Claudius Maintz mit VW e-Golf an Ladestation

Reichweite von E-Autos

Ladesäulen für Elektroautos: Öffentlicher Strom teurer als Benzin

Öffentlicher Ladestrom teurer als Benzin

Strom für E-Autos kann teurer als Benzin werden – zumindest an öffentlichen Ladestationen. Auch sonst fällt ein Ladesäulencheck vom Ökostromanbieter Lichtblick teils verheerend aus.
Wer mit seinem Elektroauto auf Reisen geht, muss in der Regel an öffentlichen Ladestationen Halt machen. Davon gibt es in Deutschland knapp 17.500. Doch das Stromladen dort kann teils deutlich teurer werden als das Tanken von Kraftstoff, wie der Ladesäulencheck 2019 vom Ökostromanbieter Lichtblick in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Statista ergab. Eine Ladung für 100 Kilometer an einer Ladesäule von E.on kostet beispielsweise 7,95 Euro. An der gleichen E.on-Säule über den Roaminganbieter New Motion sind es bereits 14,88 Euro, bei Plugsurfing sogar 16,36 Euro. Damit liegen die Tarife teils deutlich über den Tankkosten für Benziner (8,70 Euro bei einem Verbrauch von sechs Litern/100 km und einem Preis von 1,45 Euro pro Liter). Noch größer ist der Preisunterschied gegenüber Dieselautos, bei denen Verbrauch wie Kraftstoffkosten noch geringer ausfallen.

Bandbreite von 29 Cent bis 89 Cent pro Kilowattstunde

Roaminganbieter erleichtern einen fleckendeckenden Zugang zu Ladesäulen verschiedener Anbieter, aber auch hier schwanken die Preise laut Lichtblick – teilweise sogar deutlich. So habe Get Charge der deutschen Telekom zum 1. April 2019 die Abrechnung auf Kilowattstunde (kWh) umgestellt, unterscheide aber zwischen "bevorzugten und "sonstigen" Ladesäulen. So könne der Preis in einer Region mal 29 Cent/kWh und mal 89 Cent/kWh betragen.

Tarifdschungel, Monopole, komplizierter Zugang

An Elektrotankstellen herrscht nach wie vor ein unübersichtliches Tarifwirrwarr.

Generell beklagt Lichtblick in seinem dritten Ladesäulentest nach wie vor einen Tarifdschungel und eine wachsende Ausprägung lokaler Monopole. Die Preise für Ladestrom lägen weiterhin deutlich über den Durchschnittskosten für Haushaltsstrom (30,3 Cent im Jahr 2018), zudem seien die komplizierten Zugangsvoraussetzungen – mal Anmeldung per SMS, mal per App, mal per Ladekarte – ein weiteres Hemmnis für die Verbreitung von Elektromobilität. Berechnungsgrundlage der Kalkulationen waren die Kosten pro Kilowattstunde für eine Tankfüllung für 100 Kilometer mit einem BMW i3 (Verbrauch: 15 kWh/100 km) an einem AC-3-Anschluss (11 kW) an öffentlichen Ladesäulen. Die Ladedauer betrug 1:36 Stunden. Es wurden ausschließlich Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.

Verbrauchs-Ranking von E-Autos

Abrechnung nach Kilowattstunden vorgeschrieben

In Deutschland gibt es fast 17.500 öffentliche Ladesäulen – zu wenig für die Entwicklung der E-Mobilität.

Seit dem 1. April 2019 müssen Anbieter an öffentlichen Ladestationen statt Pauschalen (Session Fees) eine Abrechnung nach tatsächlich geladenen Kilo­wattstunden ermöglichen. Eigentlich. Doch gab es schlicht bislang zu wenige Genehmigungen. Nun hat jeder Anbieter von seinem lokalen Eichamt (16 gibt es in Deutschland) eine individuelle Frist gesetzt bekommen, das gesetzlich korrekte Zählen wird allgemein für den Lauf des Jah­res 2020 erwartet. Weil Großkonzerne wie EnBW und Telekom Pläne für die Umrüstung zu eichrechts­konformen Säulen vorlegten, dulden die Behörden die kilowattstundenbasierten Tarife schon jetzt.

Verbraucher kritisieren hohe Tarife

Vorbild Stromzähler: Auch Ladesäulen für E-Autos werden künftig ein amtliches Eichsiegel tragen.

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) begrüßt die aktuelle Verände­rung: "Ladestrom muss so schnell wie möglich und flächendeckend nach Kilowattstunden abgerechnet werden", fordert Gregor Kolbe, Referent Ver­kehrsmärkte beim vzbv. "Nur so haben Kunden eine volle Preistransparenz und können vorher abschätzen, was sie der Ladevorgang kosten wird." Die Community der Elektromobi­listen ist jedoch wenig begeistert und moniert weiterhin zu hohe Tarife. Ein Einwand, der angesichts der ho­hen Kosten für Aufbau und Betrieb der Infrastruktur schwer nachvollziehbar sei, verteidigen sich die Stromanbieter. Ein Hochleistungs-Lade­park mit mehreren Säulen koste eine hohe sechsstellige Summe. Dazu ad­dierten sich das IT-Hintergrundsystem sowie die Wartung durch Fachleute.

E-Autos im ADAC-Kostenvergleich

Grundsätzlich sollten Reisende mit Elektroautos ihren Wagen vor der Abfahrt vollladen. Der ADAC rät zudem: Wer regelmäßig längere Strecken fährt und das Geschäftsfeld seiner Stadtwerke verlässt, für den ist der Service eines Roaming-Dienstleisters sinnvoll. Sind zwei Stadtwerke im selben Roaming-Verbund, können Nutzer mit der Ladekarte des einen Netzbetreibers an einer Ladesäule des anderen Strom zapfen. Wer davon Gebrauch macht, sollte sich jedoch vorab über mögliche Zusatzgebühren informieren. (Eine interaktive Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur finden Sie hier. Außerdem gibt es bei clever-tanken.de, einem Beteiligungsunternehmen der Axel Springer Auto Verlag GmbH, eine App zum Sparen beim Stromtanken.)

Autoren: Christoph M. Schwarzer,

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