Gebrauchtwagen-Test BMW 1er
Einer für ewig?

Längs eingebaute Motoren und Heckantrieb – in der Golfklasse ist der 1er-BMW einzigartig. Und bis jetzt auch auffällig solide. Alles in allem ist er ein jugendlicher Typ ohne auffällige Mängel.
- Uli Holzwarth
Wahre Größe kommt von innen, heißt es. So gesehen, ist der 1er-BMW gerade mal ein Durchschnittstyp. Auf der Rückbank geht es eng zu, auch der Kofferraum fällt nicht üppig aus. Dennoch zählt der kleinste BMW zu den ganz Großen in der Kompaktklasse. Weil er mit Heckantrieb und hoher Fahrdynamik einen ganz anderen Schwerpunkt setzt. Und zwar – typisch BMW – auf die Freude am Fahren. Und das scheint auch auf Dauer zu klappen. Nach etwas mehr als drei Jahren ist der 1er nämlich noch immer ein weitgehend unbeschriebenes Blatt im AUTO BILD-Kummerkasten. Wenn Leser am 1er etwas bemängeln, sind es eher nervige Kleinigkeiten. Beispielsweise rappelnde Armaturenbretter. Oder quietschende Sitze. Auch Klagen über Softlackablösungen an einigen Kunststoffteilen des Interieurs und rasch verschleißende Bezugstoffe der Sitze gibt es hin und wieder. Außerdem ein paar entladene Batterien hier und einige aufgeregt flackernde Warnlämpchen dort.
Gravierende Defekte sind beim BMW 1er die Ausnahme

Bild: Holger Schaper
Ansonsten blieb der kleinste BMW bislang von weiteren Malaisen verschont. Auffällige Schwächen oder gar Mängelschwerpunkte sind nicht auszumachen. Was jedoch nichts daran ändert, dass das überraschend breit gefächerte Spektrum an ärgerlichen Lappalien nicht sorecht zum Premiumanspruch der Marke passen will. Gespannt sind wir auch, wie die Radaufhängungen mit den zahlreichen filigranen Achslenkern und Lagerstellen dem Alltagsstress standhalten. Bei anderen BMW-Modellen erwiesen sich die Achsen jedenfalls häufig als überdurchschnittlich verschleißanfällig. Eine hohe Lebensdauer dürfen Gebrauchtwagen-Käufer hingegen von den Triebwerken erwarten, trotz der Schäden beim 116i. Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Vierzylinder erste Wahl. Spielt aber Fahrspaß die entscheidende Rolle beim Kauf, zeigt speziell der 130i mit dem bärenstarken Sechszylinder, was wahre Größe ist.
Schwächen des BMW 1er
Rund drei Jahre nach der Markteinführung steht der kleinste BMW überwiegend gut da. Eine auffällige Konzentration von Problemen ist bislang nicht auszumachen. Ausnahme: Beim 116i gab es einige Motorschäden wegen abgesprungener Steuerketten. Ansonsten sind es jedoch meistens ärgerliche Lappalien, die den 1er-Besitzern zu schaffen machen. Dazu gehören viele Klapper- und Quietschgeräusche von Armaturenbrett und Sitzen, die ebensowenig zum Premiumanspruch passen wie die Softlack-Ablösungen an Kunststoffteilen oder mitunter rasch verschleißendeSitzbezüge. Vereinzelte Elektronik-Spinnereien sind ebenfalls bekannt, Rost ist dagegen kein Thema. Bislang gab es zwei Rückrufe: wegen Bruchgefahr einer Generatorschraube (118d/120d) und Befestigung der Einspritzdüsen (120d).
Bewertung von AUTO BILD-Experte Uli Holzwarth
Der kleinste BMW ist weder besonders praktisch noch komfortabel. Dafür punktet der heckgetriebene 1er mit seinem überzeugenden Zusammenspiel aller Fahrspaß-Faktoren. Schön, dass dabei Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht zu kurz kommen.
Modellempfehlung: BMW 118i, 1995 cm³, 95 kW/129 PS, Höchstgeschwindigkeit 206+ km/h, ab 16.500 Euro bei Laufleistungen um 30.000 Kilometer.
Wenn es um die Motorisierung geht, darf es bei BMW-Käufern gern etwas mehr sein. Speziell der Sechszylinder ist sehr reizvoll. Doch der 1er entfaltet sein dynamisches Potenzial auch mit den schwächeren Motoren. Unsere Empfehlung für Käufer eines Gebrauchten: der 118i mit dem 129 PS starken Zweiliter-Vierventiler. Denn der Verbrauch ist günstiger als beim schwächeren Basis-116i, obwohl die Fahrleistungen fast das Niveau des 120i mit 150 PS erreichen. Diesel? Lohnt sich fast nur noch für Kilometerfresser.
Modellgeschichte des BMW 1er (Typ E81, E87)

Bild: Holger Schaper
Dezember 2004: Der 118i mit 129 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe ergänzt die Angebotspalette beiden Benzinern. Das Zweiliter-Triebwerk basiert auf dem 120i-Motor und besitzt ebenfalls den vollvariablen Ventiltrieb ohne Drosselklappe (Doppel-Vanos mit Valvetronic). Der Preis: ab 21.400 Euro.
September 2005: Start des Topmodells 130i. Der 265 PS starke Reihensechszylinder entstammt dem 630i, hat ein Kurbelgehäuse aus einem Magnesium-Aluminium-Verbund und den voll variablen Ventiltrieb der Vierzylinder-Benziner (Doppel-Vanos, Valvetronic). Im 130i kommt eine überarbeitete DSC-Variante mit erweiterten Bremsfunktionen und Berganfahrassistent zum Einsatz. Optional ist darüberhinaus – erstmals in der Kompaktklasse –die Aktivlenkung mit variabler Übersetzung erhältlich. Zur Serienausstattung zählen des Weiteren 17-Zoll-Aluräder, Sportsitze und ein Lederlenkrad. Als Fünftürer kostet der 130i ab 32.500 Euro.

Bild: Toni Bader
Mai 2007: Markteinführung der dreitürigen Variante des 1er (Typ E81), wahlweise mit vier oder fünf Sitzplätzen. Die Dreitürer sind 750 Euro günstiger als die Fünftürer und ab dem 118i für alle angebotenen Motorvarianten erhältlich.
September 2007: Neue Top-Motorisierung bei den Diesel-Modellen ist der 123d mit Twinturbo-Aufladung. Der Vierzylinder leistet 204 PS und kostet als Dreitürer ab 30.950 Euro.
Service-Links