Zwei Kandidaten stehen zur Wahl. Nur einer kann gewinnen. Und die ganze Welt schaut zu. Sie heißen nicht McCain und Obama, sondern Ford Shelby und Dodge Challenger. Sie versprechen keine bessere Welt, aber sie haben sich mehr Fahrspaß auf die Fahnen geschrieben. Die Kontrahenten präsentieren sich im strahlendsten Licht. Mittels kraftstrotzender Silhouetten gelingt ihnen der Brückenschlag zwischen gestern und heute: Das Duo wirkt taufrisch – obwohl es unverhohlen altehrwürdige Vorbilder zitiert. Der Dodge interpretiert den Challenger R/T neu. Mit optionalem Hemi-Motor leistete dieser schon 1969 425 Horsepower. Ford beruft sich mit dem Shelby GT 500 auf das gleichnamige Big-Block-Monster GT 500 von 1967. Wie damals, basiert auch der aktuelle Shelby auf dem Volkssportwagen schlechthin – dem Mustang. Tuner Shelby und die Ford-eigene Performance-Abteilung SVT verleihen der Schale neue Vitalität – mit Schlangenstickern rundum und einem gefräßigen Schlund. Zusätzlich interveniert Importeur Geiger, mit Sportauspuff, Heckschürze und neuen Rädern.

Dodge hat die Form der Studie für die Serie übernommen

Wirkt aus jeder Perspektive formvollendet: der Dodge Challenger SRT8.
Die Dodge-Form ist ungetunt und unverbraucht. 2006 als Concept-Car vorgestellt, rollt sie seit Kurzem regulär über amerikanische Straßen. Wer die Hüllen von Studie und Serienfahrzeug vergleicht, stellt verblüfft fest: Es hat sich praktisch nichts verändert. Das Auto wirkt aus jeder Perspektive so formvollendet, dass wir ihm spontan das Label Designikone" ans Blechrevers heften. Die Unterschiede zur aufgestylten Studie offenbart erst ein Blick in den Innenraum. Der präsentiert sich in typisch amerikanischer Tradition recht schlicht. Zudem funktioniert das Navi nur in den USA. Trotzdem recken wir den Daumen nach oben: Übersichtlichkeit und Raumgefühl sind spitze, die Verarbeitung stimmt ebenfalls. Das ausreichend tief montierte Sportgestühl punktet mit einer selten erlebten Kombination aus Bequemlichkeit und Seitenhalt. Dem Ford-Interieur gelingt es nicht, zu überzeugen. Oder anders formuliert: Der Innenraum des Shelby dürfte so ziemlich das Unansehnlichste sein, was in dieser PS-Klasse zu bekommen ist. Wer den Schlüssel in der Hand hält, registriert dergleichen kaum. Fiebert er doch dem Moment entgegen, in dem er der Schlange endlich Leben einhauchen darf.

Der Achtzylinder im Shelby GT500 kann die Erwartungen nicht erfüllen

Enttäuschend: Der V8 hält nicht ganz das, was die aufregende Ford-Hülle verspricht.
Die scheint sich auf deutschem Boden noch nicht so ganz heimisch zu fühlen, spielt der Motor doch in der Tonlage "ungehalten". Mit Hilfe eines Roots-Kompressors soll die Maschine 507 PS mobilisieren. Ihr Vierventil-Zylinderkopf stammt vom Ford GT – Anlass zu hohen Erwartungen. Die der V8 aber nicht erfüllt: Er kommt nicht aus dem Quark. Mit steigendem Drehzahlniveau wartet die Besatzung freudig erregt auf die Initialzündung. Darauf, dass die Hinterköpfe ihre Konturen endlich in die Kopfstützen stempeln. Und was passiert? Nichts Nennenswertes – so sehr sich der Steuermann auch mit schwergängiger Kupplung und ebensolcher Schaltung abmüht. Die Messwerte sprechen eine deutliche Sprache: 17,1 Sekunden dauert der 0-auf-200-km/h-Sprint. Gegner wie Corvette Z06 oder Porsche 911 Turbo benötigen dafür um die 12 Sekunden. Auch die Höchstgeschwindigkeit vermag kaum zu beeindrucken: Bei 251 km/h regelt der Shelby ab. Der Dodge präsentiert sich stimmiger: Bereits mit der ersten Kurbelwellenumdrehung erobert er die Herzen im Sturm. Nicht übertrieben laut, röchelt der V8 bereits im Stand so verheißungsvoll, dass sämtliche USA-Ressentiments schlagartig vergessen sind. Und man urplötzlich Heißhunger auf Hamburger, Cola und Pamela Anderson bekommt.
Das Tier röhrt nicht nur bedrohlich, es hat auch außergewöhnliche Kräfte: Das 6,1-Liter-Hemi-Monster markiert definitiv eines des besten Aggregate der V8-Zunft. Mit schier unglaublichem Durchzugsvermögen lässt er neumodische Hochdrehzahlkonzepte reichlich überflüssig erscheinen. Nur gelegentliche Ruckler der Automatik stören die Glückseligkeit. So kraftvoll sich der Challenger anfühlt: In der Beschleunigung bis 200 km/h hinkt er dem Shelby hinterher. Erst im Anschluss kann er den Gegner trotz 76 PS Minderleistung in die Knie zwingen: Während der Ford bis 250 km/h 38,1 Sekunden benötigt, braucht der Dodge nur 34,7 Sekunden. Zudem rennt er deutlich schneller: Erst bei 275 km/h kapituliert der Ami. Dieses Tempo fährt sich viel entspannter als gedacht: Das alte E-Klasse-Fahrwerk funktioniert hervorragend: Entspannt sitzt der Fahrer am Volant. Komfortabel gebettet, hat er nie das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, muss nur selten am Steuer korrigieren. Und weiß im Fall der Fälle eine enorm standfeste Brembo-Bremsanlage auf seiner Seite.

Im Challenger badet man in anerkennenden Blicken

Ansichtssache: Der Dodge Challenger SRT8 gefällt, der Ford Shelby GT500 provoziert.
Natürlich kann das Auto Größe und Gewicht nicht verhehlen. Verbissene Kurvenfeilerei vergeht dem Fahrer aber ohnehin schnell. Stattdessen genießt er tiefenentspannt seine Rolle als King of the Road. Durch die abgehobenen Dimensionen und das unglaublich gute Aussehen des Dodge genießt man einen Sonderstatus auf deutschen Straßen – badet in anerkennenden Blicken, denen jeder Neid fremd ist. Ganz anders ergeht es einem im Shelby. Dessen böser Blick samt tief kauernder Statur scheint selbst Chevrolet-Matiz-Fahrer zu provozieren, an der Ampel maximale Gegenwehr zu leisten. Aber auch ernst zu nehmende Kontrahenten haben kaum eine Chance: Denn der Ford ist durchaus flott – nicht zuletzt aufgrund des nachträglich montierten Knüppelfahrwerks. Ein zügiger Fahrstil setzt allerdings eine versierte Hand voraus: Hat der 507-PS-Brecher – anders als der Dodge – doch kein ESP. Dennoch legt er keinerlei Tücke an den Tag – dank seiner beherrschten Kraftentfaltung gestaltet sich jegliches Querfahren stets kontrollierbar.
Kommen wir zu einem der wichtigsten Aspekte im Wahlprogramm der beiden Wettbewerber: der amerikanischen Wirtschaftskrise. Die hat mit zunehmender Dramatik immer größere Auswirkungen auf die Preisgestaltung der beiden Fahrzeuge. Reduzierte Einkaufspreise in den USA machen den zwischenzeitlich gestiegenen Dollarkurs wett. So kostet der Challenger bei Geiger nur noch 53.000 Euro – vor Kurzem musste der US-Car-Dealer noch fast 58.000 Euro verlangen. Ford schwankt weniger: Der Shelby-Preis liegt bei stabilen 54.000 Euro. Für derlei überschaubare Summen gibt es bei Dodge und Ford nicht nur viel Auto und Motor, sondern auch eine komplette Ausstattung. Aufpreispflichtige Extras muss man mit der Lupe suchen. Wer bei Geiger ein Fahrzeug ordert, bekommt übrigens ein komplett zulassungsfähiges Auto. Alle nötigen Umbauten sind vom Münchner Händler bereits durchgeführt – inklusive einer Umrüstung des deutschen Normen nicht genügenden US-Xenon-Lichts auf Halogenscheinwerfer. Die beiden Kandidaten haben also die nötigen Argumente, um auch bei deutschen Wählern eine Menge Stimmen abzugreifen.