Ford vor Rallye-Comeback?
Die geheime Rallye-Botschaft des Ford Escort XR3

Ford schickt sportliche Escort zu einer Oldtimerrallye und deutet neue Rallye-Pläne an! Steckt mehr dahinter als der beschlossene Rallye-Fiesta?
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Ach, wie schön: Ford nimmt mal wieder mit einem eigenen Team an einer Oldtimerrallye teil, der Salzburger-Land-Klassik. Mit einem Hundeknochen-Escort RS (Mk1) aus den 70er-Jahren und einem Escort XR3 (Mk3) von 1981. Bestimmt, weil sie damit … ja, warum eigentlich? Ford hat doch Last, seine Hybrid- und Elektro-SUVs zu verkaufen – welchen Sinn hat es dann, die gloriosen sportlichen Verbrenner von früher öffentlich zu feiern?

Vordergründig geht es bei der Rallye darum, in Wertungsprüfungen die Oldtimer und Youngtimer so exakt wie möglich durch Lichtschranken und über Druckschläuche zu fahren – möglichst auf die Hundertstelsekunde genau.
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Oldtimerrallyes als Plattformen für Markenbotschaften
Zum Hintergrund: An großen Oldtimerrallyes, über die die Medien berichten, nehmen, grob gesagt, meist zwei Gruppen teil. Auf der einen Seite die Privatleute, die aus Spaß – sei es Spaß am Fahren oder Spaß am Gewinnen – ihre eigenen Autos an den Start bringen. Auf der anderen Seite die Gewerbetreibenden: Sie haben ein Interesse daran, dass ihre Marke oder ihr Produkt auf der Straße, bei den anderen Teams und vor allem in den Medien sichtbar wird.

Ein Ford Escort RS von 1975 und der Escort XR3 von 1981 treten bei der Salzburger-Land-Klassik an. Frontspoiler und Zusatzscheinwerfer verleihen dem XR3 schon Rallye-Geschmack.
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Gerade Autohersteller nutzen Oldtimerrallyes gern, um medienwirksam eine Botschaft zu verbreiten. Die manchmal knifflige Aufgabe ist, alte Autos zu zeigen, um neue Autos zu verkaufen. Volkswagen und die Autostadt zum Beispiel nehmen 2026 mit mehreren VW Golf GTI der ersten drei Generationen an der Salzburger-Land-Klassik teil, nicht nur wegen des 50-Jahr-GTI-Jubiläums, sondern natürlich, weil sie neue Golf GTI verkaufen wollen.
Ford aber hat weder einen Escort XR3 noch einen Focus ST oder RS mehr im Programm. Es gibt überhaupt keinen neuen Ford in der Golf-Klasse mehr als Nachfolger von Escort oder Focus. Ist der Einsatz der beiden Escort also doch nur Spaß an der Freude?
Ford deutet an: Wir planen was zum Thema Rallye
Nein. Am Steuer des Escort XR3 sitzt Ingo Behrendt, Pressesprecher bei Ford, genauer: Leiter Produktkommunikation und Classic Cars. Und er macht eine geheimnisvolle Andeutung: "An der Rallye hier nehmen wir deshalb teil, weil Rallye in der Zukunft eine größere Rolle spielen wird."
Oh! Was genau? "Weiß ich selber noch nicht."

Ford-Sprecher Ingo Behrendt (am Steuer, mit Copilot André Baumann) sagt bei der Salzburger-Land-Klassik zu AUTO BILD: "Wir bei Ford wollen unsere Heritage nutzen. Wir haben da etwas ganz Feines, was die chinesischen Kollegen nicht haben."
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Versuchen wir mal, die Möglichkeiten einzugrenzen. Im Rallyesport ist Ford seit 1997 über die britische Firma M-Sport vertreten. Seit 2013 ist Ford nicht mehr als vollwertiges Werksteam engagiert, unterstützt M-Sport aber technisch und teilweise finanziell.
Das M-Sport Ford World Rally Team fährt seit 2022 den Ford Puma Rally1, der optisch dem Serien-Puma ähnelt. Kunden fahren teils auch den Ford Fiesta Rally2.

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Will Ford sich wieder mehr in der WRC einbringen?
M-Sport entwickelt für den Ford Fiesta Rally2 ein Rally2-WRC-Kit für 2027.
Ford und die Rallye-WM: die wichtigsten Fragen
Frage | Antwort |
|---|---|
Was plant Ford für die Rallye-WM 2027? | M-Sport entwickelt für 2027 einen Ford Fiesta Rally2 mit neuem WRC-Kit. |
Ist der Rallye-Fiesta für 2027 bestätigt? | Ja. M-Sport-Teamchef Richard Millener hat die Entwicklung des Kits bestätigt. |
Fährt Ford selbst in der WRC? | Das Auto wird von M-Sport eingesetzt. Ford unterstützt das britische Team, betreibt aber kein klassisches Werksteam. |
Was ist ein Rally2-WRC-Kit? | Das von der FIA vorgesehene Kit kann unter anderem geänderte vordere Kotflügel, einen Frontstoßfänger und ein hinteres Aerodynamikelement umfassen. Fahrzeuge mit dem Kit dürfen 2027 und 2028 in der obersten WRC-Kategorie antreten. |
Kommt 2028 ein komplett neues Ford-Rallyeauto? | M-Sport erwägt ein neues WRC27-Auto für 2028. Eine endgültige Entscheidung ist nicht bekannt. |

Bild: DPPI / PsnewZ / Bestimage
Ingo Behrendts Andeutung könnte (könnte!) man also so verstehen, dass Ford sich dabei wieder mehr engagiert als in den letzten Jahren.
Behrendt könnte (könnte!) aber ebenso ein anderes, bislang nicht bekannt gegebenes Ford-Projekt meinen.
Im Frühjahr 2026 erklärte M-Sport-Teamchef Richard Millener, eine Entscheidung über ein komplett neues WRC-Auto hänge auch davon ab, wie es mit der Vermarktung der Rallye-WM weitergeht.
Fiesta Rally weiterentwickeln oder neues Rallyeauto bauen?
M-Sport hatte zunächst ein von Grund auf neu entwickeltes WRC27-Auto bevorzugt. Inzwischen plant das Team für 2027 jedoch mit einem Fiesta Rally2 samt WRC-Kit. Ein komplett neues Auto könnte frühestens 2028 folgen.
Ende 2025 schloss Richard Millener auch einen Wechsel zu einem anderen Autohersteller nicht aus (nachdem über Gespräche mit der chinesischen Marke Lynk & Co berichtet wurde). Das komme laut Millener nur infrage, wenn sich mit Ford keine Perspektive ergäbe. So kann man Druck auf Ford ausüben.
Es wird wieder einen Serien-Kleinwagen von Ford geben
Im Mai 2026 kündigte Ford tatsächlich ein neues Modell im B-Segment an – also in der Fiesta-Klasse. Auf der "AmpR Small"-Plattform von Renault soll wohl 2028 ein Elektroauto entstehen. Ford verspricht ein eigenständiges Design, die Ford-typische Fahrdynamik und „"ace to road"-Fähigkeiten. Auch von "echter Rallye-DNA" ist die Rede.
Was auch immer das heißen soll: eine tatsächliche Verbindung zum Motorsport, das übliche Sportmodell oder einfach eine fahraktive Auslegung der ganzen Baureihe wie bisher auch schon.
Dass das Auto Fiesta heißen soll, ist bislang nicht bestätigt.
Bekommt der Fiesta-Nachfolger eine Sportversion?
Renault hat für seinen elektrischen Kleinwagen schon sportliche Varianten angekündigt. Dass sich auf der AmpR-Small-Basis ein sportlicher Kleinwagen realisieren lässt, zeigt der Alpine A290.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Jim Baumbick, Präsident von Ford of Europe, hat im Mai 2026 auffallend viel über Fords Rallye- und Motorsport-Historie gesprochen. Er hat wiederholt, Ford wolle "Rennsport-Technologie für die Straße" in seine neuen Pkw einfließen lassen.
Was genau wird Ford in Sachen Rallye tun?
Was also bedeutet der Einsatz der beiden sportlichen Kompakten von Ford auf der Salzburger-Land-Klassik?
- Engagiert Ford sich in der WRC-Saison 2027 wieder stärker mit eigenen Entwicklern oder mit mehr Geld? Wird das Team sogar "Ford" heißen?
- Kommt ein elektrischer Serien-Fiesta mit Rallye-Anspruch?
- Kommt 2028 ein ganz neu entwickeltes Rallyeauto von Ford?
- Wird sogar aus einem Rallyeauto ein sportliches Serienmodell?
Am Ende der Salzburger-Land-Klassik treffen wir Ingo Behrendt noch mal und stellen ihm diese Fragen. Er sagt: "Wir sind mit den sportlichen Escort zur Salzburger-Land-Klassik gekommen, weil unsere Rallye-Tradition in den kommenden Serienautos spürbar sein wird."
Also: Motorsport-Pläne waren in diesem Fall nicht der Grund. Was nicht ausschließt, dass Ford auch im Rallyesport viel verändern kann. AUTO BILD wird berichten.

Mit kleinem Zweispeichenlenkrad, Drehzahlmesser und 96 PS war der XR3 1981 das sportlichste Escort-Modell. Anfangs hatte er nur vier Gänge.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Technische Daten Ford Escort XR3 (Mk3, 1981)
- Motor Reihenvierzylinder, vorn quer, obenliegende Nockenwelle, Zahnriemen, Fallstromvergaser Weber 32/34 DFTA
- Hubraum 1597 cm³
- Leistung 71 kW (96 PS) bei 6000/min
- max. Drehmoment 133 Nm bei 4000/min
- Antrieb Viergang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
- Fahrwerk vorn Einzelradaufhängung an MacPherson-Federbeinen mit unteren Querlenkern und Stabilisator; hinten Einzelradaufhängung an Querlenkern und Längsstreben
- Bremsen Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten
- Reifen 185/60 R 14
- Länge/Breite/Höhe 4052/1640/1369 mm
- Radstand 2402 mm
- Leergewicht 895 kg
- Beschleunigung 0–100 km/h in 9,7 s
- Höchstgeschwindigkeit 182 km/h
- Verbrauch 8,3 l Super/100 km
- Neupreis (1981) 17.340 Mark
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