Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

Diesel umrüsten (SCR): Euro-5-Diesel auf Euro 6 nachrüsten

Das müssen Sie zur Nachrüstung wissen

Die SPD will unwillige Autohersteller mit einem Bußgeld zur Diesel-Nachrüstung zwingen. Offen ist, wann es losgehen kann. Alle Infos zur Hardware-Umrüstung älterer Diesel mit SCR-Kats!
(dpa/Reuters/jr/brü/lhp) Die SPD-Fraktion im Bundestag will Unternehmen notfalls mit Bußgeldern zu technischen Nachrüstungen von Dieselautos zwingen. "Die Samthandschuhe gehören da ausgezogen", forderte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider am 10. Oktober 2018. Es gehe darum, etwas umzusetzen, was von der politischen Spitze des Landes beschlossen worden sei. Ansonsten müssten gegen Unternehmen, die ihre Fahrzeuge nachweislich manipuliert hätten, Bußgelder verhängt werden. Dies könnten bis zu 5000 Euro pro Fahrzeug sein. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich bereits skeptisch. Er halte den SPD-Vorstoß für unlogisch und rechtsstaatlich nicht vertretbar, sagte der CDU-Politiker am 11. Oktober 2018 im Deutschlandfunk.

Umrüst-Start im nächsten oder übernächsten Jahr?

Autofahrer werden wohl noch eine Weile auf Diesel-Nachrüstsysteme warten müssen. Zwar haben Hersteller wie Baumot die für Euro-5-Diesel vorgesehenen Lösungen schon für das kommende Jahr 2019 angekündigt, doch einige Branchenexperten kalkulieren vorsichtiger: "Ich rechne erst in zwei Jahren [2020, d. Red.] mit nennenswerten Stückzahlen bei verfügbaren Umrüstsätzen", sagt etwa Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft in Geislingen. Mit Blick auf drohende Fahrverbote dürfte das für einige Dieselfahrer nicht reichen. In Städten wie Stuttgart werden vom 1. Januar 2019 an zunächst die Euro-4-Diesel verboten, im September 2019 könnte dann das Aus für Diesel der Abgasnorm Euro 5 kommen.
Zuletzt hatten sich Zulieferer optimistisch zum Thema geäußert: "Ich denke, dass wir schon Anfang 2019 die ersten Modelle an den Markt bringen können", sagte Hubert Mangold, Geschäftsführer des Katalysatoren-Herstellers Oberland Mangold, am 4. Oktober 2018 der Nachrichtenagentur Reuters. Der genaue Zeitpunkt hänge auch davon ab, wie schnell das Bundesverkehrsministerium die angekündigten Richtlinien und technischen Vorgaben erlasse. Danach richte sich auch, wie aufwendig die Zertifizierung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) werde. Das Ingenieurbüro Dr. Pley SCR Technology aus Bamberg, das ebenfalls solche Systeme entwickelt und vertreibt, will im Mai oder Juni 2019 lieferfähig sein. Die Zulassung müsste bis dahin erledigt sein, glaubt Geschäftsführer Martin Pley. "Ansonsten haben wir wieder eine Blockade durch die Politik." Die von Pley entwickelten Abgassysteme lägen bereits dem KBA vor und würden derzeit von den technischen Diensten geprüft. Pley schloss jedoch aus, dass bis September 2019 ein Großteil der älteren Diesel mit Euro 4 und 5 ausgetauscht werden könne.

Einigung im Diesel-Streit auf dem Dieselgipfel

Verkehrsminister Scheuer (l.) und Umweltministerin Schulze stellten die Ergebnisse des Diesel-Gipfels vor.

Die Bundesregierung hatte sich nach monatelangen Verhandlungen am 2. Oktober auf einen Plan aus Umtausch und Nachrüstung verständigt, um Fahrverbote in Städten abzuwenden. Die Regierung will nach dem Dieselgipfel 2018 eine Palette von Maßnahmen nachlegen, um Autofahrer vor Fahrverboten zu bewahren. Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft sollen neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und für Motor-Nachrüstungen bekommen. Das geht aus dem Beschlusspapier der Koalition hervor. Vorgesehen sind diese Möglichkeiten zum einen bezogen auf 14 "besonders betroffene Städte" mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2): München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg an der Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg. Zum anderen geht es um Städte, in denen Fahrverbote kommen könnten – das betrifft unter anderem Frankfurt am Main.

Kaufanreize, damit schmutzige Diesel verschwinden

Einbezogen werden sollen bei allen diesen Städten jeweils auch Bewohner der angrenzenden Landkreise und "außerhalb dieser Gebiete wohnhafte Fahrzeughalter, die ein Beschäftigungsverhältnis in der Stadt haben". Ebenso Selbstständige, die ihren Firmensitz in der Stadt haben und deswegen aus beruflichen Gründen in die Städte pendeln müssen sowie Fahrzeughalter mit besonderen Härten. Damit mehr schmutzige ältere Diesel von den Straßen verschwinden, sollen neue Kaufanreize kommen. Die deutschen Hersteller haben dem Bund demnach zugesagt, für Besitzer von Wagen der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 "ein Tauschprogramm mit attraktiven Umstiegsprämien oder Rabatten" anzubieten. Summen werden in dem Papier nicht genannt. Dabei solle "der besondere Wertverlust, den Dieselfahrzeuge durch die Debatte um deren Schadstoffausstoß erlitten haben, ausgeglichen werden". Gekauft werden könnten Neuwagen und Gebrauchte. Von den ausländischen Herstellern würden vergleichbare Angebote erwartet.

Nachrüstung bei Euro-5-Dieseln vorgesehen

Für Euro-5-Diesel soll als zweite Möglichkeit der Einbau zusätzlicher Abgasreinigungstechnik (SCR-Kat) am Motor ermöglicht werden. Wenn Besitzer eine solche Hardware-Nachrüstung wollen und Systeme verfügbar und geeignet sind, erwartet der Bund "vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt". Die Haftung sollen die Nachrüstfirmen übernehmen. Die Frage ist nun, wie weit die Autokonzerne da mitmachen. "Wir werden uns die Ergebnisse der Koalitionsrunde anschauen und dann die Details unseres Programms bekannt geben", teilte Volkswagen mit. Auch BMW und Daimler wollen sich erst äußern, nachdem die Regierung offiziell Details der Einigung mitgeteilt hat. Opel ist weiter gegen Hardware-Nachrüstungen für Diesel. Man habe aber noch keine Entscheidung über weitere Maßnahmen getroffen, hieß es in Rüsselsheim.

Koalition will Fahrverbote verhindern

"Wir wollen Fahrverbote verhindern und dort, wo sie unumgänglich sind, Nachteile für Bürgerinnen und Bürger, die auf individuelle Mobilität angewiesen sind, vermeiden", heißt es im Beschlusspapier. "Dies gilt sowohl für finanzielle Belastungen als auch für Nutzungseinschränkungen. Dabei hat die Automobilindustrie ebenfalls eine hohe Verantwortung." Bereits nach dem Dieselgipfel von Bund und Autobranche 2017 hatten die deutschen Hersteller Prämien von bis zu 10.000 Euro aufgelegt. Diese nahmen mehr als 200.000 Kunden in Anspruch. Der Effekt reichte der Regierung aber nicht. Renault reagierte sofort und bietet seit dem heutigen Dienstag Prämien von bis zu 10.000 Euro an.

"Umtauschprämie ohne Effekt"

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte, es sei ein "Mäuschen geboren worden". Es gehe bei der Umtauschaktion nicht um einen Umstieg auf saubere Autos, sondern um die Sicherstellung von Mobilität. "Die Umtauschprämie ist ohne Effekt für die Luftreinhaltung und die Nachrüstung ist ein frommer Wunsch", sagte Resch mit Blick darauf, dass Motor-Umbauten mit zusätzlicher Katalysatortechnik an die Bedingung geknüpft sind, dass diese Technik verfügbar und geeignet sein muss. Also muss sich der Autobesitzer selbst darum kümmern. Die DUH hat in mehreren Städten für eine Einhaltung der Luftrichtlinien zum Wohle der Gesundheit von Anwohnern geklagt und mehrere Fahrverbote in deutschen Großstädten erzwungen.
Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer äußerte sich skeptisch, ob es nun zu einer neuen großen Neukauf-Welle kommen könnte. Nach seiner Einschätzung sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Teil der heutigen Rabatte mit bisherigen Umweltprämien "verrechnet" werden könnte, sagte der Professor vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen.

Einheitliche Rechtsregeln für Fahrverbote

Um mögliche Fahrverbotszonen organisieren und kontrollieren zu können, will der Bund für besonders stark betroffene Städte einheitliche Rechtsregeln schaffen. Eine besondere Kennzeichnung etwa mit einer blauen Plakette sei dafür nicht erforderlich. Der Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan sagte: "Ein gutes Jahr nach dem ersten Dieselgipfel hat die Bundesregierung der Autoindustrie schockierend dünne Zusagen abgerungen." Wenn Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) drohende Fahrverbote vermeiden wolle, werde es nicht reichen, "nur einen Teil der schmutzigen Autos in ein paar Städten etwas weniger schmutzig zu machen." Das dürften die nächsten Gerichtsurteile zeigen. "Alle betrogenen Dieselfahrer, unabhängig von Wohnort oder Eurostandard ihres Fahrzeugs, müssen ihre Autos auf Kosten der Industrie in Ordnung gebracht bekommen."

VW-Angebot: 80 Prozent und keine Garantie

Einem "Spiegel"-Bericht zufolge ist VW als erster großer Hersteller bereit, sich an technischen Nachrüstungen von älteren Diesel-Pkw finanziell zu beteiligen. Das habe VW-Konzernchef Herbert Diess Verkehrsminister Scheuer signalisiert. Aus Konzernkreisen hieß es, man sei an einer sinnvollen Lösung interessiert, um Fahrverbote zu vermeiden. Es komme nun darauf an, welche gemeinsame Position die Regierung einnehme. VW wäre demnach bereit, lediglich 80 Prozent der Umbaukosten von rund 3000 Euro zu übernehmen. Außerdem verweigert der Wolfsburger Autobauer eine Garantie. Diese Position nehmen einem Zeitungsbericht vom 28. Septemberg zufolge mittlerweile auch die anderen großen deutschen Hersteller ein. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" wollen VW, BMW, Audi und Mercedes Haltern von Fahrverboten betroffener Diesel Gutscheine für Teileeinbauten durch Zulieferer geben. Es gehe dabei nur um Motoren der Schadstoffklasse Euro 5 und nur um solche, die technisch umgerüstet werden können. Schulze und nach langem Zögern zuletzt auch Scheuer hatten eine komplette Übernahme der Kosten durch die Industrie gefordert. Auch Kanzlerin Merkel sagte am 27. September 2018 in Augsburg, Autobesitzer dürften bei einem Umbau nicht belastet werden.

Rückkaufprogramm in zehn "Intensivstädten"

Fahrzeuge mit der Klasse Euro 4 oder älter können laut "FAZ" nach Ansicht der Autobauer generell nicht umgerüstet werden. Hier würden Prämien für einen Umtausch in Neuwagen das Mittel der Wahl sein. Diese sind ebenfalls Teil der Vorschläge der Industrie an die Bundesregierung. Es gebe "sehr attraktive Tauschbedingungen", hieß es aus Regierungskreisen. Ziel ist eine Erneuerung der Dieselflotte. Nach dem Konzept Scheuers soll das Diesel-Rückkaufprogramm beschränkt sein auf zehn "Intensivstädte" wie München, Stuttgart, Düsseldorf, Stuttgart oder Frankfurt sowie auf einen Umkreis von 70 Kilometern. Diese Städte haben eine hohe Schadstoff-Belastung oder viele Pendler. Finanzminister Scholz hatte zuletzt betont, es müsse sichergestellt sein, dass die Bundesbürger auch künftig mit ihrem Diesel überall hinfahren können. Es sei die Aufgabe der Politik, das sicherzustellen, betonte er mit Blick auf den Koalitionsgipfel am Montag (1. Oktober 2018) im Kanzleramt. Erst dann ist mit einer belastbaren Entscheidung zur Nachrüstung zu rechnen. 

FAQ: Alle Infos zu SCR-Systemen

Nachrüsten von Euro-4- und Euro-5-Dieseln

Eine technische Lösung zum Nachrüsten auf Euro 6 ist am wahrscheinlichsten für Euro-5-Autos. Davon sind in Deutschland knapp sechs Millionen unterwegs. Aber auch Euro-4-Diesel kämen infrage. Zurzeit machen Baden-Württembergs Verkehrsministerium und der ADAC einen Langzeittest mit nachgerüsteten Dieselfahrzeugen, um die Funktions- und Leistungsfähigkeit von Hardware-Nachrüstungen bei Euro-5-Dieseln zu testen. Erste Ergebnisse laut "Süddeutscher Zeitung" nach 10.000 von 50.000 absolvierten Kilometern: Der NOx-Ausstoß sinkt selbst unter ungünstigen Bedingungen um etwa 50 Prozent, im Idealfall sogar um etwa 70 Prozent. Würden alle Euro-5-Dieselfahrzeuge nachgerüstet, dann würde der NOx-Ausstoß des Straßenverkehrs um 25 Prozent sinken. Gefahren werden zwei Pkw und zwei Transporter. Getestet werden soll die Funktionsfähigkeit der Systeme unter verschiedenen klimatischen Bedingungen wie Hitze und Frost. Beteiligt sind die Nachrüstunternehmen Twintec-Baumot, Dr. Pley, HJS und Oberland Mangold.

Flächendeckende Nachrüstung nötig?

Der ADAC hält die Nachrüstung für machbar, bezweifelt aber die Notwendigkeit einer flächendeckenden Nachrüstung. Der Club empfiehlt in einem Gutachten für die Bundesregierung, nur die Autos nachzurüsten, die in belasteten Städten zugelassen sind, in denen andere Maßnahmen nicht reichen. Der Verband der Technischen Überwachungsvereine (VdTüv) hält Hardware-Nachrüstungen bei "entsprechendem technischen Aufwand" für "grundsätzlich möglich". Eine "großflächige" Aktion würde aber mindestens zwei Jahre dauern. Wer sichergehen möchte, dass er nicht von Fahrverboten und Wertverlust betroffen ist, sollte überlegen, sich ein sauberes Auto mit alternativem Antrieb oder Euro 6d-TEMP-Norm zuzulegen.

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Kostenfrage noch offen

Allerdings müssen die Kosten einer Nachrüstung immer im Zusammenhang mit dem Restwert des Fahrzeugs gesehen werden. Bei Autos mit schon hoher Laufleistung lohnt sich die Nachrüstung nicht mehr. Auch alte Lkw sollen nachrüstbar sein, sogar bis Euro 2. Der Kat-Hersteller Twintec-Baumot verspricht einen Nachrüst-Kat "für alle relevanten Fahrzeuge".

Welche Hardware-Lösungen gibt es?

Mehrere Anbieter arbeiten an Nachrüstlösungen, am bekanntesten sind Twintec-Baumot und die Faurecia-Tochter Amminex. Grundsätzlich wird bei beiden Lösungen Ammoniak direkt ins Abgasnachbehandlungssystem eingeführt – bei einer herkömmlichen SCR-Anlage bildet sich Ammoniak erst im Auspuffrohr. So funktionieren die Systeme:

Der Ammoniak-Generator sitzt neben dem Abgasstrang.

BNOx von Twintec-Baumot: Herzstück des Umbausatzes ist eine AdBlue-Anlage, die technisch weiterentwickelt wurde. Twintec spritzt das Additiv nicht ins Auspuffrohr ein, sondern erzeugt daraus vorher in einem kleinen elektrischen Generator Ammoniak. Die Umrüstung kann von jeder AU-berechtigten Werkstatt durchgeführt werden und dauert etwa einen halben Tag. Twintec kündigt an, Nachrüstlösungen "für alle relevanten Fahrzeugtypen" anzubieten, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber festgelegt wurden. Preis: 1500 Euro für BNOx plus 500 Euro Werkstattkosten.

Beim Amminex BlueFit werden in der Reserveradmulde Patronen mit festem Ammoniak verstaut.

BlueFit von Faurecia/Amminex: Die BlueFit-Lösung besteht aus zwei Hauptelementen: Zum einen zwei Patronen mit festem Ammoniak, die in der Reserveradmulde untergebracht sind, zum anderen ein SCR-Katalysator, der an der Abgasleitung unter dem Auto angebracht ist. BlueFit erfordert laut Hersteller keine Änderungen im Motorraum, an der Kalibrierung des Motors, am Diesel-Partikelfilter oder am Stromnetz. Die Standard-BlueFit-Konfiguration hat zwei Ammoniak-Patronen, was 16 Liter AdBlue entspricht. Die Reichweite soll rund 15.000 Kilometer betragen, bevor ein zweiminütiger Patronenaustausch in einer Werkstatt nötig ist. Die Installation des Systems bzw. die Nachrüstung soll von den Autohäusern der Hersteller durchgeführt werden und vier bis sechs Arbeitsstunden dauern. Der Beginn einer Kleinserienproduktion wird für Mitte 2018 angepeilt. Preis: "in einem wettbewerbsfähigen Rahmen".

Wie sauber wird das Abgas mit einem Nachrüst-SCR-Kat?

Der ADAC Württemberg wies zuletzt mit Unterstützung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums die Wirksamkeit der Hardware-Nachrüstung an Euro-5-Dieselfahrzeugen nach. Bei vier Testfahrzeugen, die mit vier verschiedenen Prototypen von SCR-Systemen ausgestattet wurden, lag der NOx-Ausstoß bei guten Fahr- und Temperaturbedingungen innerorts um bis zu 70, außerorts sogar um bis zu 90 Prozent niedriger als ohne Kat. Die Hersteller selber geben bis zu 95 Prozent weniger schädliche Stickoxide an und wollen die Euro-6-Norm sogar unterbieten. Der Hersteller BlueFit teilte mit: "Nach der Nachrüstung des Autos (ein herkömmliches mittelgroßes, drei Jahre altes Dieselfahrzeug mit einem 1,5-Liter-Motor (Euro 5), Anm. d. Red) mit BlueFit zeigte sich, dass die durchschnittlichen Emissionen unter realen Fahrbedingungen auf 40 mg NOx pro Kilometer reduziert wurden. Dieses Ergebnis liegt deutlich unter dem aktuellen Emissionsstandard von Euro 6, der 80 mg NOx pro Kilometer erlaubt." Sehr ähnliche Werte legte TwinTec/Baumot vor. Selbst bei ungünstigen Bedingungen maßen die Tester rund 50 Prozent weniger NOx in den Abgasen.

Gebrauchte Euro-6-Diesel im Test

Was die Hardware-Nachrüstungen kosten

Die Kosten für die Nachrüstung von Euro-4- wie Euro-5-Dieseln liegen zwischen 1400 und 3300 Euro pro Fahrzeug, schätzt der ADAC. Dazu kämen die Einbaukosten, wohl mindestens ein Arbeitstag pro Fahrzeug. Einige Experten gehen von 5000 bis 7000 Euro Gesamtkosten pro Auto aus.

Wer zahlt für eine Hardware-Nachrüstung?

Das ist nach wie offen. Die Autobauer wollten ursprünglich eine von ihnen finanzierte Nachrüstlösung um jeden Preis vermeiden, signalisieren inzwischen aber Kompromissbereitschaft, nachdem der Druck aus der Politik zu groß wurde. Die meisten Diesel-Besitzer in Deutschland würden nicht für die Nachrüstung der Abgas-Hardware zahlen wollen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 76 Prozent der Dieselfahrer, sie wären nicht bereit, die Kosten für Umbauten an Motorsteuerung oder Katalysator aus eigener Tasche zu finanzieren. Nur zwölf Prozent der Befragten wären einverstanden, eigenes Geld in eine Erneuerung der Abgasanlage zu investieren, falls dies technisch machbar ist und sich so ein Fahrverbot für den eigenen Diesel abwenden lässt.

Probleme und Nachteile der Nachrüstung

Entwicklungsbedarf und Probleme: Noch sind die Systeme nicht marktreif. Vor allem sind noch keine Lösungen für verschiedene Fahrzeugtypen da. Auch eine offizielle Zulassungsrichtlinie für Nachrüstlösungen seitens der Behörden fehlt. Der große Nachteil: Für den chemischen Prozess, bei dem das Ammoniak aus der AdBlue-Harnstofflösung gewonnen wird, sind Temperaturen von 200 Grad erforderlich. Das macht die Abgasreinigung beim Kurzstreckenbetrieb problematisch. Bei den beiden Nachrüstlösungen BNOx (Twintec) und BlueFit (Amminex) genügen Temperaturen ab ca. 150 Grad, da das Ammoniak anders gewonnen bzw. bereitgestellt wird.
Höherer Spritverbrauch: Nachgerüstete Fahrzeuge dürften mehr verbrauchen. Denn für das AdBlue-System wird zusätzliche Energie benötigt. Bei den Testfahrzeugen stieg der Verbrauch um 0,1 bis 0,3 Liter pro 100 Kilometer, was einem Plus um ein bis sechs Prozent entspricht. Außerdem ist mit einer Leistungseinbuße zu rechnen. 
AdBlue-Verbrauch und -Tank: Auch der Harnstoff AdBlue muss regelmäßig nachgetankt werden, es müssen im Schnitt zwei Liter Harnstoff auf 1000 Kilometer veranschlagt werden. Damit nicht ständig nachgefüllt werden muss, fordert der ADAC AdBlue-Tanks mit mindestens zehn Liter Fassungsvermögen (Reichweite 3000 bis 6000 Kilometer). Für solche Tanks muss Platz im Fahrzeug geschaffen werden.

Initiative nimmt Umrüstung selbst in die Hand

Eine Initiative will die Sache selbst in die Hand nehmen: "Gerechtigkeit im VW-Abgasskandal" heißt das Aktionsbündnis, bestehend aus Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter des Umweltbundesamts, dem ehemaligen Richter und bayerischen Grünen-Landtagsabgeordneten Hartmut Bäumer und der Twintec Baumot Group, Spezialist für Abgastechnik und Hersteller von Nachrüst-Kats.
Ihr Plan: Diesel-Besitzer lassen gegen Vorkasse ihr Fahrzeug mit einem SCR-Katalysator samt Tank für die Harnstofflösung AdBlue auf Euro-6d-Niveau nachrüsten. Kosten: rund 2000 Euro (ca. 1500 Euro Material, 300 Euro Einbau zzgl. Mehrwertsteuer). Später wollen sie sich das Geld auf dem Klageweg von den Herstellern zurückholen. Bis zum 14. September 2018 hatten sich rund 2100 Interessenten unverbindlich registriert (Infos und Formular auf https://dieselnachruestung.eu). Sie alle wollen zum einen dem Wertverlust ihrer Fahrzeuge entgegenwirken, zum anderen drohende Fahrverbote in Großstädten umgehen. Die Initiatoren sind überzeugt von der Wirksamkeit des Rechtsweges bei der Kostenrückerstattung: "Im Grunde handelt es sich um eine typische Nachbesserung, wie sie auch im Schadensersatzrecht vorgesehen ist", sagte Ex-Richter Bäumer dem Nachrichtenportal "Spiegel Online". Auch die Teilegenehmigung vonseiten des KBA ist offenbar auf dem Weg, das Land Baden-Württemberg hat eine Einfahrgenehmigung für die Fahrverbotszone in Stuttgart signalisiert. Bis zum Start müssen sich nach Angaben von Baumot mindestens 1000 VW-Besitzer der Umrüstaktion angeschlossen haben, um den Preis von 2000 Euro zu garantieren. Man rechne aber damit, dass noch im Oktober 2018 die ersten Autos umgerüstet werden. So funktioniert das Umrüsten von Euro-5-Dieseln Schritt für Schritt:

Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

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Autoren: Benjamin Gehrs, Frank Rosin, ,

Stichworte:

Diesel Abgasskandal

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