Halbjahres-Test Lexus GS 450h
Was taugt der Lexus Hybrid?

Dauerstrom für die Luxus-Limousine mit Benziner und Elektromotor: AUTO BILD testete den GS 450h über 32.000 Kilometer – nach sechs Monaten ging den Redakteuren so manches Licht auf.
- Manfred Klangwald
- Joachim Staat
Der Hybrid elektrisiert Kunden, Entwickler, Klimafreunde und AUTO BILD. Ist das Auto mit den zwei Motoren der große Schritt nach vorn oder nur laue Luft? Der Toyota Prius bekam im Dauertest über 100.000 Kilometer die Note Sehr gut. Funktioniert der Hybrid auch zwei Etagen höher? Der größere, stärkere (345 PS), kompliziertere Lexus GS 450h stand für sechs Monate unter Dauerstrom. Im Alltag funktioniert der Lexus völlig problemlos. Das Anlassen ist jedes Mal wieder eine kleine Show. Ein Druck auf den Starterknopf weckt kein vertrautes Motorbrummen, sondern nur die bläulich-metallischen Anzeigen im Cockpit. Fahrbereit ist der GS 450h trotzdem. Man tritt aufs Gas, und der Riese gleitet aus der Parklücke. Still, rein elektrisch, mit der Kraft seines 200 PS starken Elektromotors.

Bild: Holger Schaper
Fährt der Lexus wie jede normale Limousine?
Ja. Trotz dicker Bedienungsanleitung versteht man den Hybrid schnell. Die stufenlose Automatik arbeitet ohne Schaltrucke, komfortabler als die Wandler-Getriebe der Konkurrenz. Statt Drehzahlmesser zeigt ein Rundinstrument, wie viel Kraft abgerufen wird. "Das Cockpit wirkt überfrachtet", notiert Dokumentar Willi Kock. Ärgerlich, dass wichtige Schalter (u. a. die Tankentriegelung) in einer Schublade links unter dem Lenkrad versteckt sind.
Taugt er als Reiselimousine?
Für zwei Erwachsene: ja. Für vier: nein. Innen bietet der GS durch den breiten Mitteltunnel und das flache Dach weniger Platz als die Mercedes E-Klasse. In den Kofferraum, wo die Batterien lagern, passen nur 280 Liter oder vier Koffer (E-Klasse: 540 Liter). Die Sitzflächen fallen kurz aus, dafür überzeugen die Polster mit viel Komfort. Ebenso das Geräuschniveau: Der Lexus ist ein Flüster-Riese. Die Klimaautomatik arbeitet trotz zahlreicher Einstellmöglichkeiten nicht zugfrei. Die Stoßdämpfer, grundsätzlich eher komfortabel ausgelegt, lassen sich per Knopfdruck verstellen. Trotzdem rumpelt der GS in der Stadt über harte Kanten, "Der Komfort der stuckerigen Vorderachse ist mies", meint Tester Dierk Möller-Sonntag nicht als Einziger.
Kann der Lexus in der Dynamik mithalten?

Bild: Christian Bittmann
Wie solide ist der Lexus?
Der GS Hybrid ist vollgepackt mit Hightech: Benzindirekteinspritzung, variable Ventilsteuerung, stufenloses Getriebe, elektrohydraulische Bremsanlage (brake-by-wire), adaptive Geschwindigkeits-Regelung (ACC), Crashsensor PCS (bereitet Gurte, Dämpfung und Bremsen auf einen Aufprall vor), eine hervorragende Audio-Anlage – ein echtes Schmankerl für Technik-Genießer, aber auch eine wahre Schlangengrube an möglichen Fehlerquellen. Um es kurz zu machen: Der Lexus funktionierte im Dauerlauf vorbildlich problemlos. Die Verarbeitung erscheint auch nach einem halben Jahr Test-Stress solide und völlig knisterfrei. Umso mehr überrascht der Flugrost am Hinterachs-Differenzial. Ein Schönheitsfehler. Uberdurchschnittlich abgenutzt wurden die Bremsen und Reifen, vorn waren bei Testende sogar die Bremsscheiben fällig – kein Einzelfall, wie Werkstätten berichten. Unzeitgemäß und teuer sind die starren Wartungsintervalle (alle 15.000 Kilometer). Vertraut Toyota seiner Technik so wenig, oder werden hier einfach Kunden geschröpft?
Wie viel verbraucht der Lexus?

Wie sauber ist der Lexus?

Bild: Christian Bittmann
Wie teuer ist der GS?
Den hohen Anschaffungspreis relativiert ein Blick auf die Voll-Ausstattung. Die Versicherung für den Japaner ist teurer, die Steuer günstiger als bei den deutschen Dieseln. Der Hybrid-Vorreiter verliert überproportional an Wert: 16.700 Euro beim Testauto in einem halben Jahr. Der hohe Langstrecken-Verbrauch des Lexus schlägt voll auf die Kilometerkosten durch: Mit 37 Cent liegt der Lexus hinter schwächeren Dauertest-Absolventen wie Audi A6 Avant 2.7 TDI oder Mercedes E 320 CDI und vor dem BMW 745i.
Ist der GS 450h eine Alternative zum Diesel?
Noch nicht. Nur wer gelassen fährt, nutzt das Sparpotenzial. Flotte Vielfahrer liegen beim Diesel besser. Die Zeit des Hybrid-Antriebs wird aber zweifellos kommen: wenn Straßen voller werden, Sprit noch teurer wird. Und saubere Diesel werden auch teurer.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Bild: Toni Bader
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