Er war einst der große Bruder des 500: Den Fiat 600 gab es in seiner ersten Generation schon 1955. Sehr erfolgreich übrigens, er begründete nicht unwesentlich den damaligen wirtschaftlichen Erfolg von Fiat.
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Später kam noch eine Neuauflage, das war Ende der 90er. Und jetzt ist er wieder da – zuerst mit E-Antrieb und nun auch als Hybrid.

Deutlich größer als der kleine Bruder

Obwohl mit 4,18 Metern kein Riese, wirkt der Fiat 600 tatsächlich wie ein vergrößerter 500. Also ähnlich freundlich bis rundlich, mit großen Kulleraugen samt Augenlidern. Und damit niemand vergisst, dass er eben doch ein 600 ist, haben sie an vielen Stellen auch eine 600 angebracht: vorn groß an der Front, seitlich an den Scheinwerfern, an den Radnaben und am Schweller sowie am Stoßfänger hinten.
Fiat 600 Hybrid DCT
Luftiger: Optisch zitiert der Fiat 600 den 500, er ist mit 4,18 Metern aber deutlich länger und zehn Zentimeter breiter. Das schafft Raum.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Aber er ist eben deutlich größer als der aktuelle 500er, mit 4,18 über einen halben Meter länger und mit 1,78 Metern auch zehn Zentimeter breiter. Das Raumangebot vorn ist auf seine Art erstaunlich luftig, mit viel Platz über dem Scheitel, der Einstieg allerdings recht mühselig, ein hoher, breiter Schweller steht im Weg. Der lauert auch hinten, dort ist es dann nicht übermäßig geräumig, vor allem der Platz für die Knie ist knapp bemessen. Die gute Nachricht: Die Kopffreiheit geht wirklich in Ordnung.

Interieur strebt nicht nach Perfektion

Die ganze Einrichtung ist lässig arrangiert. Klar, es gibt jede Menge Hartplastik, aber mit interessanten Oberflächen, alles wirkt komplett unverkrampft. Und um Perfektion können sich gern andere bemühen.
Fiat 600 Hybrid DCT
Historisch: Die kleine Hutze über dem Cockpit soll an den 600er aus den 1950ern erinnern, gab es damals in schlichter Form auch.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Hutze über dem sieben Zoll großen Kombiinstrument soll an den 600er aus den Fünfzigern erinnern, da gab es sie in schlichter Form auch. Die Instrumente sind zigfach konfigurierbar, wir haben irgendwann sogar einen Drehzahlmesser gefunden.

Das Infotainment will erlernt werden

Der zentrale Touchscreen ist 10,25 Zoll groß, auch hier sind viele Einstellungen möglich. Die Grafik ist im aktuellen Vergleich eher schlicht – was nichts Schlechtes sein muss. Die wirklich nicht besonders logisch aufgebauten Menüs stören viel mehr. Aber klar, irgendwann bekommt man alles hin. Pluspunkte gibt es für die Extra-Bedienleiste fürs Klima – das Menü ploppt dann im Bildschirm auf – und den ordentlichen Lautstärkeregler.
Fiat 600 Hybrid DCT
Nicht wirklich logisch: Die Menüstruktur des grafisch eher schlichten Touchscreens erschließt sich leider nicht auf Anhieb.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zur Testwagenausstattung "La Prima" gehören nützliche Dinge wie Klimaautomatik, Navi, heizbare Vordersitze mit Massagefunktion für den Fahrer, Sitzbezüge aus elfenbeinfarbenem Kunstleder mit Fiat-Monogrammen. Sieht gut aus.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Dreizylinder, Turbo, Hybrid 
Einbaulage 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Hubraum 
1199 cm³ 
kW (PS) bei 1/min (Ottomotor)
74 (100)/5500 
Nm bei 1/min (Ottomotor)
205/1750 
kW (PS) (Elektromotor) 
21 (29) 
Vmax
184 km/h 
Getriebe 
Sechsgang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
215/55 R 18 V 
Reifentyp 
Goodyear EfficientGrip 
Abgas CO2 
109 g/km 
Verbrauch* 
4,9 l/100 km 
Tankinhalt 
44 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Partikelfilter 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1100/620 kg 
Stützlast 
48 kg 
Kofferraumvolumen 
385–1256 l 
Länge/Breite/Höhe 
4178/1779–1981**/1525 mm 
Radstand 
2557 mm 
Grundpreis
25.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
30.990 Euro
Ein Thema gibt es aber noch: Die Mittelkonsole wird mit einer faltbaren Abdeckung verschlossen, ähnlich wie bei einem Tablet. Und das ist nicht ganz unproblematisch. Klappt man die Abdeckung hoch, kommt es vor, dass sie oben unbeabsichtigt an die – leicht vorstehenden – Tasten fürs Getriebe stößt. Und dann wird mal eben überraschend zum Beispiel der Leerlauf eingelegt. Keine gute Lösung also.

Die Fahrleistungen gehen in Ordnung

Die Technik (CMP2-Plattform) teilt sich der Fiat 600 mit vielen anderen Autos von Stellantis, etwa Citroën C3, Opel Mokka und Peugeot 208. Nächste Verwandte sind aber Alfa Romeo Junior und Jeep Avenger – mit denen er gemeinsam im polnischen Tychy gebaut wird.
Fiat 600 Hybrid DCT
Ausreichend: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Hybrid-600 in 11,0 Sekunden. Bei 184 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das 48-Volt-Hybridsystem besteht aus einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 100 PS, einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe mit integriertem Riemen-Starter-Generator (29 PS) und einer kleinen Batterie (0,9 kWh). Maximal rennt der 600 Hybrid damit 184 km/h, den Sprint von 0 bis 100 km/h erledigte er im Test in 11,0 Sekunden. Bis etwa 130 km/h geht es zügig voran, darüber wird es dann sehr zäh.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,7 s 
0–100 km/h 
11,0 s 
0–130 km/h 
18,9 s 
0–160 km/h 
35,0 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
6,3 s 
80–120 km/h 
8,3 s 
Leergewicht/Zuladung 
1345/437 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
64/36 % 
Wendekreis links/rechts 
11,0/11,2 m 
Sitzhöhe 
630 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,5 m 
aus 100 km/h warm 
34,7 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
bei 130 km/h 
70 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,6 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,0 l S/100 km
(+22 %)
Sportverbrauch 
8,3 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
142 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
733 km 
Wie schon in früheren Tests arbeitet das Stellantis-Hybridsystem auch im Fiat nicht besonders harmonisch. Der 600 fährt stets mit kleiner Verzögerung an, das ist etwa an der Ampel ziemlich lästig. Der Benziner läuft rau, unter Last brummig, vom E-Motor kommen deutlich hörbare jaulende Töne, besonders im Teillastbereich rupft und ruckelt es spürbar im System. All das wirkt insgesamt doch ziemlich ungeschliffen.
Aber wenn man sich damit anfreunden kann, fährt sich der 600 durchaus vergnüglich, friedlich untersteuernd und mit einem vorsichtig und früh einschreitenden ESP. Die Lenkung ist eindeutig auf den Stadtverkehr ausgelegt, arbeitet sehr leichtgängig (und gefühllos), aber mit gleichbleibenden Kräften, ohne für weitere Aufregung zu sorgen.

Testwagen knackt die 30.000-Euro-Grenze

Die könnten dann vielleicht die Preise verursachen. Der Fiat 600 Hybrid in Basisausstattung kostet mindestens 25.490 Euro. Der Testwagen mit der umfangreichen Ausstattung "La Prima" steht erst ab 30.990 Euro in der Liste. Und die existiert tatsächlich, für den 600 gibt es eine ordentliche, gut gemachte Preisliste, sehr schön.

Wertung

Wertung
Karosserie
Platzangebot und Kofferraum klassenüblich, vorn luftig, hinten eher knapp. Zuladung 437 Kilogramm.
3/5 Punkten
Antrieb
1,2-Liter-Dreizylinder mit 100 PS, anständige Fahrleistungen. Hybridsystem unharmonisch.
3/5 Punkten
Fahrdynamik
Fährt sich friedlich, Lenkung sehr leichtgängig. ESP greift früh ein, Bremsen Durchschnitt.
3/5 Punkten
Connected Car
Zwei Bildschirme, schlichte Grafik, Apple CarPlay/Android Auto kabellos. Navi Serie.
3,5/5 Punkten
Umwelt
Kleine Außenmaße, wenig Gewicht (1,3 Tonnen). Verbrauch nicht so niedrig wie erwartet.
3/5 Punkten
Komfort
Zierliche Sitze, Rückbank mit kurzer Auflage. Umfangreiche Ausstattung, Federung etwas stuckerig.
3/5 Punkten
Kosten
Preise im Vergleich günstig. Jährliches Wartungsintervall. Nur zwei Jahre Garantie.
3,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3
Zur La-Prima-Ausstattung gehören unter anderem noch Voll-LED-Scheinwerfer, LED-Rückleuchten, 18-Zoll-LM-Räder, Chromakzente, getönte Fensterscheiben hinten, verchromtes Endrohr und adaptiver Tempomat. Von solchen Sachen konnte der 600 im Jahr 1955 wohl nicht einmal träumen.

Bildergalerie

Fiat 600 Hybrid DCT
Fiat 600 Hybrid DCT
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Fiat 600 Hybrid im Test

Fazit

Der Fiat 600 ist das Auto für alle, die den 500 lieben, aber etwas mehr Platz brauchen. Design und Interieur sind genauso charmant wie beim kleinen Bruder, der Hybrid hat uns aber nicht komplett überzeugt. AUTO BILD-Testnote: 3