Was soll das? Jetzt bitte nicht wutentbrannt wegklicken. Dann würden Sie ja nie erfahren, warum wir ausgerechnet den Skoda Superb gegen die brandneue Mercedes E-Klasse antreten lassen. Ja, Skoda gegen Mercedes. Hier geht’s um den Basis-Benz, einen 200 mit 184 PS. Gibt’s ab 45.303 Euro. Der Skoda Superb 1.8 TSI DSG hat 180 PS und startet bei 32.590 Euro – knapp 13.000 Euro weniger! In der für diesen Test relevanten Ausstattung klaffen sogar gut 16.000 Euro Preisunterschied. Kurz nachrechnen. Fürs gesparte Geld gäbe es noch einen Skoda Fabia für die Tochter. Und eins vorweg: Es wird 'ne knappe Kiste!

Das Cockpit der E-Klasse ist ganz großes Breitbild-Kino

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Video: Skoda Superb vs Mercedes E-Klasse (2016)

Vernunft gegen Luxus

Werfen wir einen Blick in die neue E-Klasse und schnuppern am Luxus: Für die einen ist es ein voll digitales Cockpit, für die anderen das längste iPad der Welt! AUTO BILD hat nachgemessen: Der Glas-Monitor im Armaturenträger der E-Klasse ist 71,4 cm lang und 14,8 cm hoch und besteht aus zwei Teilen: Das Widescreen Cockpit (1012 Euro) zeigt Tacho und Drehzahlmesser digital an. Gibt es aber nur in Verbindung mit dem Navi Comand Online (3273 Euro). Wie der neue Super-Benz ohne dieses Multimedia-Chichi wirkt, sehen wir vermutlich erst, wenn wir demnächst mal verhaftet werden (Hamburgs Polizei fährt E-Klasse) oder ein Taxi ordern. Das Multimedia-Bauteil im Superb steckt im Doppel-DIN-Schacht und stammt aus dem VW-Regal: Das große Navi Columbus mit dynamischer Routenführung gibt’s je nach Ausstattung schon für 1790 Euro, wir kennen es in der Art aus Golf und Passat. Im Vergleich zum Mercedes Karo einfach, aber selbsterklärend.
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Beim Platzangebot ist der Superb nicht zu schlagen

Skoda Superb 1.8 TSI DSG
Raumriese: Obwohl der Superb sechs Zentimeter kürzer ist als die E-Klasse, hat er überall mehr Platz.
Oder anders: Wenn Multimedia im Superb so leicht funktioniert wie ein Herd mit vier Knöpfen, ist das Teil im Benz wie ein Induktionsherd mit Touchscreen: Irgendwann hast du's drauf, bis dahin musst du üben, üben, üben! Wo wir gerade bei den Feinheiten waren: Auf 16 Seiten erklärt uns Skoda die Preise. Mercedes braucht dafür 64 Seiten. Klar, gibt ja auch viel mehr. Digital-Cockpit? LED-Licht? Head-up-Display? Hat Skoda nicht. Wohl aber der neue Benz. Und sonst so? Der Mercedes ist 4,92 Meter lang, der Skoda 4,86 Meter. Dass der Passat-Klon trotzdem das Karosserie-Kapitel gewinnt, liegt an seiner inneren Größe: Hinten können wir die Beine übereinanderschlagen, sitzen entspannt wie in einer S-Klasse, der Kofferraum schluckt dank der großen Heckklappe und der umlegbaren Rückbank 625 bis 1760 Liter. Während in den Skoda ein Fahrrad passt, gehen in den Mercedes-Kofferraum bei aufrechter Sitzlehne nur 540 Liter.
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Spannen wir Sie nicht lange auf die Folter, die Frage aller Fragen hat eine klare Antwort: Ja, der kleine Benziner im E 200 reicht völlig. Und nicht nur das: Er macht sogar Spaß! Okay, er läuft rau, der 1.8er im Skoda klingt eher wie eine Turbine, aber mit 240 km/h Spitze ist der Benz gut unterwegs (Skoda: 232), vor allem dank serienmäßiger Automatik – handgeschaltet gibt’s die E-Klasse nicht mehr. Der Neunstufenautomat arbeitet flott, wobei der neunte Gang fürs Spritsparen ist: Erst ab 110 km/h konnten wir ihn einlegen, bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit dreht der Motor dann ganz easy mit 1800 Touren. Macht sich bemerkbar beim Verbrauch: 7,0 Liter Super und somit 0,5 Liter weniger als im Skoda – obwohl der Mercedes 206 Kilo mehr wiegt!

Die Qualitäten des Skoda reichen am Ende nicht zum Sieg

Vergleich Mercedes E 200 Skoda Superb 1.8 TSI DSG
Ganz knappe Kiste: Am Ende unterliegt der Superb der E-Klasse mit gerade einmal zwei Punkten.
Nicht nur das Kapitel Antrieb geht an die E-Klasse, auch beim Komfort liegt er vorn. Wenn wir dem Skoda die Bundesliga zutrauen, dann spielt das neue E in der Champions League. Auf der AUTO BILD-Vergleichsstrecke, der miesesten Piste Deutschlands mit Bodenwellen, Schlaglöchern und Kopfsteinpflaster, hat der Mercedes nur Problemchen mit kurzen Wellen, alles andere schluckt die Luftfederung weg (Aufpreis: 2261 Euro). Damit bietet die E-Klasse souveränen Komfort, die bessere Lenkung ohne Einflüsse wegen Hinterradantriebs, die angenehmeren Sitze, und dank Doppelglas herrscht auch Ruhe im Karton! Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Skoda federt ordentlich, erst recht mit dem Verstellfahrwerk DCC (940 Euro). Aber wenn wir von der E-Klasse in den Superb umsteigen, ist das ein Klassenunterschied, sowohl beim Fahren als auch beim Fühlen. Und das gilt eben auch an der Kasse: Der Mercedes-Testwagen in der Ausstattung "Volle Hütte" kostet unfassbare 80.521,35 Euro, der Skoda ist mit 45.740 Euro fast schon ein Schnäppchen, bleibt aber ein Skoda mit Technik aus dem Golf-Baukasten.
In unserem Vergleich haben wir die für den Test relevante Ausstattung bewertet: Mercedes 54.920 Euro, Skoda 38.910 Euro. Weil der Superb größer ist und dabei vieeeel billiger, hätte er fast gewonnen. Aber nur fast, denn der neue Benz ist echt superb.

Fazit

Mittelklasse gegen Oberklasse: In diesem Fall ist das (fast) ein Duell auf Augenhöhe. Der Mercedes ist feiner, ein Hightech-Auto mit wahnsinnigem Komfort. Aber der Superb kostet im Test 16.000 Euro weniger, hat zudem viel mehr Platz. Der Skoda ist echt gut, der neue Benz eine Klasse besser.