China-Marken brauchen zum Einstieg noch immer ein paar einordnende Worte: Lynk & Co, 2016 am Volvo-Traditionsstandort Göteborg gegründet, zählt wie Volvo zum chinesischen Geely-Konzern. Die Autos werden in China gebaut und in Göteborg designt.
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Nach dem Hybrid-SUV 01 von 2020 und dem elektrischen 02 von 2024 ist der Plug-in-Hybrid 08 das nunmehr dritte Modell der Marke auf dem deutschen Markt – und mit 4,82 Meter Länge das größte. Ein Konkurrent für VW Tayron und Kia Sorento, an denen sich die Volvo-Schwestermarke auch preislich orientiert.

Enorme elektrische Reichweite

Das Besondere an diesem SUV mit Stecker ist zum einen die rekordverdächtige elektrische Reichweite von 200 Kilometern – eine Werksangabe, die wir später im Test prüfen werden. Zusammen mit dem 60-Liter-Tank für den 1,5-Liter-Benziner – einen alten Bekannten aus dem 01, aber überarbeitet – soll sich eine Gesamtreichweite von rund 1100 Kilometern ergeben.
Lynk & Co 08
Sehr ordentlich: Dank seines üppigen 39,6-kWh-Akkus soll
der Lynk & Co 08 bis zu 200 Kilometer rein elektrisch schaffen.
Bild: Geely Ltd.
Besonderheit Nummer zwei: Dieser Plug-in-Hybrid ist schnellladefähig – zwar bieten auch Mercedes (etwa: GLC 300 de) oder Mitsubishi (Outlander, Eclipse Cross) so etwas an, aber Stecker-Hybride mit der Möglichkeit, Gleichstrom zu tanken, sind nach wie vor selten. Der Lynk & Co lädt am Schnelllader mit bis zu 85 kW. Der 39,6-kWh-Akku vom China-Zulieferer CATL soll in 33 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt sein.

Bedienung weitestgehend per Touchscreen

Während der 01 von vorn immer ein wenig wie ein miniaturisierter Cayenne wirkt, bietet der 08 eine eigenständige Optik. Neben den hohen Sitzpositionen rund 30 Zentimeter über dem Fußboden (vorn wie hinten) fällt gleich nach dem Einstieg auf, dass die Bedienung des 08 verglichen mit der des Stromers 02 geradezu konventionell ist. Nun ja, halbwegs: Es gibt keine Drehregler, Schalter für Handschuhfach, Lüftungsdüsen und Schiebedach sind auch hier in Menüs vergraben.
Lynk & Co 08
Das unten abgeflachte Lenkrad kennen wir inzwischen aus vielen modernen Autos, daneben der aus dem 02 bekannte 15,4-Zoll-Zentralbildschirm.
Bild: Geely Ltd.
Immerhin sind Außenspiegel- und Lenkradverstellung ganz konventionell. "Wir wissen, dass viele Autobauer in jüngerer Zeit zu viele Funktionen ins Zentralmenü gepackt und die Kunden so überfordert haben", sagt Lynk-&-Co-Vize David Green. "Tesla galt lange als Vorbild."

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor
Vierzylinder, Turbo, vorn quer + E-Motor im Getriebe
Hubraum
1499 cm³
Leistung
Benzinmotor
Systemleistung
257 kW (345 PS)
max. Drehmoment
Benzinmotor 230 Nm, E-Motor 350 Nm
Antrieb
Front, Dreistufenautomatik
Länge/Breite/Höhe
4820/1915/1685 mm
Leergewicht/Zuladung
2112/500 kg
Akku
39,6 kWh
0–100 km/h
6,8 s
Vmax
185 km/h
Ladezeiten
AC 11 kW (0-100 %) 4,5 Std., DC (10-80 %) 33 Min.
max. Ladeleistung
85 kW
Preis
ab 55.995 Euro
Die Materialwahl fällt edler aus als im 02 – sofern sich das anhand eines Vorserienautos beurteilen lässt. Unser Exemplar bot weder Head-up-Display noch Sprachbedienung oder Verkehrszeichenübernahme, all dies wird aber in der Serie zu haben sein. Eine (verbesserte) Übernahme aus dem 02 sind die Vier-Richtungs-Knöpfe in den Lenkradspeichen: der linke für den Tempomaten, der rechte für den Bordcomputer. Hier fallen sie angenehmerweise nicht so klein und fummelig aus wie im 02.

Ausreichend Platz für Fahrgäste

Das Schiebedach bleibt leise bei Stadttempo, darüber hinaus wird's laut. Und wie schließe ich das Ding jetzt im strapaziösen Göteborger Stadtverkehr? Glücklicherweise lässt sich ein Shortcut per Abwärts-Wischbewegung auf den Bildschirm zaubern. Mit Tasten im Dachhimmel ginge es aber noch schneller, und zwar blind.
Lynk & Co 08
Im Fond des Lynk & Co finden dank des stattlichen Radstands von 2,85 Metern auch große Gäste reichlich Beinfreiheit.
Bild: Geely Ltd.
In der Shortcut-Sammlung finden sich so unterschiedliche Dinge wie Tag/Nacht-Umstellung der Cockpitbeleuchtung, eine Selfie-Kamera oder der "Pet-Mode", der verhindert, dass der Pudel im parkenden Auto gekocht wird.

Große Räder ohne Komforteinbußen

Die Lenkung ist wie im 02er nicht besonders gefühlsecht und direkt, sehr komfortbetont. Die an unserem Testwagen montierten 21-Zoll-Räder stören Abrollkomfort und Ansprechen auf kurze Anregungen bemerkenswert wenig; mit den 19-Zoll-Rädern der Basisversion müsste sich das Fahrwerk noch komfortabler anfühlen.
Lynk & Co 08
Die am Testwagen montierten 21-Zöller stören den Komfort nur wenig. Die Lenkung fühlt sich etwas indifferent an.
Bild: Geely Ltd.
Wobei sich dann die Lenkung ähnlich indifferent anfühlen dürfte wie im 02 – warten wir's ab. An der präzise geführten Hinterachse mit Einzelradaufhängung wird es kaum liegen, die passt. Der Wendekreis von zwölf Metern ist für ein D-Segment-SUV üblich und entspricht dem eines Kia Sorento.

Antrieb arbeitet geschliffen

Die Hybrideinheit aus Dreistufenautomatik und Elektromotor arbeitet geschliffen und ohne Gejaule. Den akkurat gefertigten Eindruck trübt bei unserer Fahrt ein schwer zu ortendes zischelndes Geräusch – wie gesagt, Vorserie. Der Nachteil eines solchen Doppelantrieb-Autos liegt in der Natur der Sache: Es ist mit über 2,1 Tonnen kein Leichtgewicht. Der etwas kleinere Mitsubishi Outlander ist ähnlich schwer.
Lynk & Co 08
Im Lynk & Co 08 arbeitet ein Vierzylinder-Turbobenziner mit 137 PS aus 1,5 Liter Hubraum. Der Elektro-Teil des Antriebs sitzt im Getriebe und ist stärker: 208 PS.
Bild: Geely Ltd.
Mehr noch als dieser ist der Lynk & Co ein halbes Elektroauto; sein Akku ist größer (knapp 40 kWh, zum Vergleich Mitsubishi: knapp 23 kWh). Der Chinese ist also elektrischer als der Japaner, leider auch teurer. Und: Der Lynk & Co hat nur Frontantrieb, der Mitsubishi Allrad. Trotzdem gut: die Zuglast von 1600 Kilogramm (wie Mitsubishi) und die Bodenfreiheit von 21 Zentimetern. Der Laderaum (540 bis 1254 Liter) fällt tief und breit, aber flach aus, bei hoher Ladekante (76 cm).

Preisliste beginnt bei 55.995 Euro

Darüber hinaus versuchte sich die Marke als Mobilitäts-Revolutionär, wollte ab 2020 mit dem Modell 01 das Auto-Abo bei uns etablieren – ein Versuch, der mit nur 68 Vertragsabschlüssen im Jahr 2024 als gescheitert zu betrachten ist.
Lynk & Co 08
Nicht unbedingt ein Schnäppchen: Für den 08 in der Basisversion Core ruft Lynk & Co mindestens 55.995 Euro auf.
Bild: Geely Ltd.
Der 08 wird ganz konventionell über ein gerade entstehendes Händlernetz verkauft. Ab 55.995 Euro (Basisversion Core), die feinere More-Version kostet ab 59.995 Euro. Ab Juni soll es losgehen, eine Allradversion will Lynk & Co nachreichen.

Fazit

Es lässt sich nicht übersehen: Die Chinesen werden stetig besser. Der nunmehr dritte Lynk & Co auf dem deutschen Markt wirkt innen klar wertiger als der 2024 erschienene Stromer 02, fährt sich angenehm – ein Preisbrecher ist er aber nicht.