Muscle-Cars im Test
High Noon

V8 gegen V8, 5,4 gegen 6,1 Liter Hubraum, 507 gegen 431 PS – Ford Shelby GT500 und Dodge Challenger SRT8 schießen mit höllisch scharfer Munition. Welcher der beiden ballerfreudigen Pistoleros aus Übersee zieht schneller?
Bild: Lena Barthelmeß
Zwei Kandidaten stehen zur Wahl. Nur einer kann gewinnen. Und die ganze Welt schaut zu. Sie heißen nicht McCain und Obama, sondern Ford Shelby und Dodge Challenger. Sie versprechen keine bessere Welt, aber sie haben sich mehr Fahrspaß auf die Fahnen geschrieben. Die Kontrahenten präsentieren sich im strahlendsten Licht. Mittels kraftstrotzender Silhouetten gelingt ihnen der Brückenschlag zwischen gestern und heute: Das Duo wirkt taufrisch – obwohl es unverhohlen altehrwürdige Vorbilder zitiert. Der Dodge interpretiert den Challenger R/T neu. Mit optionalem Hemi-Motor leistete dieser schon 1969 425 Horsepower. Ford beruft sich mit dem Shelby GT 500 auf das gleichnamige Big-Block-Monster GT 500 von 1967. Wie damals, basiert auch der aktuelle Shelby auf dem Volkssportwagen schlechthin – dem Mustang. Tuner Shelby und die Ford-eigene Performance-Abteilung SVT verleihen der Schale neue Vitalität – mit Schlangenstickern rundum und einem gefräßigen Schlund. Zusätzlich interveniert Importeur Geiger, mit Sportauspuff, Heckschürze und neuen Rädern.
Dodge hat die Form der Studie für die Serie übernommen

Der Achtzylinder im Shelby GT500 kann die Erwartungen nicht erfüllen

Das Tier röhrt nicht nur bedrohlich, es hat auch außergewöhnliche Kräfte: Das 6,1-Liter-Hemi-Monster markiert definitiv eines des besten Aggregate der V8-Zunft. Mit schier unglaublichem Durchzugsvermögen lässt er neumodische Hochdrehzahlkonzepte reichlich überflüssig erscheinen. Nur gelegentliche Ruckler der Automatik stören die Glückseligkeit. So kraftvoll sich der Challenger anfühlt: In der Beschleunigung bis 200 km/h hinkt er dem Shelby hinterher. Erst im Anschluss kann er den Gegner trotz 76 PS Minderleistung in die Knie zwingen: Während der Ford bis 250 km/h 38,1 Sekunden benötigt, braucht der Dodge nur 34,7 Sekunden. Zudem rennt er deutlich schneller: Erst bei 275 km/h kapituliert der Ami. Dieses Tempo fährt sich viel entspannter als gedacht: Das alte E-Klasse-Fahrwerk funktioniert hervorragend: Entspannt sitzt der Fahrer am Volant. Komfortabel gebettet, hat er nie das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, muss nur selten am Steuer korrigieren. Und weiß im Fall der Fälle eine enorm standfeste Brembo-Bremsanlage auf seiner Seite.
Im Challenger badet man in anerkennenden Blicken

Kommen wir zu einem der wichtigsten Aspekte im Wahlprogramm der beiden Wettbewerber: der amerikanischen Wirtschaftskrise. Die hat mit zunehmender Dramatik immer größere Auswirkungen auf die Preisgestaltung der beiden Fahrzeuge. Reduzierte Einkaufspreise in den USA machen den zwischenzeitlich gestiegenen Dollarkurs wett. So kostet der Challenger bei Geiger nur noch 53.000 Euro – vor Kurzem musste der US-Car-Dealer noch fast 58.000 Euro verlangen. Ford schwankt weniger: Der Shelby-Preis liegt bei stabilen 54.000 Euro. Für derlei überschaubare Summen gibt es bei Dodge und Ford nicht nur viel Auto und Motor, sondern auch eine komplette Ausstattung. Aufpreispflichtige Extras muss man mit der Lupe suchen. Wer bei Geiger ein Fahrzeug ordert, bekommt übrigens ein komplett zulassungsfähiges Auto. Alle nötigen Umbauten sind vom Münchner Händler bereits durchgeführt – inklusive einer Umrüstung des deutschen Normen nicht genügenden US-Xenon-Lichts auf Halogenscheinwerfer. Die beiden Kandidaten haben also die nötigen Argumente, um auch bei deutschen Wählern eine Menge Stimmen abzugreifen.
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