Achtung, jetzt kommt's Dicke – und zwar vor allem für Opel oder Peugeot. Denn während die Stellantis-Schwestern gerade so langsam ihre ersten halbwegs coolen Elektroautos für die gehobene Kompaktklasse präsentieren, stiehlt ihnen ausgerechnet die Adoptivschwester Leapmotor jetzt die Schau: Der e3008 und der nagelneue Grandland jedenfalls sehen ganz schön alt aus, wenn das China Joint-Venture in diesen Tagen den C10 an den Start bringt.
Den Leapmotor C10 gibt es ab Herbst zum Kampfpreis von 36.400 Euro.
Bild: Leapmotor
Auf einer dezidierten Elektro-Plattform mit all ihren Vorteilen aufgebaut und nicht in eine Verbrenner-Architektur gezwungen, nach dem Vorbild Teslas mit ganz wenigen Zentralrechnern und einem in die Struktur integrierten Akku günstig in der Produktion und leicht zu aktualisieren, und im gängigen Asia-Look irgendwo zwischen Walfisch und Raumschiff gezeichnet, geht er noch in diesem Herbst zum Kampfpreis von 36.400 Euro ins Rennen.

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Für einen Tarif, der je nach Konfiguration zum Teil sogar mehr als 50 Prozent unter einem VW ID.4, einem Skoda Enyaq oder eben den Stellantis-Stromern liegt, gibt es dann ein ausgewachsenes SUV von 4,74 Metern, das bei 2,83 Metern Radstand reichlich Platz auf allen Plätzen bietet und für den Urlaub oder den Wochenendeinkauf mit 435 bis 1410 Litern Laderaum lockt.

Leapmotor C10: Chinesen gehen in die Vollen

Während Leapmotor beim viel bejubelten Einstiegsmodell T03 für 18.900 Euro elektrische Basismobilität bieten will und schon da großzügig mit der Ausstattung ist, gehen die Chinesen bei ihrem vorläufigen Top-Modell erst recht in die Vollen.
Das Ambiente in der mit den Bedienkugeln im Lenkrad und dem großen frei stehenden Tablet daneben augenscheinlich von Tesla inspirierten Kabine ist vornehm, Oberflächen wie das von Oeko Tex zertifizierte Silikon auf Sitzen und Türtafeln fühlen sich gut an. Und die Grundversion hat neben den üblichen elektrischen Helfern unter anderem schon Klimaautomatik, das große Infotainment, ein Glasdach und Sechswege-Sitze.
Natürlich stattet Leapmotor den C10 mit allen erdenklichen Sicherheits- und Assistenzsystemen aus.
Bild: Leapmotor
Und natürlich stattet Leapmotor den C10 mit allen erdenklichen Sicherheits- und Assistenzsystemen aus, die genauso nervös sind wie im T03. Einen nach dem anderen der vorlauten Helfer schaltet man deshalb schnell wieder ab und wundert sich, warum immer noch irgendetwas fiept, piept oder bimmelt.

Akku: 69,9 kWh für 420 Kilometer

Nur beim Antrieb gibt es keine Alternativen – hier wie dort rotiert an der Hinterachse eine E-Maschine mit 218 PS und 320 Nm, die entsprechend kräftig zupackt: Von 0 auf 100 schießt der C10 deshalb in 7,5 Sekunden. Und dass bei 170 Sachen schon wieder Schluss ist, liegt eher am Temperament der Entwickler als an der Technik. Und vielleicht auch am Akku.
Denn der ist mit 69,9 kWh für – laut Hersteller – 420 Kilometer nur von durchschnittlicher Größe. Umso ärgerlicher, dass der C10 so ein lahmer Lader ist, den Strom an der Wallbox nur mit 6,6 kW raussaugt und an der Schnellladesäule mit 84 kW nun auch nicht von der schnellen Truppe ist.
Vielleicht hat Leapmotor deshalb eine Ambientebeleuchtung programmiert, die sich am Rhythmus der Musik orientiert, und die Vordersitze so konstruiert, dass sie im Stand mit der Rückbank zu einer Sofalandschaft verschmelzen – dann macht man halt Party statt Pause.
Bei umgeklapter Rückbank bietet der C10 reichlich Platz für diverse Transporte.
Bild: Leapmotor
Dabei sind die häufigen Zwangsstopps eigentlich schade. Denn so gut, wie der C10 gedämmt und gedämpft ist, so präzise und bestimmt im Vergleich zum T03 die Lenkung arbeitet und so bequem man sitzt, braucht der Mensch tatsächlich weniger Pausen als der Akku und mag gar nicht aussteigen.
Noch steht Leapmotor ganz am Anfang, aber die Chinesen sind ambitioniert, haben ein halbes Dutzend Modelle in der Pipeline und wollen bis zum Ende der Dekade in Europa 500.000 Autos im Jahr verkaufen. Dabei setzen sie nicht zuletzt auf die Kraft der Familie und deren Händler. Die ersten 40 Partner jedenfalls stammen alle aus dem Stellantis-Netz.
Im Ringen mit anderen Newcomern wie BYD, MG oder X Peng mag das von Vorteil sein, weil das Vertrauen schafft und auf Anhieb eine große Netzabdeckung. Für die Hierarchie innerhalb der Gruppe allerdings könnte sich das zum Problem erweisen. Denn leichter war es für einen Kunden von Opel oder Peugeot wahrscheinlich noch nie, den Sprung zu seinem ersten Chinesen zu wagen.
Gefällig aber gewöhnlich, Top-Ausstattung, der Antrieb aber nur durchschnittlich und beim Laden lahm: Während der kleine T03 eine echte Bereicherung wird, ist der C10 nur einer von vielen – und punktet allein über den Preis. Wenn er jemandem gefährlich wird, dann deshalb weniger den andren Chinesen, sondern eher Opel oder Peugeot – und die gehören dummerweise zur Familie.