Autofahrer-Fehler im Winter

Autofahrer-Fehler im Winter

10 Autofahrer-Fehler im Winter

Viele Autofahrer machen im Winter aus Unwissenheit Fehler, die sie am Ende die Sicherheit und bares Geld kosten. AUTO BILD z├Ąhlt sie auf.
Winter bedeutet f├╝r das Auto und seinen Fahrer eine Extremsituation: Die K├Ąlte setzt Motor und Batterie zu, Salz und Eis greifen die Karosserie an und auch das Fahren bei Schnee und Eis ist kein Vergn├╝gen. Das Problem: Viele Autofahrer machen die ohnehin schon widrigen Umst├Ąnde im Winter durch ihr Verhalten noch schlimmer. Die Quittung gibt's dann in Form von Sch├Ąden oder Bu├čgeldern.

1. Mit den falschen Reifen unterwegs sein

Berg mit Schneeflocke: Reifen mit diesem Symbol bzw. der M+s-Kennzeichnung sind wintertauglich.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Regelung zur Winterreifenpflicht mittlerweile bei allen Autofahrern angekommen w├Ąre ÔÇô ist sie aber nicht: Eine Umfrage von Autoscout 24 hat ergeben, dass etwa jeder vierte Autofahrer auf Winterreifen verzichtet. Das ist gef├Ąhrlich und kann ein Bu├čgeld nach sich ziehen. Mindestens 60 Euro und ein Punkt in Flensburg werden f├Ąllig, plus: 75 Euro und ein Punkt f├╝r den Halter, falls er nicht auch der Fahrer ist ÔÇô mal ganz abgesehen von der Gefahr, der man sich und andere Verkehrsteilnehmer aussetzt.
In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht, das hei├čt: Sobald es schneit oder die Stra├čen vereist sind, m├╝ssen die Pneus wintertauglich sein. Zu erkennen sind sie am Alpine-Symbol bzw. ├Ąltere Modelle an der M+S-Kennzeichnung (mehr Infos zur Winterreifen-Kennzeichnung). ├ťbrigens: Nicht weniger problematisch als falsche Reifen sind Winterreifen mit zu wenig Profil: Mindestens vier Millimeter sollten es noch sein, auch wenn der Gesetzgeber 1,6 Millimeter als Minimum vorschreibt. Die Fahreigenschaften verschlechtern sich bei weniger als vier Millimeter Profil deutlich.

2. Falschen Frostschutz verwenden

Frostschutz ist nur in der richtigen Dosierung effektiv. Wer mit Konzentrat arbeitet muss die Anleitung beachten.

Friert die Scheibenwaschanlage ein, k├Ânnen der Tank oder die Leitungen Schaden nehmen, das kann teuer werden. Aber einige Autofahrer f├╝llen den falschen Frostschutz ein und bereiten sich dadurch selbst Probleme: Besonders beliebt ist verd├╝nnter Spiritus. Ein prima Frostschutz, aber auf der Scheibe sorgt er daf├╝r, dass der Frost nach dem Entfernen auch schnell wieder aufbl├╝ht. Au├čerdem hinterl├Ąsst er Schlieren auf der Scheibe, die die Sicht verschlechtern. Spezielle Zus├Ątze im Scheiben-Frostschutz verhindern das erneute Vereisen und hinterlassen keine Spuren. Wichtig: Bei Konzentraten auf das richtige Verh├Ąltnis achten. Zuviel Konzentrat im Wischwasser verschlechtert die Reinigungsleistung und ist zus├Ątzlich schlecht f├╝r die Umwelt.
Was viele nicht wissen: Genau genommen darf ein Auto mit eingefrorener Wischwasseranlage gar nicht fahren. Denn dreckige Scheiben sind ein Sicherheitsrisiko und mit eingefrorenem Wischwasser k├Ânnen Sie nicht auf Verschmutzungen reagieren. Wird man von der Polizei mit dreckigen Windschutzscheiben erwischt, k├Ânnen zehn Euro Ordnungsgeld erhoben werden. Bei einem Unfall bekommt man eine Mitschuld zugesprochen.

3. Die Klimaanlage ausgeschaltet lassen

Wer eine Klimaanlage hat, sollte sie auch im Winter ab und zu einschalten. Wird sie l├Ąngere Zeit nicht genutzt, kann es dazu f├╝hren, dass sich Feuchtigkeit, Pilze und Bakterien sammeln. Dadurch entsteht ein unangenehmer Geruch. Au├čerdem schmiert der Betrieb Dichtungen und bewegliche Teile der Klimaanlage, das beugt Sch├Ąden vor. Plus: Die Klimaanlage entzieht der Luft Feuchtigkeit, das wirkt schnell gegen beschlagene Scheiben. Mehr zum Thema Klimaanlage im Auto
Wichtig: Bei Minusgraden kann Kondenswasser gefrieren und die Leitungen sch├Ądigen. Moderne Autos haben daf├╝r einen Temperaturf├╝hler, der den Kompressor abgeschaltet l├Ąsst, wenn die Temperatur unter f├╝nf Grad sinkt. Lediglich bei ├Ąlteren Modellen sollten Fahrer aufmerksam sein und die Klimaanlage bei Minusgraden lieber abgeschaltet lassen.

4. Beschlagene Scheiben nur mit der Heizung bek├Ąmpfen

Regelm├Ą├čiges L├╝ften ist wichtig, um Feuchtigkeit im Auto zu vermeiden.

Der erste Reflex bei beschlagenen Scheiben im Auto ist, die Heizung voll aufzudrehen und das Gebl├Ąse auf die Windschutzscheibe zu richten. Das ist prinzipiell auch richtig, bringt aber nichts, wenn Umluft aktiviert ist. Denn dann zirkuliert nur die feuchte Innenraumluft. Dabei ist die kalte Luft von drau├čen trockener und kann deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Bei einem stark ausgek├╝hlten Innenraum beschlagen die Scheiben durch die warme Atemluft zus├Ątzlich, deswegen beim Einsteigen am besten die Fenster etwas ├Âffnen, damit die feuchte Luft entweichen kann. Und: Klimaanlage einschalten! Das wirkt noch effektiver als die Heizung (siehe Punkt 3).
Um Feuchtigkeit im Auto zu vermeiden vor dem Einsteigen die Schuhe abklopfen und die Kleidung von Schnee befreien. Auch regelm├Ą├čiges Reinigen der Scheiben hilft, denn saubere Scheiben beschlagen weniger.

5. Reifendruck f├╝r mehr Traktion verringern

Um auf Schnee und Eis bessere Traktion zu haben, verringern einige Autofahrer den Reifendruck. Dieser Trick stammt jedoch noch aus einer Zeit, in der Diagonalreifen Standard waren. F├╝r die heute g├Ąngigen Radialreifen gilt das nur noch bedingt. Bei zu niedrigem Reifendruck verschlechtert sich die Haftung auf der Stra├če, das Bremsverhalten wird schwammig. Au├čerdem steigen Spritverbrauch und Verschlei├č. Nur noch auf einer sehr dichten Schneedecke kann verringerter Reifendruck die Traktion verbessern. Allerdings sollte der Reifendruck maximal ein Drittel unter dem vom Hersteller empfohlenen Wert liegen und eine Geschwindigkeit von 50 km/h nicht ├╝berschritten werden. Sobald der Wagen wieder auf Schneematsch oder Asphalt rollt, wird das Fahrverhalten deutlich unsicherer.
Der Reifendruck muss auch im Winter regelm├Ą├čig ├╝berpr├╝ft werden. Das gilt ganz besonders bei einem Temperatursturz. Denn bei fallenden Temperaturen k├╝hlt sich auch die Luft im Reifen ab, dadurch sinkt der Druck. Als Faustregel gilt 0,1 Bar pro zehn Grad.
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6. Autobatterie vernachl├Ąssigen

Manche Ladeger├Ąte haben einen Desulfatierungs-Modus, der angeschlagene Akkus auffrischen soll.

K├Ąlte ist f├╝r Autobatterie eine enorme Belastung. Die Akkus b├╝├čen bei kalten Temperaturen einen gro├čen Teil ihrer Leistung ein, gleichzeitig ben├Âtigt der Motor beim Starten mehr Kraft. Wer die Batterie dann auch noch mit Verbrauchern wie Heckscheiben-Heizung, Sitzheizung etc. beansprucht, riskiert, dass sie schlappmacht. Gerade auf k├╝rzeren Strecken kommt die Lichtmaschine mit dem Aufladen oft nicht hinterher. Deswegen ist es ratsam, die Autobatterie im Winter regelm├Ą├čig an ein Ladeger├Ąt anzuschlie├čen. Auf zus├Ątzliche Verbraucher wie einer Heizdecke f├╝r das Kind sollte wenn m├Âglich ganz verzichtet werden, denn das zwingt die Batterie zus├Ątzlich in die Knie.
Der Spannungsverlust f├╝hrt auf Dauer nicht nur zu Startproblemen, er sorgt auch daf├╝r, dass sich Sulfatkristalle an den Platten ablagern, das verringert die Kapazit├Ąt und macht den Akku mit der Zeit kaputt. Wer dem entgegenwirken will, kann auf einen sogenannten Batteriepulser zur├╝ckgreifen, der die Sulfatkristalle mit gezielten Spannungsspitzen zerschlagen soll. Mehr zum Thema Autobatterie im Winter

7. Nebelschlussleuchte zu fr├╝h einschalten

Wann eine Nebelschlussleuchte eingeschaltet werden darf, ist gesetzlich klar geregelt. Und diese Regel lautet nicht: "bei Nebel". Es muss sich schon um sehr starken Nebel handeln, die Sichtweite muss laut Stra├čenverkehrsordnung unter 50 Metern liegen. Zudem darf die Nebelschlussleuchte auch bei starkem Regen genutzt werden, vorausgesetzt man kann nicht weiter als 50 Meter sehen. Ansonsten wird der nachfolgende Verkehr geblendet. Liegt die Sichtweite unter 50 Metern gilt au├čerdem eine H├Âchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Wer dagegen verst├Â├čt, muss mit einem Ordnungsgeld von mindestens 20 Euro rechnen.
F├╝r Nebelscheinwerfer gelten ├╝brigens weniger strenge Regeln, Sie d├╝rfen allgemein bei schlechter Sicht genutzt werden. Generell gilt f├╝r das Fahren bei schlechter Sicht: Geschwindigkeit und Abstand anpassen, Fernlicht bei Neben nicht nutzen.

8. Sich nur bei Frost ums K├╝hlwasser k├╝mmern

Nat├╝rlich: Im Winter ist ausreichend K├╝hler-Frostschutz besonders wichtig. Er wird mit einer K├╝hlwasser-Spindel gepr├╝ft. Sie sollte mindestens minus 20 Grad anzeigen, ansonsten muss Frostschutz erg├Ąnzt werden. Wer mit zu wenig Frostschutz unterwegs ist, l├Ąuft Gefahr, dass das K├╝hlwasser einfriert und das K├╝hlsystem zerst├Ârt. Zudem drohen Sch├Ąden an Motor, Wasserpumpe und Zahnriemen, wenn Sie den Wagen mit gefrorenem K├╝hlwasser anlassen. Aber: Die Kontrolle des K├╝hlwassers ist nicht nur im Winter wichtig. Das Mittel sch├╝tzt das K├╝hlwasser vor vorzeitigem Sieden und auch vor Ablagerungen und Korrosion. Als Faustregel gilt: Den K├╝hlwasserstand monatlich, Frostschutz halbj├Ąhrlich ├╝berpr├╝fen.

9. Auf Lichtautomatik verlassen

Eine Lichtautomatik am Auto ist super bequem: Tags├╝ber f├Ąhrt der Wagen mit Tagfahrlicht, wird es dunkler schalten sich automatisch die Abblendlichter ein. Aber gerade in Herbst und Winter, wo es oft regnet und neblig ist, arbeitet die Lichtautomatik nicht zuverl├Ąssig. Schlie├člich kann es bei schlechten Sichtverh├Ąltnissen trotzdem hell genug sein, sodass die Lichtautomatik keinen Anlass erkennt, auf Abblendlicht umzuschalten. Und bei aktiviertem Tagfahrlicht bleiben die R├╝cklichter ausgeschaltet. Bei schlechter Sicht ist man f├╝r den r├╝ckw├Ąrtigen Verkehr so erst sp├Ąt erkennbar. Deswegen: Bei Nebel oder Regen selbst das Abblendlicht einschalten und nicht auf die Automatik verlassen.

10. Nicht an die Assistenzsysteme denken

Viel Schnee auf dem Auto kann auch die Assistenzsysteme "blind" machen.

Moderne Autos sind mit allerhand Sensoren und Kameras ausgestattet. Sind diese jedoch verschneit oder durch salz verschmutzt, melden sie mitunter falsche Infos. Parkpiepser zeigen einen falschen Abstand, R├╝ckfahrkameras ein tr├╝bes Bild. Im schlechtesten Fall riskiert man einen Parkrempler, weil man sich auf die eingeschneiten Assistenten verl├Ąsst. Deswegen die Assistenzsysteme vor dem Losfahren vom Schnee befreien und gegebenenfalls s├Ąubern.
Radarbasierte Assistenten wie ein Abstandstempomat sind in der Regel abgedeckt und gegen Schnee und Dreck gesch├╝tzt. Gibt es hier trotzdem Beeintr├Ąchtigungen, f├╝hrt es in der Regel dazu, dass das Assistenzsystem ausf├Ąllt. Das System gibt dann eine Fehlermeldung heraus. Nach dem S├Ąubern sollte alles wieder ordnungsgem├Ą├č funktionieren.
Wichtig: Bei Schnee sollten die Assistenzsysteme ohnehin mit Vorsicht genutzt werden. Die Abst├Ąnde im Abstandstempomat sind nicht auf die schlechten Witterungsverh├Ąltnisse und die daraus resultierenden langen Bremswege ausgelegt. Spurhalteassistenten k├Ânnen keine Fahrbahnmarkierungen auf verschneiten Stra├čen erkennen.

Weitere Fehler von Autofahrern im Winter

ÔÇó Zuviel Gas bei Gl├Ątte: Die Reifen drehen auf glatter Fahrbahn schnell durch. Lieber untertourig fahren. Klappt es mit dem behutsamen Anfahren nicht, in den zweiten Gang wechseln.
ÔÇó Scheibenwischer zu fr├╝h einschalten: Sind die Scheibenwischer an der Scheibe festgefroren, nicht einschalten. Das besch├Ądigt die Wischerbl├Ątter. Das gleiche gilt f├╝r das "Wischen" einer vereisten Scheibe die raue Oberfl├Ąche macht das Gummi por├Âs. Lieber warten, bis die Heizung Scheibe und Wischer aufgetaut hat. Oder Wischer vorab mit ├ťberziehern sch├╝tzen.
ÔÇó T├╝rgummis nicht pflegen: Wer festgefrorene T├╝ren ├Âffnet, macht Gummi und Dichtungen kaputt. Deswegen sollten Dichtungen und Gummis vor dem Winter mit Hirschtalg behandelt werden.
ÔÇó  Auto warmlaufen lassen: Das ist sch├Ądlich f├╝r die Umwelt und noch dazu verboten, 10 Euro Verwarnungsgeld werden f├Ąllig, wenn man erwischt wird. Au├čerdem ist es unn├Âtig, denn im Standgas erreicht der Motor ohnehin nicht die optimale Betriebstemperatur.
ÔÇó Auto nicht ausreichend von Schnee und Eis befreien: Mal davon abgesehen, dass es fahrl├Ąssig und gef├Ąhrlich ist, sich nur ein Guckloch freizukratzen, werden zehn Euro Ordnungsgeld erhoben (weitere Infos: elektrischer Eiskratzer). Auch wenn das Auto nicht vom Schnee befreit ist, droht eine Strafe. Die Schneedecke kann sich l├Âsen und andere gef├Ąhrden, mindestens 25 Euro stehen im Bu├čgeldkatalog. F├╝r eingeschneite Kennzeichen gibt es f├╝nf Euro obendrauf. Weitere Infos: Eiskratzer im Vergleich
ÔÇó Mit hei├čem Wasser enteisen: Das ist in der Regel nicht nur ineffektiv, da das Wasser sofort wieder einfriert, sondern auch gef├Ąhrlich: Durch den gro├čen Temperaturunterschied kann die Scheibe springen. Das gilt insbesondere f├╝r Scheiben, die schon durch Steinschl├Ąge gesch├Ądigt sind. Lieber auf Kratzer und Enteiser zur├╝ckgreifen.
ÔÇó Mit Winterjacke ins Auto: Hier gibt es zwar kein Bu├čgeld, aber die eigene Gesundheit steht auf dem Spiel. Durch die Winterjacke kann der Gurt sehr tief einschneiden und innere Organe verletzen. Die Jacke also lieber auf den R├╝cksitz legen.
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