Draußen steht mehr drauf als drinsteckt? Klarer Fall von Mogelpackung! Ginge es um Suppentüten oder Joghurtbecher, hätten die Verbraucherschützer längst Alarm geschlagen. Nur die Autoindustrie darf noch immer nach Herzenslust hochstapeln – und uns, wie Mercedes, einen 160er als 180er verkaufen. Schwamm drüber. Auch wenn Typziffer und Hubraum nicht zusammenpassen: Weniger ist manchmal mehr. So wie beim C 180. Um ihren Basis-Benziner noch stärker als bisher auf Sparsamkeit zu trimmen, haben die Stuttgarter Ingenieure alle Register gezogen: weiter abgespeckter Hubraum (minus 0,2 Liter), strahlgeführte Direkteinspritzung, Mehrfachzündung, reduzierte Reibung, Flügelzellen-Ölpumpe, Start-Stopp ...

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

VW Passat
Raumriese auf Oberklasse-Niveau: Beim Platzangebot schlägt der Passat die C-Klasse um Längen.
Der neue Vierzylinder mit der Kennung M274 soll ein echter Star unter den Sternen sein – und mit 5,8 Litern besonders wenig Sprit verbrauchen. Mal sehen, wie er sich gegen den Marktführer in der Mittelklasse schlägt – den 1.8-Turbo im VW Passat. Das Raum-Duell gegen den Passat verliert die C-Klasse schon mal. Und zwar haushoch. Den VW-Kofferraum könnte man untervermieten, 565 Liter Fassungsvermögen sind Rekord im Konkurrenzumfeld. Die C-Klasse bietet nur 475 Liter. Auch sonst ist der Passat ein Riese: Die Kniefreiheit auf den Rücksitzen übertrifft sogar die einer E-Klasse. Der C hingegen ist im Fond noch knapper geschnitten als ein Golf und mit seinen Mini-Sitzen eher ein 2+2-Limousinchen als ein ernst zu nehmender Fünfsitzer. Konzeptionell haben beide Autos schon ein paar Jahre auf dem Buckel – was allerdings nicht nur Nachteile hat. Klar: Das lahme RNS-510-Navi könnte VW aufs Altenteil schicken. Mit seinem fixen und leicht bedienbaren, leider noch teureren Comand-System zeigt der Mercedes, wo es langgeht.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes C-Klasse

Mercedes C-Klasse
Sparmeister: Der neue Basismotor der C-Klasse ist kräftig und in Sachen Spritkonsum bescheiden.
Zudem ist Bluetooth selbst beim Basis-C schon serienmäßig – VW dagegen scheint im Multimedia-Zeitalter noch nicht so richtig angekommen zu sein. Auch könnten die Wolfsburger den unteren Bereich des Cockpits endlich mal aufmöbeln – die Fingerkuppen ertasten hier schnödes Hartplastik. Ansonsten vermittelt der Passat aber einen ähnlich reifen Qualitätseindruck wie der Mercedes. Auch motortechnisch ist er auf der Höhe der Zeit, solange es um Leistung geht. Der 1.8er-Turbo hängt hellwach am Gas, dreht blitzartig hoch und läuft dabei verblüffend leise. Aber er verbraucht zu viel. 7,8 Liter waren es auf unserer Testrunde, 0,9 Liter mehr als angegeben. Auch der Mercedes verfehlt die Werksangabe deutlich. Zwischen Prospektwert und gemessenem Verbrauch (6,8 l/100 km) liegt bei der C-Klasse ein ganzer Liter. Genauso groß ist aber auch der Abstand zum VW. Pro 100 Kilometer spart der Benz 1,75 Euro. Das läppert sich. Und es wiegt umso schwerer, als der C 180 bei den Fahrleistungen vorn liegt.
Was Mercedes aus schmächtigen 1,6 Liter Hubraum herausholt, ist beeindruckend. Gefühlt traben hier mehr als 156 Pferdchen. Und auch wenn der C 180 einen Hauch verschlafener auf Gaspedalbefehle reagiert als der Passat und etwas stärker knurrt: Bei 250 Newtonmetern, die im gesamten praxisrelevanten Drehzahlband bereitstehen, ist allzeit mächtig Dampf im Kessel. Wer sich von so viel Power zu sportlicher Fahrweise angestachelt fühlt, kann in den Testkandidaten mächtig Spaß haben. Beim Mercedes ist es vor allem die Lenkung, die zum Lustgewinn führt: spielfrei, sauber definiertes Ansprechen, prima Feedback von der Fahrbahn. Auch fällt ins Gewicht, dass die Vorderachse hier – anders als beim VW – nur Lenk- und keine Antriebskräfte übertragen muss.
Allerdings arbeitet die C-Klasse stärker in den Federn als der Passat, der dank dreistufig verstellbarer Adaptivdämpfer (1100 Euro Aufpreis) auch auf Buckelpisten und in schnellen Wechselkurven stets die Ruhe selbst bleibt und damit einen klaren Vorsprung beim Federungskomfort herausfährt. Dass er den Test am Ende knapp gewinnt, liegt jedoch einzig und allein am Platz- und Preisvorteil. Bei Antrieb, Fahrdynamik und Verbrauch kann der VW die C-Klasse nicht schlagen. Sie fährt somit hier keineswegs als Verlierer vom Platz, sondern als starker zweiter Sieger – vor allem dank ihrem rundum überzeugenden Motor.

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Wer mit Platz geizt und zugleich beim Preis hoch pokert, kann einen Passat nicht schlagen – Pech gehabt, Mercedes. Die C-Klasse wird hier nur Zweiter, obwohl einem bei ihrem neuen Einstiegsbenziner glatt der Hut von der Ablage fliegt. Kraftausbeute und Verbrauch sind beim C 180 eine Wucht. Und führen zu einer doppelten Erkenntnis. Erstens: "Basis" steht inzwischen selbst "beim Daimler" nicht mehr für Verzicht. Und zweitens: Alles, was an Motoren darüber kommt, verdient bereits den Namen Luxus.