Modulare Fahrzeug-Plattformen haben in der Automobilindustrie einen hohen Stellenwert. Solche Bodengruppen erlauben es den Herstellern, mit einer Grundkonstruktion unterschiedlich große Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Was sich bei konventionellen Fahrzeugen bewährt hat, wird nun Stück für Stück auf die Elektromobilität angepasst. So macht es auch Hyundai und hat für seine kommenden E-Modelle die E-GMP Plattform (Electric Global Modular Platform) entwickelt. Sie bietet eine hohe Skalierbarkeit und 800 Volt Schnellladetechnik. AUTO BILD erklärt das neue Elektrofundament der Südkoreaner.
Hinweis
Hyundai Ioniq 5 bei carwow.de mit Rabatt kaufen

Fahrzeuge auf der E-GMP

Die neue Elektroplattform wurde von den Hyundai Group entwickelt, was sie für alle Marken der Gruppe zugänglich macht. Neben Hyundai selbst wird auch Kia in Zukunft seine Elektroautos auf die E-GMP-Bodengruppe setzten. Bislang bauen folgende Fahrzeuge auf dem Baukasten auf:
 
Hyundai Ioniq 5
Kia EV6

Aufbau: Plattform besteht aus drei Baugruppen

Die bei allen Elektroplattformen besteht auch die E-GMP aus drei Hauptbestandteilen. Zentrum der Plattform ist das im Unterboden untergebrachte Akkupaket, es wird durch einen massiven Rahmen geschützt, um bei einem Aufprall die Unversehrtheit der Lithium-Ionen-Zellen zu garantieren. An den Stromspeicher docken Vorder- und Hinterwagen an. Während Hyundai an der Vorderachse auf eine Einzelradaufhängung mit McPherson Federbeinen setzt, kommt an der Hinterachse eine Fünflenker-Achse mit integrierten Antriebswellen zum Einsatz.
Hyundai IONIQ 5 - E-GMP Electric Global Modular Platform
Vorder- und Hinterwagen werden jeweils mit der Batterie verbunden. Damit gibt es drei Hauptbaugruppen.

Antrieb: E-GMP optional mit Allrad

Fahrzeuge auf der E-GMP Plattform werden serienmäßig mit Heckantrieb bestückt, optional gibt es aber auch noch einen Elektromotor für die Vorderachse. Zu konkreten Leistungsdaten äußert sich Hyundai nicht, blickt man aber auf das Datenblatt des Kia EV6, bildet die Plattform bislang eine Spanne zwischen 125 kW (170 PS) und 239 kW (325 PS) ab. Später soll bei Kia auch ein GT-Modell mit bis zu 430 kW (584 PS) auf den Markt kommen. Weitere Versionen mit mehr oder weniger Leistung sind denkbar. Der Modulare Aufbau erlaubt es den Ingenieuren die Leistung der E-Maschinen je nach Fahrzeugsegment und Anforderung anzupassen.
Kia EV6 GT-Line
Der EV6 ist der erste Kia auf der neuen E-Plattform der Hyundai Motor Group.

Akku: Bislang drei Akkugrößen verfügbar

Der Stromspeicher spielt beim Elektroauto eine zentrale Rolle, nicht nur da er mittig im Fahrzeug verbaut ist. Ja nach Fahrzeuggröße lassen sich unterschiedlich große Akku-Pakete im Unterboden der E-GMP Plattform unterbringen. Auch hier gibt es keine genauen Angaben seitens des Herstellers, aber auch hier hilft der Blick auf den Kia EV6 für einen bisherigen Wasserstand. Beim koreanischen E-Auto werden zwei Akkugrößen angeboten.
 
Play

Kia EV6 (2021): Test Sitzprobe - Neuvorstellung - Elektro - Preis - Info

Erste Sitzprobe im Elektro-Kia EV6

Den Einstieg macht ein 58 kWh großer Lithium-Ionen-Akku, das Top-Modell arbeitet dagegen mit einer 77,4 kWh großen Batterie. Beim Hyundai Ioniq 5 kommt zudem eine weitere Akkugröße zum Einsatz. Hier arbeitet das Top-Modell mit 72,6 kWh. Das Akkupaket soll durch den Einsatz standardisierter Batteriezellen besonders wartungsfreundlich sein. Sind einzelne Zelle kaputt, können diese getauscht werden, was den Reparaturprozess günstiger machen und den Kunden beim Neuwagenkauf die Angst vor einer defekten Batterie nehmen soll.

Laden: 800-Volt-Schnellladen mit E-GMP

Mit der E-GMP Plattform hat Hyundai als erster Hersteller eine Bodengruppe mit 800 Volt-Technik für den Massenmarkt entwickelt. Zwar hat Porsche mit dem Taycan das erste Serienfahrzeug mit dieser Schnellladetechnik auf den Markt gebracht, aber Hyundai wird wohl in Zukunft deutlich mehr Autos absetzen können. An einer 250 kW Schnellladesäule mit 800 Volt-Spannung können Ladezeiten von bis zu 18 Minuten für eine Ladung von zehn auf 80 Prozent des Akkus realisiert werden. Ein vergleichbares 400 Volt-System, wie es beispielsweise Volkswagen bei seinem MEB-Baukasten einsetzt, braucht beinahe doppelt so lang dafür.
Hinweis
Vattenfall-Wallbox in der AUTO BILD-Edition ab 499 Euro statt 1.189 Euro UVP - exklusives Ladepaket mit Ökostrom
Laut Hyundai sollen somit 100 km Reichweite nach WLTP in knapp fünf Minuten Ladezeit möglich sein. Ein Multiladesystem sorgt dafür, dass Kunden sich keine Gedanken darüber machen müssen, welche Technik die Ladesäule besitzt. Das Fahrzeug schaltet selbst in den richtigen Lademodus, ein Adapter ist nicht notwendig. Diese Technik hat sich Hyundai patentieren lassen. An einer herkömmlichen 400 Volt Säule-Schnellladesäule angesteckt, wandeln der hintere E-Motor zusammen mit einem Wechselrichter die Spannung im Fahrzeug auf 800 Volt um.
Hyundai IONIQ 5 - E-GMP Electric Global Modular Platform
Beim Laden an 400-Volt Ladesäulen unterstützt der hintere Elektromotor beim Umwandeln in 800 Volt.

V2L: Das E-Auto als fahrbare Powerbank

Nur wenige E-Autos können bislang den getankten Strom auch wieder an einen anderen Verbraucher abgeben. Fahrzeuge auf der E-GMP-Plattform besitzen dafür allerdings eine eigene V2L (Vehicle to Load) Schnittstelle, die Laden in zwei Richtungen ermöglicht. Geräte mit einer Maximalleistung von 3,68 kW lassen sich somit mit 230 Volt betrieben. Das erlaubt das Aufladen von E-Scootern, Notebooks, Kameras oder sogar das Betreiben von Werkzeug. Neben der Versorgung von Kleingeräten kann der Baukasten aber auch anderen E-Autos als Ladepunkt dienen. Somit kann liegengebliebenen E-Autos "Starthilfe" gegeben werden.
Hyundai IONIQ 5
Hyundai selbst baut als erstes Fahrzeug den Ioniq 5 auf E-GMP auf.

Sicherheit und Skalierbarkeit: Eine Plattform, unterschiedliche Klassen

Um die die E-GMP Plattform variabel nutzen zu können, hat Hyundai die Bodengruppe in feste und flexible Bauteile unterteilt. Während Bereiche wie die Seitenschweller, Radhäuser und der Heckträger je nach Fahrzeugsegment ausgelegt werden können, sind sicherheitsrelevante Segmente wie Radaufhängungen und das Batteriegehäuse fest vorgegeben. Im Fall einer Kollision absorbieren vorne und hinten spezielle Kollisionsrahmen die Aufprallenergie und leiten sie nach außen um das Akkupaket herum ab. Der vordere Kollisionsrahmen erfüllt diese Aufgabe, durch eine multiskelettartige Struktur, laut Hyundai besonders effektiv.