Drei feurige Coupés im Vergleich
Lichtgewalt

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Ließe sich diese Floskel universell anwenden, der Dreikampf zwischen Audi TTS, Nissan 350Z und Porsche Cayman wäre schon entschieden.
- Stefan Helmreich
In der Dämmerung kommt er am besten. Wenn die dezente Tuningaura im schwächelnden Licht verfließt, reduziert sich der Auftritt des Audi TTS auf zwei gleißendhelle LED-Balken. Dramatisch, fies, magnetisierend. Ein Blick als Räumungsbefehl für Linksspurbesatzer. Gefühlsmäßig irgendwo zwischen Humphrey Bogart und Jack Nicholson. Geparkt gibt er indes das Pokerface, outet sich zwar mit wulstiger Unterlippe, Chromgrill, versilberten Spiegelkappen, dicken Seitenschwellern und einer vierflutigen Auspuffarmada, doubelt ansonsten aber eher den kleinen Bruder. Den TTS entlarven? Eine Sache für Detailliebhaber. Anders der Cayman: Ihm grölen schon Vorschüler ein gellendes "Porsche!" hinterher. Überholprestigeträchtig, mit urtypischem Konterfei und im seitlichen Profil wie ein 911 im Liegestütz, erfüllt er Jugendträume ebenso zuverlässig, wie er sie stiftet. Zwischen Pilotenrücken und Hinterachse sägt der 2,7 Liter große Teil des Mythos: kleinvolumiger als das mittlerweile direkteinspritzende Motorendenkmal des Carrera, aber ebenso unverkennbar in Konzept und Klang.
Der Audi-Vierzylinder presst 272 PS aus zwei Litern Hubraum
Während Audi vier Töpfe zur achsparallelen Reihe sortiert, dem bekannten Zweiliter-Direkteinspritzer mithilfe 1,2 Bar Ladedruck und einem gegenüber der 200-PS-Variante gewachsenen Turbinenrad 272 exhaliert, boxen im Mittelmotor-Cayman sechs Kolben auf die Kurbelwelle ein, erackern 245 PS und eine Drehwilligkeit bis tief in die 7000er. Ganz nett, scheint da der Nissan zu unken. Zwar pfeifen die Japaner beim 350 Z auf Zwangsbeatmung und Direkteinspritzung, kombinieren stattdessen ein seit der zurückliegenden Motorenevolution bis 7500/min gedehntes Drehzahlband mit der Macht des Raumes: 3,5 Liter, verteilt auf sechs Töpfe im V-Spalier, versprechen chronischen Drehmomenthochdruck zwischen Ruhepuls und Herzrasen. Bevor nun jedoch Gerechtigkeitsverfechter den Japaner angesichts seiner 313 PS wie einen parteiischen Schiedsrichter mit Buhschmähungen eindecken und ihn eines ungerechtfertigten Leistungsvorteils bezichtigen: Audi und Porsche müssen sich den Vergleich mit der fernöstlichen Sportikone gefallen lassen.
Mit seinem günstigen Preis erscheint der Nissan fast unwirklich

Bild: Lena Barthelmeß
Zumindest entlohnt der TTS Gaspedalstreichler mit moderatem Treibstoffdurst. Wer schürt, kommt jedoch auch an der Zapfsäule ins Schwitzen – Downsizing-Prinzip hin oder her. Den Schmerz über saftige Tankrechnungen lindert aber ohnehin der nächste Dreh am Zündschlüssel. Während der TTS auf Anlasserkommandos frech ins Freie gurrt, der Nissan kehlig röchelnd besonders Auspuffsound-Anbeter beseelt, musiziert der Cayman so markant aus dem Trapezendrohr, dass sogar die Kleinhirne mäßigst beschlagener Zuhörer umgehend Porsche melden: Mal zirpend, mal kehlig röhrend, mal markig brüllend, kribbelt sich der Alumotor mit integrierter Trockensumpfschmierung durch die fürsorglich umarmenden Sitzlehnen bis in die Rückenmuskulatur. Lenkung und Schaltung unterstützen das Oberkörper-Workout, wagenfarbig gestaltete Zierleisten und Sicherheitsgurte schmeicheln den Pupillen. Sportwagenambiente allererster Güteklasse, dem nur die 245 PS etwas hinterherhecheln. Zumindest diesseits der 4000/min-Marke. Dort wo der TTS bereits von seinem unterschwellig zischelnden Turbo-Tsunami weggerissen wurde, der 350 Z stimm- und schubgewaltig für Hubraummacht plädiert, plagt den hochverdichteten Porsche -Boxer ein leichtes Phlegma.

Bild: Lena Barthelmeß
Höchstes Driftentertainment, gepaart mit mäßiger Rennstreckenathletik: Obwohl der Nissan jedem seiner 313 PS nur knapp fünf Kilo zumutet, wirkt er in den engen Passagen der Motorsportarena behäbiger als seine athletischen Kontrahenten. Die rückmeldungsscheue Lenkung scheint im Trüben zu stochern, die schlotterige Kupplung-Getriebe-Liaison sträubt sich gegen schnelles Gängetauschen. Und auch das Ansprechverhalten des V6 erscheint selbst im Vergleich zum leicht turbolöchrigen TTS reichlich dösig. Konträr zu seinen leichtgewichtigeren Rivalen vertritt der 350 Z die Gefahren-wiegestartet- Mentalität. Keine wählbaren Setupmodi, kein Sinnieren über Dämpferhärte oder Sport-Einstellungen. Beinahe so, als spiele der Nissan-Fahrer noch mit Bauklötzen, während sich Cayman- und TTS-User interaktiv in die Sportprogramme ihrer Gefährte loggen.
Wie sich die drei Sportler auf der Rennstrecke in Oschersleben geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleichstest mit allen technischen Daten gibt es im Heftarchiv als pdf.
Service-Links