Erste Fahrt im Audi A2 e-tron
A2 e-tron: zweiter Anlauf für Audis Pionier

Die Ingolstädter laden zur Effizienzfahrt mit dem seriennahen Audi A2 e-tron. Wir nehmen Platz und fragen uns: Kann er Kult wie sein Vorgänger?
Bild: Audi
- Christoph Richter
Vor exakt 26 Jahren ging Audi mit dem A2 ein Wagnis ein, das sich erst rückblickend lohnen sollte. Technisch ein Visionär und Pionier, stand er ohne Frage für den Leitspruch "Vorsprung durch Technik". Doch ein hoher Preis und das aerodynamisch herausragende, aber eben auch skurrile Design von Luc Donckerwolke brachten nicht den gewünschten Erfolg. 2005 und knapp über 175.000 Käuferinnen und Käufer später war dann Schluss für das kleine Raumwunder, das mittlerweile Kultstatus genießt.
Ein Vierteljahrhundert nach dem Ur-Modell probiert Audi es also noch einmal mit dem A2 und spendiert dafür den Namenszusatz "e-tron". Damit ist klar, dass hier nur noch Strom für Vortrieb sorgt – ganz im Sinne der Zukunftsstrategie der Marke mit den vier Ringen.

Die erste Fahrt im Audi A2 e-tron durch Südschweden absolvieren wir bei bestem Wetter meist auf der Landstraße mit etwa 13 kWh Verbrauch auf 100 km.
Bild: Auto BILD
Unsere Fahrt startet in Kopenhagen und führt über die Öresundbrücke nach Schweden bis an die Ostküste im Süden. Auf dieser Strecke sollen wir den neuen Einsteiger, den Audi unterhalb des Q4 e-tron positioniert, kennenlernen.
Der Audi A2 e-tron orientiert sich am Original
Die Formgebung des A2 e-tron orientiert sich unverkennbar am Original, eine gelungene Neuinterpretation. Kurze Überhänge, eine abgerundete Front, die abfallende Dachlinie und der scharfe Abschluss sowie eine aalglatte Seitenpartie ohne (!) Türgriffe erzeugen ein stimmiges Gesamtbild. Moderner Kult! Die Griffe ersetzt Audi durch "Kleiderhaken", wie sie auch beim Ford Mach-E und Volvo EX60 zum Einsatz kommen.

Das Seitenprofil des Audi A2 e-tron lässt keinerlei Fragen im Hinblick auf die familiären Verhältnisse offen.
Bild: Audi
Eine kontroverse Entscheidung, die sicher nicht jedem gefällt. Für den niedrigen Strömungswiderstandskoeffizienten (cw-Wert) von 0,24 spielen sie keine Rolle, den erreicht Audi durch andere Kniffe: Am Heck führen gleich drei Abrisskanten (an Heckspoiler, Aeroblende und Stoßfänger) die Luft sauber ab. Dazu kommen Querlenker- und Radspoilerverkleidung vorn wie hinten. Aerofelgen und sogar eine flachere Beschriftung der Reifen sollen den Widerstand und damit den Verbrauch weiter reduzieren.
Vielversprechender Verbrauch
Mit dem sogenannten Air Curtain, als L in der Frontschürze erkennbar, dem Gap Reducer vor und dem Gap Breather hinter den Vorderrädern verspricht Audi eine optimale Umströmung der Vorderräder. Im malerischen Umland von Südschweden ist das auf Anhieb schwer zu kontrollieren. Als erster Referenzpunkt dient der Blick aufs Kombiinstrument, und zwar auf die Verbrauchsanzeige. Nach einer kurzen Autobahnetappe, viel Landstraße und zahlreichen passierten Dörfern pendelt sich der heckangetriebene A2 e-tron mit 190 PS und 61-kWh-Akku (58 kWh netto) bei etwa 11,5 kWh ein. Vielversprechend. Zwischendurch packt einen aber auch der Ehrgeiz, die Gier nach Effizienz, denn Kollegen am Vortag schafften angeblich 11,4 kWh auf der ersten Etappe.

Gernot Döllner, CEO der Audi AG, erklärt uns sichtlich stolz die Neuinterpretation des Audi A2 e-tron. Wir meinen: Auch ein e-tron kann Kult!
Bild: Audi
Wer es auf die Spitze treibt und das Thema Wirtschaftlichkeit wie wir ganz großschreibt, den belohnt der A2 e-tron mit zeitweise 10,9 kWh. Diese Angaben gilt es aber mit Vorsicht zu genießen, denn die guten Bedingungen – 22,5 Grad und schwedisch gelassener Verkehr – gibt es nicht alle Tage. Wirtschaftlichkeit lässt sich beim elektrischen Einsteiger aus Ingolstadt auch anders definieren, denn er erlaubt auch bidirektionales Laden. Heißt also, er hält den heimischen Kühlschrank auf Temperatur, wenn der Gemeinde mal der Saft ausgehen sollte.
Laden mit bis zu 105 kW
Apropos Laden: Mit bis zu 105 kW Leistung geht es in etwa 26 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Keine Bestleistung, aber im Umfeld der Konkurrenz okay. Auf schwedischen Straßen gibt sich das Kultmobil 2.0 keine Blöße, federt verbindlich, zeigt mit 19 Zoll großen Leichtmetallrädern kommodes Ansprechen und gutes Abrollverhalten. Fahraktiv kann er auch, verbirgt sein Gewicht gekonnt und lenkt dabei präzise und leichtgängig.

Die geteilte Heckscheibe des Audi A2 e-tron kennen wir bereits vom ersten Audi A2.
Bild: Audi
Sehr lobenswert: die erstklassige Akustik. Auf die Innenraumgestaltung erlaubt Audi noch keinen Blick, aber auch ein abgedeckter Innenraum lässt erahnen, dass sich der A2 e-tron an der aktuellen Designphilosophie orientiert. Das bedeutet zwei große Displays, die den Großteil der Funktionen verwalten. Abweichungen stellen wir in der Mittelkonsole fest. Unter dem Armaturenträger findet sich eine Art Tresen, der wahrscheinlich zwei Telefonen für kabelloses Laden Platz bietet. Den oberen Teil der Türen kleidet Audi in ein Mesh-Gewebe – schick und zeitgemäß. Im Fond finden auch größere Personen ordentliche Platzverhältnisse vor, da steht der neue A2 seinem Vorgänger nicht nach.
Satte 38.200 Euro für den Einstieg
Für das Einstiegsmodell mit 170 PS und einer Akkugröße von wahrscheinlich 52 kWh netto verlangt Audi 38.200 Euro. Dann fährt immerhin schon eine solide Grundausstattung mit, die unter anderem LED-Scheinwerfer, 18-Zoll-Räder, Navi, Rückfahrkamera und reichlich Fahrassistenz beinhaltet.
Darüber folgen drei Leistungsstufen mit 190, 231 und 326 PS, die Batteriegröße liegt bei 58 kWh brutto respektive 79 kWh netto. So soll der A2 e-tron eine maximale Reichweite von bis zu 649 Kilometern schaffen. Kultverdächtig, wenn der A2 e-tron sein Versprechen hält.
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