerät mit leichtem wie kräftigem Fahrgefühl – gut gemacht, Alpine!
Großer Nachteil der sportlichen Abstimmung: Die Lenkeinflüsse beim starken Beschleunigen sind schon verdammt heftig, das Auto schwänzelt und tänzelt beim vollen Sprint ungestüm in seiner Fahrspur herum.
Mehr Fokus auf Sparen beim Cooper SE
Diesen Effekt haben wir beim Mini ebenfalls gespürt, jedoch nicht so stark ausgeprägt. Dabei wirkt die Lenkung des SE (mehr Handmoment, unsaubere Mittellage) wie ein Filter, macht den Cooper etwas angenehmer im Umgang. Der Mini rollt auf Energiesparreifen – entsprechend gibt es Abzüge auf der dynamischen Seite. Früheres Untersteuern und längere Bremswege sind die Folge.

Auf Sparen getrimmt: Der Mini rollt auf 18 Zoll großen Energiesparreifen von Michelin (Typ e Primacy) – das kostet Dynamik.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
In Sachen Vorwärtsdrang nähern sich Mini und Alpine dann wieder an. Unseren Beschleunigungstests nach sprinten beide Typen nämlich nahezu gleich schnell auf Tempo 100, setzen ihre Kräfte aus dem Stand heraus zackig und angenehm nachdrücklich in den Spurt um.
Platzierung
Modell | Mini Cooper SE | Alpine A290 GTS |
|---|---|---|
Punkte* | 536 | 578 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 2,3 | 2,4 |
Fazit | In allem, was der Cooper kann und macht, wirkt er souverän. Als Dreitürer nicht sofunktional wie der Franzose. | Stark, originell, gute Ausstattung, bessere Handlingeigenschaften – doch deutlich teurer als der Mini. |
Oberhalb von rund 130 km/h zieht der Mini, obwohl deutlich schwerer, jedoch auf und davon. Das lässt ihn auf der Autobahn kräftiger erscheinen, er legt gefühlt auch da noch satt an Tempo zu, wo die Alpine sich wie gedrosselt anfühlt. Unter entspannter Gangart laufen beide Autos angenehm leise, der Mini dabei passabel gefedert, die Alpine in gleicher Situation sogar angenehm weich abgestimmt und mit mehr Federweg gesegnet. Letztlich bleibt es über die volle Renndistanz ein knappes Duell. Mit klarer Empfehlung für Spaß-Sucher: Alpine kaufen.
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