Dieses Auto macht sprachlos! Als Bugatti-Testfahrer Andy Wallace das erste Mal durchlädt, fehlen mir die Worte. Was passiert hier gerade? Es fühlt sich an, als würde mein Kopf nicht hinterherkommen. Vollgas, Vollbremsung – zack, nach nur fünf Sekunden ist alles schon wieder vorbei und ich muss mich erst mal sortieren. Ich sitze auf dem Beifahrersitz des Bugatti Chiron Super Sport. Doch fangen wir vorne an.
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Alle Varianten des Bugatti Chiron auf einen Blick

Für alle, die bei den vielen Versionen des Chiron den Überblick verloren haben, hier alle Modelle auf einen Blick: 2016 kommt der 1500 PS starke Chiron als Nachfolger des Veyron auf den Markt. Nur zwei Jahre später präsentiert Bugatti den 18 Kilo leichteren Chiron Sport, der sich optisch nur in Nuancen wie dem Vierrohr-Auspuff unterscheidet. 2020 enthüllt Bugatti mit dem brutalen Chiron Pur Sport eine für die Rennstrecke optimierte Version, die auf 60 Exemplare limitiert ist, bevor die Franzosen im Jahr 2021 den Chiron Super Sport vorstellen. Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es zusätzlich noch die Coachbuilt-Modelle Divo, La Voiture Noire und Centodieci.

Das Rekordfahrzeug Bugatti Chiron Super Sport 300+

Vom Chiron Super Sport gibt es zudem ein auf 30 Stück limitiertes Sondermodell, den Chiron Super Sport 300+. Mit diesem Auto hat Andy Wallace im August 2019 den Rekord für das schnellste Serienauto der Welt aufgestellt. Der Prototyp erreichte unglaubliche 490,484 km/h (304,77 mph). Die 30 Serienfahrzeuge, die alle in schwarzem Sichtcarbon mit orangen Streifen ausgeliefert werden, regelt Bugatti aber bei 440 km/h ab – aus Sicherheitsgründen, ist klar.
Chiron Super Sport und Chiron Super Sport 300+ unterscheiden sich letztendlich nur in der Konfiguration. Unter dem im Vergleich zum normalen Chiron um rund 23 Zentimeter verlängerten Longtail-Heck steckt die gleiche Technik, was so viel bedeutet wie: Ich darf das schnellste Serienauto der Welt fahren.

Ein analoger Tacho bis 500 km/h

Doch erstmal übernimmt Andy, der privat einen VW ID.3 fährt, und gibt mir eine Einführung. Die fällt kurz und knackig aus: Ich müsse lediglich die Reifentemperatur im Auge behalten. Ab 25 Grad sei praktisch kein Wheelspin mehr vorhanden, erklärt der ehemalige Rennfahrer und demonstriert dies eindrucksvoll, indem er im ersten Gang beschleunigt. Für eine Millisekunde passiert nichts, dann holen zwei der vier Turbolader (alle vier Turbolader ab 3800 U/min) Luft und der schwarze Chiron katapultiert sich dank Allrad nach vorne, ehe ihn die XXL-Bremsen (420 mm VA und 400 mm HA) und der als Airbrake fungierende Spoiler mindestens genauso beeindruckend wieder einfangen.
Bugatti Chiron Super Sport
Ein Mix aus braunem Leder und matten Carbon sorgt für Luxus-Flair im Cockpit des Bugatti Chiron Super Sport.

Nach nicht mal fünf Minuten ist die Einführung vorbei. Jetzt bin ich dran. Noch schnell ein Erinnerungs-Selfie mit Andy und dem Bugatti gemacht und ich nehme auf dem Fahrersitz Platz. Für das luxuriöse, mit braunem Leder und mattem Carbon ausgeschlagene Cockpit, habe ich in diesem Moment keinen Blick. Vor mir ein analoger Tacho, der bis 500 km/h reicht. Der Gedanke, dass die Skala ohne Elektronikfessel beinahe voll ausgereizt wird, ist einfach nur verrückt.

8,0-Liter-W16 mit 1600 PS

Ich drücke den Startknopf rechts am Lenkrad. Der monumentale 8,0-Liter-W16 erwacht zum Leben. In diesem Moment kommt mir nur ein Gedanke in den Kopf: Der Sechzehnzylinder ist ein Kunstwerk, das es in dieser reinen Form nie wieder geben wird. Dank neuer Turbolader, einem überarbeiteten Ventiltrieb und modifizierter Ölpumpe haben die Ingenieure dem W16 im Chiron Super Sport mit 1600 PS noch mal 100 PS mehr entlockt – als ob 1500 PS nicht reichen würden. Gleichzeitig wiegt der Motor 23 Kilo weniger als der des Chiron. Ist mit rund 650 Kilo Trockengewicht (inklusive Getriebe) aber alles andere als leicht.

Technische Daten des Bugatti Chiron Super Sport

Technische Daten Bugatti Chiron Super Sport

Modell
Bugatti Chiron Super Sport
Abzweigung
Motor
Abzweigung
Abzweigung
Hubraum
Abzweigung
Abzweigung
Leistung
Abzweigung
Abzweigung
max. Drehmoment
Abzweigung
Abzweigung
Leergewicht
Abzweigung
Abzweigung
Beschleunigung
Abzweigung
Abzweigung
Topspeed
Abzweigung
Abzweigung
Vebrauch
Abzweigung
Abzweigung
Antrieb
Abzweigung
Abzweigung
L/B/H
Abzweigung
Abzweigung
Preis
Abzweigung
W16, Quad-Turbo
7993 ccm
1177 kW (1600 PS) bei 7050-7100 U/min
1600 Nm bei 2250-7000 U/min
1995 kg
0-100 km/h in 2,4 s / 0-200 km/h in 5,8 s / 0-300 km/h in 12,1 s / 0-400 km/h in 28,6 s
440 km/h (elektronisch begrenzt)
21,5 l/100 km
Allrad, 7-Gang-DSG
4733 / 2183 / 1212 mm
3.808.000 Euro (ausverkauft)

Das maximale Drehmoment von 1600 Nm liegt schon bei niedrigen 2250 U/min an. Um die Rekordgeschwindigkeit zu erzielen wurde zudem die Maximaldrehzahl auf 7100 U/min (Chiron 6700 U/min) angehoben und die Übersetzung des Siebengang-DKG angepasst. Fun Fact: Unter Volllast wird erst bei 403 km/h der siebte Gang eingelegt.

Die ersten Meter im Bugatti Chiron Super Sport

Zum Anfahren einfach den mit Leder eingekleideten Gangwahlhebel nach rechts drücken und den Fuß von der Bremse nehmen. Wer jetzt etwas zu forsch das Gas antippt, macht einen kleinen Satz nach vorne – eine typische DKG-Eigenheit, die auch vor Bugatti nicht Halt macht.
Bugatti Chiron Super Sport
Der kann nicht nur geradeaus: Überraschend, wie agil sich der rund zwei Tonnen schwere Bugatti Chiron Super Sport auf kurvigen Landstraßen bewegen lässt.

Die ersten Meter im schnellsten Serienauto der Welt sind unspektakulär. Der Chiron Super Sport fährt sich einfach und unaufgeregt. Gut, mit 2,18 Metern (inklusive Außenspiegel) Breite werden einige Nebenstraßen dann doch etwas schmal, aber selbst Geschwindigkeitshuckel steckt der Chiron dank Liftmodus locker weg.

Top Speed-Modus im Bugatti Chiron Super Sport

Während wir innerorts nicht mal 100 der 1600 PS nutzen, erklärt mir Andy, dass die drei Fahrmodi (EB, Autobahn, Handling) keinerlei Auswirkungen auf die Motor-/Getriebe-Charakteristik, sondern lediglich auf die Fahrhöhe und die Regelsysteme haben. Um schneller als 380 km/h fahren zu können, muss der "Top Speed"-Modus gewählt werden. Um diesen zu aktivieren, muss links neben dem Fahrersitz ein zweiter Schlüssel in ein Zündschloss gesteckt werden. Anschließend führt das Auto eigenständig einige Checks durch und wenn alles passt, wird der "Top Speed"-Modus aktiviert, bei dem die Fahrhöhe auf 80 mm an der Vorder- und 89 mm an der Hinterachse reduziert wird. Gleichzeitig wird der Heckflügel flach gestellt, um möglichst wenig Widerstand zu liefern. Jetzt ist der Chiron Super Sport bereit, 440 km/h zu fahren.
Auf der Landstraße wäre das allerdings keine gute Idee, sodass ich erst mal im "EB"-Modus bleibe. Zeit für den ersten kleinen Zwischensprint. Zweiter Gang, Halbgas. Im Nullkommanix liegen 100 km/h an, ich gehe vom Gas, was die vier Turbolader mit einem unglaublichen Fauchen quittieren.
Bugatti Chiron Super Sport
Drei Fahrmodi plus Liftmodus. Der Pfeil nach oben hebt den Vorderwagen des Chiron Super Sport um zehn Millimeter an.

Um das Potential des Chiron Super Sport auch nur ansatzweise erfahren zu können, geht es auf eine abgesperrte Strecke. Hier überrascht mich der Bugatti in schnell gefahrenen Kurven mit einer ungeahnten Agilität – wie der Chiron Super Sport selbst kleine Lenkbewegungen direkt umsetzt, kommt unerwartet. Natürlich reden wir hier immer noch über ein Auto, das 1995 Kilo Leergewicht auf die Waage bringt, doch fühlt sich der Bugatti in den Kurven deutlich leichter an. Kurze Geraden zwischen zwei Kurven werden vom Super Sport geradezu aufgesogen. Auf jedem noch so kleinen Zwischensprint knackt er die 200-km/h-Marke, bevor ihn die Carbonkeramik-Bremse mit Achtkolbensätteln an der Vorder- und Sechskolbensätteln an der Hinterachse wieder einfängt.

Launch Control im Bugatti Chiron Super Sport

Doch die Paradedisziplin von Bugatti habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Launch Control! Die Launch Control wird beim Chiron so gestartet wie bei den meisten Autos auch, linken Fuß kräftig auf die Bremse, Launch Control am Lenkrad aktivieren, mit dem rechten Fuß Vollgas geben. Beim Chiron gibt es aber eine Besonderheit, nach nur zwei Sekunden deaktiviert sich das System automatisch, der mächtige W16 benötigt jedoch rund 1,1 bis 1,2 Sekunden, um den vollen Ladedruck aufzubauen. Das Delta ist also schmal, der Druck riesig. Neben mir sitzt mit Andy Wallace nicht nur der Bugatti-Testfahrer, sondern auch ein Gesamtsieger der 24h von Le Mans.

Bildergalerie

Bugatti Chiron Super Sport
Bugatti Chiron durchbricht 300 mph-Grenze Rekord
Bugatti Chiron durchbricht 300 mph-Grenze
Kamera
Bugatti Chiron Super Sport

Jetzt muss ich abliefern. Linker Fuß auf die Bremse, Knopf drücken, Vollgas, kurz Warten – in diesem Moment fühle ich mich wie ein Dragster-Pilot – und Feuer frei. Was jetzt folgt, kann ich immer noch nicht richtig in Worte fassen, die Welt scheint kurz stehen zu bleiben. Im nächsten Moment fährt der Chiron Super Sport nicht los, er springt nach vorne. Alle vier Reifen haben minimalen Schlupf und dann geht es einfach nur vorwärts. Gut, dass das DKG auch im manuellen Modus kurz vor dem Drehzahlbegrenzer automatisch hochschaltet, denn da wäre ich nicht hinterhergekommen. Nach wenigen Sekunden liegen im vierten Gang 270 km/h an und ich bremse so hart ich kann, das ABS regelt, Stillstand. Andy ist zufrieden und ruft: "Wow, that was amazing!"
Bugatti Chiron Super Sport
Nur mit dem "Speed-Key" kann der "Top Speed"-Modus aktiviert werden. Erst dann fährt der Chiron Super Sport 440 km/h.

0-300 km/h in 12,1 Sekunden

Währenddessen kann ich immer noch nicht begreifen, was da gerade passiert ist. Ich wusste, dass der Bugatti Chiron Super Sport schnell ist, schließlich sind die Zahlen fast schon angsteinflößend. Aus dem Stand geht es in 5,8 Sekunden auf 200 km/h. 300 km/h liegen nach nur 12,1 Sekunden an und 0-400 km/h soll im Super Sport nur 28,6 Sekunden dauern. Letztendlich sind das jedoch nur Werte auf einem Blatt Papier. Diese Beschleunigung selbst zu erleben, ist unvergleichlich, bis jetzt versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen aber es scheint, als würde der Bugatti Chiron Super Sport die physikalischen Grenzen kurzzeitig außer Kraft setzen. Unfassbar!

Der Preis des Bugatti Chiron Super Sport

Unfassbar ist auch der Preis. In der Basis kostet der Bugatti Chiron Super Sport 3,8 Millionen Euro brutto, wobei jeder Besitzer im Schnitt noch mal 300.000 bis 350.000 Euro in Extras investiert. Und selbst wenn Sie jetzt doch noch unerwartet den Eurojackpot knacken und kurzfristig einen Chiron Super Sport kaufen möchten – keine Chance, denn alle 500 geplanten Chiron (darunter 70 bis 80 Super Sport) sind schon seit letztem Jahr ausverkauft und sogar die Warteliste ist prall gefüllt. Und wissen Sie was? Ich kann es verstehen!
Bugatti Chiron Super Sport
Ein einmaliges Erlebnis: Nur wenige Leute kommen in den Genuss, einen Bugatti Chiron Super Sport live erleben zu können.

Fazit von Jan Götze

Ich bin immer noch sprachlos. Der Bugatti Chiron Super Sport ist das mit Abstand schnellste Auto, das ich je gefahren bin. Die Traktion ist schier unendlich, genauso wie der Vortrieb. Gleichzeitig lässt sich der 1600 PS starke Hypersportwagen in der Stadt kinderleicht bewegen und ist super luxuriös. Nach dieser Fahrt habe ich nur eine Frage: "Was soll das noch toppen?"

Dieser Beitrag ist Teil von: AUTO BILD – DAS MAGAZN

Ab Sonntag, dem 28. August 2022, zeigt BILD TV immer sonntags um 13 Uhr jeweils zwei von insgesamt zwölf Folgen des neuen BILD-Originals AUTO BILD – DAS MAGAZIN. Moderiert von Sidney Hoffmann. Die Reporter von AUTO BILD testen und präsentieren zusammen mit Sidney. Hier geht's direkt zum Stream .