Im Prinzip ist die A390eine Burg. So eine richtig mächtige Festung mit opulenten Zinnen und dickem Turm – ganz so, wie die mittelalterlichen Bastionen an Mosel und Loire. Zumindest kann man den elektrischen Riesen von Alpine so einordnen, wenn man an den Ursprung der Marke denkt.
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Alpine

A390 GT

Alpine A390 GT
Zierlich, klein, wendig, knackig – so wuselten die Ur-Alpine über Straßen und Rallyepisten, glänzten über Tempospaß und millimeterfeines Fahrgefühl.

Überblick: Für wen passt die Alpine A390?

  • Für sportliche Fahrer: Die Alpine bietet kräftige Beschleunigung, präzises Handling und ein agiles Fahrgefühl. Die Federung fällt dabei nicht zu straff aus.
  • Für Pendler und Vielfahrer: Auch wenn die WLTP-Reichweite deutlich verfehlt wird, sind 442 Kilometer mit einer Akkuladung ordentlich und reichen locker für alle Alltagsstrecken.

Technisch mit dem Renault Scenic verwandt

Nun das: ein 2,2 Tonnen schweres Hochsitz-Gerät, das sich auf 4,60 Meter Länge dehnt und Fahrbahnbreiten mit fast 1,90 Meter Gesamtmaß ausfüllt. Auch wenn Alpine von "Sport-Fastback" spricht, wir sortieren die üppige, leicht aufgebockte und mit Kantenschutz versehene A390 lieber in die SUV-Ecke.
Alpine A390 GT
Markenuntypisch kommt die Alpine A390 eher als SUV-Coupé denn als kleiner, knackiger Sportler daher. Technisch ist sie mit dem Renault Scenic verwandt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Außerdem ist die A390 eng mit gemütlicheren Typen von Renault (Scenic!) verwandt. Da helfen ihr auch die elegante Dachlinie oder hinreißende Details wie der ziselierte Heckabschluss nichts. So weit also die formale Grundlage. Und die technische? Klärt hier der erste Test der neuen Alpine A390 als 400 PS starke Variante mit GT-Ausstattung.

WLTP-Reichtweite wird deutlich verfehlt

Wir dröseln zunächst theoretisch auf: Dahinter steckt ein Unterbau mit gleich drei E-Motoren. Eine Maschine wirkt auf die Vorderachse, zwei Motoren treiben je ein Hinterrad an. Energie kommt aus einem 89 kWh Energie fassenden Akkupaket, 400 Volt Spannung schlummern in der Kupferseele, und laut WLTP kommt die A390 mit einer Batterieladung bis zu 551 Kilometer weit.
Alpine A390 GT
Für die Alpine A390 GT verspricht der Hersteller bis zu 551 Kilometer Reichweite. Im Testdurchschnitt lag der Wert bei 442 Kilometern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Mit 150 kW Leistung darf eine Schnellladesäule Stromnachschub durch den CCS-Steckeranschluss jagen. Und das Bordsystem lässt Wallbox-Betankungen mit 22 kW Leistung zu. Klingt alles durchdacht, effektiv und schlüssig. Tatsächlich läuft der Hase etwas anders. Mit dem von uns im Test ermittelten Verbrauch von 22,1 kWh schafft die Alpine 442 Kilometer Reichweite – über 100 Kilometer weniger als versprochen.
Motor Bauart
Synchronelektromotoren
Einbaulage
ein Motor v., zwei Motoren h.
Spitzenleistung
295 kW (400 PS)
Dauerleistung
183 kW (249 PS)
maximales Drehmoment
661 Nm
Vmax
200 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Allradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
365/350 mm
Testwagenbereifung
245/45 R 20 V
Reifentyp
Michelin Pilot Sport EV
Radgröße
k. A.
Reichweite*
551 km
Verbrauch*
18,9 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Batteriekapazität
89 kWh
Ladeleistung AC/DC
11(22)/150 kW
Ladezeit (15-80 %, DC-Ladung)
29 Minuten
Fach unter Frontklappe
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1350/750 kg
Stützlast
75 kg
Kofferraumvolumen
532–1643 l
Länge/Breite/Höhe
4615/1885–2055**/1532 mm
Radstand
2708 mm
Grundpreis
67.500 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
67.500 Euro
Eine Wärmepumpe unterstützt ab Werk den Thermohaushalt, gleichfalls bietet das Auto eine intelligente Ladesystematik dank Vorkonditionierung der Akkus per Navigationsdaten. Auch bidirektionale Stromtransfers sind möglich. Dennoch dürfte die Ladegeschwindigkeit gerne höher sein. Das typische Ladefenster des Akkus (15 bis 80 Prozent) deckt der GT in mäßig fixen 30 Minuten ab – das können andere Typen in dieser Liga längst effektiver.

Fahrleistungen auf hohem Niveau

Trost: Wer es agil mag, kommt bei dieser Alpine auf seine Kosten. Denn die A390 legt praktisch jedes einzelne Elektron ihrer Kraft in Vorwärtsdrang um. Traktionsstark und leichtfüßig setzt sich der Fünftürer in Bewegung, zieht dank pfundiger 661 Newtonmeter Systemdrehmoment linear und ohne Schaltpause (Einganggetriebe) durch.
Alpine A390 GT
Geht vehement nach vorne: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht die A390 GT schlanke 4,8 Sekunden. Maximal sind 199 km/h drin.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein neckischer Schalter an der Lenkradspeiche gaukelt noch etwas Extra-Mumm mit Klanguntermalung aus den Lautsprechern vor – tatsächlich tut's ein voll durchgetretenes Gaspedal genauso gut. In 4,8 Sekunden (wie vom Werk angegeben) stürmt das E-Mobil auf Tempo 100, den Überholspurt (80 bis 120 km/h) hakt die Alpine in 2,8 Sekunden ab – so gehört sich das für eine Marke mit sportlich-großem Namen. Die von Alpine versprochenen 200 km/h Höchstgeschwindigkeit hat der Testwagen allerdings nicht ganz geschafft. Real läuft das Auto "nur" 199 Kilometer pro Stunde schnell.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,1 s
0–100 km/h
4,8 s
0–130 km/h
7,3 s
0–160 km/h
10,7 s
0–180 km/h
14,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,2 s
80–120 km/h
2,8 s
Leergewicht/Zuladung
2158/447 kg
Gewichtsverteilung v./h.
49/51 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,3 m
Sitzhöhe
645 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,7 m
aus 100 km/h warm
36,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
bei 100 km/h
64 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
16,9 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
22,1 kWh/100 km
(+17 %)
Sportverbrauch
29,1 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
442 km
Mehr Biss hätten wir von der Bremsanlage erwartet. Fast 37 Meter haben wir in unseren Tests ermittelt – das ist Mittelmaß in der Kompaktklasse, einer Alpine jedoch nicht gerade würdig. Außerdem wirkt der Übergang von Konstantfahrt in den Schiebebetrieb unerwartet zweistufig, bei längeren Rekuperationsphasen ist uns zudem eine leichte Vibration, untermalt von Geräuschen, aufgefallen.

In der A390 GT steckt viel Fahrspaß

Doch genug der Schelte. Die A390 kann nämlich auch ganz anders – wild! Zum stürmischen Vorwärtsdrang passt das leichtfüßige, agile und sichere Fahrwesen. Dank griffiger 20-Zoll-Bereifung (Michelin Pilot Sport EV) liegt die A390 satt und klebrig verbunden auf der Straße, neigt sich beim Richtungswechsel kaum, scheucht die Pfunde in den Hintergrund und lässt sich unter wenig Lenkbewegungen zackig dirigieren.
Alpine A390 GT
Spaßig: Trotz stattlicher 2,2 Tonnen Gewicht geht es mit der A390 GT schön dynamisch ums Eck. Die Lenkung gefällt mit passendem Gefühl und treffender Rückstellkraft.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Lenkgefühl wirkt zur PS-Klasse passend, bietet eine treffende Portion Rückstellkraft. Die leicht heckbetonte Auslegung der Kraftabgabe und ein sehr fein regelndes Torque Vectoring (über die Steuerung der Motoren) vermitteln darüber hinaus ein aktives, unter Umständen (Lastwechsel, eckig eingelenkt) sanft eindrehendes Fahrverhalten – eine passende Portion Sportwagen heizt mit.

Wertung Alpine A390 GT

Wertung Alpine A390 GT
Karosserie
Platz vorn passend, im Fond eng. Kofferraum ordentlich. Karosserie unübersichtlich.
3 / 5
Antrieb
Starke Motoren, kräftiger Durchzug. System gut dosierbar. Durchschnittliche Ladeleistung.
4 / 5
Fahrdynamik
Agiles Wesen, gutes Lenkgefühl. Griffig und traktionsstark. Bremsen nur Durchschnitt.
3,5 / 5
Connected Car
Über Google geregelte Sprachbedienung und Navigation, herausragende Klangqualität.
4,5 / 5
Umwelt
Insgesamt schweres Auto, für die Marke üppige Dimensionen. Gutes Rekuperationskonzept.
3,5 / 5
Komfort
Leises E-Auto. Bequemes Sitzgefühl, gutes Bedienkonzept. Federung nicht zu sportlich.
3,5 / 5
Kosten
Unterm Strich hoher Kaufpreis, teurere Unterhaltskosten, gutes Ausstattungsniveau der GT-Linie.
2 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,2
Eine knüppelharte Kutsche ist das Auto dennoch nicht – auf kleine Unebenheiten reagiert die Alpine erwachsen gefedert, auch stärkere Bodenwellen atmet der schwere Wagen erstaunlich gelassen weg.

Sportlich konturierte Sitze bieten bequeme Polsterung

Der Mix aus komfortabler Reserve und aktiver Angriffslust setzt sich im Innenraum fort. Es geht leise und nicht zu grell zu, gleichzeitig hat Alpine das Interieur mit hübschen Details – wie den toll gemachten Drehreglern im Lenkrad – verziert.
Alpine A390 GT
Einrichtung mit Stil: Die A390 hat ein modernes Cockpit mit haptisch und optisch toll gemachten Reglern im Lenkrad.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Platz reicht völlig aus, die sportlich konturierten Sitze bieten eine bequeme Polsterung. Schade: Die weit in den Innenraum ragende Fußstütze stört eine perfekte Haltung. Auch dem Lehnenteil fehlt Kniff in den Seitenwangen – die Schultern jedenfalls werden nur mäßig gegen Fliehkräfte abgestützt. Kein Drama: Insgesamt sitzen Fahrer und Beifahrer sportlich und kommod gleichzeitig – das passt zum Auftritt.

Bildergalerie

Alpine A390 GT
Alpine A390 GT
Alpine A390 GT
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Alpine A90 GT im ersten Test
Hinten sieht es dagegen finster aus. Einsteigen durch die engen Ausschnitte gerät (nach unpraktischem Gefummel am vertikalen Türöffner) zu einer verrenkten Übung, man sitzt leicht eingedreht, über dem Kopf fehlen Platzreserven.

Hoher Preis und hohe Kosten

Die flachen Seitenscheiben mit sehr breiten Einfassungen ergeben zudem ein beengtes Raumgefühl und führen letztlich auch zur enormen Unübersichtlichkeit des Fließheck-Crossovers. Im Kofferraum stört zudem eine recht hohe Kante beim Beladen.
Alpine A390 GT
Teures Vergnügen: Die Alpine A390 GT kostet stolze 67.500 Euro. Sie muss zudem jährlich zur Wartung, und die Versicherung ist teuer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sagen wir an dieser Stelle so: Praktisch? Geht so. Flott? Unbedingt. Teuer? Leider. So verlangt Alpine ab 67.500 Euro für den GT. Dazu kommen höhere Kosten für Versicherung und mehr Aufwand aufgrund jährlicher Wartung. Passt – das soll für mächtige Burgen ja ebenfalls gelten.

Die wichtigsten Fragen zur Alpine A390

Welche Technik steckt in der Alpine A390?

Die Alpine A390 basiert auf einer Plattform mit drei Elektromotoren. Ein Motor treibt die Vorderachse an, zwei weitere wirken auf die Hinterräder. Sie ist technisch eng verwandt mit beispielsweise dem Renault Scenic.

Welche Leistung haben die Motoren?

In der getesteten GT-Version liegt die Systemleistung bei 400 PS und 661 Newtonmeter Drehmoment. Damit geht die A390 GT in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und schafft maximal 199 km/h.

Wie fährt sich die Alpine A390?

Trotz ihres Gewichts von rund 2,2 Tonnen ist die Alpine A390 agil, präzise und überraschend leichtfüßig. Die direkte Lenkung, das Torque Vectoring und die heckbetonte Kraftverteilung sorgen für ein sportliches Fahrverhalten mit hoher Kurvendynamik.

Wie hoch ist die Reichweite?

Im Testdurchschnitt verbrauchte die Alpine 22,1 kWh/100 km. Ihr 89-kWh-Akku schafft so eine Reichweite von 442 Kilometern. Das ist ordentlich, aber über 100 Kilometer weniger als der Hersteller nach WLTP angibt.

Fazit

von AUTO BILD
Die Alpine A390 funktioniert als Elektroauto sehr gut, bietet viel Kraft, Fahrspaß und ordentliche Reichweite. Das sehr gelungene, charakteristische Design und das aktive Fahrgefühl setzt die A390 von vielen anderen Typen in dieser Liga ab. Aufgrund ihrer Fließheck-Form hat sie funktionale Schwächen – Stichwort Platzangebot im Fond. AUTO BILD-Testnote: 2,2