Gleich steigt Mr. Spock aus – beim ersten Blick auf den elektrischen Großraumvan Kia PV5 fühlt man sich in eine Sci-Fi-Serie versetzt. Um gleich darauf zu bemerken: Die vielen schwarzen Rempelleisten und das betont geradlinige Heckdesign sind viel zu praktisch und am Alltag von Familien oder Gewerbetreibenden orientiert – der Typ gehört ins Hier und Jetzt.
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PV5 Passenger 71,2-kWh-Batterie

Kia PV5
Und da ist er nun, im Test bei AUTO BILD. Mal sehen, was der PV5 Passenger (es gibt auch den zweisitzigen Kastenwagen Cargo und das Fahrgestell Chassis Cab) mit großem 71,2-kWh-Akku und 163 PS (Einstieg: 51,5 kWh/122 PS) auf dem Kasten hat.

Hauptkonkurrent ist der VW ID.Buzz

Der erste Elektro-Bus von Kia zielt ganz eindeutig auf den VW ID.Buzz. Mit 4,70 Meter Länge ist der Korea-Kasten bei gleicher Höhe (1,92 m) nur einen Zentimeter kürzer, bleibt mit 1,90 Meter Breite aber neun Zentimeter schmaler – das freut in engen Parkhäusern.
Kia PV5 Passenger 71,2 kWhVW ID. Buzz 210 kW
Der Kia PV5 zielt klar auf den VW ID.Buzz. Im Vergleich sieht der koreanische Bus sogar noch ein bisschen abgespaceter aus als sein deutscher Konkurrent.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Platz bietet der PV5 natürlich reichlich, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Reihe. Vorn empfangen uns ordentlich gepolsterte Sitze, die nur in der Beinauflage etwas kurz bleiben – und die mit 920 Millimetern über der Fahrbahn für kleinere Piloten gar nicht so leicht zu erreichen sind. Hinten gelingt der Einstieg durch zwei serienmäßige Schiebetüren ausgesprochen entspannt.
Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
Im Fond genießen auch große Gäste viel Platz, die hoch überm Boden montierte Bank schafft eine entspannte Sitzposition.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die durchaus komfortable Bank (Polster etwas kurz, aber angenehme 415 mm über dem Boden) nimmt es auch mal mit drei Kindersitzen auf, lässt aber Variabilität vermissen. Verschieben oder ausbauen ist nicht, für Letzteres braucht es schon Werkzeug.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
120 kW (163 PS)
Dauerleistung
40 kW (54 PS)
maximales Drehmoment
250 Nm
Vmax
135 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/65 R 16 H
Reifentyp
Nexen N'blue S
Radgröße
6,5 x 16"
Reichweite*
412 km
Verbrauch*
19,3 kWh
Batteriekapazität
71,2 kWh
Ladeleistung AC/DC
10,5/150 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
ca. 30 Minuten
Ladeanschluss
vorn mittig
Fach unter Frontklappe
Vorbeifahrgeräusch
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1500/750 kg
Stützlast
150 kg
Kofferraumvolumen
1330-3615 l
Länge/Breite/Höhe
4695/1895-k. A.**/1923 mm
Radstand
2995 mm
Grundpreis
42.290 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
45.340 Euro
Große Fensterflächen und die niedrige Gürtellinie lassen den ordentlich verarbeiteten Innenraum allerdings hell und luftig wirken, bieten dem Fahrer eine gute Rücksicht – nur die Schnauze ist schlecht einsehbar.

Kofferraum fällt riesig aus

Geht es ans Kofferpacken, schlägt die Stunde des PV5. Fünf Reisende können bis zu 1330 Liter Gepäck mitnehmen, wer zu zweit ins Kitesurf-Wochenende startet, freut sich trotz starrer Rückbank über maximal 3615 Liter Stauraum. Aber Achtung: 463 Kilogramm Zuladung sind nicht richtig viel.
Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
Gerüstet für alle Transportaufgaben: In den PV5-Kofferraum passen immer 1330 Liter. Das Volumen lässt sich bis auf 3615 Liter erhöhen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer die Bank wirklich aus dem Auto schraubt, kann im PV5 auch übernachten (Liegefläche ca. 1,30 x 2,20 m). Als eher sperrig erweist sich die riesige Heckklappe, moderate 63 Zentimeter Ladekantenhöhe machen allerdings vieles einfacher. Zusätzlich gibt’s reichlich Ablagen, Fächer und Bodenluken, der Automatik-Drehhebel am Lenkrad lässt zwischen den Vordersitzen viel Raum.

Infotainment-Menüs etwas unübersichtlich

Beim Multimedia setzt Kia auf Android Automotive (Google) mit KI-Assistent (ein Jahr kostenlos, danach im Kia Connect Store verfügbar) sowie hauseigenen App-Store und EV-Routenplaner. Funktioniert alles ganz okay, die Icons auf dem 12,9-Zoll-Touchscreen sind aber nicht eben groß und die Menüs teils etwas unübersichtlich.
Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
Sauber zusammengesteckt: Passend zum Außendesign zeigt sich der PV5 auch innen modern, klar und aufgeräumt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Abhilfe kann der Sprachassistent leisten, der etliche Funktionen wie Audio, Klima, Sitzheizung oder auch Fenster zuverlässig regelt. Schon in der Basis dabei: 7,5-Zoll-Fahrerdisplay, kabellose Handyspiegelung und Rückfahrkamera; induktives Laden gibt es allerdings erst ab der Ausstattungslinie Plus (1250 Euro).

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,7 s
0–80 km/h
7,0 s
0–100 km/h
10,3 s
0–120 km/h
15,3 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,7 s
80–120 km/h
8,3 s
Leergewicht/Zuladung
2137/463 kg
Gewichtsverteilung v./h.
53/47 %
Wendekreis links/rechts
11,6/11,5 m
Sitzhöhe
920 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,9 m
aus 100 km/h warm
37,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A)
bei 100 km/h
64 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
15,9 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,3 kWh/100 km
(+/- 0 %)
Sportverbrauch
26,2 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
372 km
Der PV5 nutzt die E-GMP.S-Plattform mit 400 Volt, die speziell für Raum-/Nutzfahrzeuge ausgelegt wurde, die Fertigung erfolgt im südkoreanischen Hwaseong. Fahrdynamik bleibt beim PV5 klassengerecht eine Nebensache. Der Elektromotor schickt 163 PS an die Vorderräder und den Raumfahrer damit in eher gemütlichen 10,3 Sekunden auf Tempo 100.

Dynamik ist dem Kia völlig fremd

Der sonst gern beschriebene Elektro-Punch bleibt begrenzt – wie mit 135 km/h leider auch die Spitze. Immerhin rekuperiert der PV5 ordentlich (drei Stufen) und kann auch One-Pedal-Drive, liegt mit guten 19,3 kWh/100 km exakt auf WLTP-Wert. So ergeben sich im Test mit Ladeverlusten 372 Kilometer Reichweite, beim Nachladen müssen dann wenig rekordverdächtige 150 kW reichen. Für 10 bis 80 Prozent SoC sollten Sie also mindestens 30 Minuten einplanen.
Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
Wenig Kurventalent: Die Lenkung des PV5 hat wenig Rückmeldung, er rollt um die Längsachse, und sein ESP greift früh ein.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch beim Fahrverhalten stand Dynamik nicht im Lastenheft. Weich gefedert rollt der PV5 deutlich um die Längsachse und wirkt auf welligem Geläuf unruhig, die indirekte Lenkung bietet wenig Rückmeldung, das ESP greift früh und unnachgiebig ein. Außer dem leichten Überbremsen des Vorderrades beim Ausweichen brennt hier nichts an, zahlreiche Assistenten (teils optional) sichern die Fahrt – nur die Bremswege (um 37 Meter) sollten kürzer ausfallen.

Wertung Kia PV5 Passenger

Wertung Kia PV5 Passenger
Karosserie
Großzügige Platzverhältnisse, riesiger Laderaum, reichlich Ablagen, wenig variabel, Qualität okay.
3,5 / 5
Antrieb
Wenig dynamischer, aber sparsamer E-Motor, mit 135 km/h geringe Spitze, Ladeleistung Durchschnitt.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Sicher abgestimmtes ESP, Wendekreis okay, wenig Fahrfreude, Lenkung indirekt, Bremsen mäßig.
3,5 / 5
Connected Car
Infotainment auf der Höhe der Zeit, kabellose Handyspiegelung Serie, Navi mittelprächtig.
4 / 5
Umwelt
Gewicht und Größe für Fahrzeugklasse okay, sparsam, One-Pedal-Drive, Wärmepumpe nicht Serie.
4,5 / 5
Komfort
Weich und durchaus komfortabel, teils aber unruhig. Sitze etwas kurz, Sicht nach vorn mäßig.
3,5 / 5
Kosten
Faire Preise, guter Werterhalt, günstiger Unterhalt, sieben Jahre Garantie, teure Vollkasko.
4 / 5
AUTO BILD-Testnote
1,6
Die stärkere Variante des PV5 geht bei 42.290 Euro los. Das liegt immerhin fast 8000 Euro unterm ID.Buzz Freestyle mit 170 PS und 59-kWh-Akku, gewinnt durch sieben Jahre Garantie und gute Schwacke-Restwertprognose weiter an Attraktivität. Da stört nur die teure Vollkaskoklasse 27 – die ist so gar nicht "faszinierend".

Bildergalerie

Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
Kia PV5 Passenger 71,2 kWh
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Kia PV5 Passenger im ersten Test

Fazit

von AUTO BILD
Der Kia PV5 Passenger gefällt mit enormem Platzangebot und im Klassenumfeld günstigen Preisen. Die geringe Variabilität und die im Winter wohl eher mäßige Reichweite könnten Familien schwanken lassen. AUTO BILD-Testnote: 1,6