Wie lange das doch schon her ist, können wir an dem Vergleich ablesen, den AUTO BILD-Kollege Jan Horn damals brachte: "Ich kann mir nicht helfen. EcoRacer klingt irgendwie merkwürdig. Gegensätzlich. Ja, sogar paradox. So wie Porsche Diesel. Das paßt auch nicht zusammen."
So war das damals, 2005. Den Traktor namens Porsche Diesel hatten die meisten schon vergessen (Jan natürlich nicht), der erste neuzeitliche Diesel in Form eines Cayenne erschien erst vier Jahre später.

Sport und Sparen – passt das zusammen?

VW EcoRacer von der Seite, geschlossen, mit großer Windschutzscheibe, Dach und Hutze überm Mittelmotor
Oben fährt Jan Horn noch mit dem kleinen Windabweiser, ohne Dach und Hutze – hier mit großer Frontscheibe, eingesetzen Targadachhälften und der Dachverlängerung überm Mittelmotor.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Der kleine orangegelbe VW aber sollte ja Gegensätze vereinen, das war seine Idee: flach, straff, leicht und aerodynamisch wie ein Sportwagen – dieselnd, sparsam, leicht und aerodynamisch wie ein Öko-Auto.
Sie haben's gemerkt, ja? Leicht und aerodynamisch, das sind ja keine Gegensätze. Da gehen Sport und Sparen Hand in Hand. Wobei: So wie VW die Studie für die Tokyo Motor Show 2005 konstruiert hat, wäre sie zwar auf der Straße supersparsam, aber im Bau superteuer.
VW EcoRacer von vorn, Redakteur hockt an der Front
Großer Wabengrill vorn trotz des Mittelmotors, stechender Blick. Außenspiegel auf schlanken Füßen.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Denn: VW hat beim EcoRacer die Formel-1-Idee mal eben verdoppelt. Zwei Personen sitzen nicht in einem Mono-, sondern in einem Polycoque aus CFK, kohlefaserverstärktem Kunststoff. So sollte das Auto 850 Kilogramm wiegen.
VW EcoRacer beim Ein- oder Ausladen. Das Teil des Targadachs auf der Fahrerseite steht schräg offen.
Die Targa-Dachhälften schwenken hoch, sobald man die Türen öffnet. Die Dachverlängerung überm Motor verbessert die die Aerodynamik. cW-Wert etwa wie beim Audi TT. Zentrales Endrohr.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Uns erscheint das nicht eben sensationell, denn das Auto ist auch 3,77 Meter kurz und mit 1,21 Metern "so flach, daß man drüber stolpern könnte", schrieb Jan Horn.

VW versprach 3,4 Liter Diesel auf 100 km

Aber sensationell sparsam, das war er schon. 3,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer versprach VW – nicht im 41-PS-Modus wie beim Drei-Liter-Lupo, sondern bei 136 PS!
Klappe überm Mittelmotor offen, Redakteur hockt danben
Statt auf Pumpe-Düse-Technik setzte VW im EcoRacer schon 2005 auf ein Common-Rail-System. "Sportwagen auf Sparflamme" und "knausern beim Kurvenräubern" ging Jan Horn durch den Kopf – "verblüffend reizvoll."
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Im Zielkonflikt "Sporteln" gegen "Sparen" hat VW sich gegen einen lustvoll hochdrehenden TSI-Benziner entschieden und für einen Diesel: vier Zylinder, 1,5 Liter (üblich waren 1,9 Liter), 100 kW bei dieseltypischen 4000 Umdrehungen und "mehr als" 250 Nm ab 1900/min. Damit sollte das leichte Auto in 6,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 spurten können, Vmax gab VW mit 230 km/h an. Wer darüber klagt, jammert auf hohem Niveau.

Die versteckte Botschaft: Common-Rail kommt

Die ganze Show mit der CFK-Karosserie, die man auch umbauen kann (siehe Fotos), und die Betonung des Gegensatzes Sport vs. Sparen lenkt von der zentralen Technik-Botschaft dieses Autos ab: Jetzt kommt Common-Rail. 2005 liefen die VW-Dieselmotoren noch mit Einspritzung nach dem Pumpe-Düse-Prinzip von Bosch (der Passat B5 hatte 1999 den Anfang gemacht). Das war sehr sparsam, aber die Verbrennung war hart und laut, die Leistungsentfaltung explosiv statt harmonisch, und weil jeder Zylinder seine eigene Hochdruckpumpe zum Einspritzen hatte, war Pumpe-Düse auch teuer herzustellen.
Common-Rail war das Prinzip, das die Konkurrenz längst einsetzte (seit dem Alfa Romeo 156 JTD anno 1997). Es baute den Druck nicht so blitzschnell auf wie Pumpe-Düse, aber es konnte die Einspritzung – nein: Einspritzungen, mehrere pro Arbeitstakt – mit Piëzo-Einspritzelementen genauer steuern, was fürs Abgas wichtig ist (damals galt es die Euro 5 zu schaffen), die Motoren liefen leiser und waren günstiger herzustellen.
Von 2008 an stellte der VW-Konzern sämtliche Dieselmotoren von Pumpe-Düse auf Common-Rail um – und der EcoRacer hat's 2005 schon verraten!

Mini-Hubraum entwickelt mächtig Schub

Jan Horn hat 2005 den Common-Rail-TDI bei einer Fahrt in Südfrankreich so erlebt: "Zu spüren ist das im EcoRacer am etwas weicheren und spontaneren Motorcharakter. Zumindest meine ich, mehr Laufkultur und länger anhaltenden Biß erkennen zu können, als ich es beispielsweise von einem Golf TDI gewohnt bin. Angenehm gleichmäßig steigt beim Beschleunigen die Drehzahl. Schon ab knapp 2000 Touren beißt der Diesel ordentlich zu. Schade, daß der Vierzylinder tatsächlich nach rein gar nichts klingt. Direkt hinter mir rumort und röchelt irgend etwas zahm – mit heiserem Sportwagen hat das prasselnde Nageln des TDI aber sowenig zu tun wie ein Formel-1-Rennen mit einer von Greenpeace organisierten Sparfahrt."
VW EcoRacer, Innenraum mit zwei Sitzen
Sichtbare Kohlefaserstruktur im Einstieg. Dünne Sitze, jede menge weiße Nähe und silbrig schimmernde Oberflächen.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Abgesehen vom Sound ging es ihm am Steuer gut: "Der EcoRacer beschleunigt sensationell mühelos. Weil ein Direktschaltgetriebe die Gänge blitzschnell und ohne Schwung zu verlieren wechselt. Weil der Hinterradantrieb, die Mittelmotor-Auslegung mit leichtem Gewichtsüberschuß hinten sowie die griffigen 225er-Reifen für beste Traktion sorgen."
VW EcoRacer, Cockpit mit Armaturenträger
Noch kein zentraler Bildschirm. Das Infotainment im Tacho-Bildschirm wird per Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bedient. Niedriger Innenspiegel, weil der Dachaufsatz recht weit nach unten ragt.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Und an Racer-Gefühl herrschte auch kein Mangel. "Denn der EcoRacer verschweißt sich so herrlich trocken mit der Straße. Jede Rille, jede Fuge in der Fahrbahnoberfläche wird ungefiltert bis in die Schalensitze weitergegeben, alles zittert, da ist wirklich kein Gramm Weichspüler zu viel eingeflossen."
Elektronisches Kombinstrument mit Tacho und Navi-Pfeilen
Der Gelbe macht blau: kühlklare elektronische Anzeigen für Tacho, Drehzahlmesser und Navigation.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Weiter: "Knüppelhart, sagen die einen, ich nenne das kompromißlos auf Fahrspaß getrimmt. Genau wie die Lenkung. Sie stammt aus dem Golf, wird von einem Elektromotor unterstützt und ist ultradirekt übersetzt. Eine viertel Drehung am griffigen Mini-Lederlenkrad zieht einen vollen Spurwechsel nach sich. Agiler geht es kaum."

Coupé, Roadster und Speedster in einem

Nun lässt sich die Karosserie ja in mehreren Stufen umbauen – und Jan Horn hat sich erst mal für die ultraflache Speedster-Frontscheibe entschieden, eigentlich nur ein Windabweiser. Ist das nicht furchtbar zugig?
Alu-Rad vorn rechts, Scheinwerfer
Konventionelle 17-Zoll-Alu-Räder mit Bridgestone Potenza.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
"Ich erwarte eine heftige Fahrtwind-Ohrfeige. Gibt's aber nicht. Die Brise fällt über die nur wenige Zentimeter hohe Plexiglaskrempe vor mir her, faucht an ihr hoch und fächelt dann lammfromm über meinen Scheitel hinweg. Auch, als nach 6,3 Sekunden eine 100 auf dem wild flimmernden Tacho-Display aufblitzt, bleibt der Racer relativ sturmfrei."

Warum es beim Einzelstück blieb

Dass VW nicht vorhatte, den EcoRacer in Serie zu bringen, hat Kollege Jan damals ausführlich beklagt. "Vielleicht muß man aber auch nur laut genug rufen, bis die VW-Manager endlich aus ihren tiefen Sicherheits-Rotstift-Rendite-Träumen aufwachen. Bauen, bauen, bauen. Mit so einem Racer würde jedenfalls endlich mal wieder ein ehrlicher Hardrock durch das gemächliche Wolfsburger-Café fegen. Sparspaß im Takt der Zeit."
Ein Serienauto mit leichter CFK-Karosserie wäre natürlich zu teuer geworden. BMW hatte schon mit dem Z1 die Erfahrung gemacht, dass selbst 170 PS zu wenig waren, um genug Fans vom Kauf eines so teuren Autos zu überzeugen.
Andererseits: Was, wenn VW den EcoRacer mit Stahlkarosserie gebaut hätte, etwas schwerer, bei vielleicht vier Liter Verbrauch? Wäre immer noch toll gewesen. Ein deutscher Renault Sport Spider fürs fröhliche und umweltverträgliche Pendeln. Aber klar, ein Stückzahlenkönig wäre auch ein StahlEcoRacer nicht geworden. Die meisten Kunden ticken halt nicht so. Manche trauten sich einen VW Eos TDI, die ganz Verwegenen einen Audi TT als Diesel.
VW EcoRacer fahrend schräg von hinten
Wenn Sie ganz genau horchen, hören Sie den Common-Rail-Diesel und Jan Horns Lamento, dass der EcoRacer nie in Serie ging.
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
"Bitte VW, hört auf, uns ständig den Mund wässerig zu machen, und stellt so eine Renn-Hexe auch mal aufs Fließband. Das täte Eurem Streber-Image sicher gut." So zeterte Jan immer weiter vor sich hin und dieselte in den Sonnenuntergang.

Technische Daten VW EcoRacer

  • R4 Common-Rail-Turbodiesel
  • zwei Ventile pro Zylinder
  • eine obenliegende Nockenwelle
  • Hubraum 1484 cm³
  • Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min
  • maximales Drehmoment 250 Nm bei 1900–3750/min
  • Hinterradantrieb
  • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Einzelradaufhängung vorn und hinten
  • L/B/H 3770/1740/1210 mm
  • Leergewicht 850 kg
  • Spitze 230 km/h
  • 0-100 km/h in 6,3 s
  • Verbrauch 3,4 l D/100 km