Wenn Sie wissen wollen , wie es um den Zustand der deutschen Autoindustrie bestellt ist, sollten Sie auf den Autohof Lutterberg an der A 7, zwölf Kilometer nördlich von Kassel, fahren.
Dort befinden sich sechs Ladesäulen von Ionity, einem Zusammenschluss von VW, Daimler, BMW, Ford, 2019 kam Hyundai dazu. Sechs Säulen, Ein- und Ausfahrt so knapp, dass du genau rangieren musst. Dahinter hat Tesla 16 Säulen aufstellen lassen. 16 Schnelllader! Auf dem Autohof Lutterberg zeigt ein amerikanisches Start-up-Unternehmen den deutschen Autobauern, wie die Zukunft aussieht.
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Die Gegenwart sieht so aus: Ich habe da letztens an einem Samstag, 13 Uhr, unseren Dauertest-Porsche-Taycan geladen, Säule vier defekt, dann zu Säule sechs rangiert, alle anderen besetzt. Die Dame, die ihren Skoda Enyaq nach mir an Säule vier andockt, greift zum Handy, lässt die Säule runter- und wieder hochfahren.
Ladesäulen
Lutterberg bei Kassel (Hessen): 6 Ionity-Säulen, 16 von Tesla. Ein Ami-Start-up zeigt unserer Autoindustrie, wie's funktioniert.
Sie muss zehn Minuten warten und hat Glück. Der VW ID.3, der fünf Minuten später vorfährt, steht still, bis eine Säule frei wird. Wartezeit, um ein freies Kabel zu erwischen. Jetzt beginnt das Hauen und Stechen an den Säulen. Bei Tesla nebenan übrigens 13 Plätze frei, aber da dürfen wir nicht laden, ist nur umgekehrt möglich.
Ladesäulen
BMW 8er als Benziner parkt zwei Ladesäulen zu, Besitzerin holt Kaffee. Von solchen Bildern haben wir mehr.

Es läuft was schief bei der Elektromobilität, und das liegt daran, dass die Zahl der neuen Stromer rasant zunimmt, aber die Infrastruktur nicht mitwächst. (Was sollte man zum Laden von E-Autos wissen?)
Dazu kommt: Viele neue Elektro-Fahrer sind noch unwissend. EnBW-Lader in Hannover-Wülferode, ebenfalls A 7. Ich steuere mit einem Kia EV6 den 350-kW-Lader an. Da steht aber schon ein Renault Zoe, der mit 41 kW zieht.

Ladesäulen nur einseitig nutzbar

Der Kia kann mit bis zu 230 kW laden, ich spreche das ältere Paar an: "Warum laden Sie hier und nicht nebenan an der 50-kW-Säule, Ihr Auto kann doch gar nicht mehr?" Die Dame allen Ernstes: "Ich hab das Gefühl, hier geht das schneller. Laden Sie doch nebenan, bis wir fertig sind!" Dann verschwinden sie für 15 Minuten, der Zoe lädt mit 20 kW weiter.

E ist für mich die Zukunft

Der Gipfel passierte mir in meiner Heimat. Hier steht ein 50-kW-"Schnelllader", für den Fördergelder geflossen sind. Ich stöpsel also den Porsche Taycan an, daneben lädt ein Mitsubishi Plug-in-Hybrid am Chademo-Stecker.
Ladesäulen
Hamburg-Altona: Die Polizei lädt an einer öffentlichen Säule. Haben die denn keine Wallbox an ihrer Wache?

Das Display zeigt an: "Laden nicht möglich." Anruf beim Stromversorger, der macht einen Neustart, Laden geht immer noch nicht. Am nächsten Tag haben sich die freundlichen Techniker schlau gemacht: An dieser Säule könne immer nur einer laden. Ich: "Waaas?" Techniker: "Ja, ist so." Ich: "Und so was wird gefördert?" Techniker: "Ja, 2021 war das so."
Ich überlege kurz, bei Verkehrsminister Wissing anzurufen und ihm zu raten, alle Beamten seiner Behörde durch Experten zu ersetzen. Auf diese Idee ist er womöglich auch schon gekommen. Denn es muss sich was ändern:
1. Wir brauchen einen Lade-Knigge. Wer nur langsam laden kann, sollte wenn möglich keinen Schnelllader blockieren. Und bei 80 Prozent Ladung bitte Stecker ziehen, der Rest dauert ewig.
2. In der Stadt 11-kW-Lader aufzustellen und die Ladezeit auf zwei Stunden zu begrenzen ist lächerlich. So wären 70 Kilometer drin. 11-kW-Lader gehören in die Garage und nicht in den öffentlichen Raum, alles unter 50 kW ist Unfug.
3. Wer Fördermittel kassiert hat, muss dafür sorgen, dass die Säulen immer funktionieren und ALLE
laden können, also wirklich ALLE.
4. Als Autoindustrie am Rasthof vier Schnelllader aufzustellen und zu hoffen, dass es keinen Stau gibt, ist so, als würde es beim Oktoberfest nur ein Bierzelt geben: naiv.
5. Liebe Händler, betreut eure Kunden. Wer E kauft, darf nicht ohne Ladekarte vom Hof fahren. Zeigt Ihnen bitte, wie es geht.
Wir dürfen es nicht versauen. Denn E ist für mich die Zukunft.