Ferrari bricht mit Konventionen! Der neue 296 GTB ist nicht nur ein Plug-in-Hybrid, der rein elektrisch fahren kann, sondern auch der erste straßenzugelassene Ferrari mit einem V6-Biturbo-Motor. Doch keine Sorge, wenn 830 PS Systemleistung auf nur 1470 Kilo Leergewicht treffen, sind beeindruckende Fahrleistungen programmiert. AUTO BILD hat alle Infos zum neuen Supersportwagen aus Maranello!

Neu entwickelter V6 mit 830 PS Systemleistung

Der 296 GTB ist nach dem 2020 präsentierten und 1000 PS starken SF90 Stradale der zweite Plug-in-Hybrid der Marke und mit dem LaFerrari das dritte Modell, das rein elektrisch Fahren kann. Die 7,45-kWh-Batterie des 296 GTB bietet genug Energie für eine rein elektrische Reichweite von 25 Kilometern bei maximal 135 km/h. Doch das eigentliche Highlight ist der V6-Biturbo. Bei dem Motor handelt es sich weder um den 2,9-Liter-Motor, den Alfa in seinen QV-Modellen einsetzt, noch um den Antrieb des Maserati MC20. Für den 296 GTB hat Ferrari einen komplett neues Aggregat entwickelt, das das Portfolio neben den V8-Turbo- und den V12-Saugmotoren erweitert. Genau genommen ist der 2992 ccm große V6 damit der erste Sechszylinder in einem straßenzugelassenen Ferrari, denn die heute gesuchten Dino-Modelle 206 und 246 GT trugen nie offiziell das Ferrari-Logo.
Ferrari 296 GTB
In der Frontansicht ähnelt der 296 GTB dem großen Bruder SF90 Stradale (siehe Bild unten).

Damit der unterhalb des SF90 Stradale angesiedelte 296 GTB dennoch nicht voreilig als Einstiegsmodell abgestempelt wird, haben die Ferrari-Ingenieure alle Register gezogen. So beträgt der Bankwinkel des V6 120 Grad, was genug Platz schafft, um die beiden Turbolader innerhalb der Zylinderbänke als sogenanntes "heißes V" zu platzieren. Mit 663 PS und einer Literleistung von 221 PS ist der V6 kaum schwächer als der 3,9-Liter-V8 des großen Bruders F8 Tributo, der 720 PS an die Hinterräder schickt. Da der 296 GTB (die ersten zwei Ziffern stehen für den Hubraum und die letzte Ziffer für die Zylinderanzahl) allerdings noch einen Elektromotor mit 122 kW (167 PS) im Heck hat, übertrumpft er den F8 mit einer Systemleistung von 830 PS deutlich. Anders als beim allradangetriebenen SF90 geht die Kraft beim 296 GTB allerdings ausschließlich an die Hinterräder. Die Kraftübertragung übernimmt die bekannte Achtgang-Doppelkupplung (DCT).

Die wichtigsten Fakten zum Ferrari 296 GTB:

● Plug-in-Hybrid mit 7,45 kWh-Batterie
● elektrische Reichweite von 25 Kilometern
● neu entwickelter V6-Biturbo mit 663 PS
● Elektromotor mit 122 kW (167 PS)
● Systemleistung von 830 PS
● Hinterradantrieb
● Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
● 0-100 in 2,9 Sekunden / 0-200 km/h in 7,3 Sekunden
● Topspeed von über 330 km/h
● aktive Aerodynamik
● optional mit Assetto Fiorano Package
● Kundenfahrzeuge werden ab Frühjahr 2022 ausgeliefert
● Basispreis in Italien ab etwa 270.000 Euro


0-200 km/h in 7,3 Sekunden

Bis 100 km/h liegen F8 Tributo und 296 GTB mit einer Sprintzeit von 2,9 Sekunden gleichauf. Bis 200 km/h nimmt der 4,57 Meter lange und 1,96 Meter breite 296 GTB dem Bruder dann jedoch eine halbe Sekunde ab. 200 km/h liegen aus dem Stand nach beeindruckenden 7,3 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit geben die Italiener schlicht mit über 330 km/h an. Da speziell bei Ferrari das Thema Emotionalität nicht zu kurz kommen darf, wurde besonders viel Wert auf den Sound des neuen V6 gelegt. Mit dem Endergebnis sind sie in Maranello ganz offenbar so zufrieden, dass der Sechszylinder mit der Zündreihenfolge 1-6-3-4-2-5 intern den Spitznamen "piccolo V12", also kleiner V12, verpasst bekommen hat.
Ferrari SF90 Stradale  !! Sperrfrist 29. Mai 2019 19:30 Uhr !!
Optisches Vorbild für den neuen 296 GTB: der 1000 PS starke SF90 Stradale (Bild).

Der 296 GTB ähnelt dem SF90 Stradale

Optisch orientiert sich der 296 GTB ganz klar am SF90 Stradale. Diese Ähnlichkeit wird vor allem an der Front deutlich. Bei beiden Modellen ist die Windschutzscheibe so designt, dass sie scheinbar nahtlos in die Seitenscheiben übergeht – wie das Visier eines Helms. Diese spezielle Designtechnik kennen wir bereits von Kleinserien und Einzelstücken wie dem J50 oder dem P80/C. Im Profil wird deutlich, dass der 296 GTB mit 4,57 Metern ein gutes Stück kürzer ist als der SF90, der es auf 4,70 Meter bringt. Beim Radstand trennen die beiden Modelle fünf Zentimeter. Optisches Highlight des neuen Ferrari sind die stark betonten und geschwungenen hinteren Kotflügel. Sie sollen nicht nur für ordentlich Kühlluft sorgen, sondern auch eine Hommage an den legendären Ferrari 250 LM darstellen.
Das Heck des 296 GTB präsentiert sich eigenständig. Die kleinen Rückleuchten ähneln zwar denen des Roma, aber der rechteckige, mittige Auspuff ist ein Detail, das in dieser Form noch kein straßenzugelassener Ferrari trug. Auch die Motorabdeckung aus speziellem, dreidimensionalem Glas wurde extra für den 296 GTB entwickelt. Die Serienfelgen messen 20-Zoll und sind ebenfalls neu. Wie bereits für den SF90 oder auch den 488 Pista bietet Ferrari zudem sündhaft teure Carbonfelgen an, die acht Kilo einsparen sollen.
Ferrari 296 GTB
Auffälligstes Feature am Heck ist der mittige, reckteckige Auspuff, den so kein anderer Ferrari hat.

Assetto Fiorano Package gegen Aufpreis

Das Thema aktive Aerodynamik spielt bei Ferrari spätestens seit dem 458 Speciale eine Schlüsselrolle. Der 296 GTB hat einen, dem des LaFerrari ähnlichen, aktiven Heckspoiler, der in Verbindung mit dem Diffusor und dem optionalen Assetto Fiorano Package bis zu 360 Kilo Anpressdruck bei 250 km/h generiert. Vorteil der aktiven Aerodynamik: Ferrari kann, wie bei eigentlich allen aktuellen Modellen, auf einen feststehenden Heckflügel verzichten – die Optik bleibt also clean und elegant. Parallel zum SF90 bietet Ferrari auch den 296 GTB gegen Aufpreis mit dem sogenannten Assetto Fiorano Package an. Das Leichtbau-Paket beinhaltet einstellbare Stoßdämpfer, Michelin Sport Cup 2R, eine Lexan-Motorhaube, die alleine 15 Kilo einsparen soll, Carbon innen und außen sowie eine besondere Livery, die ausschließlich mit dem Paket bestellt werden kann und an den 250 LM erinnern soll.
Ferrari 296 GTB
Im Profil fallen die stark betonten hinteren Seitenteile auf, die eine Reminiszenz an den 250 LM darstellen.

Ferrari 296 GTB mit eManettino

Neu im Cockpit des 296 GTB ist ein zweiter Manettino. Ferrari-Fans wissen, dass die Italiener seit vielen Modellgenerationen auf einen Fahrmodi-Schalter direkt am Lenkrad setzen. Diesen hat natürlich auch der 296 GTB, doch dazu gesellt sich ein zweiter Schalter zum Wechseln zwischen Elektro- und Verbrennerbetrieb. Der sogenannte eManettino hat vier Modi: eDrive, Hybrid, Performance und Qualify. Streng genommen ist das eManettino aber keine wirkliche Neuheit, denn der SF90 hat diesen bereits im Jahr 2020 eingeführt. Darüber hinaus hat der 296 GTB noch weitere technische Finessen, wie beispielsweise SSC (Side Slip Control) und ein spezielles ABS-Modul verbaut. Den Innenraum mit volldigitalen Instrumenten und dem neuen Layout kennen wir ebenfalls bereits aus SF90 und Roma. Ferrari beschreibt diesen Stil als pur und minimalistisch.

Das kostet der neue Ferrari

Ferrari hat den 296 GTB zwar jetzt schon vorgestellt, doch die ersten Kundenfahrzeuge werden wohl nicht vor Frühjahr 2022 ausgeliefert. Zum offiziellen Preis in Deutschland gibt es noch keine Informationen, jedoch haben die Italiener bereits verraten, dass der 296 GTB in seiner Heimat für etwa 270.000 Euro angeboten wird.