Kia PV5 Passenger: Test
Was steckt hinter der futuristischen Fassade des Kia PV5?

Er sieht aus wie Science-Fiction: Der Kia PV5 wirbt im AUTO BILD-Test mit Platz und Preiswürdigkeit für die elektrische Raumfahrt.
Bild: Toma Salt / AUTO BILD
Gleich steigt Mr. Spock aus – beim ersten Blick auf den elektrischen Großraumvan Kia PV5 fühlt man sich in eine Sci-Fi-Serie versetzt. Um gleich darauf zu bemerken: Die vielen schwarzen Rempelleisten und das betont geradlinige Heckdesign sind viel zu praktisch und am Alltag von Familien oder Gewerbetreibenden orientiert – der Typ gehört ins Hier und Jetzt.
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Und da ist er nun, im Test bei AUTO BILD. Mal sehen, was der PV5 Passenger (es gibt auch den zweisitzigen Kastenwagen Cargo und das Fahrgestell Chassis Cab) mit großem 71,2-kWh-Akku und 163 PS (Einstieg: 51,5 kWh/122 PS) auf dem Kasten hat.
Hauptkonkurrent ist der VW ID.Buzz


Der Kia PV5 zielt klar auf den VW ID.Buzz. Im Vergleich sieht der koreanische Bus sogar noch ein bisschen abgespaceter aus als sein deutscher Konkurrent.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Platz bietet der PV5 natürlich reichlich, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Reihe. Vorn empfangen uns ordentlich gepolsterte Sitze, die nur in der Beinauflage etwas kurz bleiben – und die mit 920 Millimetern über der Fahrbahn für kleinere Piloten gar nicht so leicht zu erreichen sind. Hinten gelingt der Einstieg durch zwei serienmäßige Schiebetüren ausgesprochen entspannt.

Im Fond genießen auch große Gäste viel Platz, die hoch überm Boden montierte Bank schafft eine entspannte Sitzposition.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die durchaus komfortable Bank (Polster etwas kurz, aber angenehme 415 mm über dem Boden) nimmt es auch mal mit drei Kindersitzen auf, lässt aber Variabilität vermissen. Verschieben oder ausbauen ist nicht, für Letzteres braucht es schon Werkzeug.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia PV5 Passenger |
|---|---|
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 120 kW (163 PS) |
Dauerleistung | 40 kW (54 PS) |
maximales Drehmoment | 250 Nm |
Vmax | 135 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/65 R 16 H |
Reifentyp | Nexen N'blue S |
Radgröße | 6,5 x 16" |
Reichweite* | 412 km |
Verbrauch* | 19,3 kWh |
Batteriekapazität | 71,2 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 10,5/150 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | ca. 30 Minuten |
Ladeanschluss | vorn mittig |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 150 kg |
Kofferraumvolumen | 1330-3615 l |
Länge/Breite/Höhe | 4695/1895-k. A.**/1923 mm |
Radstand | 2995 mm |
Grundpreis | 42.290 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 45.340 Euro |
Große Fensterflächen und die niedrige Gürtellinie lassen den ordentlich verarbeiteten Innenraum allerdings hell und luftig wirken, bieten dem Fahrer eine gute Rücksicht – nur die Schnauze ist schlecht einsehbar.
Kofferraum fällt riesig aus
Geht es ans Kofferpacken, schlägt die Stunde des PV5. Fünf Reisende können bis zu 1330 Liter Gepäck mitnehmen, wer zu zweit ins Kitesurf-Wochenende startet, freut sich trotz starrer Rückbank über maximal 3615 Liter Stauraum. Aber Achtung: 463 Kilogramm Zuladung sind nicht richtig viel.

Gerüstet für alle Transportaufgaben: In den PV5-Kofferraum passen immer 1330 Liter. Das Volumen lässt sich bis auf 3615 Liter erhöhen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer die Bank wirklich aus dem Auto schraubt, kann im PV5 auch übernachten (Liegefläche ca. 1,30 x 2,20 m). Als eher sperrig erweist sich die riesige Heckklappe, moderate 63 Zentimeter Ladekantenhöhe machen allerdings vieles einfacher. Zusätzlich gibt’s reichlich Ablagen, Fächer und Bodenluken, der Automatik-Drehhebel am Lenkrad lässt zwischen den Vordersitzen viel Raum.
Infotainment-Menüs etwas unübersichtlich
Beim Multimedia setzt Kia auf Android Automotive (Google) mit KI-Assistent (ein Jahr kostenlos, danach im Kia Connect Store verfügbar) sowie hauseigenen App-Store und EV-Routenplaner. Funktioniert alles ganz okay, die Icons auf dem 12,9-Zoll-Touchscreen sind aber nicht eben groß und die Menüs teils etwas unübersichtlich.

Sauber zusammengesteckt: Passend zum Außendesign zeigt sich der PV5 auch innen modern, klar und aufgeräumt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Abhilfe kann der Sprachassistent leisten, der etliche Funktionen wie Audio, Klima, Sitzheizung oder auch Fenster zuverlässig regelt. Schon in der Basis dabei: 7,5-Zoll-Fahrerdisplay, kabellose Handyspiegelung und Rückfahrkamera; induktives Laden gibt es allerdings erst ab der Ausstattungslinie Plus (1250 Euro).
Messwerte
Modell | Kia PV5 Passenger |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,7 s |
0–80 km/h | 7,0 s |
0–100 km/h | 10,3 s |
0–120 km/h | 15,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 5,7 s |
80–120 km/h | 8,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 2137/463 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 11,6/11,5 m |
Sitzhöhe | 920 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,9 m |
aus 100 km/h warm | 37,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 15,9 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 19,3 kWh/100 km (+/- 0 %) |
Sportverbrauch | 26,2 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 372 km |
Der PV5 nutzt die E-GMP.S-Plattform mit 400 Volt, die speziell für Raum-/Nutzfahrzeuge ausgelegt wurde, die Fertigung erfolgt im südkoreanischen Hwaseong. Fahrdynamik bleibt beim PV5 klassengerecht eine Nebensache. Der Elektromotor schickt 163 PS an die Vorderräder und den Raumfahrer damit in eher gemütlichen 10,3 Sekunden auf Tempo 100.
Dynamik ist dem Kia völlig fremd
Der sonst gern beschriebene Elektro-Punch bleibt begrenzt – wie mit 135 km/h leider auch die Spitze. Immerhin rekuperiert der PV5 ordentlich (drei Stufen) und kann auch One-Pedal-Drive, liegt mit guten 19,3 kWh/100 km exakt auf WLTP-Wert. So ergeben sich im Test mit Ladeverlusten 372 Kilometer Reichweite, beim Nachladen müssen dann wenig rekordverdächtige 150 kW reichen. Für 10 bis 80 Prozent SoC sollten Sie also mindestens 30 Minuten einplanen.

Wenig Kurventalent: Die Lenkung des PV5 hat wenig Rückmeldung, er rollt um die Längsachse, und sein ESP greift früh ein.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch beim Fahrverhalten stand Dynamik nicht im Lastenheft. Weich gefedert rollt der PV5 deutlich um die Längsachse und wirkt auf welligem Geläuf unruhig, die indirekte Lenkung bietet wenig Rückmeldung, das ESP greift früh und unnachgiebig ein. Außer dem leichten Überbremsen des Vorderrades beim Ausweichen brennt hier nichts an, zahlreiche Assistenten (teils optional) sichern die Fahrt – nur die Bremswege (um 37 Meter) sollten kürzer ausfallen.
Wertung Kia PV5 Passenger
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Großzügige Platzverhältnisse, riesiger Laderaum, reichlich Ablagen, wenig variabel, Qualität okay. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Wenig dynamischer, aber sparsamer E-Motor, mit 135 km/h geringe Spitze, Ladeleistung Durchschnitt. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Sicher abgestimmtes ESP, Wendekreis okay, wenig Fahrfreude, Lenkung indirekt, Bremsen mäßig. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Infotainment auf der Höhe der Zeit, kabellose Handyspiegelung Serie, Navi mittelprächtig. | 4 / 5 |
Umwelt | Gewicht und Größe für Fahrzeugklasse okay, sparsam, One-Pedal-Drive, Wärmepumpe nicht Serie. | 4,5 / 5 |
Komfort | Weich und durchaus komfortabel, teils aber unruhig. Sitze etwas kurz, Sicht nach vorn mäßig. | 3,5 / 5 |
Kosten | Faire Preise, guter Werterhalt, günstiger Unterhalt, sieben Jahre Garantie, teure Vollkasko. | 4 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Die stärkere Variante des PV5 geht bei 42.290 Euro los. Das liegt immerhin fast 8000 Euro unterm ID.Buzz Freestyle mit 170 PS und 59-kWh-Akku, gewinnt durch sieben Jahre Garantie und gute Schwacke-Restwertprognose weiter an Attraktivität. Da stört nur die teure Vollkaskoklasse 27 – die ist so gar nicht "faszinierend".
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