Fiat 600 Hybrid DCT: Test
Kleiner Fiat im neuen Format: Wie schlägt sich der 600 als Hybrid?

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Später kam noch eine Neuauflage, das war Ende der 90er. Und jetzt ist er wieder da – zuerst mit E-Antrieb und nun auch als Hybrid.
Deutlich größer als der kleine Bruder
Obwohl mit 4,18 Metern kein Riese, wirkt der Fiat 600 tatsächlich wie ein vergrößerter 500. Also ähnlich freundlich bis rundlich, mit großen Kulleraugen samt Augenlidern. Und damit niemand vergisst, dass er eben doch ein 600 ist, haben sie an vielen Stellen auch eine 600 angebracht: vorn groß an der Front, seitlich an den Scheinwerfern, an den Radnaben und am Schweller sowie am Stoßfänger hinten.

Luftiger: Optisch zitiert der Fiat 600 den 500, er ist mit 4,18 Metern aber deutlich länger und zehn Zentimeter breiter. Das schafft Raum.
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Aber er ist eben deutlich größer als der aktuelle 500er, mit 4,18 über einen halben Meter länger und mit 1,78 Metern auch zehn Zentimeter breiter. Das Raumangebot vorn ist auf seine Art erstaunlich luftig, mit viel Platz über dem Scheitel, der Einstieg allerdings recht mühselig, ein hoher, breiter Schweller steht im Weg. Der lauert auch hinten, dort ist es dann nicht übermäßig geräumig, vor allem der Platz für die Knie ist knapp bemessen. Die gute Nachricht: Die Kopffreiheit geht wirklich in Ordnung.
Interieur strebt nicht nach Perfektion
Die ganze Einrichtung ist lässig arrangiert. Klar, es gibt jede Menge Hartplastik, aber mit interessanten Oberflächen, alles wirkt komplett unverkrampft. Und um Perfektion können sich gern andere bemühen.

Historisch: Die kleine Hutze über dem Cockpit soll an den 600er aus den 1950ern erinnern, gab es damals in schlichter Form auch.
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Die Hutze über dem sieben Zoll großen Kombiinstrument soll an den 600er aus den Fünfzigern erinnern, da gab es sie in schlichter Form auch. Die Instrumente sind zigfach konfigurierbar, wir haben irgendwann sogar einen Drehzahlmesser gefunden.
Das Infotainment will erlernt werden
Der zentrale Touchscreen ist 10,25 Zoll groß, auch hier sind viele Einstellungen möglich. Die Grafik ist im aktuellen Vergleich eher schlicht – was nichts Schlechtes sein muss. Die wirklich nicht besonders logisch aufgebauten Menüs stören viel mehr. Aber klar, irgendwann bekommt man alles hin. Pluspunkte gibt es für die Extra-Bedienleiste fürs Klima – das Menü ploppt dann im Bildschirm auf – und den ordentlichen Lautstärkeregler.

Nicht wirklich logisch: Die Menüstruktur des grafisch eher schlichten Touchscreens erschließt sich leider nicht auf Anhieb.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zur Testwagenausstattung "La Prima" gehören nützliche Dinge wie Klimaautomatik, Navi, heizbare Vordersitze mit Massagefunktion für den Fahrer, Sitzbezüge aus elfenbeinfarbenem Kunstleder mit Fiat-Monogrammen. Sieht gut aus.
Fahrzeugdaten
Modell | Fiat 600 Hybrid DCT |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo, Hybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1199 cm³ |
kW (PS) bei 1/min (Ottomotor) | 74 (100)/5500 |
Nm bei 1/min (Ottomotor) | 205/1750 |
kW (PS) (Elektromotor) | 21 (29) |
Vmax | 184 km/h |
Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/55 R 18 V |
Reifentyp | Goodyear EfficientGrip |
Abgas CO2 | 109 g/km |
Verbrauch* | 4,9 l/100 km |
Tankinhalt | 44 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Partikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1100/620 kg |
Stützlast | 48 kg |
Kofferraumvolumen | 385–1256 l |
Länge/Breite/Höhe | 4178/1779–1981**/1525 mm |
Radstand | 2557 mm |
Grundpreis | 25.490 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 30.990 Euro |
Ein Thema gibt es aber noch: Die Mittelkonsole wird mit einer faltbaren Abdeckung verschlossen, ähnlich wie bei einem Tablet. Und das ist nicht ganz unproblematisch. Klappt man die Abdeckung hoch, kommt es vor, dass sie oben unbeabsichtigt an die – leicht vorstehenden – Tasten fürs Getriebe stößt. Und dann wird mal eben überraschend zum Beispiel der Leerlauf eingelegt. Keine gute Lösung also.
Die Fahrleistungen gehen in Ordnung
Die Technik (CMP2-Plattform) teilt sich der Fiat 600 mit vielen anderen Autos von Stellantis, etwa Citroën C3, Opel Mokka und Peugeot 208. Nächste Verwandte sind aber Alfa Romeo Junior und Jeep Avenger – mit denen er gemeinsam im polnischen Tychy gebaut wird.

Ausreichend: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Hybrid-600 in 11,0 Sekunden. Bei 184 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das 48-Volt-Hybridsystem besteht aus einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 100 PS, einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe mit integriertem Riemen-Starter-Generator (29 PS) und einer kleinen Batterie (0,9 kWh). Maximal rennt der 600 Hybrid damit 184 km/h, den Sprint von 0 bis 100 km/h erledigte er im Test in 11,0 Sekunden. Bis etwa 130 km/h geht es zügig voran, darüber wird es dann sehr zäh.
Messwerte
Modell | Fiat 600 Hybrid DCT |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,7 s |
0–100 km/h | 11,0 s |
0–130 km/h | 18,9 s |
0–160 km/h | 35,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 6,3 s |
80–120 km/h | 8,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 1345/437 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 64/36 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,2 m |
Sitzhöhe | 630 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,5 m |
aus 100 km/h warm | 34,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,6 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,0 l S/100 km (+22 %) |
Sportverbrauch | 8,3 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 142 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 733 km |
Wie schon in früheren Tests arbeitet das Stellantis-Hybridsystem auch im Fiat nicht besonders harmonisch. Der 600 fährt stets mit kleiner Verzögerung an, das ist etwa an der Ampel ziemlich lästig. Der Benziner läuft rau, unter Last brummig, vom E-Motor kommen deutlich hörbare jaulende Töne, besonders im Teillastbereich rupft und ruckelt es spürbar im System. All das wirkt insgesamt doch ziemlich ungeschliffen.
Aber wenn man sich damit anfreunden kann, fährt sich der 600 durchaus vergnüglich, friedlich untersteuernd und mit einem vorsichtig und früh einschreitenden ESP. Die Lenkung ist eindeutig auf den Stadtverkehr ausgelegt, arbeitet sehr leichtgängig (und gefühllos), aber mit gleichbleibenden Kräften, ohne für weitere Aufregung zu sorgen.
Testwagen knackt die 30.000-Euro-Grenze
Die könnten dann vielleicht die Preise verursachen. Der Fiat 600 Hybrid in Basisausstattung kostet mindestens 25.490 Euro. Der Testwagen mit der umfangreichen Ausstattung "La Prima" steht erst ab 30.990 Euro in der Liste. Und die existiert tatsächlich, für den 600 gibt es eine ordentliche, gut gemachte Preisliste, sehr schön.
Wertung
Modell | Fiat 600 Hybrid DCT |
|---|---|
Karosserie | Platzangebot und Kofferraum klassenüblich, vorn luftig, hinten eher knapp. Zuladung 437 Kilogramm. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | 1,2-Liter-Dreizylinder mit 100 PS, anständige Fahrleistungen. Hybridsystem unharmonisch. |
3/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fährt sich friedlich, Lenkung sehr leichtgängig. ESP greift früh ein, Bremsen Durchschnitt. |
3/5 Punkten | |
Connected Car | Zwei Bildschirme, schlichte Grafik, Apple CarPlay/Android Auto kabellos. Navi Serie. |
3,5/5 Punkten | |
Umwelt | Kleine Außenmaße, wenig Gewicht (1,3 Tonnen). Verbrauch nicht so niedrig wie erwartet. |
3/5 Punkten | |
Komfort | Zierliche Sitze, Rückbank mit kurzer Auflage. Umfangreiche Ausstattung, Federung etwas stuckerig. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Preise im Vergleich günstig. Jährliches Wartungsintervall. Nur zwei Jahre Garantie. |
3,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3 |
Zur La-Prima-Ausstattung gehören unter anderem noch Voll-LED-Scheinwerfer, LED-Rückleuchten, 18-Zoll-LM-Räder, Chromakzente, getönte Fensterscheiben hinten, verchromtes Endrohr und adaptiver Tempomat. Von solchen Sachen konnte der 600 im Jahr 1955 wohl nicht einmal träumen.
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