Ablenkung am Steuer
Bundesweiter Einsatz von Handyblitzern geplant

Ablenkung am Steuer zählt zu den größten Risiken im Straßenverkehr. Eine bundesweit einheitliche Regelung für sogenannte Handyblitzer soll den Verkehr sicherer machen!
Bild: Thomas Frey
- Raphael Schuderer
Handys am Steuer sind streng verboten, die Nutzung eines Mobiltelefons während der Autofahrt empfinden viele Übeltäter jedoch als Kavaliersdelikt. Nun will das Verkehrsministerium gezielt und bundesweit gegen die Handynutzung am Steuer vorgehen!
In einer Stellungnahme des Bundesverkehrsministeriums, die der "Rheinischen Post" vorliegt, heißt es: Das Bundesverkehrsministerium stehe "einer Prüfung der Schaffung einer bundesgesetzlichen Regelung im Straßenverkehrsgesetz offen gegenüber". Man teile die Ansicht, "dass moderne Überwachungstechnologien ein erhebliches Potenzial [...] zur Erhöhung der Verkehrssicherheit besitzen". Bisher seien mit Handyblitzern "durchweg positive Erfahrungen" gemacht worden.
So funktioniert ein Handyblitzer
Eine hochauflösende Kamera nimmt den Verkehr schräg von oben auf, um eine mögliche Handynutzung im Cockpit zu erkennen. Oft werden die Geräte auf Brücken über der Fahrbahn positioniert. Die Kamera prüft per künstlicher Intelligenz, ob die Person am Steuer möglicherweise ein Smartphone benutzt – und schießt im Ernstfall ein Foto. Dazu sucht die KI nach typischen Handhaltungen oder einem Gegenstand in der Hand des Fahrers. In einem Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz ist seit März 2025 das niederländische System "MonoCam" im Einsatz.

Nachträglich überprüft ein Ordnungshüter, ob auf den Bildern wirklich eine Handynutzung nachgewiesen werden kann.
Bild: Thomas Frey
Ablenkung führt zu "Blindflug"
Die Gefahr durch die Ablenkung mittels Handy am Steuer ist nicht zu unterschätzen: Das Lesen einer Nachricht für zwei Sekunden während der Fahrt mit 50 km/h führe laut ADAC "zu rund 30 Metern Blindflug". Wer mit 140 km/h auf der Autobahn unterwegs sei und den Blick für fünf Sekunden von der Straße abwende, "fährt fast 200 Meter blind".
Einheitliche Regelung fehlt
Die Bundesländer wollen in Zukunft verstärkt auf Handyblitzer setzen. Automatisierte Verkehrsüberwachung sei "ein grundlegender Bestandteil nachhaltiger Verkehrssicherheitsarbeit und damit zur Erreichung des Ziels einer Vision Zero unabdingbar". Allerdings fehlten dafür in den meisten Bundesländern noch rechtliche Regelungen.
Rheinland-Pfalz habe die nötige Rechtsgrundlage bereits im Polizeigesetz geschaffen, so der ADAC. Auch Sachsen-Anhalt und Hessen hätten polizeigesetzliche Regelungen, die sich aber voneinander unterschieden. Damit nicht jedes Land eigene Regeln erlassen müsse und dies "zu einer zersplitterten Rechtslage" führe, solle der Bund nach Ansicht der Länder einheitliche Vorgaben für Systeme zur Handyüberwachung im Straßenverkehrsrecht schaffen.
Bisher 400.000 Verstöße jährlich
Laut ADAC komme es jährlich zu rund 400.000 Handyverstößen, die Dunkelziffer nach Ansicht des Autoklubs dürfte jedoch weit höher liegen. Die Strafe für einen Handyverstoß im Auto: 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Wer dabei andere gefährdet, zahlt 150 Euro, bekommt sogar zwei Punkte – und einen Monat Fahrverbot.
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