Er war ein echtes Paradebeispiel für das Thema Retro. Und ein optischer Volltreffer, der Fiat 500. Es gab sogar Zweizylindermotoren, die so schön altmodisch unrund schnatterten. Mit Auge, Ohr und Bauch zurück in die 60er. Hach! Und nun? LED-Licht blitzt, Türen entriegeln sich elektrisch, kein Auspuffröhrchen lugt unter der Heckschürze hervor. Und: Es brummt nicht, es summt. Ganz schön modern für den Kult-Knirps
Dabei bleibt der neue 500, der ab 27.560 Euro in der Preisliste steht, ein ganz eigenständiger Typ. Mit Batterien im Boden statt im Kofferraum. So nehmen sie dem Gepäck keinen Platz weg. Den Passagieren auch nicht – das Akku-Paket belegt flach gestapelt den Raum unterhalb der Fahrgastzelle.
Im Fond sollten dennoch nur gelegentlich Erwachsene mitreisen, der Knieraum ist extrem knapp. Vorn geht es besser. An die kurzen, äußerst straff gebauten Sitzpolster kann man sich gewöhnen. Echten Seitenhalt bieten sie aber leider nicht. Das Cockpit stünde auch einem erwachseneren Auto gut. Ein scharf gezeichnetes Display für den Fahrer wird von einem extra breiten Berührbildschirm begleitet. Darauf: Navi, Unterhaltung, Fahrassistenz – alles auf topaktuellem Niveau. Feste Tasten für die Bedienung der Klimaanlage erleichtern die Orientierung. Schade: Die Haptik der beiden Plastikregler in der Mittelkonsole (für Lautstärke und Fahrmodi) wirkt ärmlich. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)

Beim Standardsprint hängt der Fiat einen Golf 1.5 TSI ab

Fia 500 Elektro
Geht ganz ordentlich: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Fiat 500 schlanke 8,6 Sekunden.
Im Fiat 500 wählt man die Gänge nicht über einen Hebel – die Fahrtrichtung wird über eine Tastengruppe bestimmt. D drücken, los geht's – herrlich simpel. Der Fiat lässt sich sanft rangieren, sauber dosieren und richtig kernig nach vorn drücken. Die automatische Haltefunktion löst beim Anfahren etwas kantig, sonst arbeitet der Antrieb einwandfrei. In den Modi Sherpa (hilft bei schwächelndem Akku, das Letzte herauszuholen, und erlaubt eine auf 80 km/h reduzierte Höchstgeschwindigkeit) und Range (effizientere Fahrabstimmung für beste Reichweite) rekuperiert der 500 ungleich stärker als im Standard-Modus. Etwas unsensibel im Ansprechverhalten der Federung, doch bereitwillig dämpfend auf großen Buckeln schnurrt der Fiat 500 umher. Mit bis zu 150 km/h – das passt zum Elektro-Kleinwagencharakter.
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Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Fiat in 8,6 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Golf 1.5 TSI ist etwas langsamer. Die 118 PS Leistung beziehungsweise 220 Newtonmeter Drehmoment nutzt Fiat also anständig aus. Obwohl der 500 garantiert kein Leichtgewicht ist. In Richtung 1,4 Tonnen geht's  – allein das Akku-Paket nimmt fast sechs Zentner ein. Die bescheidene Zuladung von 340 Kilogramm ist der Nebeneffekt. Vier Erwachsene an Bord? Dann bliebe nichts mehr fürs Gepäck.

Die versprochene Reichweite schafft der 500er im Test nicht

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Unter optimalen Bedingungen soll der Fiat für 321 Kilometer gut sein. Wir haben weit weniger geschafft.

Die versprochenen maximal 321 Kilometer Reichweite – nun ja. Unsere Verbrauchsermittlung bei kühlen fünf Grad Außentemperatur ergab einen Durchschnittsverbrauch von 22 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer. Macht bei einer nutzbaren Akkukapazität von 37 kWh (brutto stehen dem Fiat 42 kWh zur Verfügung) und stark geforderter Innenraumheizung nur rund 200 Kilometer elektrische Fahrt. Ein Schnellladesystem soll die Akkus in 35 Minuten auf 80 Prozent Kapazität nachfüllen. Auf der Autobahn sind uns zwei Dinge aufgefallen. Der 500 läuft leise, und die Höchstgeschwindigkeit schwankt. Gelegentlich rutscht er von den versprochenen 150 km/h auf gut 140 ab – wohl um die Spannungsversorgung zu schonen. Eine kleine Schrulle darf er haben – als Paradebeispiel für la dolce vita in der Heimat von Fiat.
Das Fazit: Schnelles Laden, aber mäßige Reichweite – der elektrische 500er bleibt ein Fall für Stadt und näheres Umland. Klasse: Der neue Italo-Knirps lässt sich außerordentlich reichlich mit Fahrassistenz ausrüsten. AUTO BILD-Testnote: 3+

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Fiat 500 im Test