Elektroautos: Erprobung, Test, Akku, Batterie, Erlkönige
So hart testen die Hersteller neue Elektroautos

Bevor ein neues Elektroauto auf den Markt kommt, muss es unbarmherzige Testprogramme bestehen. Bei der Erprobung hetzen Testfahrer die elektrischen Erlkönige durch eisige Winterkälte und glühend heiße Wüsten.
Bild: BMW
- Stefan Grundhoff
Um Erlkönige wird traditionell ein großes Geheimnis gemacht. Seit immer mehr Elektroautos unter diesen Prototypen kurz vor der Marktreife sind, ist der Aufwand noch gewaltiger. Denn die Erprobung der Elektroautos findet unter maximal extremen Bedingungen statt. Heißt nichts anderes, als dass Prototypen, Testfahrer und Techniker jahrelang zwischen Sand- und Eis-Wüsten pendeln.
Bevor Elektroautos auf den Markt kommen, haben sie in aller Welt ein hartes Marterprogramm hinter sich gebracht. Nach Entwicklung und Design geht es drei Jahre vor Marktstart in die heiße Phase – buchstäblich. Die Fahrzeuge müssen mindestens zwei volle Sommer- und zwei volle Winter-Erprobungen durchleben, ehe sie zur Serie reifen.

Wüstensturm: Der Mercedes EQS SUV wurde ausgiebig in glühend heißer Umgebung getestet.
Bild: Mercedes
Insgesamt müssen Millionen von Testkilometern abgespult werden. Das sind Erprobungen zu Haltbarkeit, Fahrwerk oder Antrieb, aber auch Tests der Fahrakkus. Diese Belastungsproben werden allerdings nicht komplett unter freiem Himmel oder in den streng gesicherten Testcentern abgespult. Bevor es auf die Straße geht, müssen die Batterien in Testlaboren zeigen, was sie können, und in Fahrsimulatoren Tausende von Kilometern abspulen – denn ein Großteil der Erprobung wird mittlerweile auf Prüfständen nachgefahren.
Batterietests lange vor den Straßenerprobungen
Am Beispiel von General Motors sieht man, wie diese virtuellen Probefahrten von Elektroautos ablaufen: Der US-Hersteller betreibt ein zentrales Batterielabor in Warren im US-Bundesstaat Michigan. "Hier in Warren werden die Akkus getestet, lange bevor diese in unsere Elektroautos kommen", erläutert Eric Boor als Senior Operations Manager Battery Systems Lab.
GM testet 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Anschließend nehmen Techniker Batterien und die Zellen komplett auseinander, fügen diese wieder zusammen, analysieren und testen weiter. Das geht drei Jahre lang so.

Auch in der winterlichen Kälte Skandinaviens hat Mercedes sein elektrisches Luxus-SUV erprobt.
Bild: Mercedes
Dabei werden die Batterien nicht nur im Labor unter die Lupe genommen, sondern immer wieder in die Prototypen verfrachtet, die unter jeder der GM-Marken in dreistelliger Zahl durch die ganze Welt gondeln, um Testkilometer zu sammeln. Zum Beispiel in Nevada: Eine Stunde westlich von Las Vegas betritt eine Gruppe von Entwicklungsingenieuren die Tiefgarage. In einer düsteren Ecke parkt eine Handvoll Prototypen, über Nacht mit schwarzen Tarnhüllen gesichert, sodass niemand die Fahrzeuge identifizieren kann.
Die Akkus werden bei den Tests maximal gestresst
Nach kurzer Absprache fahren die vier namenlosen Crossover über den Parkplatz auf der Schnellstraße Nevada 160 nach Norden. Vorweg und hintendran werden die Elektro-SUV eingerahmt von zwei Begleitfahrzeugen, die unliebsame Fotografen abhalten sollen. Ziel ist die glühend heiße Mojave-Wüste – aktuell stehen Batterie- und Belastungstests im Vordergrund.
"Wir stressen die Akkus in der Erprobung so hart, wie es kein Kunde tut", erklärt Andreas, einer der Entwicklungsingenieure. Doch nicht nur dieser Aspekt wird untersucht. Parallel geht es beim heutigen Erprobungstrip um Staub, Kühlluft, Aerodynamik und die Klimatisierung im Innern.

Ende 2023 kommt der erste rein elektrische Rolls-Royce Spectre auf den Markt. Zuvor muss er noch viele Testkilometer hinter sich bringen.
Bild: Rolls-Royce
Zeitgleich in Südafrika durchläuft gerade der Rolls-Royce Spectre die letzte Phase seiner Prototyp-Erprobung. Das erste Elektromodell der Luxusmarke wird am Ende der Testphase über zwei Millionen Kilometer abgespult haben. Doch ehe das Nobelcoupé Ende 2023 zu den Kunden rollt, wird weiter gemartert und getestet – aktuell parallel in Deutschland, Nordschweden, den USA und Südafrika. Denn in jeder Klimazone, in jedem Markt soll das Auto und seine Technik funktionieren.
In Südafrika ist der Spectre an zwei Orten unterwegs: in der nördlichen Kapregion Augrabies und in den Weinbergen von Franschhoek. Die unterschiedlichen Klimazonen bieten beste Möglichkeiten für Sommertests.
Strapaziöse Geländetour mit der elektrischen G-Klasse
Ein paar Tausend Kilometer weiter nördlich sind in Spanien Mercedes-Ingenieure mit einer Reihe elektrischer G-Klassen auf Erprobungsexkurs. Marktstart: 2024. Auch die Elektroversion des berühmten Geländewagens ist mit Tarnfolien geschützt in der Nähe von Barcelona gestartet. Doch die Tarnung ist eigentlich überflüssig, denn der Elektro-G ist klar als solcher zu erkennen.
In der Erprobung im Gelände wird der Leiterrahmen hart rangenommen. Um die Akkus im Fahrzeugboden besonders zu schützen, haben die Entwickler äußerst robuste Abdeckungen aus einem extrem widerstandsfähigen Material entwickelt. Gleich ein halbes Dutzend Mal setzt der Prototyp bei der Klettertour im Gelände hart auf Fels und Stein auf – völlig unbeschadet. Die Entwickler sind zufrieden.
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